Chaos Theory begeistert: grafisch next-gen, spielerisch in allen Details verbessert und inklusive Killer Mehrspieler-Modus.Splinter Cell Chaos Theory ist die "echte" Fortsetzung von
Tom Clancy's Splinter Cell. Nachdem der erste Titel fertig war, hat das Ubisoft Montreal Team nämlich direkt mit der Entwicklung von
Chaos Theory begonnen. Während es an der Verbesserung sämtlicher Features arbeitete, brachte Ubisoft Shanghai nur knapp ein Jahr darauf mit
Tom Clancy's Splinter Cell: Pandora Tomorrow eine technisch und spielerisch evolutionäre Fortsetzung auf den Markt. Die Entwickler spendierten einen Killer-Mehrspieler-Modus, welcher dank der innovativen Aufteilung in zwei völlig verschiedene Gameplay-Erlebnisse ein äußerst positives Echo fand. Nach zwei Jahren harter Arbeit meldet sich Montreal nun zurück und unser Master-Review klärt, wie gut das neue
Splinter Cell wirklich ist.
Techno Thriller In
Chaos Theory übernehmt ihr abermals die Rolle von Spezialagent
Sam Fischer. Das Jahr ist 2007 und die Story dreht sich um Spannungen im asiatischen Raum. Der sehr gut
recherchierte historische Hintergrund:
Japan versucht durch Gründung einer Spezialorganisation internationale Verträge aus dem zweiten Weltkrieg zu unterlaufen, da es feindlich gesinnte ausländische Kräfte für das Stottern des japanischen Wirtschaftsmotors verantwortlich macht. Die Verstimmungen zwischen Japan und seinen Nachbarn eskalieren, als Nordkorea und China ein Embargo gegen das Land der aufgehenden Sonne per Seeblockade durchsetzen. Japan wendet sich nun an die USA und bittet um Hilfe. Die Amerikaner müssen ihren Obligationen aufgrund eines Abkommens in der japanischen Nachkriegsverfassung nachkommen und schon ist das Schlamassel perfekt. Die Geheimorganisation
Third Echelon riecht den Braten und entsendet Sam Fisher, das
Schweizer Taschenmesser unter den Ein-Mann-Armeen, nach Fernost, um den Ausbruch eines High-Tech-Kriegs zu verhindern. Die Story könnte 1:1 aus einer Romanvorlage von Tom Clancy stammen und sorgt für spannende Atmosphäre.
Verbesserungen im Detail und mehr spielerische Freiheiten Chaos Theory ist einer dieser seltenen Titeln, wo praktisch jeder Aspekt des Spiels verändert wurde, ohne das ursprüngliche Spielerlebnis zu beeinträchtigen.
Ubisoft war sichtlich
» Verstecken-Spielen einmal anders. |
bemüht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und bietet dem Spieler nun an, sich für Angriff, Stealth oder eine gesunde Mischung aus beidem auszurüsten. Zwar sind die Levels auch weiterhin eher linear aufgebaut, doch existieren eine
Vielzahl von Abkürzungen, Schleichwegen und alternativen Lösungsmöglichkeiten. Den Stealth-Spielen immanenten Trial and Error Situationen wurden dank
Quicksave ein Riegel vorgeschoben: Es darf
immer und überall gespeichert und fortgesetzt werden. Der Spieler kann also selbst entscheiden, wie schwer oder wie leicht eine Mission werden soll. Die teils nervigen Alarme wurden entschärft - aufgrund einer Entdeckung wird eine Mission nicht mehr abgebrochen. Dafür gibt es nun einen Statistikbildschirm am Ende der Mission, der neben Missionszielen und Spielzeit penibel auflistet, wieviele Alarme ausgelöst und welche Wachen neutralisiert oder ausgeschaltet wurden. Um auf die perfekten 100% zu kommen, darf man nie erkannt, kein Alarm ausgelöst und keine Wache gemeuchelt worden sein. Dies ist gar nicht so einfach, denn die
überarbeitete Gegner-KI (Stichwort: Wächter mit Taschenlampe) macht einem schnell klar, dass es kein Spaziergang wird. In höheren Levels ist auch das No-Kills-Gebot nicht leicht umzusetzen - vor allem, da es als neue Waffe ein praktisches Messer gibt, welches im Nahkampf verheerende Wirkung auf die Gesundheit der Gegner hat.
Das Leveldesign ist jedoch so gut, dass es wirklich immer einen Weg gibt, ohne den Einsatz von tödlicher Gewalt in bester Stealth-Manier voranzukommen. Außerdem können mit dem Messer Materialien (Zeltstoff, Folien, Papier) durchschnitten werden, um alternative Wege zu finden. Ebenfalls neu ist ein Zusatzmodul für die Pistole, die elektronische Geräte aus der Ferne manipulieren lässt (z.B. Lichter temporär ausknipsen, Computer hacken oder Kameras stören).
Multiplayer on- und offline in Bestform Der Einzelspieler-Modus von
SCCT alleine hätte schon eine gute Bewertung verdient, jedoch legt
Ubisoft mit dem bereits bekannten Mehrspieler-Modus und den
kooperativen Missionen noch ordentlich oben drauf. On- oder offline
» It's good to play together. |
dürfen sich maximal vier Spieler (jeweils zwei Söldner oder Spione) nach Herzenslust gegenseitig jagen. Je nachdem, welche Seite ihr wählt, bietet sich euch ein völlig anderes Gameplay. Während die Spione ihre Missionen mit Stealth lösen müssen, sind die Söldner bis an die Zähne bewaffnet - verfügen jedoch nur über eingeschränkte Übersicht, da sie mit einer Ego-Sicht auskommen müssen. Eine detaillierte Erklärung findet ihr im Master-Review zu
Tom Clancy's Splinter Cell: Pandora Tomorrow.
Per Splitscreen, System Link oder Xbox Live dürfen Agenten nun auch erstmals kooperativ zu Werke gehen. Leider sind Koop-Modi noch recht selten, aber
Ubisoft zeigt, wie man es richtig macht. In den teils sehr umfangreichen Levels gibt es spezielle Stellen, wo zusammen gearbeitet werden kann, um z.B. über eine hohe Mauer zu klettern oder einen Abgrund zu bewältigen. Die Umsetzung ist dabei denkbar einfach: Per Knopfdruck beginnt ein Agent die Aktion, während der andere sie abschließt. Damit die Sache nicht ganz so einfach wird, müssen sich beide Spieler komplett
per Headset abstimmen. Es gibt (leider) keine Kartenfunktion und daher kommt es oft zu Situationen, in denen man sich erst gut orientieren und viel kommunizieren muss, um den zweiten Agenten wieder zu finden. Endgenial ist die Idee, dass Gegner euren Chit-Chat hören können. Wenn ihr euch zu laut absprecht, so werden Wachen auf euch aufmerksam. Einziger Kritikpunkt des kooperativen Spielspaßes: es gibt nur wenige Maps. Jedoch soll es bald
Nachschub in Form von Downloads geben.
Next-gen Look and Feel Die Grafik von
SCCT wurde im Hinblick auf die bald startende neue Konsolengeneration entwickelt und sieht dementsprechend phantastisch aus. Exzellente Licht- und Schatteneffekte waren ja bereits bisher das
» Sam sagt stilvoll 'Hi' oder: Normal Mapping in Action. |
Markenzeichen der Serie. Dank
Normal Mapping, das auch z.B. in
Riddick und
Doom 3 zum Einsatz kommt, wirken Oberflächen äußerst realistisch und man ertappt sich des Öfteren beim
Genießen des Ausblicks.
Chaos Theory zählt grafisch sicher zu den großen Highlights auf der Xbox - vor allem der Seoul-Level ist ein echter Leckerbissen. Dabei bleibt die Framerate erfreulich stabil und kommt praktisch nie ins Stottern. Fortgesetzt wird die technische Perfektion bei den Charaktermodellen und Animationen. So etwas hat man noch nicht gesehen. Einzig der etwas übertriebene "Plastik-Oberflächen-Look" sowie selten auftretende Clipping-Fehler fallen negativ auf.
Soundtechnisch haben die Entwickler ebenfalls nichts anbrennen lassen: der 5.1 Surround Sound kommt mit einer unglaublichen Präzision zum Einsatz. In Stealth-Games spielt der Ton eine wichtige Rolle, aber in
SCCT kann man sich wirklich darauf verlassen, dass die
Soundengine perfekt arbeitet. Oftmals hört man einen Gegner, den man gar nicht bemerkt hat und schaltet in die Nachtsicht, um ihn überhaupt erst zu sehen. Auch Sam selbst verursacht eine große Anzahl von Geräuschen: Ein knacksender Ast, verschiedene Schrittgeschwindigkeiten oder Glassplitter unterm Stiefel können euch leicht verraten, darum informiert euch ein
Lautstärkebalken den Geräuschpegel der Umgebung und eure eigene Lärmentwicklung.
Der Soundtrack wurde von Drum 'n Bass Spezialist
Amon Tobin komponiert und wechselt (meist) gut abgestimmt zum Gameplay zwischen ruhigen und entsprechend Nerven aufreibenden Passagen. Besonders erwähnenstwert ist das abermals exzellente
Voice Acting von Michael Ironside (Starship Troopers, Total Recall). Er verleiht Sam Fisher echte Authentizität und auch die deutsche Version kann mit der Synchro-Stimme von Nicolas Cage voll überzeugen.