Witzig und spannend: Die hoch gesteckten Erwartungen an Oddworld: Strangers Vergeltung wurden nicht enttäuscht.Stranger braucht Kohle – eine derartige Operation will schließlich bezahlt werden. Ob ihm das Dasein als Kopfgeldjäger eines Tages diesen einen, ganz persönlichen Wunsch erfüllen können wird? Die Zukunft wird es weisen. Die ersten Aufträge hat er jedenfalls schon in der Tasche – ein Anfang ist gemacht.
Oddworld Inhabitants Stranger ist auf gut deutsch ein
Pfundskerl: Hart im Nehmen und noch härter im Austeilen – als Kopfgeldjäger hat er diese
» Die Dorfbewohner bitten Stranger um Hilfe. |
Eigenschaften allerdings auch bitter nötig. Seine Beute? Bösewichte aller Art, welche mit Vorliebe die kleinen Hühnchen-Bewohner der lokalen Städtchen terrorisieren – Zeit, die Armbrust zu schultern und auf Munitionsjagd zu gehen!
Wie bitte? Aber natürlich! Unser
Stranger verschießt weder 9mm-Geschosse noch steht ihm ein umfangreiches Arsenal an High-Tech Waffen zur Verfügung – was er braucht, sind ewig quasselnde
Arschbackenhörnchen, welche durch ihre rotzfreche Art Gegner anlocken und sie zur Weißglut bringen, elektrische
Zappfliegen sowie gefräßige
Fuzzles, die sogar als Minen fungieren können – die einwickelnden
Bolomiten und übel riechenden
Stunks natürlich nicht zu vergessen. Praktischerweise ist solcherart
lebende Munition (insgesamt werdet ihr bis zum Ende des Spiels neun verschiedene Typen antreffen) sowohl im lokalen
Tante-Henna-Laden käuflich erhältlich als auch in freier Wildbahn anzutreffen – und ebendort auch einzusacken. Ganz Genre-untypisch lässt sich die tierische Munition auch upgraden. Grundlage all eurer Ausgaben stellt natürlich die Landeswährung der harten
Mollahs dar: Mit ihnen kauft ihr in den Shops Upgrades, Ferngläser und Tier-Lockstoffe ein – schlussendlich müsst ihr davon aber auch die anstehende Operation bezahlen.
Dead or AliveLeider Gottes liegt aber auch in
Oddworld das Geld nicht auf der Straße. Um an Cash zu kommen, bedient ihr euch zur Beschaffung von Mollahs
der Dienste einer lokalen Kopfgeldjäger-Niederlassung, welche euch mit Informationen rund um
gesuchte Bösewichte versorgt. Nehmt ihr einen Auftrag an, öffnet sich üblicherweise ein neuer – bis dato unzugänglicher – Abschnitt der Welt, in dem ihr endlich einmal das zu tun vermögt, was euch vor vielen Jahren die Wiege gelegt wurde – die Jagd.
Grundsätzlich lässt sich
Oddworld: Strangers Vergeltung aus zwei Perspektiven spielen, die beide bestimmte Vor- und Nachteile mit sich bringen: Während die
Ego-Perspektive erste Wahl bei Schuss- (oder eher
Getier-)wechseln sein sollte, ermöglicht euch die Außenansicht schneller zu laufen und eure Fäuste einzusetzen, um Gegner zu betäuben. Dies ist insofern von großer Bedeutung, als dass lebendig gefangene Bösewichte selbstverständlich mehr Geld aufs Konto zaubern als tote. Habt ihr einen Gegner bewusstlos geprügelt – drei kreisende Sterne über dem Kopf zeigen es an – gilt es schnell die
X-Taste zu drücken, um den zukünftigen Knastbruder in eurem Seelen-Kerker einzusacken. Solltet ihr selbst ein paar Treffer kassiert haben, könnt ihr übrigens jederzeit eure
Wunden abschütteln: Hierzu wird auf Kosten der Ausdauer euer Lebensenergiebalken aufgefüllt – eine kurze Verschnaufpause genügt, um dann wieder voll gestärkt den Kampf gegen die bösen Jungs aufzunehmen. Dies sieht nicht nur witzig aus, es ist vor allem bei den Bosskämpfen auch bitter nötig. Denn diese haben es…
Mollah Explosion… faustdick hinter den Ohren. Während ihr
Otto Normalbösewicht durch gekonnte Kombination eurer knuffigen Tier-Munition noch
» Die dicken Brocken haben es in sich. |
mit links ins Oddworld’sche Nirvana schickt, stehen euch mit den
Oddworld’s Most Wanted ein paar knackige Bosskämpfe bevor. Ganz besonders schwierig wird es dann, wenn ihr versucht, diese in bester Kopfgeldjäger-Tradition lebendig gefangen zu nehmen: So werden zum Beispiel die bewährten
Bolomiten, welche ein Netz um den geknebelten Gegner spinnen, oft schneller abgewimmelt, als die nimmermüden
Arschbackenhörnchen brabbeln können. Mit der richtigen Munition, dem korrekten Timing und einer gehörigen Portion Mut gibt aber auch der fetteste Boss irgendwann klein bei – sei es, weil er unter einer Horde
Fuzzles zusammenbricht, oder weil ihr durch geschickte Vorgehensweise seine Ausdauerleiste geleert habt. Die erhöhte Prämie für lebendig Gefangene ist euch zumindest im zweiten Fall sicher.
Auf eurem Weg zum ultimativen Endkampf durchstreift ihr neben dem bekannten Wild-West-Setting auch riesige Fabrikkomplexe und natürlich unzählige der kleinen Städtchen mit ihren ulkigen Hühnchen-Bewohnern. Tatsächlich werdet ihr jedoch die meiste Zeit damit zubringen, tausende Feinde über den digitalen Jordan zu schicken und kräftig Mollahs verdienen. An die
15 Spielstunden werden geneigte
Oddworld Inhabitants am Frischling zu knabbern haben, ehe sie sich nach einer langen und brillant erzählten Geschichte mit seinen vielen Wendungen endlich am Finale erfreuen können. Nach Beendigung des Spiels werden allerdings weder Extras noch andere Boni freigeschalten, was den Wiederspielwert leider gegen Null tendieren lässt – ein wenig Zusatzmaterial hätte dem Titel sicherlich nicht geschadet.
Oddworld à la carteWas die Oddworld-Serie immer schon auszeichnete, war ihr beißender Humor und die schräge Präsentation – und davon findet sich auch im
» Rechts zu sehen: Das Arschbackenhörnchen. |
neuesten Abenteuer mehr als genug: Seien es die gackernden Vorstadthühnchen, die, solltet ihr sie verprügeln, ihr Heil in den eigenen vier Wänden suchen, nur um nach einer knappen halben Minute per Lautsprecherdurchsage darauf aufmerksam machen, dass sie jetzt wieder herauskommen und ihr euer Temperament gefälligst in Zaum zu halten habt; seien es die hervorragenden Animationen von Freund und Feind; die über weite Strecken umwerfende und niemals ins Stocken geratende Optik mit dem typischen
Wild-West-Flair; das auch in der deutschen Synchronisation ausgesprochen gelungene Voice-Acting mit seinen vielen witzigen Dialogen; die hervorragende Musikuntermalung:
Oddworld: Strangers Vergeltung ist eine Wucht. Ganz besondere Liebe haben die Designer allerdings dem
Arschbackenhörnchen zukommen lassen – und auch das soll hier nicht unerwähnt bleiben. Das kleine Nagetier ist nicht nur eine äußerst effiziente Methode, Gegner an einen bestimmen Punkt zu locken, nein, es unterhält auch köstlich mit seinen dutzenden Sprachsamples: Mal will es auf der anderen Seite der Armbrust sitzen, es flucht, schimpft und schleudert Beleidigungen in alle Richtungen – und nimmt dabei noch nicht einmal Rücksicht auf seinen Herren und Meister
Stranger. Hat es ein Videospiel-Individuum verdient, vorzeitig zum
Hero of 2005 gekürt zu werden – das drollige Eichhörnchen mit dem noch putzigeren Namen hätte sich diesen Award redlich verdient.