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Call of Duty: Finest Hour

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 31.12.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Finest Hour wird seinem klangvollen Namen gerecht - ein begnadeter Titel.

Wenn am heimischen Bildschirm unermesslich Gewehre abgefeuert werden und Bomben wie Hagelkörner vom Himmel fallen, dann muss es sich nicht zwingend um einen der zahlreichen Vietnam-Shooter handeln. Im neuesten Teil der Call of Duty-Spielserie greift Activision zusammen mit den Entwicklern von Spark Unlimited stattdessen das brisante 2. Weltkriegsszenario auf und versucht der Vielzahl an mittelprächtigen Dschungel-Schießereien ein für allemal einen Riegel vorzuschieben. Dabei hob der Publisher die Umsetzung schon im Vorfeld selbstsicher empor und sprach von intensiven Kämpfen, die es wohl noch nie zuvor auf einer Spielekonsole gegeben hat. Wir konnten uns dieser anregenden Behauptung nicht entziehen und haben Call of Duty: Finest Hour genau unter die Lupe genommen. Ob sich der reinrassige First-Person-Shooter tatsächlich mit der Genre-Elite messen kann, verraten wir euch in den folgenden Zeilen unseres fundierten Master-Reviews.

Uphill struggle
Wäre kein Dieb, wäre kein Galgen: Nachdem ihr euch die sehenswerte Rendersequenz, die den vorgeschichtlichen Part verdeutlicht, zu Gemüte geführt habt, wird schnell klar, dass
» Ein hektisches Durcheinander.
sich Call of Duty: Finest Hour in einigen Gesichtspunkten stark von der Masse abhebt. Demnach übernehmt ihr im Zuge der Einzelspieler-Kampagne nicht nur eine der Großmächte, sondern schlüpft wechselweise in die Haut russischer, britischer und amerikanischer Soldaten. Zudem wechselt ihr im Spielverlauf andauernd die Schauplätze und erlebt z.B. die russische Infanterieattacke bei Stalingrad, die amerikanischen Panzervorstöße in Belgien und die Angriffe des britischen PPA-Kommandos in Nordafrika. Des Weiteren ist anzumerken, dass die Präsentation der Hintergrundgeschichte vehement an die vielen Leinwandstreifen erinnert und ihr immerwährend in die Rollen verschiedener Charaktere versetzt werdet. Doch wer von mangelnder Identifikation durch den ständigen Austausch der Protagonisten ausgeht, wird rasch vom Gegenteil überzeugt. Folglich entfacht die spannende Kriegsatmosphäre eine fesselnde Beziehung zu eurem Helden, was sich später unheimlich auf den eigenen Spielspaß auswirkt.
Keine Frage: Durch den anhaltenden Figurenwechsel müsst ihr euch zwar immerfort umstellen - der großen spielerischen Abwechslung kommt dieser Faktor jedoch außerordentlich entgegen.

The stakes are high
Wie es sich für einen unverfälschten FPS-Ableger gehört, nehmt ihr eure Widersacher bis auf wenige Ausnahmen aus der altbewährten Ego-Perspektive aufs Korn. <
» Die fordernden Panzerfahrten sind unheimlich beeindruckend.
Doch es kommt auch zu Situationen, in denen ihr z.B. die Steuerung eines monströsen Panzers übernehmen müsst, um das Schlachtfeld von gegnerischen Truppen zu säubern. An dieser Stelle könnt ihr euer gepanzertes Kettengefährt wechselweise auch aus der Verfolgerperspektive manövrieren - dennoch bleibt der Titel seinem Genre treu. In punkto Leveldesign scheiden sich indessen die Geister: Wer eine Vorliebe für ausgiebige Erkundungstouren im Herzen von Stalingrad hat, wird durch die schnurgerade Missionskost etwas verbittert dreinblicken. Trotzdem halten wir mit Call of Duty: Finest Hour keinen schmalspurigen Shooter in unseren Händen, denn innerhalb der 19 abwechslungsreichen Missionen wird euch einiges an Köpfchen abverlangt. Ob ihr dabei als Scharfschütze anstürmende Truppen zielsicher ins Nirwana befördert oder via Panzerfaust gegnerische Panzer hemmungslos ins Verderben schickt - die Programmierer haben ganze Arbeit geleistet und das Kriegsambiente exzellent umgesetzt.

Das zur Verfügung stehende Waffenarsenal überzeugt nicht nur durch die reichhaltige Auswahl, sondern ebenso durch den hohen Grad an Authentizität. Das wirklichkeitsgetreue Instrumentarium erstreckt sich von Granaten und Halbautomatik-Gewehren über Maschinenpistolen bis hin zu Panzerfäusten. Dessen ungeachtet könnt ihr euren Platz ungeniert auch an stationären Waffenstationen einnehmen und anschließend konsequent ganze Einheiten auf einen Schlag liquidieren. Ferner lassen sich via Tastendruck auch unterschiedliche Körperhaltungen einnehmen, die das Schießen in sowohl geduckter als auch liegender Haltung ermöglichen.

Capable of bearing arms
Der Soldat macht die Suppe und die Suppe den Soldaten: Sogar die Gegner-KI ist den Entwicklern bis auf wenige Ausnahmen gelungen und tischt euch ein ausgewogenes,
» Deutsche Bomber über Stalingrad.
aber keinesfalls unfaires Vorgehenspaket auf. Dabei orientiert sich der Titel nicht an einer bestimmten Zielgruppe, sondern lässt durch den variablen Schwierigkeitsgrad selbst bei Genre-Debütanten den Spielspaßdaumen weit nach oben zeigen. An dieser Stelle sei allen selbsternannten Profispielern jedoch nicht vorenthalten, dass es der Titel auf höchster Schwierigkeitsstufe faustdick hinter den Ohren hat und die anfängliche Entschlossenheit blitzschnell in einem Dilemma enden kann. Apropos Tatendrang: Um euer Bestreben auf dem Schlachtfeld unaufhaltsam in die Tat umzusetzen, steht in Call of Duty: Finest Hour eine tadellose Spielsteuerung bereit. Schon nach kurzer Spieldauer habt ihr die komplexe Handhabung verinnerlicht und macht euch z.B. den weitreichenden Explosionsradius der Granaten zu Nutze oder bugsiert einen 34 Tonnen schweren Panzer problemlos durch die engen Häuserreihen des zerstörten Stalingrads.

Der Weg führt die Männer zusammen: Auch über Xbox Live macht der cineastische First-Person-Shooter eine gute Figur und hält eine Reihe an motivierenden Spieltypen für euch in der Hinterhand. Auch wenn es sich dabei um die standardisierten Modi Deathmatch, Team-Deathmatch, Capture the Flag und Suchen & Zerstören handelt, kommen Spielernaturen mit Vorliebe für unterhaltsame Online-Matches auf ihre Kosten. Für Partyspaß auf lokaler Ebene sorgt zudem die integrierte System Link-Komponente, die bis zu 16 Xbox-Geräte in einem LAN vereint. Einige Fragezeichen hinterlassen lediglich die acht zur Verfügung stehenden Karten und das Fehlen eines Splitscreen-Modus - durch mangelndes Engagement wurde hier einiges an wertvollem Potential verschenkt.


Grafik
Freilich ist die grafische Qualität deutlich von der derzeitigen Xbox-Elite entfernt, dennoch kann sich der Titel im oberen Mittelfeld festsetzen. Dafür verantwortlich zeigen sich die visuell raffinierten Render-Videos und die eindrucksvollen Panzerfahrten, die das Kriegsflair bemerkenswert wiedergeben. Ebenfalls hochwertig geben sich die weitläufigen Häuserkulissen in Stalingrad, die viel Liebe zum Detail erkennen lassen. Die Framerate demonstriert nur in Einzelfällen - dann allerdings vorwiegend bei hohem Gegneraufkommen - die Kehrseite der Medaille, ansonsten wird das Spielgeschehen jedoch flüssig serviert. Viel Mühe haben sich die Entwickler obendrein bei den realistischen Staub-, Nebel- und Raucheffekten gegeben. Die bewährte Grafik-Engine zeigt lediglich durch einige matschige Texturen verzeihliche Schwächen.

Sound
Die melodische Seite bietet euch eine mustergültige Zusammenstellung klassischer Musikstücke und überzeugt durch wohltönende Soundeffekte. Selten haben Spielernaturen mit Hang zu First-Person-Shootern eine klangvollere Musikkulisse auf der Xbox zu hören bekommen. Wer hier seine Boxen nicht aufdreht ist unzweifelhaft selber schuld, denn das Zusammenspiel klassischer Kompositionen und authentischer Waffengeräusche hat selten harmonischer zueinandergefunden. Nicht minder prächtig offenbart sich außerdem die Synchronisation, die auf eine komplett deutsche Lokalisierung zurückgreift und euch mit stilgemäßen Aussagen eurer Protagonisten verwöhnt. Wer schon immer einmal nach einer überragenden musikalischen Untermalung gesucht hat, wird hier fündig - definitiv ein Meisterwerk.

Spielspaß Solo
Auf Solopfaden wird euch ein atmosphärisches und zugleich spielerisches Edelpaket aufgetischt. Wenngleich das lineare Leveldesign das größte Manko darstellt, gibt sich Call of Duty: Finest Hour in punkto Unterhaltung und Inszenierung makellos. Die ausgefeilten Missionen und der einstellbare Schwierigkeitsgrad garantieren viele spannende Spielstunden vor der heimischen Flimmerkiste. Apropos Spielstunden: Zwei bis drei ausgiebige Nachmittage solltet ihr für den abwechslungsreichen FPS einplanen. Das Speichersystem hätte allerdings besser gelöst werden können, denn die Checkpoints liegen in den Schlussmissionen teilweise einen Deut zu weit auseinander.

Spielspaß Multi
Auf Multiplayerwegen kann der Titel trotz ausführlichem Xbox Live-Support das hohe Niveau der Einzelspieler-Kampagne nicht ganz erreichen. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Activision bietet euch fast nur Standard-Modi, die durch den kurzweiligen Charakter kaum Langzeitmotivation aufkommen lassen. Dessen ungeachtet wurde - aus welchen Gründen auch immer - sogar auf einen Splitscreen-Modus verzichtet. Ebenso löst die Anzahl der wählbaren Karten via System Link keine größeren Jubelstürme aus. Trotzdem bietet der Titel vor allem für Xbox Live-Spieler eine passable Alternative zum aktuellen Shooter-Lineup.
Pro
Packende Atmosphäre
Exzellente Präsentation
Fordernde Missionen
Gelungene Gegner-KI
Bombastische Soundtechnik
Gängiger Xbox Live-Support
Vortreffliche Steuerung
Contra
Lineares Leveldesign
Nicht zeitgemäße Optik
Fehlender Splitscreen-Modus
Fazit
Es ist leichter versprochen als gehalten: Nicht ganz, denn Activision ist mit Call of Duty: Finest Hour ein großer Wurf gelungen. Die größte Stärke des Titels liegt meines Erachtens nach in der packenden Atmosphäre, die selbst den Vergleich mit großen Leinwandstreifen nicht scheuen muss. Doch um vor der heimischen Mattscheibe stundenlang festgenagelt zu werden, reicht dieser Faktor allein nicht aus. Allerdings haben die Entwickler ihr Handwerk verstanden und sich in fast allen Belangen viel Mühe gegebenen - und das äußerst erfolgreich. Wenngleich das Missionsdesign in einigen Passagen sehr geradlinig ausgefallen ist, gibt der Online-FPS in Anbetracht der abwechslungsreichen Aufträge spielerisch Vollgas. Weitere Gesichtspunkte die in meinen Augen vehement für die Arbeit der Entwickler sprechen, liegen in der zufriedenstellenden Gegner-KI, den authentischen Szenarios und der sehenswerten Präsentation. Obendrein werden eure Ohren mit einem bombastischen Soundtrack verwöhnt, der die nicht mehr ganz zeitgemäße Optik teilweise vergessen macht. Kurzum: Wer eine Vorliebe für intensive und zugleich unkonventionelle WW2-Shooter hat, sollte sich dieses Spektakel auf gar keinen Fall entgehen lassen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action • Ego-Shooter
Publisher
Activision
Entwickler
Spark
Website
www.callofduty....
Release
03. Dezember 2004
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