Stürzen wir uns erneut in den Dschungel. Conflict: Vietnam und ShellShock: Nam '67 haben wir überlebt. Nun geht es wieder in den Einsatz. Diesmal begleiten wir eine kleine Spezialeinheit, die dem Vietcong das Leben schwer machen soll.
Eile mit Weile
Die erste Mission entführt uns ins Dickicht und wir werden beauftragt, einen abgestürzten Kampfjet und seinen Piloten zu finden. Wer hier einfach unbeschwert losrennt, wird nicht lange Freude am Krieg haben. Denn unter Garantie aktiviert man eine Sprengfalle in der Nähe und muss die Mission erneut starten. Diese Fallen sind der ständige "Begleiter" unserer kleinen Truppe. Sie zu entschärfen ist nicht schwierig, sie zu finden aber umso mehr. Die dünne, gespannte Schnur ist im Blättergewirr nur schwer auszumachen. Vielleicht sollte man also lieber das einheimische Teammitglied vorausschicken. Er kennt nicht nur den Weg zum nächsten Einsatzziel, sondern spürt auch zuverlässig herannahende Feinde und versteckte Fallen auf. Mittels Tastendruck erteilt man ihm den Befehl, uns vorauszugehen. Ebenso ist es möglich, auch das gesamte Team zu kommandieren. Braucht man Feuerschutz, dann eilen sie herbei und nehmen den Feind unter Feuer.
Schickt man nun den Kundschafter vor, muss man sich allerdings etwas mehr Zeit nehmen als einem lieb ist. Dieser Kundschafter hat die Angewohnheit, sehr vorsichtig vorzugehen. Während man sich also einen Tee kocht, versucht er sich auf verschlungenen Pfaden durch den Dschungel zu kämpfen. Die Wege, die er dabei einschlägt, sind bisweilen sehr kurios. Anfangs sieht es aus, als würde er mit Bedacht vorgehen. Aber sieht man ihm eine Weile zu, dann bemerkt man, dass er auf unsichtbaren Pfaden von einer Ecke des Spielfeldes zur anderen schleicht. Mal vor, mal zurück, mal seitwärts. Hier ist viel Geduld gefragt. Eilige Spieler lassen ihn einfach umherirren und versuchen sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Lieber auf eine Mine treten, als ihm zusehen...
Die anderen Teammitglieder sind zwar nicht so vorsichtig und langweilig, ihre Intelligenz scheint jedoch ebenfalls gelegentliche Aussetzer zu haben. Es kann vorkommen, dass einer unserer Kämpfer sich zwischen zwei Stühlen in einem Unterstand verfängt und allein nicht mehr den Weg hinaus findet. Immerhin sind seine Kameraden so nett und leisten ihm Gesellschaft. Selbst ein energischer Befehl unsererseits wird dann ignoriert. Die Konsequenz dieser Befehlsverweigerung ist, dass man die Mission erneut starten muss, weil man allein nur wenige Chancen hat oder weil der "zwischen den Stühlen Gefangene" einfach stirbt. Stirbt jedoch ein Teammitglied, gilt die Mission als gescheitert.
Der Sanitäter des Teams ist jedoch ein gern gesehener Gast in unserer Nähe. Wurde jemand verwundet, kümmert er sich rührend um den Verletzten und hilft ihm nicht nur mit aufmunternden Worten, sondern auch mit Medipacks auf die Beine.
Missionen
Die Missionen sind nicht sonderlich lang. Meist muss man sein Einsatzziel erreichen, dort alles niederschießen, Informationen sammeln und wieder zur "Landing Zone" zurückkehren.
Die Vietcong sind zwar nicht sonderlich klug, aber sie schießen sehr gut und gehen sehr aggressiv vor. Im Zusammenspiel mit den Sprengfallen bilden sie ein tödliches Gespann. Unfair ist allerdings, dass die Gegner bereits durch die Blätter schießen, während wir sie noch nicht erspähen konnten.
Bild und Ton
Die Auswahl der Songs aus den 60er Jahren kann man als sehr gelungen bezeichnen. Das gilt auch für die Umgebungsgeräusche und die Sounds der Waffen, die in Dolby Digital abgemischt sind. Die Sprachsamples können hingegen nicht überzeugen. Unsere Kameraden sparen zwar nicht mit unflätigen Ausdrücken. Wenn sie bei einem Angriff aber fortwährend den Feind mit "Asshole" oder "Motherfucker" anbrüllen, dann wirkt das etwas peinlich und man schämt sich fast schon für sie. Unser Protagonist wird während der Zwischensequenzen von einem professionellen Sprecher synchronisiert, was sehr angenehm klingt, während der Missionen leiht ihm jedoch ein anderer Sprecher seine Stimme und dieser trägt seine Texte so unglaublich übertrieben und abgehakt vor, dass es unfreiwillig komisch wirkt.
Der große Schwachpunkt der Präsentation ist die Grafik. Zwar ist der Dschungel sehr dicht und teilweise auch beklemmend, weil man kaum etwas sieht. Die Darstellung der Umgebung und besonders der Soldaten passen nicht mehr in unsere Zeit und scheinen auf dem Niveau von vor sechs, sieben Jahren stehen geblieben zu sein. Die Texturen sind nicht sehr detailliert, die Köpfe sind unglaublich eckig und leblos. Passend dazu sind die Bewegungen der Soldaten. Sie wirken abgehakt und die eigene Spielfigur geht als würde sie auf Krücken humpeln oder Stöckelschuhe tragen. Im Jahr 2004 hat eine solche Grafik nichts mehr verloren.
Online
Immerhin besitzt das Spiel einen umfangreichen und vollwertigen Multiplayer-Modus inklusive Xbox Live. Dort kann man auf amerikanischer oder vietnamesischer Seite kämpfen.
Fazit
Vietcong Purple Haze ist ein sehr durchschnittliches und relativ langweiliges Spiel. KI, Grafik und Motivation sind nicht herausragend und allenfalls mittelmäßig. Wer einen Shooter für zwischendurch sucht und online lieber auf Vietnamesen schießt, statt auf Terroristen wie in Rainbow Six, der kann mit diesem Spiel für kurze Zeit sein Vergnügen haben.