Durchschnittliche Kriegs-Versoftung mit mittelmäßiger Technik.Der Vietnamkrieg, der als einer der größten und blutigsten Konflikte des 20. Jahrhunderts in unsere Geschichtsbücher eingegangen ist, gewinnt im Bereich der Videospiele wieder zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel ist
Vietcong: Purple Haze, das euch in das hochbrisante Kriegsszenario der Republik Vietnam versetzt. Ob der Titel den Angriffen der quirligen Guerillakrieger Paroli bieten kann oder sich womöglich selbst ins Lazarett befördert, zeigen wir euch im anschließenden Master-Review.
Auf in den K(r)ampf Schon allein das stylische Intro gibt einen ersten Vorgeschmack und wäre ein Preis für den besten Vorspann zu vergeben, dann
» Der Dschungel ist sehr tief. |
hätte der Titel beachtlich gute Gewinnchancen. Bevor ihr euch in die Schlacht aufmacht, gilt es auf einem Truppenübungsplatz die wichtigsten Grundfähigkeiten zu erlernen. Nach erfolgreicher Absolvierung des mehrstufigen
Tutorials, das vor allem unerfahrenen Spielern zu empfehlen ist, erwarten euch im Modus
Kampagne insgesamt
19 verschiedene Missionen auf Seiten der US Special Forces. Zusätzlich können alle Solisten im
Einzel-Einsatz sämtliche freigespielten Kampagnen-Missionen nochmals bestreiten. Im Grunde genommen unterscheidet sich dieser Spielmodi jedoch nur in einem winzigen Punkt, nämlich in der Waffenauswahl. Für Hobbykämpfer auf Solopfaden steht ergänzend der Modus
Schnellkampf und für Xbox Live-Gamer ein vollwertiger
Online-Modus zur Verfügung. In beiden Fällen lässt sich der Spieß umdrehen und ihr könnt die US Army in der Haut eines Vietcong-Soldaten endlich einmal schlagkräftig ins Nirwana befördern.
Im Gegensatz zu anderen Kollegen des Genres setzt
Vietcong: Purple Haze sein
Hauptaugenmerk auf den strategischen Part. Im dichten Dschungelgebiet wird ausgeprägte Teamarbeit nicht nur verlangt, sondern bis auf wenige Ausnahmen sogar fest vorausgesetzt. Zu Werke geht ihr ausnahmslos aus der
1st-Person-Ansicht und führt euren Elitetrupp als Sergeant durch das hart umkämpfte Hochland. Jeder Soldat eurer Truppe konzentriert sich währenddessen auf einen speziellen Fähigkeitsbereich und nimmt eine unersetzliche Rolle ein. Euer Team, das je nach Art der Mission automatisch eingeteilt wird, besteht in der Regel aus Truppenarzt, Techniker, Funker und Kundschafter. Generell seid ihr auf eure Gruppe angewiesen, denn die geballte Präsenz der Vietcong-Soldaten, die oft nach der einfallslosen
Spray and Pray-Taktik vorgehen und das hohe Risiko in eine der tödlichen Fallen zu geraten, machen euch zwanghaft von ihnen abhängig.
Willkommen im etwas anderen Vietnamkrieg Das Spielprinzip präsentiert sich entgegen vieler Erwartungen erfreulich variabel. In Begleitung eurer Teammitglieder - ein
» Aus der Hocke trifft es sich entscheidend genauer. |
Wechsel auf andere Soldaten ist unmissverständlich nicht möglich - könnt ihr euch durch die Vergabe von Befehlen für eine Vielzahl von Vorgehensweisen entscheiden. Durch Knopfdruck wird entweder geschlossen angegriffen, die eingenommene Position auf der Karte gehalten oder eure Gruppe im Gebiet eigenständig verteilt. Bei wiederholter Ausführung dieser Strategien fällt jedoch auf, dass die
KI eurer Wegbegleiter mit großen Defiziten behaftet ist. So kann es vorkommen, dass ihr zufällig unter Beschuss in Form von
friendly Fire geratet, euch ein Gruppenmitglied plötzlich total den Weg versperrt oder euer Kundschafter eine der umständlichsten Routen überhaupt einschlägt. Leider hat die eigene Motivation unter diesen Problemen, die in den meist
sehr linearen Missionen stark ausgeprägt sind, sehr zu leiden.
Die
Spielsteuerung ist sehr komplex ausgefallen und bedarf einiges an Übungszeit. Durchaus gelungen sind die verschiedenen Haltungsmöglichkeiten, die ihr im Spielverlauf einnehmen könnt. Auf der einen Seite ist die Hocke im Kampfgeschehen die effizienteste Position, um die gegnerische Kämpfer mit Feuersalven einzudecken. Andererseits lassen sich nur in Bauchlage die vielfach verstreuten Fallen beseitigen. Felsen, Büsche und Bäume machen aus der Not eine Tugend und können stets in die Kampfhandlungen mit einbezogen werden. Prinzipiell als Kampfvorteil gedacht, um in kurzen Abständen zu feuern und bei Gegenwehr unmittelbar in Deckung zu gehen, erweist sich dieses Feature durch die schludrige Umsetzung jedoch als fast überflüssig. Apropos Feuerkraft:
Vietcong: Purple Haze verfügt über einen prächtig gefüllten Waffenschrank, der sowohl eine üppige Auswahl - 27 Exemplare - an realistischen US Army- als auch Vietcong-Waffen bereit hält.
Internet-fähige Kampfhandlungen Die Gesamtspielzeit beträgt etwa acht bis neun Stunden - kein Grund für Höhenflüge, denn im Anschluss werdet ihr euch
» Im Angesicht des Feines. |
fragen: „Kann das schon alles gewesen sein?“ Bekennende Xbox Live-Spieler dürfen aber aufatmen, denn der Titel hält einen überzeugenden Online-Support in der Hinterhand. Zwar definieren die Entwickler von
Illusion Softworks den Spielspaß via Internet nicht neu, doch die Umsetzung ist technisch ausgereift und kann die Motivation durch die Spielmodi
Kooperation,
Flagge erobern oder
Team-Deathmatch bei Spielern mit Xbox Live-Zugang für weitere Stunden aufrecht erhalten. Außerdem werden alle erzielten Ergebnisse statistisch festgehalten und in naher Zukunft sollen sogar exklusive Online-Inhalte zum Download folgen.
Grafik In grafischer Hinsicht bewegt sich der Taktik- First Person Shooter bis auf wenige Ausnahmen deutlich auf einem durchschnittlichen Level. Die Animationen von Freund und Feind sind optisch zu keinem Zeitpunkt das Gelbe vom Ei und leider nur Mittelklasse. Die Detonationen lassen durch die unspektakuläre Darstellung ebenso zu wünschen übrig wie die von Starrheit geprägten gegnerischen Einheiten. Durchaus ansehnlich hingegen präsentieren sich die Umgebungen, die durch ihre immergrüne Pflanzenvielfalt und beispiellosen Wiesenlandschaften die Dschungelatmosphäre vorbildlich einfangen. Die eingeblendeten Kurzfilme sowie das durchgehend ruckelfreie Spielgeschehen sind auch von guter Qualität und verhindern eine schlechtere Grafikwertung.
Sound Der gespielte Soundtrack kann nur in den anfänglichen Phasen überzeugen und bekleckert sich im weiteren Spielverlauf nicht unbedingt mit Ruhm. Auf die Ohren gibt es zwar lizenzierte Musikstücke aus den 60er Jahren, da die Auswahl jedoch begrenzt ausgefallen ist, habt ihr euch nach kurzer Zeit satt gehört. Im Gegensatz dazu kann sich die englische Sprachausgabe mit ihrer großen Vielzahl an Statements durchaus hören lassen. Einen nicht minder qualitativ hochwertigen Eindruck hinterlassen auch die verschiedenen Waffengeräusche und tragen einen nicht zu unterschätzenden Teil im Hinblick auf die Authentizität bei.
Spielspaß SoloWer als Einzelspieler die
Kampagne absolviert, wird schnell feststellen, dass es einigen Missionen beachtlich an Spannung fehlt und der Spielverlauf trotz erfrischender Faktoren im Gameplay, durchgehend linear gestaltet ist. Das Spielgefühl ist aber dennoch irgendwo vorhanden, daher werden sich alle eingefleischten FPS-Taktiker unter euch sicher ihren Weg bis zum Ende bahnen. Der einstellbare Schwierigkeitsgrad sorgt dafür, dass auch Genre-Neulinge einige Zeit motiviert zum Gamepad greifen.
Spielspaß Multi Scheinbar haben die Entwickler großen Wert auf einen überzeugenden Online-Modus gelegt. Der Xbox Live-fähige Militär-Strategietitel bietet euch nämlich ein üppig gefülltes Online-Paket und wartet mit klassischen Spielmodi wie
Deathmatch oder netten Zugaben wie z.B.
Rette den Piloten auf. Bei Bewertung aller relevanten Wertungspunkte zeigt sich, dass der Online-Part mit seinen unterschiedlichen Spielvarianten dem Offline-Teil weit voraus ist und keinen Anlass zur Kritik gibt.