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Master-Review:   » drucken    » versenden

GoldenEye: Rogue Agent

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 20.12.2004
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Trotz passabler Optik und annehmbarer Shooter-Kost kann EAs Produkt nur bedingt überzeugen - von einem prunkvollen N64-Nachfolger ganz zu schweigen.

Pistole weg, ich bin schneller: Sechs Jahre ist es inzwischen her, als James Bond, seines Zeichens Geheimagent und Frauenverführer, in Rares sensationeller N64-Ouvertüre GoldenEye 007 die Herzen vieler FPS-Liebhaber unaufhaltsam zum Schmelzen brachte. Nachdem in diesem Frühjahr bekannt wurde, dass sich ein Nachfolger in der Entwicklung befindet, geriet die Fangemeinde wiederholt in überschwengliche Ekstase. Mit GoldenEye: Rogue Agent trachtet Electronic Arts nun danach, den Dauerbrenner mit einer geeigneten Fortsetzung auf der aktuellen Konsolen-Generation zu entthronen. Zweifellos ein heikler Plan, der aber ohne Kultfigur James Bond aufgehen soll. Wir möchten euch nicht länger auf die Folter spannen und zeigen in unserem fundierten Master-Review, ob sich der actionorientierte Titel den klangvollen Zusatz GoldenEye tatsächlich verdient hat.

The time is ripe to begin afresh
Wechsel der Fronten: Während ihr in GoldenEye 007 noch mit James Bond höchstpersönlich auf packende Verbrecherjagd gegangen seid, nehmt ihr in
» Action soweit das Auge reicht.
GoldenEye: Rogue Agent euren Platz justament auf der dunklen Seite ein, um Erzhalunken Dr. No bei seinem weltweiten Zerstörungsakt dazwischen zu funken. In der Rolle eines motivierten Agenten führt ihr im primären Spielverlauf zahlreiche Aufträge des wohlbekannten Oberganoven Auric Goldfinger aus. In Anbetracht des vorgeschichtlichen Parts werden sich eingefleischte 007-Fans zu Recht fragen, was denn aus der markanten Bond-Atmosphäre geworden ist. Doch da es sich bei Rogue Agent um eine unverblümte GoldenEye-Fortsetzung handelt, kehrten die Entwickler zumindest in einigen Gameplay-Belangen unbefangen an die Wurzeln zurück. Infolgedessen ist z.B. die geschätzte First-Person-Ansicht auch diesmal integriert und verleiht dem Titel immerhin auf den ersten Blick das Flair des Vorgängers. Fernerhin wurde das Gameplay jedoch auch erneuert: Demzufolge könnt ihr euch neuerdings auf die Schusskraft zweier Handwaffen verlassen, um sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand auftauchende Gegnerscharen effektvoll auszulöschen. Ebenso mit von der Partie ist der regenerierbare Schutzanzug, der euch das Einsammeln von unentbehrlichen Powerups erspart, aber - wie schon das Dual-Waffen-System - offenkundig an Bungies Halo 2 erinnert.

My sight is very poor
Dennoch zeigt sich die neue GoldenEye-Fortsetzung durchdacht und kann vor allem mit einem ausgefallenen Spielelement aufwarten. Wie schon der Titel erahnen lässt,
» Lust auf eine Flugeinlage?
habt ihr im wahrsten Sinne des Wortes ein variierendes Auge und seid somit in der Lage, diverse Spezialfähigkeiten per Tastendruck in das Spielgeschehen einfließen zu lassen. Dadurch könnt ihr z.B. via Röntgenblick durch Türen, Mauern oder Kisten blicken, um zielgerichtet aus dem Hinterhalt anzugreifen. Im späteren Verlauf lässt sich sogar ein optimiertes Schutzschild aufbauen, dass den Feuersturm eurer Widersacher für eine kurze Zeitspanne abmildert. Doch im Gesamten macht ihr vom neuen Eye-Feature nur in den seltensten Fällen Gebrauch, was unbestritten nicht am Spieler, sondern deutlich an der fragwürdigen Umsetzung liegt. Indessen lässt sich auch bei der spielerischen Seite ein eigenartiger Charakter nicht abstreiten. Daher präsentiert sich die gebotene Missionskost fortwährend linear und gibt euch kaum einen Hauch von Freiheit.

Apropos Missionen: Zwar werden euch als Vorspeise viele berühmte Filmschauplätze wie z.B. Fort Knox, Hongkong oder gar Dr. Nos Zentrale aufgetischt, im Endeffekt kann der aus acht Episoden bestehende Hauptgang aber nur bedingt überzeugen. Die Gründe sind offensichtlich: Unabhängig davon, auf welcher Stufe des variablen Schwierigkeitsgrads ihr zu Werke geht, entpuppen sich die Verhaltensweisen eurer Gegner unentwegt anspruchslos. Vor allem das groß angekündigte E.V.I.L.-KI-Modul leidet vehement unter diesem Umstand. Keine Spur von intensiver, unvorhersehbarer oder gar realistischer FPS-Kost. Stattdessen profitiert ihr pausenlos vom fehlendem Gehirnschmalz eurer Kontrahenten und ballert euch fast schon leidenschaftslos durch die simpel aufgebauten Missionen.

A pair of gold scales
Durchgehend ansehnlicher gibt sich hingegen das gebotene Waffenarsenal, das euch eine ansehnliche Mischung an Colts, Schnellfeuergewehren oder Spezialwaffen auftafelt. Zudem
» Die Optik kann überzeugen.
könnt ihr euren Rivalen bei Bedarf mit durchschlagkräftigen Granaten zusetzen - ein nicht zu unterschätzendes Mittel, um gleich mehrere Schergen in einem Zug erfolgreich zu liquidieren. Darüber hinaus lassen sich geistesabwesende Feinde auch von hinten festhalten und anschließend als lebendiger Schutzschild im Feuerhagel missbrauchen. Freilich werten all diese Faktoren das Gamplay deutlich auf, im direkten Vergleich zum glanzvollen Vorgänger muss sich GoldenEye: Rogue Agent auf Einzelspieler-Pfaden jedoch definitiv geschlagen geben.

Doch wie steht es um die Multiplayer-Komponente? Auf lokaler Ebene werden euch die Spieltypen Deatchmatch, Domination, Capture the Flag und Countdown angeboten. Bis zu vier Spielernaturen können sich via Spiltscreen ununterbrochen die Feuersalven um die Ohren hauen. Über einen praktikablen Online-Modus verfügt die PlayStation 2-Fassung bedauerlicherweise nicht - abermals blicken erwartungsvolle Online-Spieler unbefriedigt aus der Wäsche. Nichtsdestotrotz sorgt der zugrunde liegende Mehrspieler-Modus durch das geradlinige Spielprinzip für einige spaßige Spielstunden, auch wenn das Flair des ideenreichen Vorreiters zu keinem Zeitpunkt erreicht werden kann.


Grafik
Die grafische Qualität kann bei der Gesamtbetrachtung ohne jeden Zweifel überzeugen und wartet mit überdurchschnittlichen Umgebungsgrafiken, einer Vielzahl an hochwertigen Effekten sowie verschiedenartigen Texturen auf. Vor allem die Framerate zeigt sich fortwährend von einer beachtenswerten Seite und serviert euch das Spielgeschehen stets ruckelfrei. Die gezeigten Render-Videos, die den Verlauf zwischen den einzelnen Missionen auslegen, demonstrieren bedingt durch die niedrige Auflösung jedoch einige Schwächen. Dessen ungeachtet spiegeln die gegebenen Charaktermodelle sowie die dazugehörigen Animationen den beachtlichen Leistungsstand der Entwickler wieder.

Sound
In punkto Akustik tönt hingegen nur standardisierte Kost aus den Boxen. Der integrierte Soundtrack hält zwar eine beschauliche Anzahl an Musikstücken in der Hinterhand, prägnante Glanzpunkte in allseits bekannter James Bond-Manier kann die hörbare Ansammlung dennoch nicht setzen. Zweifelsohne stimmiger geben sich die deutsche Synchronisation und die klangvollen Soundeffekte, die das Erhöhen der Lautstärke fraglos erlauben. Wer demzufolge schon immer einmal herausfinden wollte, wie ein explodierender Hubschrauber das eigene Trommelfell in Anspruch nehmen kann, wird hier unstreitig fündig.

Spielspaß Solo
Wenngleich das Wiedersehen mit alten Bekannten wie z.B. Oddjob, Dr. No, Goldfinger, Pussy Galore oder Xenia Onatopp seinen Reiz hat, hinterlässt GoldenEye: Rogue Agent einen recht faden Beigeschmack. Aber der Reihe nach: Das neue Dual-Waffen-System, der wiederherstellbare Schutzanzug und das Eye-Feature fügen sich sicherlich passabel in das Spielprinzip ein, trotzdem wird das markante GoldenEye-Gameplay an vielen Ecken und Enden schmerzlich vermisst. Im Grunde genommen habt ihr den Titel im Zeitraum eines längeren Nachmittags durchgespielt, was sich ungemein auf Atmosphäre, Stimmung und Spielspaß auswirkt. Dazu gesellt sich ein konsequent lineares Levelsystem, das euch erstaunlich wenig Grips abverlangt. Wer auf Einzelspieler-Wegen natürlich nach einem unkomplizierten First-Person-Shooter Ausschau hält, wird seinen Spaß haben - wenn auch nicht allzu lang.

Spielspaß Multi
Leider ist Electronic Arts - warum auch immer - nicht auf den Zug aufgesprungen und lässt durch den fehlenden Online-Support überwiegend Spielernaturen mit Hang zu ausgeprägten Online-Matches im kalten Regen stehen. Diejenigen, die sich jedoch zeitweise mit ein paar Freunden das ein oder andere Match an der PlayStation 2 liefern möchten, werden durch die Fülle an Spielmodi nicht enttäuscht. Dem ungeachtet muss betont werden, dass es sich hier nur um kurzzeitigen Spielspaß handelt – ein grandioser Mehrspieler-Part wird dahingehend leider vergeblich gesucht.
Pro
Ansehnliche Optik
Ansprechende Gameplay-Elemente
Stimmige Präsentation
Contra
Lineares Leveldesign
Merkwürdige Gegner-KI
Kurze Spieldauer
Kein Online-Support
Leidenschaftsloser Soundtrack
Fazit
Warum die Welt retten, wenn man sie beherrschen kann? So propagierte Electronic Arts den Nachfolger zum glorreichen N64-Dauerbrenner GoldenEye 007 in unseren Gefilden. Keine Frage: GoldenEye: Rogue Agent bietet euch das bekannte James Bond-Szenario und wartet zudem mit einer gelungenen Optik und stimmigen Gameplay-Elementen auf. Davon abgesehen verbirgt sich hinter der berühmten Fassade jedoch nur ein einspuriger Ego-Shooter, der völlig glanzlos nicht mehr als altbekannte Spielelemente herunterspult. Die größten spielerischen Ungereimtheiten stellen dabei die geradlinigen Missionen, die skurrile Gegner-KI und das abstumpfende Spielprinzip dar. Darüber hinaus trägt die enorm kurze Spieldauer dazu bei, dass PS2-Besitzer mit Vorliebe für tiefgründige Bildschirmabenteuer bereits nach kurzer Zeit enttäuscht dreinblicken werden. Kurzum: Wer auf die James Bond-Thematik steht und sich nicht gegen konventionelle FPS-Spielkost sträubt, kann sich den Titel gewiß zu Gemüte führen. Dabei sei euch indessen nicht vorenthalten, dass für das gleiche Weihnachtsgeld bessere Produkte beim Händler eures Vertrauens vorzufinden sind.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Ego-Shooter
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Games
Website
www.electronic-...
Release
03. Dezember 2004
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