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The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher...  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 26.08.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Kurz, knackig, Riddick. Oder: Warum Filmlizenzversoftungen nicht immer Müll sein müssen.

Vin Diesel: Ein Mann mit Muskeln aus Stahl, einer Reibeisenstimme par excellence und dem mimischen Repertoire eines altbackenen Brötchens. Das ist der Star von The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay, dem der gleichnamige Film im 3. Quartal dieses Jahres in die Kinos folgen wird. Die brennende Frage ist allerdings, ob uns hier wieder einmal typischer Lizenzschrott angedreht werden will. Eins sei gleich vorweg genommen: Schrott ist allerhöchstens der Film, das Spiel geht qualitativ in die entgegen gesetzte Richtung.

Geschnappt!
Das Alcatraz der Zukunft trägt einen aussagekräftigen Namen: Aus Butcher Bay, angesiedelt im Nirgendwo eines Wüstenplaneten, konnte noch nie ein Häftling entfliehen.
» Überraschung von hinten
Unser Protagonist und Leidensgenosse in spe, Richard B. Riddick, seines Zeichens mehrfacher Mörder und meistgesuchter Verbrecher dieser Zeit, ist da natürlich völlig anderer Meinung. Sein einziges Ziel ist es, aus eben diesem Gefängnis zu entkommen – und das nicht im Plastiksack.

Riddick verliert keine Zeit: Kaum angekommen, geht es in der klassischen First-Person-Perspektive auf Informationssuche. Entgegen der Erwartung vieler, erwartet den Spieler nämlich kein reinrassiger Egoshooter, sonder vielmehr eine Mischung aus vielen Genres. So präsentiert sich das Knastleben, vor allem zu Beginn des Spiels, als kleines Action-Adventure: Man spricht mit anderen Inhaftierten, versucht an eine Waffe zu kommen und vergisst nicht in einem Aufwasch gleich erste Ausbruchspläne zu schmieden. In den ersten Spielminuten kristallisieren sich auch gleich zwei der großen Pluspunkte des Spiels heraus. Erstens die umwerfende Grafik: Plastische, beinahe fühlbare Charaktermodelle, Lichteffekte en masse und ein ausgeklügeltes Physiksystem sorgen für offene Münder und staunende Gesichter. Leider hat diese Pracht aber auch ihren Preis: In besonders aufwändigen Zwischensequenzen oder großen Räumen rechnet das Programm die Details herunter, was zumeist doch sehr hässlich aussieht. Zweitens die hervorragende Soundunterstützung: Glasklare Dolby Digital 5.1 Kodierung, grandiose englische Synchronisation (inklusive der Originalstimme Marke „Rauchegern“ von Vin Diesel) und authentische Schusswaffengeräusche. So etwas sieht, hört und spielt man gerne.

Die Nacht hat viele Augen
Hat man erstmals eine (Schuss-)Waffe in der Hand, entwickelt sich der Titel jedoch recht flott vom Action-Adventure zum Egoshooter – Schleicheinlagen inklusive.
» Ab und zu erwarten euch auch mal dicke Brummer.
Hier kommen zwei besondere Fähigkeiten von Riddick zum Tragen. Gleich von Beginn an steht der so genannte Stealthmodus zur Verfügung, der automatisch aktiviert wird, wenn man sich in die Hocke begibt. In dieser Form schleicht man sich von hinten an Gegner heran um ihnen kurzerhand das Genick zu brechen oder ein Messer in die Nieren zu rammen. Sollte die Wache Wind von euren Mordgelüsten bekommen, zieht ihr ihm mit dem Gewehrkolben eins über die Birne oder haltet ihm seine eigene Knarre vor die Linse. Doch auch im Faustkampf ist unser Protagonist nicht unbewandert: Er kann blocken und sogar verschiedene Arten von Schlägen austeilen, um die vom Gegner nicht gedeckten Körperzonen zu treffen. Nach einem confirmed kill sollte man allerdings nicht vergessen, die Leiche zu verstecken - andere Wächter könnten sonst argwöhnisch werden.

Die zweite besondere Fähigkeit, sozusagen die klassische Spezialität von Riddick, ist seine außerordentliche Sehkraft: Im Laufe des Spiels erhält man die Nachtsicht, die auf Knopfdruck aktiviert werden kann. Mithilfe dieser neuen, praktischen Äuglein sind dunkle Lüftungsschächte und Keller kein Problem mehr. Dennoch sei man auch hier zur Vorsicht gemahnt: Gegner besitzen ab und zu auch schon einmal eine Gewehrlampe, ebenso wie Deckenlampen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den im Dunklen operierenden Riddick darstellen, der, man möchte es eigentlich gar nicht vermuten, bei weitem weniger Blei verträgt, als man im von der Statur her eigentlich zutrauen würde. Bedächtigkeit und Hinterhältigkeit garantieren den Erfolg, nicht jedoch stupides Dauerfeuer.

Game over
Gäbe es, neben dem Herunterrechnen der Grafik, einen Knackpunkt, der dem Spiel ein wenig von seinem Glanz entziehen könnte, so ist das sicherlich die kurze Spieldauer:
» In Butcher Bay geht's hart zur Sache.
Nach 7-8 Stunden hat man alles gesehen und findet sich im Abspann wieder. Pustekuchen, aus, vorbei, mehr gibt es nicht. Das ist natürlich für einen Vollpreistitel viel zu kurz und wurde auch mit entsprechenden Punkteabzügen geahndet (userrankings-Pflichtkauf knapp verfehlt). Dennoch findet sich ein triftiger Grund, das Spiel noch einmal in der Xbox rotieren zu lassen: Im Spiel sind ganze 59 Zigarettenpäckchen (Smokes) verteilt, die allerlei Extras und Boni freischalten. Diese reichen von einfachen Artworks und Bildern bis hin zu vollständigen Filmpassagen und Materialien zu früheren Versionen des Titels. So etwas gefällt und steigert natürlich auch den Wiederspielwert (man will ja schließlich alles gesehen haben).


Grafik
Absolut umwerfend. Dies ist ohne Zweifel eines der grafischen Prunkstücke auf Microsofts Konsole. Wären nicht die, doch recht zahlreichen, Passagen, in denen die Grafikdetails auf ein Minimum reduziert würden, hätte das Spiel von mir eine glatte 10 für die Optik bekommen: Glasklare Texturen, geniale Charakter- und Waffenmodelle, ein fantastisches Physiksystem (Stichwort: Ragdoll) und grandiose Licht- und Schatteneffekte katapultieren das Spiel in den Optik-Olymp… wären da nicht die angesprochenen, detailarmen Sequenzen.

Sound
Ein ähnliches Feuerwerk liefert auch der Sound. Zum einen natürlich die superbe englische Synchronisation (Gott sei Dank wurde keine deutsche Synchronisierung angestrebt, deutsche Untertitel sind jedoch zuschaltbar) und die Soundeffekte sowie zum anderen die passende und stets stimmige Musik, die eine dichte und spannende Atmosphäre schafft. Auch die Soundeffekte können sich den Vergleich mit den Genrekollegen durchaus gefallen lassen.

Spielspaß Solo
Da ist alles dabei: Adventure, Action und Sam Fisher Passagen. Dabei wirken die verschiedenen Elemente jedoch niemals aufgesetzt, sondern stimmig und zur aktuellen Situation von Riddick stets passend (wie die Faust aufs Aug’) und verleiten zum Weiterspielen. Einzige aber triftige Schwachstelle ist definitiv die zu kurze Spielzeit, die dem Titel die Aufnahme in die gloriose Reihe der userrankings-Pflichtkäufe verwehrt. Nach den erwähnten 7-8 Stunden ist alles vorbei. Das Sammelfieber verführt vielleicht zum nochmaligen Durchspielen, danach hat der Titel aber definitiv ausgedient.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayermodus enthalten.
Pro
Optik, die ihresgleichen sucht
Umwerfender Sound und tolle Synchronisation
Geniale Atmosphäre
Unkonventionelle aber spannende Nahkämpfe
Sammelfieber („Zigarettenpäckchen“)
Haufenweise Extras
Contra
Grafik wird manchmal „heruntergerechnet“
Zu kurz
Fazit
Das Spiel ist es in jedem Fall wert, gespielt zu werden. Selten gab es in einer Lizenzversoftung so viele gute Ideen zu sehen, selten hat der gekonnte Mix von verschiedenen Genres so gut funktioniert wie in The Chronicles of Riddick. Ob der Titel allerdings den Preis von €50 wert ist, sei dahin gestellt und liegt im Ermessen eines jeden einzelnen Spielers. Denn dafür bietet der Ausbruch aus Butcher Bay einfach zu wenig Langzeitmotivation. Alle Freunde von Action-Spielen, die auch mal ein wenig vom Weg abdriften können/wollen und offen für Neues sind, können und sollen hier ohne weiteres zugreifen. Und für alle anderen: Gespielt haben sollte man es in jedem Fall. Die dichte Atmosphäre, die umwerfende Grafik und der pompöse Sound sind die Ausleihgebühr bei der lokalen Videothek in jedem Fall wert.