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Brothers in Arms: Road to Hill 30  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 24.04.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Endlich frischer Wind im strapazierten Weltkriegs-Szenario: Brothers in Arms: Road to Hill 30 drängt den kalifornischen Kriegsgegner zurück.

Zweiter Weltkrieg… schon wieder: In unzähligen Titeln steckt der Spieler in der Haut eines jungen US-Soldaten, dessen Aufgabe darin besteht, die gierige deutsche Wehrmacht dorthin zu jagen, wo der Pfeffer wächst. Auch Brothers in Arms: Road to Hill 30 bildet in diesem Zusammenhang keine Ausnahme, erweitert das Gameplay jedoch um eine taktische Team-Komponente. Inwiefern dieser Schritt geglückt ist, erfahrt ihr in folgendem Review.

Full Spectrum Baker
Die Analogien zur HBO-Miniserie Band of Brothers sind unverkennbar: Als Sgt. Matt Baker der 101st Airborne Division habt ihr einen Tag vor der alliierten Invasion in der Normandie eine
» Dreck oder Blut?
schwere Bürde zu tragen. Zusammen mit euren Kameraden werdet ihr des Nächtens hinter feindlichen Linien abgesetzt, um den erfolgreichen Abschluss der Operation Overlord vorzubereiten. Als euer Flugzeug von einer deutschen FLAK getroffen wird, gerät die Situation außer Kontrolle: Der Absprung erfolgt unkoordiniert, euer Zug verfehlt das Zielgebiet und versprengt sich. Zeit den Karabiner auszupacken und sich auf die Suche zu machen!

Was den Titel in erster Linie von anderen WK2-Shootern abhebt, ist das äußerst gelungene und intuitive Team-Feature: Im Laufe der Missionen sind euch bis zu zwei Fire- bzw. Assaultteams unterstellt, welchen ihr durch Ziehen der L-Taste einfache Befehle erteilt. Auf diese Weise ordnet ihr Feuerschutz an, legt Wegpunkte für die Untergebenen fest oder lasst Stellungen stürmen. Ein kleiner Kompass in der linken unteren Ecke des Bildschirms gibt dabei jederzeit Auskunft über den aktuellen Status und Aufenthaltsort eurer Kameraden bzw. Panzer. Durch Betätigen der Back-Taste steht euch ein weiteres, im späteren Spielverlauf sogar überlebensnotwendiges, Feature des Spiels zur Verfügung: Der so genannte Situational Awareness Mode pausiert die Mission und lässt euch das unterbrochene Geschehen aus der Vogelperspektive betrachten. Neben Status und Aufenthaltsort eurer Teams sind auch Ziele sowie bereits entdeckte Feinde eingezeichnet und auswählbar.

Feuerteppich
Um bei einer solchen Vielzahl an unterstützenden Features durch die Gegnerverbände nicht wie das sprichwörtliche Messer durch die Butter zu gleiten, hat auch die KI ein wenig zugelegt:
» Über Kimm’ und über Korn.
Eure Feinde verschanzen sich hinter Mauern und Zäunen, versuchen euch über Flankenangriffe in die Zange zu nehmen und treffen zielgenau – im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass euresgleichen nur wenige Treffer bis zum fatalen KIA (Killed in Action) verträgt, eine explosive Mischung. Abhilfe schafft hier nur die gekonnte Ausnutzung des Suppression Level: Habt ihr eine Truppe deutscher Soldaten gesichtet, erscheint über dem jeweiligen Zug ein roter Kreis, der sich bei andauerndem Beschuss langsam grau färbt. Für euch gilt: Je grauer desto besser, stehen die Kontrahenten dabei doch zunehmend unter Stress und trauen sich weder aus ihrer Deckung hervorzukommen, noch die Waffe zielgenau auf euch zu richten – Zeit, die Stellung zu stürmen!

Im Missionsaufbau orientiert sich Brothers in Arms: Road to Hill 30 größtenteils an tatsächlichen Begebenheiten und Kampfschauplätzen: Euer Weg führt euch durch die Städtchen Foucarville, St. Come-du-Mont sowie Carentan und schlussendlich zum schicksalsträchtigen und namensgebenden Hill 30. Dabei erwarten euch die unterschiedlichsten Aufgaben: Mal müsst ihr ein von den Deutschen besetztes Dorf im gefährlichen Häuserkampf einnehmen, dann wiederum gilt es, eine Landebahn vorzubereiten und die rustikale Umgebung feindfrei zu schießen. Selbst als reiner Scharfschütze darf man sich im Verlauf des Spiels auf die Lauer legen. Ein zentrales Element spielen jedoch die Panzer, welche euch in einigen Missionen auch selbst zur Verfügung stehen – als Teil des Teams. Abwechslung wird groß geschrieben. Gespeichert werden darf übrigens nur an Speicherpunkten, welche aber fair gesetzt wurden und den fordernden Titel nicht unnötig in die Länge ziehen.

Realismus-Keule
Um euch die Authentizität des Titels und die einhergehende, wochenlange Vorarbeit stilgerecht zu demonstrieren, schaltet ihr auf jedem der drei Schwierigkeitsgrade
» Von den eigenen Waffen geschlagen.
nach dem erfolgreichen Abschluss einer Mission Extras frei: Diese beschränken sich nicht nur auf Artworks oder Fotogallerien, sondern zeigen auch kurze Clips der Originalschauplätze oder Interviews mit Verantwortlichen von Gearbox-Software bzw. militärischen Beratern. Auch bei den verfügbaren Waffen wird Realismus groß geschrieben: Alle Modelle haben das Look and Feel der Originale und bieten sogar die Möglichkeit, über Kimme und Korn zu zielen – Fadenkreuz nein danke (standardmäßig ist dieses übrigens deaktiviert).

Leider findet sich jedoch eine Design-Entscheidung im Spiel, welche die gekonnt aufgebaute Atmosphäre mit ausgemachter Präzision wieder den Bach runtergehen lässt: Stirbt einer eurer Kameraden im Laufe einer Mission, steht er in der nächsten dennoch wieder auf der Matte – wohl aus dramaturgischen Gründen, denn schließlich wird hier eine Geschichte von Freundschaft und Kollegialität erzählt; nichtsdestotrotz wirkt dieses Detail ein wenig fehl am Platz. Im Gegensatz dazu stehen die hervorragenden Zwischensequenzen und die sehr gelungene Präsentation: Zwar kann die Optik den Genreschwergewichtern Doom 3 und The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay keinesfalls das Wasser reichen – überzeugen mag sie trotz etwas niedrig aufgelösten Texturen dennoch: Zerbombte Städtchen wechseln sich mit weitläufigen Feldern ab, die Animationen sind gelungen und Ruckler sucht man vergeblich. Auf Sound-Untermalung innerhalb der Missionen wurde übrigens gänzlich verzichtet – recht so, hat der Subwoofer doch mit den brachialen Soundeffekten genug zu tun.

Ins Getümmel
Gäbe es einen Kritikpunkt, der Brothers in Arms: Road to Hill 30 ein wenig des verdienten Glanzes nehmen könnte, es wäre derselbe wie auch schon bei Full Spectrum Warrior: Im Prinzip wird
» Auf der Suche nach James?
jede Mission nach dem Schema Sperrfeuer – Flanke – Abschuss absolviert. Zwar bleibt im Vergleich zu Pandemics Vorzeige-Strategietitel ein wenig mehr Spielraum, doch schlussendlich läuft es immer wieder auf diese Vorgehensweise hinaus. Richtig störend ist dies jedoch nie, da immer wieder Passagen eingestreut werden, welche auf eine andere Weise hand zu haben sind.

Für einen Shooter der aktuellen Generation fast schon zur Pflicht anstatt zur Kür wird der Multiplayer-Modus über Splitscreen, System Link und Xbox Live. Auch hier beschreitet Brothers in Arms: Road to Hill 30 neue Wege, in dem es das Gameplay der Kampagne 1:1 ins Mehrspielergefecht überführt. Anstatt also alleine gegen den Feind vorzurücken, verfügt ihr weiterhin über drei Untergebene, welche euren Befehlen Folge leisten. Werdet ihr tödlich getroffen, übernehmt ihr automatisch einen der verbleibenden Kameraden. Eine Prise Taktik ist in Onlinegefechten ebenso erforderlich wie auch gegen die KI: Rambos haben keine Chance.
Pro
Authentisches Setting
Packende Atmosphäre
Tolle Sounduntermalung
Viele freispielbare Extras
Intuitive (Team-)Steuerung
"Neues" Multiplayererlebnis
Contra
Etwas verwaschene Texturen
Realismus-Grad ein wenig heterogen ("Wiederauferstehung")
Fazit
Brothers in Arms: Road to Hill 30 ist das geworden, was die Spielercommunity erwartete: Ein taktischer FPS im Weltkriegsszenario. Anstatt einmal mehr die Rolle eines übermenschlichen Einzelkämpfers zu übernehmen, schlüpft ihr in die Rolle eines Squad-Leaders, der seinen Trupp durch Geschick und Strategie zum Erfolg führt. Besonders erwähnenswert ist der hohe Realismus-Grad des Titels: Authentisches Setting, die "dreckige" Optik und sogar fehlende Musikuntermalung innerhalb einer Mission zeugen von einem gewissen, selbst auferlegten Anspruch auf eine möglichst detailgetreue Umsetzung. Umso bedauerlicher, dass dieser Anspruch mit dem Tod und der plötzlichen Wiederauferstehung eines Kameraden ad absurdum geführt wird. Nichtsdestotrotz liegen alle Fans von Shootern mit den Waffenbrüdern goldrichtig. Die packende Atmosphäre und der fordernde Schwierigkeitsgrad bieten für zehn bis 15 Stunden perfekte Unterhaltung – das nötige taktische Fingerspitzengefühl vorausgesetzt. Auch der ungewöhnliche Multiplayermodus gefällt, bricht er doch mit gängigen Konventionen und bietet sowohl per System Link als auch über Xbox Live ein stimmiges Erlebnis.