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Pro Evolution Soccer 4

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 24.10.2004
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Der König ist zurück! Pro Evolution Soccer 4 macht vieles besser und nähert sich kontinuierlich der Perfektion - auf der PlayStation 2 aber leider ohne Online-Modus.

Was wäre das Leben eines Videospielers und Fußballfans ohne die Glaubensfrage - FIFA oder PES? Mit dem neuesten Ableger Pro Evolution Soccer 4 beweist Konami auf jeden Fall eines: Man hat sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht und bringt erneut ein komplett konträr positioniertes Football-Spiel auf den europäischen Markt - viele Tweaks und Verbesserungen inklusive, unverständlicherweise aber ohne Online-Support für Sonys Konsole.

Football’s coming home
Die Schlachtgesänge der britischen Band The Lightning Seeds träfen es wohl am Besten – der Fußball ist mit PES4 wieder in die heimischen Wohnzimmer eingekehrt, und das besser denn je.
» Chaos im Strafraum.
Wenn es Kritikpunkte am Vorgänger gab, dann sicherlich die - beinahe vollständig - fehlenden Lizenzen, die maue Präsentation und natürlich ganz besonders die inkonsequent umgesetzte und exekutierte Vorteilsregel, die bei Fußball-Kennern auf Unverständnis und ob ihrer Undurchsichtigkeit auch auf herunterklappende Kinnladen gestoßen ist. Konami hat sich zumindest des letzten Punktes intensiver angenommen und bietet nun neben einem jederzeit sichtbaren Schiedsrichter, der seit neuestem Verwarnungen aussprechen kann, auch eine realistische und fehlerfreie Umsetzung der Vorteilsregel.

Doch auch lizenztechnisch gibt es Positives zu berichten: Vier europäische Ligen mit insgesamt 56 Klubs sind vertreten und machen die Kickerei noch authentischer. Für die nicht-lizenzierten National- und Klubmannschaften steht allerdings wie gewohnt ein Editor zur Verfügung, der keine Wünsche offen lässt. Wer hingegen weniger Geduld und Ausdauer mitbringt, Namen und Logos auf den tatsächlichen Stand der Dinge zu bringen und eventuell veraltete Daten zu erneuern, darf sich auf einschlägigen Seiten nach Updates umsehen und auf eine Memorycard aufspielen - entsprechende 3rd-Party-Hardware vorausgesetzt.

Die wahren Stärken…
…spielt Pro Evolution Soccer 4 neben all dem Lizenz-Schnick-Schnack aber freilich auf dem Spielfeld aus: Die Trickliste ist länger und komplexer denn je, die Animationen authentisch,
» Figo zieht ab.
die Ballphysik über jeden Zweifel erhaben – man muss PES4 gespielt haben, um verstehen zu können, warum es unter Fans und Zockern dermaßen beliebt ist. Einzug ins Spielgeschehen hält auch der indirekte Freistoß, welcher nunmehr größere Variation beim Verwandeln erlaubt und dem Tormann keine Chance auf den Ball lässt; wäre da nicht die überaus überzeugende - und im freispielbaren Sechs-Sterne-Schwierigkeitsgrad auch beinahe unschlagbare - künstliche Intelligenz. Sowohl Mitstreiter als auch Kontrahenten positionieren sich gegenüber eurem derzeitigen Standort immer glaubhaft und nutzen sowohl Freiräume als auch Lücken zum Ausbrechen und Freilaufen. Ganz ohne tatsächliche und direkte Kontrolle über die eigenen Mitspieler entwickeln sich realistische Spielzüge.

Ganz große Bedeutung beim offensiven Spiel kommt selbstverständlich dem Pass zu. Dieser muss im Vergleich zum Vorgänger noch präziser zugestellt werden - blindes Drücken von X führt nur in den seltensten Fällen zum Erfolg. Sowohl Richtung als auch Stärke haben merklich größeren Einfluss auf den Erfolg des Passspiels als noch in Pro Evolution Soccer 3. Im selben Arbeitsschritt dürften allerdings auch gleich Steilpässe, Pässe in den Lauf und Flanken rundum erneuert worden sein - auch diese erfordern in PES4 ein höheres Maß an Präzision - Realismus olé.

Foul!
Die Leiden des jungen Pro Evolution Soccer sind jedoch leider wieder die altbekannten. Während Gameplay, Ballphysik und Spielauthentizität nach wie vor ihresgleichen suchen, krankt es auch in
» Der indirekte Freistoß – Forza Ragazza!
der Neuauflage vor allem am Look. Weder Grafik noch Sound können sich an den Mitbewerbern messen - von der Menüorganisation, den platten Zuschauerbitmaps, den gelegentlichen Rucklern und der generellen Präsentation mal abgesehen. Sogar lizenzierte Spieler sind nur auf den zweiten Blick als solche zu identifizieren und eher an den großartigen Animationen zu erkennen, als an den Gesichts-Modellen - die berühmten Ausnahmen, eh schon wissen. Dem Spielspaß tut dies jedoch keinen Abbruch. Besonders im Multiplayer, in dem bis zu acht Spieler gleichzeitig gegeneinander antreten können, kommt Freude auf. Nirgends liegen Freud’ und Leid so nahe beieinander wie in Konamis letztem Streich: Führungstor in der 89 Minute? Kein Grund sich in Sicherheit zu wiegen! Denn die realistische Ballphysik schlägt dem Spieler oftmals ein Schnippchen und lässt den Ball im Torraum-Geplänkel schon mal hinter die Linie kullern. Der Goalie? Chancenlos. Ebenso wie der Spieler am Gamepad; die Menge frenetisch, die Fußballprofis sichtlich gebrochen, das Gamepad in der Ecke. Das ist Fußball!

Weniger Fußball ist hingegen der fehlende Onlinemodus. Während sich Xbox- und PC-Besitzer ab November virtuell die Bälle um die Ohren kicken können, bleiben PS2-only Nutzer an den heimischen Bildschirm gefesselt und dürsten nach Frischfleisch in Form von willigen Mitspielern im Bekanntenkreis. Zugegeben: Weniger ist oft mehr und die Freude über ein Tor ist direkt proportional zur Wut des Mitspielers - und diese kann man eigentlich nur im direkten Kampf Mann gegen Mann vollends auskosten. Nichtsdestotrotz bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Die Gründe für und gegen einen Onlineauftritt auf Sonys Konsole - mit deren Hilfe Pro Evolution Soccer immerhin groß wurde - bleiben wohl im Dunkeln.

Ein Plädoyer für eine bessere Welt - in eigener Sache

Betreff: Pro Evolution Soccer 5

Sehr geehrte Damen und Herren von Konami Tokyo,

Mit großem Bedauern hatte ich feststellen müssen, dass es auch in der neuesten Auflage Ihrer in Kennerkreisen äußerst beliebten Pro Evolution Soccer-Reihe wieder am Altbekannten kränkelt und mangelt. Weder die Präsentation noch die fehlenden Lizenzen sind einem Produkt dieses Standes und Statutes angemessen, weswegen ich hiermit ein Drei-Punkte-Programm aufstelle, welches sowohl Ihnen in Form von Käufern als auch uns, den Zockern, in Form eines runderen Produkts zuträglich ist.

1.: Besorgen Sie sich endgültig alle notwendigen und sinnvollen Lizenzen!
2.: Feilen Sie an der Präsentation! Werben Sie Fachleute in Sachen Design und User-Interface an! Besorgen Sie sich Grafik- und Effekt-Spezialisten!
3.: Haben Sie Punkt 1. und 2. erledigt, suchen Sie bei der Geschäftsführung um ein Marketing- und Werbebudget an, welches ein wenig über den derzeitigen Werbeausgaben liegen sollte! Seien Sie opportunistisch, Ihr Spiel ist besser!

Sollten Sie diese drei Punkte beherzigen, versichere ich Ihnen einen durchschlagenden Erfolg - sowohl in Japan als auch im Rest der Welt; und dies spätestens mit Pro Evolution Soccer 6.

Mit freundlichen Grüßen,
Ein Gamer


Grafik
Superbe Animationen, tolle Ballphysik und ein realistisches Spielgeschehen treffen auf 08/15-Stadions-Optik, teilweise nicht erkenntliche Gesichter und gelegentliche Ruckler. Hier zieht PES4 im direkten Vergleich mit FIFA Football 2005 eindeutig den kürzeren. Sowohl Präsentation als auch Spielgrafik müssen im Jahre 2004 einfach anderen Standards entsprechen.

Sound
Wäre die Ingame-Berichterstattung der DSF-Kommentatoren nicht abschaltbar, würde es auch hier Schelte dafür geben. Doch auch abseits der Plaudertaschen herrscht Einöde: Magere Publikumschöre und die hundertste Abwandlung des Pro Evolution Soccer-Themas lassen nicht unbedingt prickelnde Spannung aufkommen.

Spielspaß Solo
Gameplay, Gameplay, Gameplay. Das Spiel macht Laune und ist nicht umsonst Fußball-Referenz. Dem Einzelspieler stehen mit Training, eigenen Meisterschaften oder dem Match-Mode unendlich viele Möglichkeiten offen. Hat man sich bis nach ganz oben gearbeitet, wartet außerdem der äußerst verzwickte Sechs-Sterne-Schwierigkeitsgrad, der auch Ronaldo oder Henry das Letzte abverlangen würde. Kern- und Meisterstück von PES4 bleibt jedoch immer noch der Multiplayer-Modus.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus vorhanden - zumindest online nicht. Während sich Xbox- und PC-Spieler ab November in die Online-Schlacht stürzen können, schauen PS2-Nutzer in die Röhre - und freuen sich insgeheim, dass sie bereits sechs Wochen früher bedient wurden als die Mitbewerber. Der Multiplayer-Modus ist und bleibt Wiederspielfaktor Nummer Eins. Nächtelange Turniere, schlaflose Zocknächte. Wer Pro Evolution Soccer 3 bis zum Exzess gespielt hat, wird auch in Teil 4 nicht daran vorbeikommen, den einen oder anderen Tag völlig übermüdet in der Schule bzw. im Büro aufzukreuzen.
Pro
Unangefochten gutes Gameplay
Sichtbarer Referee
Endlich sinnvoll umgesetzte Vorteilsregel
Animationen und Ballphysik vom feinsten
Im Multiplayer beinahe unschlagbar
56 Original-Lizenzen
Contra
Fehlende Lizenzen und teilweise veraltete Daten
Maue Präsentation
Kein Online-Modus
Fazit
Pro Evolution Soccer 4 wurde in vielen Punkten sinnvoll verbessert und ist deswegen auch mehr als ein typisches Jahresupdate: Die verbesserte Vorteilsregel, der sichtbare Referee und die 56 originalen Klubmannschaften sind für Fußballfans eindeutige Kaufgründe. Weniger gefallen hat wieder einmal die Präsentation. Hier müsste in der nächsten Ausgabe eindeutig mehr drin sein, die Konkurrenz macht’s vor.
Zum Schluss gibt’s hier noch drei Gründe, Pro Evolution Soccer 4 nicht zu kaufen.
1. Ihr habt keine PlayStation 2, 2. ihr wartet auf die Xbox- oder PC-Fassung oder 3. ihr mögt keine Sportspiele.
Alle anderen sollten sich auf dem schnellstmöglichen Weg zum nächsten Geschäft machen und sich PES4 zulegen - am besten gleich mit einem Rudel Freunde im Gepäck. Pflichtkauf!
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
Konami
Entwickler
Konami
Website
de.konami-europ...
Release
15. Oktober 2004
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