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Master-Review:   » drucken    » versenden

Prince of Persia: Warrior Within

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 12.12.2004
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Das zweite 3D-Abenteuer des persischen Edelmannes erweist sich als würdiger Nachfolger, hat aber mit einem gesalzenen Schwierigkeitsgrad zu kämpfen.

Eigentlich hätte sich der Prinz nach seinem letzten Abenteuer ja einen mehrwöchigen Urlaub mit Farah verdient, doch natürlich kommt mal wieder alles ganz anders. Die Veränderung der Ereignisse durch Dolch und Sand der Zeit in Prince of Persia: The Sands of Time haben den Dahaka, seines Zeichens Wächter der Zeit, auf den Plan gerufen, der dem Königssohn nun nach seinem Leben trachtet. Verfolgt von der übernatürlichen Kreatur macht sich der Prinz von Persien auf eine Reise voller Blut und Ungewissheit. Was ihm dabei so alles widerfährt, wird unser Master-Review klären.

Sailin' away
Das Spiel beginnt auf dem Segelschiff des Blaublütlers, das sich auf dem Weg zur Insel der Zeit befindet und gerade einem schweren Angriff der Sandbestien ausgesetzt ist. Um nicht tatenlos zusehen zu müssen darf man gleich zum Schwert
» Wer von euch möchte zuerst sterben?
greifen und kräftig mitmischen. Das Programm unterstützt einen dabei mit zahlreichen Einblendungen, die hilfreiche Hinweise zu Bewegung und Kampf liefern. Nachdem sich der erste Gegner in Sand aufgelöst und seine Waffe fallen gelassen hat, wird man gleich den größten Unterschied zum Vorgänger bemerken: Mit einem Druck auf die Kreistaste darf neuerdings das Meuchelinstrument aufgehoben und fortan beidhändig gekämpft werden. Spätestens jetzt sei ein Blick ins Handbuch angeraten, da sich nun, doppelt bewaffnet, zahlreiche Kombos ausführen lassen. Beginnend bei eher simplen Abfolgen wie dem zweimaligen Drücken einer Taste bis hin zu vielfältigen Kombinationen der Dreiecks- und Viereckstaste ist alles vertreten, was die Widersacher in Angst und Schrecken versetzt. Dem nicht genug sind natürlich auch die Kreis- und Kreuz-Taste in den Auseinandersetzungen doppelt und dreifach belegt. Einen Button sollte man sich aber besonders gut einprägen: R1 zum Blocken. Die meisten Fights wird man nur heil überstehen, indem der Prinz seine Schwerter kreuzt und die auf ihn niederprasselnden Attacken abwehrt, um dann selbst zum Angriff überzugehen. Bevor die Frage auftaucht: Ja, die Kämpfe sind schwer. Mit der richtigen Taktik und dem einen oder anderen Neuanfang klappt's dann aber doch immer wieder.

In diesem Zusammenhang sei auch das im Vorfeld viel gerühmte und oft erwähnte Freistil-Kampfsystem (Free Form Fighting System) genannt, das von einer Aktion zur nächsten führt. Beispiel: Man springt über den Gegner hinweg und kann nun durch Tastendruck entscheiden, ob man ihm den Kopf abschlägt, in zwei Teile spaltet oder die Waffe abnimmt - was jedoch nur die Spitze des Eisberges in Bezug auf die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ist. In unregelmäßigen Abständen werden diese meist sehr blutigen Amputationen von einer äußerst coolen Zeitlupe begleitet, die das Ableben der Bestien ins rechte Licht rückt. Zusätzlich dürfen noch Mauern, Säulen und Abgründe mit in die Auseinandersetzungen einbezogen werden. Selten zuvor konnte dem bösen Abschaum auf vielfältigere Weise das Lebenslicht ausgeblasen werden. So ergeben sich wirklich spannende und abwechslungsreiche Kämpfe, in denen man immer selbst bestimmt, in welche Richtung sie gehen. Natürlich kann es anhand der zahlreichen möglichen Tastenkombinationen aber auch schon mal passieren, dass man ein wenig überfordert ist und gar nicht weiß, welche Kombo man als nächstes vom Stapel lassen soll. Im Endeffekt schießt man sich so auf eine Handvoll Tastenabfolgen ein, die einen über den ganzen Spielverlauf hinweg begleiten und gute Dienste leisten - immer im Hinterkopf, dass jedoch noch viel mehr möglich wäre.

Sand auf meiner Haut
Wie auch im Vorgänger wird dem so genannten Sand der Zeit eine besondere Bedeutung zugemessen. Mithilfe dieses kostbaren Gutes ist es möglich, die Zeit zu beeinflussen. Die wohl wichtigste Aktion in diesem Zusammenhang stellt das
» Der erste Zwischengegner hat es in sich.
Zurückspulen dar. Stolpert man mal in einen Abgrund oder wird von einem gegnerischen Schwert aufgespießt - kein Problem, einfach L1 drücken und schon darf es noch einmal versucht werden. Voraussetzung: einer der insgesamt sechs Sandbehälter ist gefüllt, denn ansonsten hat es sich schnell ausgespult. Mehr zum Überwinden von Fallen und Lösen von Rätseln dient die Fähigkeit, die Zeit in verlangsamter Form ablaufen zu lassen und beispielsweise Türen länger offen zu halten. Doch auch in Kämpfen soll es schon vorgekommen sein, dass dieses Manöver den entscheidenden Vorteil gebracht hat. Zu guter letzt kann das Zauberpulverchen noch dazu verwendet werden, den Widersachern mithilfe von Schockwellen das Fürchten zu lehren. Einen kleinen Haken gibt es an der Sache jedoch noch: Ohne Gegner kein Sand. Nur durch das Erlegen der Feinde füllen sich leere Behälter wieder auf. Ab und zu stehen auch Fässer und Krüge herum, die dieses sandige Etwas beherbergen, was aber eher die Ausnahme ist.

Zum Glück bieten sich dennoch genügend Möglichkeiten, um den Vorrat wieder aufzufrischen. Angefangen bei simplen Schwertkämpfern über sadomasochistisch angehauchte Kampfweiber bis hin zu Dornenmonstern ist alles vertreten, was den Blutdurst des Prinzen stillen kann. Ab und an finden sich auch Zwischengegner auf der Speisekarte wieder, die aber meist außer einem besonders langen Gesundheitsbalken kein allzu großes Problem darstellen sollten.
Zur Steigerung der Abwechslung verlieren die meisten Widersacher unterschiedliche Waffen, die selbstverständlich vom Spieler als Mordinstrumente verwendet werden können und unterschiedliche Eigenschaften mitbringen. Äxte sind langsam, verursachen aber große Beulen. Dolche wiederum machen bestenfalls ein paar Kratzer, können aber gut geworfen werden. Daneben gibt es noch unzählige Keulen und Schwerter - letztere in verschiedenen Ausbaustufen, die von Mal zu Mal merklich mehr Schaden anrichten.

Back to the future
Ort des Geschehens von Prince of Persia: Warrior Within ist die Insel der Zeit. Was anhand des Namens bereits erahnt werden kann, ist bald Realität: Neben der Gegenwart muss auch der Vergangenheit der eine oder andere Besuch abgestattet
» Ein etwas größeres Exemplar.
werden. Dieser Wechsel ist in bestimmten Räumen möglich, die jedoch nicht beliebig besucht werden können, sondern nur in einer fest vorgegebenen Reihenfolge. Neben der wechselnden Optik haben diese zwei Zeitebenen einen anderen, gewaltigen Unterschied: Während in der Gegenwart alle Bauwerke in ihrer vollen Pracht anzutreffen sind, befinden sich diese in der Vergangenheit meist schon kurz vor dem Verfall und sind mit Unkraut überwuchert. Wege, die gerade eben noch unüberwindbar schienen, sind nach einem Wechsel plötzlich frei passierbar. Diesen Unterschied machen sich vor allem die Rätsel und Klettereinlagen zunutze. Speziell auf letztere wird man im Laufe des Spieles immer wieder treffen, zählen sie doch neben den Kämpfen zum Hauptbestandteil des Spieles. Leider kommt es durch die Zeitreisen jedoch vor, dass Levels teilweise noch einmal durchlaufen werden müssen.

Wie auch schon im Vorgänger hat der Prinz dabei zahlreiche Bewegungsabläufe auf Lager, die jedem noch so unüberwindbaren Hindernis schnell den Schrecken nehmen: an Kanten festhalten und hochziehen, Wände in horizontaler und vertikaler Richtung entlanglaufen, um sich im Anschluss auf Wunsch davon abstoßen und nicht zuletzt auf Balken balancieren und an Säulen hochklettern. Natürlich hat der Königssohn auch dazugelernt und kann nun Seile für den Wandlauf verwenden und sich an Bannern herunterlassen. So ergeben sich spannende und fordernde Kletterpartien, bei denen es aber auch schon mal vorkommen kann, dass man nicht genau weiß, wo es nun hingehen soll. Durch ein wenig Suchen und Herumschauen findet man aber dann schnell den entscheidenden Hinweis.

Ging es bis jetzt meist noch eher gemächlich zur Sache, ändert sich das augenblicklich, wenn einem der Dahaka auf den Fersen ist. Unter Zeitdruck und der Verwendung von ungewöhnlichen Kameraperspektiven müssen hier Levelabschnitte möglichst schnell passiert werden. Ist man zu langsam verspeist einen das Monster zum Mittagessen. Nicht weniger tödlich geht es bei den zahlreichen Fallen zu, die an jeder Ecke versteckt sind. Angefangen bei klingenbestückten Säulen über flitzende Kreissägen bis hin zu zermalmenden Blöcken ist alles vertreten, was das Leben des Prinzen drastisch verkürzt. Nicht zu vergessen, dass diese Foltergeräte meist in Kombination und schneller Abfolge auftreten. Ist es verständlicherweise mal um die Gesundheit des Blaublütlers nicht so gut bestellt, darf man sich an speziellen Brunnen heilen und auch gleich speichern. Fairerweise weist das Spiel zusätzlich Checkpoints auf, an denen nach dem Ableben weitergemacht werden darf.


Grafik
Optisch zeigt der Titel sehr gut, was noch alles in der PS2 steckt: schöne Lichteffekte, detaillierte Leveltexturen, weitläufige, abwechslungsreiche Areale, butterweiche Animationen und stylische Slowmotion-Effekte. Angesichts dieser Pracht kann es aber schon mal zu kleinen Rucklern kommen, die aber selten auftreten und nicht stören. Im Gegensatz zu The Sand of Time zeigt sich die Grafik diesmal jedoch etwas düsterer, melancholischer und erwachsener, hat also leider nicht mehr dieses 1001-Nacht-Flair - was aber Geschmackssache ist. Den Wischeffekt gibt es zwar nach wie vor, er wird jedoch nicht mehr so stark eingesetzt wie noch vor einem Jahr. Um die Charaktermodelle ist es leider nicht so gut bestellt, da diese durch verwaschene Texturen und grobe Züge eher negativ auffallen.

Sound
Auch soundtechnisch weiß der Titel zu überzeugen. Besonders erwähnenswert ist hier der rockige Soundtrack, der sehr gut zum dunkel gezeichneten Szenario passt und eine tolle Atmosphäre aufkommen lässt. Dazu tragen auch die gelungenen Soundeffekte der Fallen und Gegner bei. Die Synchronstimme des Prinzen blieb unverändert und passt weiterhin hervorragend, wie auch die Sprecher der restlichen Charaktere. Der einzige wirklich negative Punkt sind die dauernden Soundaussetzer, die dazu führen, dass in den Zwischensequenzen Bild und Ton nicht mehr zusammenpassen.

Spielspaß Solo
Der Titel legt sein Hauptaugenmerk klar auf zwei Bereiche: die spannenden Kämpfe und die abwechslungsreichen Klettereinlagen. Durch die Möglichkeit, zwei Waffen gleichzeitig führen zu können und die große Anzahl der zur Verfügung stehenden Mordinstrumenten gestalten sich die ohnehin schon in Teil 1 guten Rangeleien nun noch besser, motivierender und unterschiedlicher. Durch die unzähligen Kombos kann man immer wieder aufs Neue wählen, wie man seine Gegner über den Jordan schickt. Dabei wurde genau das richtige Maß aus kämpferischen Auseinandersetzungen und Geschicklichkeitsaufgaben gewählt und so kann nie Langweile aufkommen. Gerade erst einen Pulk an Sandbestien in den Boden gestampft gilt es schon wieder, eine Reihe von Fallen zu überwinden oder in schwindelerregende Höhen vorzudringen.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Spannende Kämpfe
Unzählige Kombos
Fordernde Kletterpartien und Fallenkonstruktionen
Toller Soundtrack
Stimmige Grafik
Sehr gute Atmosphäre
Große Abwechslung
Dahaka-Abschnitte
Beeinflussen der Zeit
Contra
Sehr hoher Schwierigkeitsgrad
Zu viele verschiedene Tastenkombinationen
Seltenes Level-Recycling
Sound-Aussetzer
Fazit
Prince of Persia: Warrior Within tritt ein sehr schweres Erbe an: bereits der Vorgänger war ein hervorragendes Spiel und fiel lediglich durch seine zu kurze Spieldauer wirklich negativ auf. Ubisoft hat sich zum Glück dieses Mankos angenommen und so benötigt man für den vorliegenden Titel weit länger, bis man den Abspann zu Gesicht bekommt. Auch sonst wurde vieles richtig gemacht und besonders die aufgewerteten Kämpfe wissen zu überzeugen. Vielleicht floss bei der Entwicklung aber auch ein wenig zu viel Energie in die Fights, da man anhand der zahllosen Kombos und Möglichkeiten oft schlicht und einfach überfordert ist und nicht weiß, welche Tastenfolge man nun anwenden soll. Besonders gut gefallen haben mir jedoch die Abschnitte, in denen man vom Dahaka verfolgt wird und unter Zeitdruck agieren muss, was eine spezielle Herausforderung darstellt.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Action-Adventure
Publisher
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Website
www.princeofper...
Release
03. Dezember 2004
Spiel kaufen
»  Game World
»  game4game
User-Bewertung
90
7 Bewertungen
2 Reviews
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