![]() |
![]() |
|
|
|
Mortal Kombat – einer der berüchtigtsten Namen in der Spieleindustrie. Wer hätte anno 1993 gedacht, dass die hauptsächlich durch exzessive Gewaltdarstellung auffallende Serie über ein Jahrzehnt später noch immer existieren würde? Dabei ist existieren sogar der falsche Ausdruck: Mit dem 2002 veröffentlichten Mortal Kombat: Deadly Alliance schlug die Beat’em Up-Reihe neue Wege ein und wurde von der Fangemeinde aufgrund der komplexen neuen Fighting-Engine das erste Mal als ernstzunehmendes Prügelspiel angesehen, das durchaus mit der Konkurrenz von Namco und Sega mithalten konnte. Der kürzlich erschienene Nachfolger, Mortal Kombat: Deception, hält natürlich an der erfolgreichen Formel fest, kann sich aber vielmehr durch einen gewaltigen Umfang auszeichnen, der im Prügel-Genre alles Bisherige in den Schatten stellt. Mehr dazu im folgenden Master-Review.
Mortal Kombat: Deception bietet insgesamt 24 zum Großteil bereits bekannte Charaktere, wobei anfangs nur die Hälfte verfügbar ist – den Rest müsst ihr euch erst freispielen. Die Kämpferriege unterscheidet sich stark vom Vorgänger und weist neben einigen Neuzugängen auch ältere, bereits totgeglaubte Protagonisten auf, wie zum Beispiel Mileena, Kabal und Nightwolf. Die beiden Urgesteine Scorpion und Sub-Zero sind selbstverständlich wieder mit von der Partie – ohne die beiden geht’s einfach nicht. Auch Raiden-Fans müssen nicht verzagen, ein Gott ist nun mal nicht so ohne weiteres ins Jenseits zu befördern. Getreu dem Motto If it ain’t broken, don’t fix it wurde die aus Deadly Alliance bekannte Fighting-Engine nur in Details verändert. Nach wie vor besitzt jeder Charakter drei verschiedene Kampfstile, die nach Belieben durchgeschaltet werden können, wobei einer dieser Stile wie gehabt auf einer Waffe basiert. Kombos und Special Moves funktionieren so wie im Vorgänger und gehen mit etwas Übung leicht von der Hand. Die einzige wirkliche Neuerung im Kampfablauf stellen die sogenannten Combo Breaker dar. Wie der Name schon verrät, könnt ihr durch deren Einsatz die Kombos eures Gegners jederzeit unterbrechen. Die Anwendung ist verhältnismäßig einfach (Blocken und Richtungstaste), dafür verursachen sie aber auch keinen Schaden an eurem Gegenüber und ihr seid außerdem auf drei Breaker pro Kampf limitiert.
Neu hinzugekommen sind die sogenannten Hara Kiris. Durch die Eingabe der richtigen Tastenfolge könnt ihr als Verlierer der drohenden Fatality-Schmach entgehen und euch selbst massakrieren. Bonuspunkte gibt’s zwar nicht dafür, witzig ist es aber allemal. Da dürften die Entwickler von Midway wohl etwas zu tief ins Glas geschaut haben… Die Kampfarenen spielen in MK: Deception eine größere Rolle als im Vorgänger. Einige Stages verfügen ähnlich wie in den Dead or Alive-Titeln über mehrere Ebenen. Darüber hinaus habt ihr auch die Möglichkeit, den Kampf in bestimmten Arenen durch ein Ring-Out vorzeitig zu beenden – wobei diese Ring-Outs natürlich der Thematik angemessen in Szene gesetzt wurden. Einmal warten Stacheln auf ein unglückliches Opfer, dann wieder Säure-Pools – MK: Deception bietet euren Charakteren überaus zahlreiche Möglichkeiten für ein vorzeitiges Ableben. Falls diese Nettigkeiten aber an euren Nerven zehren sollten, dürft ihr sie im Optionsmenü auch abschalten. Neben dem Genre-typischen Arcade-Modus bietet Mortal Kombat: Deception einige andere Spielmodi, die teilweise rein gar nichts mit einem Beat’em Up am Hut haben. Der Konquest-Mode ist neben dem normalen Kampfmodus der Haupt-bestandteil des Spiels. Hier erwartet euch ein reinrassiges 3rd-Person Adventure, in dem ihr den angehenden Krieger Shujinko steuert,
Auf der anderen Seite stehen vor allem der extrem monotone Spielablauf, Defizite im Gameplay und die schwache technische Umsetzung. Grundsätzlich macht ihr nichts anderes als euch von Punkt A nach B zu bewegen, dort ein Tutorial bzw. einen Kampf zu absolvieren, und dann weiter im Text. Zwischen den Story-relevanten Punkten könnt ihr mit den Bewohnern des jeweiligen Ortes reden, was sehr häufig den Beginn einer Sidequest darstellt. Prinzipiell eine gute Idee, die praktisch aber an der Umsetzung scheitert. Die Entwickler hielten es offenbar nicht für notwendig, ein Quest-Log zu inkludieren. So könnt ihr keinerlei Informationen zu euren aktuellen Aufgaben abrufen; teilweise werdet ihr ob der Fülle der Quests und der Größe der Abschnitte einige eurer Missionen einfach vergessen. Wie sich euch bald offenbaren wird, ist das aber kein wirkliches Malheur, denn eure Belohnungen beschränken sich ausschließlich auf sogenannte Koins, mit denen ihr in der Krypt Extras freischalten könnt (der K-Witz wird übrigens auch nicht besser). Neben diesen Koins stoßt ihr während eurer Reisen immer wieder auf Schatztruhen, die zum Großteil auch nur die MK-Währung enthalten, manchmal jedoch Krypt-Keys, mit denen ihr die verschlossene Gräber öffnen könnt – wodurch ihr zumeist einen optionalen Charakter freischaltet. Zu allem Überfluss kann die technische Umsetzung des Konquest-Mode nur als mangelhaft bezeichnet werden. Die Engine des Spiels eignet sich ganz offensichtlich nicht für ausgedehnte Örtlichkeiten, und so müsst ihr euch mit kargen Texturen und detailarmen Figuren zufrieden geben. Nun, sagt ihr, dann spiel’ ich diesen Modus eben nicht! Aber natürlich gibt’s wie üblich einen Haken an der Sache. Zehn der zwölf optionalen Charaktere können nur über den Konquest-Mode freigeschaltet werden. Wollt ihr also auf die komplette Kämpferriege zugreifen (und wer will das nicht), müsst ihr euch wohl oder übel durch Shujinkos Abenteuer quälen. Mortal Kombat-Fans, die sich für die durchaus interessante Story der Serie interessieren, und Zocker mit einem ausgeprägten Sammeltrieb können dem Ganzen wohl noch etwas Positives abgewinnen, für alle anderen heißt die Devise: Augen zu und durch! Neben dem eher misslungenen Adventure-Part erwarten euch in MK: Deception noch zwei andere kurzweilige Minigames. Puzzle Kombat ist ein auf Tetris basierendes Geschicklichkeitsspiel, das seine Idee ganz offensichtlich von Capcoms Super Puzzle Fighter bezieht. Ein durchaus witziger Zeitvertreib, der vor allem gegen einen menschlichen Kontrahenten viel Spaß macht. Andere Publisher verkaufen so etwas inzwischen als Vollpreis-Spiel. Chess Kombat bietet euch eine Mischung aus Schach und dem Klassiker Archon. Treffen zwei Spielfiguren aufeinander, wird die Begegnung im MK-Stil ausgetragen, was bedeutet, dass ihr theoretisch auch mit eigentlich unterlegenen Charakteren gewinnen könnt – die Regeln werden etwas freier ausgelegt als im klassischen Schachspiel. Auch hier kommt durchaus Spielspaß auf, der aber von den ständigen Ladezeiten vor und nach den Kämpfen wieder etwas vermindert wird. Seinen schlussendlich größten Trumpf spielt MK: Deception im Multiplayer-Modus aus: Als erstes Beat’em Up kann der neue Mortal Kombat-Titel mit Online-Fähigkeit aufwarten. Die Funktionalität zeigt sich dabei denkbar einfach: Ihr erstellt einen Account, loggt euch ein, joint oder erstellt einen Game Room und fordert dann einen beliebigen Spieler zum Kampf - oder auch zum Puzzle bzw. Chess Kombat, die ebenfalls online spielbar sind. Eure Stats werden dabei genau festgehalten und konsequenterweise existieren auch Ranglisten für alle drei Spielmodi. Die Kämpfe selbst laufen überraschend lagfrei ab. Probleme zeigen sich nur nach längerer Spieldauer beim Charakter-Balancing: Einige Kämpfer sind doch deutlich stärker als die anderen - hier hätte Midway noch etwas nachbessern sollen. Wie oben bereits erwähnt, fällt die grafische Qualität im Konquest-Modus sehr stark ab, was vermutlich daran liegt, dass sich die Engine schlicht und einfach nicht für ausgedehnte Areale mit vielen Details eignet. Auch die Krypt verdient eine Erwähnung. Sie bietet euch wie schon im Vorgänger die Möglichkeit, unzählige Extras freizuschalten – genügend Koins vorausgesetzt, die wiederum hauptsächlich in Konquest erworben werden. Charaktere, Kostüme, Biographien, Stages, Movies, Musiktracks etc. – hier gibt’s wirklich alles, was das Herz begehrt. Noch nicht erwähnt wurde die Zeit, die ihr sowieso benötigt, um das Spiel richtig zu beherrschen, was bei einem Beat’em Up üblicherweise viele Stunden verschlingt. Ihr seht schon: MK: Deception bietet extrem viel Spiel fürs Geld. Selbstverständlich kann MK: Deception auch offline vollends überzeugen, schließlich liegt die Stärke von Prügelspielen seit jeher im Mehrspielermodus. Mit Puzzle Kombat und Chess Kombat wird euch darüber hinaus noch genug Abwechslung vom Prügelalltag geboten, um den Titel dauerhaft interessant zu machen. Für Multiplayer-Fans mit einem Faible für Beat’em Ups führt definitiv kein Weg am neuen Mortal Kombat vorbei.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||