Auch auf der Xbox hinterlässt Pro Evolution Soccer 4 einen exzellenten Eindruck - diesmal sogar inklusive Online-Modus.Was wäre das Leben eines Videospielers und Fußballfans ohne die Glaubensfrage -
FIFA oder
PES? Mit dem neuesten Ableger
Pro Evolution Soccer 4 beweist Konami auf jeden Fall eines: Man hat sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht und bringt erneut ein komplett konträr positioniertes Football-Spiel auf den europäischen Markt - viele
Tweaks und Verbesserungen inklusive, unverständlicherweise aber mit marginal schlechterer Optik als beim PS2-Pendant.
Football’s coming homeDie Schlachtgesänge der britischen Band
The Lightning Seeds träfen es wohl am Besten – der Fußball ist mit
PES4 wieder in die heimischen Wohnzimmer eingekehrt, und das besser denn je.
Wenn es Kritikpunkte am Vorgänger gab, dann sicherlich die - beinahe vollständig - fehlenden Lizenzen, die maue Präsentation und natürlich ganz besonders die inkonsequent umgesetzte und exekutierte Vorteilsregel, die bei Fußball-Kennern auf Unverständnis und ob ihrer Undurchsichtigkeit auch auf herunterklappende Kinnladen gestoßen ist. Konami hat sich zumindest des letzten Punktes intensiver angenommen und bietet nun neben einem
jederzeit sichtbaren Schiedsrichter, der seit neuestem Verwarnungen aussprechen kann, auch eine realistische und fehlerfreie Umsetzung der Vorteilsregel.
Doch auch lizenztechnisch gibt es Positives zu berichten:
Vier europäische Ligen mit insgesamt 56 Klubs sind vertreten und machen die Kickerei noch authentischer. Für die nicht-lizenzierten National- und Klubmannschaften steht allerdings wie gewohnt ein Editor zur Verfügung, der keine Wünsche offen lässt. Wer hingegen weniger Geduld und Ausdauer mitbringt, Namen und Logos auf den tatsächlichen Stand der Dinge zu bringen und eventuell veraltete Daten zu erneuern, darf sich auf einschlägigen Seiten nach Updates umsehen und auf die Xbox-Festplatte aufspielen - entsprechende 3rd-Party-Hardware vorausgesetzt.
Die wahren Stärken……spielt
Pro Evolution Soccer 4 neben all dem Lizenz-Schnick-Schnack aber freilich auf dem Spielfeld aus: Die Trickliste ist länger und komplexer denn je, die Animationen authentisch,
die Ballphysik über jeden Zweifel erhaben – man muss
PES4 gespielt haben, um verstehen zu können, warum es unter Fans und Zockern dermaßen beliebt ist. Einzug ins Spielgeschehen hält auch der
indirekte Freistoß, welcher nunmehr größere Variation beim Verwandeln erlaubt und dem Tormann keine Chance auf den Ball lässt; wäre da nicht die überaus überzeugende - und im freispielbaren
Sechs-Sterne-Schwierigkeitsgrad auch beinahe unschlagbare - künstliche Intelligenz. Sowohl Mitstreiter als auch Kontrahenten positionieren sich gegenüber eurem derzeitigen Standort immer glaubhaft und nutzen sowohl Freiräume als auch Lücken zum Ausbrechen und Freilaufen. Ganz ohne tatsächliche und direkte Kontrolle über die eigenen Mitspieler entwickeln sich realistische Spielzüge.
Ganz große Bedeutung beim offensiven Spiel kommt selbstverständlich dem Pass zu. Dieser muss im Vergleich zum Vorgänger noch präziser zugestellt werden - blindes Drücken von
A führt nur in den seltensten Fällen zum Erfolg. Sowohl Richtung als auch Stärke haben merklich größeren Einfluss auf den Erfolg des Passspiels als noch in
Pro Evolution Soccer 3 (PlayStation 2). Im selben Arbeitsschritt dürften allerdings auch gleich Steilpässe, Pässe in den Lauf und Flanken rundum erneuert worden sein - auch diese erfordern in
PES4 ein höheres Maß an Präzision - Realismus olé.
Foul!Die Leiden des jungen
Pro Evolution Soccer sind jedoch leider wieder die altbekannten. Während Gameplay, Ballphysik und Spielauthentizität nach wie vor ihresgleichen suchen, krankt es auch in
» Der indirekte Freistoß - Forza Ragazza! |
der Neuauflage vor allem am Look. Weder Grafik noch Sound können sich an den Mitbewerbern messen - von der Menüorganisation, den platten Zuschauerbitmaps und der generellen Präsentation mal abgesehen. Sogar lizenzierte Spieler sind nur auf den zweiten Blick als solche zu identifizieren und eher an den großartigen Animationen zu erkennen, als an den Gesichts-Modellen - die berühmten Ausnahmen, eh schon wissen. Dem Spielspaß tut dies jedoch keinen Abbruch. Besonders im Multiplayer, in dem bis zu vier Spieler gleichzeitig gegeneinander antreten können, kommt Freude auf. Nirgends liegen Freud’ und Leid so nahe beieinander wie in Konamis letztem Streich: Führungstor in der 89 Minute? Kein Grund sich in Sicherheit zu wiegen! Denn die realistische Ballphysik schlägt dem Spieler oftmals ein Schnippchen und lässt den Ball im Torraum-Geplänkel schon mal hinter die Linie kullern. Der Goalie? Chancenlos. Ebenso wie der Spieler am Gamepad; die Menge frenetisch, die Fußballprofis sichtlich gebrochen, das Gamepad in der Ecke.
Das ist Fußball!
Weniger
Fußball ist hingegen die Tatsache, dass die Xbox-Version
optisch der PS2-Fassung hinterher hinkt: Zwar kommt das Spiel gänzlich ohne Ruckler aus, aber weder Texturen noch Spielermodelle sind der vorhandenen Grafikpower würdig - auf Sonys Konsole wirkt der Gesamtlook trotz diverser Defizite homogener. Im Gegenzug spendierte Konami den Microsoft-Jüngern - sozusagen als Wiedergutmachung - allerdings einen rundum geglückten
Xbox-Live Modus, der grundsätzlich die vorhandenen Qualitäten auch online voll ausspielen kann. Wäre nicht die bittere Pille der zuhauf auftretenden Lags, die jede zweite Partie für den Joiner unspielbar machen, könnte sich
Pro Evolution Soccer 4 ohne gröbere Schwierigkeiten den Xbox-Live Thron unter den Nagel reißen. Zwar gibt es schon erste Workarounds (
Kommentar abstellen), welche das Gameplay zumindest erträglicher machen; die finale Lösung kann das jedoch nicht sein. Wir warten also gespannt auf den versprochenen
Patch, der die Verbindungsschwierigkeiten lösen sollte. Bis dahin repräsentiert die Multiplayer-Wertung rein den Offline-Part.
Ein Plädoyer für eine bessere Welt - in eigener Sache
Betreff:
Pro Evolution Soccer 5
Sehr geehrte Damen und Herren von Konami Tokyo,
Mit großem Bedauern hatte ich feststellen müssen, dass es auch in der neuesten Auflage Ihrer in Kennerkreisen äußerst beliebten
Pro Evolution Soccer-Reihe wieder am Altbekannten kränkelt und mangelt. Weder die Präsentation noch die fehlenden Lizenzen sind einem Produkt dieses Standes und Statutes angemessen, weswegen ich hiermit ein Drei-Punkte-Programm aufstelle, welches sowohl Ihnen in Form von Käufern als auch uns, den Zockern, in Form eines
runderen Produkts zuträglich ist.
1.: Besorgen Sie sich endgültig alle notwendigen und sinnvollen Lizenzen!
2.: Feilen Sie an der Präsentation! Werben Sie Fachleute in Sachen Design und User-Interface an! Besorgen Sie sich Grafik- und Effekt-Spezialisten!
3.: Haben Sie Punkt 1. und 2. erledigt, suchen Sie bei der Geschäftsführung um ein Marketing- und Werbebudget an, welches
marginal über den derzeitigen Werbeausgaben liegen sollte! Seien Sie opportunistisch,
Ihr Spiel ist besser!
Sollten Sie diese drei Punkte beherzigen, versichere ich Ihnen einen durchschlagenden Erfolg - sowohl in Japan als auch im Rest der Welt; und dies spätestens mit
Pro Evolution Soccer 6.
Mit freundlichen Grüßen,
Ein Gamer
GrafikSuperbe Animationen, tolle Ballphysik und ein realistisches Spielgeschehen treffen auf 08/15-Stadions-Optik und teilweise nicht erkenntliche Gesichter. Hier zieht
PES4 im direkten Vergleich mit
FIFA Football 2005 eindeutig den kürzeren. Sowohl Präsentation als auch Spielgrafik müssen im Jahre 2004 einfach anderen Standards entsprechen - vor allem auf der leistungsstarken Xbox. Ruckler und Slowdowns sucht man aber hier im Vergleich zum Sony-Gegenstück vergebens.
SoundWäre die Ingame-Berichterstattung der DSF-Kommentatoren nicht abschaltbar, würde es auch hier Schelte dafür geben. Doch auch abseits der Plaudertaschen herrscht Einöde: Magere Publikumschöre und die hundertste Abwandlung des
Pro Evolution Soccer-Themas lassen nicht unbedingt prickelnde Spannung aufkommen. Das Geschrei
vor dem Fernseher ist wesentlich interessanter und atmosphärischer: Fußball-Abend mit Freunden.
Spielspaß SoloGameplay, Gameplay, Gameplay. Zwar steuert sich
PES4 auf der Xbox aufgrund der zwei fehlenden Schultertasten ein wenig verzwickter - dem Spielspaß tut dies mit einiger Übung keinen Abbruch. Schließlich ist das Spiel nicht umsonst Fußball-Referenz. Dem Einzelspieler stehen mit Training, eigenen Meisterschaften oder dem
Match-Mode unendlich viele Möglichkeiten offen. Hat man sich bis nach ganz oben gearbeitet, wartet außerdem der äußerst verzwickte
Sechs-Sterne-Schwierigkeitsgrad, der auch Ronaldo oder Henry das Letzte abverlangen würde. Kern- und Meisterstück von
PES4 bleibt jedoch immer noch der Multiplayer-Modus.
Spielspaß MultiDer Multiplayer-Modus ist und bleibt Wiederspielfaktor Nummer Eins. Nächtelange Turniere, schlaflose Zocknächte, und - nach dem Patch - auch endlose Online-Schlachten. Erste Turniere können bereits jetzt ausgefochten werden. Wer
Pro Evolution Soccer 3 (PlayStation 2) bis zum Exzess gespielt hat, wird auch in Teil 4 nicht daran vorbeikommen, den einen oder anderen Tag völlig übermüdet in der Schule bzw. im Büro aufzukreuzen. Auch
FIFA-Freunde sollten
PES4 eine Chance gönnen, locken doch konträres Gameplay und simulationslastigeres Spielgefühl.