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Master-Review:   » drucken    » versenden

Vietcong: Purple Haze

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 12.10.2004
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Durchschnittliche Kriegs-Versoftung mit mittelmäßiger Technik.

Der Vietnamkrieg, der als einer der größten und blutigsten Konflikte des 20. Jahrhunderts in unsere Geschichtsbücher eingegangen ist, gewinnt im Bereich der Videospiele wieder zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel ist Vietcong: Purple Haze, das euch in das hochbrisante Kriegsszenario der Republik Vietnam versetzt. Ob der Titel den Angriffen der quirligen Guerillakrieger Paroli bieten kann oder sich womöglich selbst ins Lazarett befördert, zeigen wir euch im anschließenden Master-Review.

Auf in den K(r)ampf
Schon allein das stylische Intro gibt einen ersten Vorgeschmack und wäre ein Preis für den besten Vorspann zu vergeben, dann
» Der Dschungel ist sehr tief.
hätte der Titel beachtlich gute Gewinnchancen. Bevor ihr euch in die Schlacht aufmacht, gilt es auf einem Truppenübungsplatz die wichtigsten Grundfähigkeiten zu erlernen. Nach erfolgreicher Absolvierung des mehrstufigen Tutorials, das vor allem unerfahrenen Spielern zu empfehlen ist, erwarten euch im Modus Kampagne insgesamt 19 verschiedene Missionen auf Seiten der US Special Forces. Zusätzlich können alle Solisten im Einzel-Einsatz sämtliche freigespielten Kampagnen-Missionen nochmals bestreiten. Im Grunde genommen unterscheidet sich dieser Spielmodi jedoch nur in einem winzigen Punkt, nämlich in der Waffenauswahl. Für Hobbykämpfer auf Solopfaden steht ergänzend der Modus Schnellkampf und für Xbox Live-Gamer ein vollwertiger Online-Modus zur Verfügung. In beiden Fällen lässt sich der Spieß umdrehen und ihr könnt die US Army in der Haut eines Vietcong-Soldaten endlich einmal schlagkräftig ins Nirwana befördern.

Im Gegensatz zu anderen Kollegen des Genres setzt Vietcong: Purple Haze sein Hauptaugenmerk auf den strategischen Part. Im dichten Dschungelgebiet wird ausgeprägte Teamarbeit nicht nur verlangt, sondern bis auf wenige Ausnahmen sogar fest vorausgesetzt. Zu Werke geht ihr ausnahmslos aus der 1st-Person-Ansicht und führt euren Elitetrupp als Sergeant durch das hart umkämpfte Hochland. Jeder Soldat eurer Truppe konzentriert sich währenddessen auf einen speziellen Fähigkeitsbereich und nimmt eine unersetzliche Rolle ein. Euer Team, das je nach Art der Mission automatisch eingeteilt wird, besteht in der Regel aus Truppenarzt, Techniker, Funker und Kundschafter. Generell seid ihr auf eure Gruppe angewiesen, denn die geballte Präsenz der Vietcong-Soldaten, die oft nach der einfallslosen Spray and Pray-Taktik vorgehen und das hohe Risiko in eine der tödlichen Fallen zu geraten, machen euch zwanghaft von ihnen abhängig.

Willkommen im etwas anderen Vietnamkrieg
Das Spielprinzip präsentiert sich entgegen vieler Erwartungen erfreulich variabel. In Begleitung eurer Teammitglieder - ein
» Aus der Hocke trifft es sich entscheidend genauer.
Wechsel auf andere Soldaten ist unmissverständlich nicht möglich - könnt ihr euch durch die Vergabe von Befehlen für eine Vielzahl von Vorgehensweisen entscheiden. Durch Knopfdruck wird entweder geschlossen angegriffen, die eingenommene Position auf der Karte gehalten oder eure Gruppe im Gebiet eigenständig verteilt. Bei wiederholter Ausführung dieser Strategien fällt jedoch auf, dass die KI eurer Wegbegleiter mit großen Defiziten behaftet ist. So kann es vorkommen, dass ihr zufällig unter Beschuss in Form von friendly Fire geratet, euch ein Gruppenmitglied plötzlich total den Weg versperrt oder euer Kundschafter eine der umständlichsten Routen überhaupt einschlägt. Leider hat die eigene Motivation unter diesen Problemen, die in den meist sehr linearen Missionen stark ausgeprägt sind, sehr zu leiden.

Die Spielsteuerung ist sehr komplex ausgefallen und bedarf einiges an Übungszeit. Durchaus gelungen sind die verschiedenen Haltungsmöglichkeiten, die ihr im Spielverlauf einnehmen könnt. Auf der einen Seite ist die Hocke im Kampfgeschehen die effizienteste Position, um die gegnerische Kämpfer mit Feuersalven einzudecken. Andererseits lassen sich nur in Bauchlage die vielfach verstreuten Fallen beseitigen. Felsen, Büsche und Bäume machen aus der Not eine Tugend und können stets in die Kampfhandlungen mit einbezogen werden. Prinzipiell als Kampfvorteil gedacht, um in kurzen Abständen zu feuern und bei Gegenwehr unmittelbar in Deckung zu gehen, erweist sich dieses Feature durch die schludrige Umsetzung jedoch als fast überflüssig. Apropos Feuerkraft: Vietcong: Purple Haze verfügt über einen prächtig gefüllten Waffenschrank, der sowohl eine üppige Auswahl - 27 Exemplare - an realistischen US Army- als auch Vietcong-Waffen bereit hält.

Internet-fähige Kampfhandlungen
Die Gesamtspielzeit beträgt etwa acht bis neun Stunden - kein Grund für Höhenflüge, denn im Anschluss werdet ihr euch
» Im Angesicht des Feines.
fragen: „Kann das schon alles gewesen sein?“ Bekennende Xbox Live-Spieler dürfen aber aufatmen, denn der Titel hält einen überzeugenden Online-Support in der Hinterhand. Zwar definieren die Entwickler von Illusion Softworks den Spielspaß via Internet nicht neu, doch die Umsetzung ist technisch ausgereift und kann die Motivation durch die Spielmodi Kooperation, Flagge erobern oder Team-Deathmatch bei Spielern mit Xbox Live-Zugang für weitere Stunden aufrecht erhalten. Außerdem werden alle erzielten Ergebnisse statistisch festgehalten und in naher Zukunft sollen sogar exklusive Online-Inhalte zum Download folgen.


Grafik
In grafischer Hinsicht bewegt sich der Taktik- First Person Shooter bis auf wenige Ausnahmen deutlich auf einem durchschnittlichen Level. Die Animationen von Freund und Feind sind optisch zu keinem Zeitpunkt das Gelbe vom Ei und leider nur Mittelklasse. Die Detonationen lassen durch die unspektakuläre Darstellung ebenso zu wünschen übrig wie die von Starrheit geprägten gegnerischen Einheiten. Durchaus ansehnlich hingegen präsentieren sich die Umgebungen, die durch ihre immergrüne Pflanzenvielfalt und beispiellosen Wiesenlandschaften die Dschungelatmosphäre vorbildlich einfangen. Die eingeblendeten Kurzfilme sowie das durchgehend ruckelfreie Spielgeschehen sind auch von guter Qualität und verhindern eine schlechtere Grafikwertung.

Sound
Der gespielte Soundtrack kann nur in den anfänglichen Phasen überzeugen und bekleckert sich im weiteren Spielverlauf nicht unbedingt mit Ruhm. Auf die Ohren gibt es zwar lizenzierte Musikstücke aus den 60er Jahren, da die Auswahl jedoch begrenzt ausgefallen ist, habt ihr euch nach kurzer Zeit satt gehört. Im Gegensatz dazu kann sich die englische Sprachausgabe mit ihrer großen Vielzahl an Statements durchaus hören lassen. Einen nicht minder qualitativ hochwertigen Eindruck hinterlassen auch die verschiedenen Waffengeräusche und tragen einen nicht zu unterschätzenden Teil im Hinblick auf die Authentizität bei.

Spielspaß Solo
Wer als Einzelspieler die Kampagne absolviert, wird schnell feststellen, dass es einigen Missionen beachtlich an Spannung fehlt und der Spielverlauf trotz erfrischender Faktoren im Gameplay, durchgehend linear gestaltet ist. Das Spielgefühl ist aber dennoch irgendwo vorhanden, daher werden sich alle eingefleischten FPS-Taktiker unter euch sicher ihren Weg bis zum Ende bahnen. Der einstellbare Schwierigkeitsgrad sorgt dafür, dass auch Genre-Neulinge einige Zeit motiviert zum Gamepad greifen.

Spielspaß Multi
Scheinbar haben die Entwickler großen Wert auf einen überzeugenden Online-Modus gelegt. Der Xbox Live-fähige Militär-Strategietitel bietet euch nämlich ein üppig gefülltes Online-Paket und wartet mit klassischen Spielmodi wie Deathmatch oder netten Zugaben wie z.B. Rette den Piloten auf. Bei Bewertung aller relevanten Wertungspunkte zeigt sich, dass der Online-Part mit seinen unterschiedlichen Spielvarianten dem Offline-Teil weit voraus ist und keinen Anlass zur Kritik gibt.
Pro
Überzeugender Online-Modus
Einmaliges Intro
Stimmiges Gameplay
Contra
Schwache Gegner- und Team-KI
Weitgehend linearer Spielverlauf
Mittelmäßige Optik
Fazit
Wenn es bei Vietcong: Purple Haze etwas sehr Positives hervorzuheben gibt, dann ist das der ausgezeichnete Xbox Live-Modus, der mich einige Spielstunden fest in seinen Bann ziehen konnte. Wer sich hochgradig spannende Dschungelkämpfe oder gar eine richtungsweisende Kriegsatmosphäre verspricht, sollte seine Erwartungen aber etwas zurückschrauben. In Anbetracht der stark verbesserungsfähigen Gegner-KI, der wenig fordernden Missionsziele und der durchschnittlichen Grafik- sowie Soundleistung bieten andere Xbox-Shooter zweifellos mehr fürs Geld. Da kann auch das einfallsreiche Gameplay keine Bäume mehr herausreißen und somit verschwindet die Umsetzung im uninteressanten Mittelmaß. Ein Anspielen lohnt sich in diesem Fall daher nur für selbst ernannte Freaks mit stark ausgeprägtem Hang zu militärischen First-Person-Shootern.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Ego-Shooter
Publisher
Take 2
Entwickler
Gathering
Website
www.take2.de/in...
Release
15. Oktober 2004
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User-Bewertung
69
2 Bewertungen
1 Review
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