Endlich frischer Wind im strapazierten Weltkriegs-Szenario: Brothers in Arms: Road to Hill 30 drängt den kalifornischen Kriegsgegner zurück.Zweiter Weltkrieg… schon wieder: In unzähligen Titeln steckt der Spieler in der Haut eines jungen US-Soldaten, dessen Aufgabe darin besteht, die gierige deutsche Wehrmacht dorthin zu jagen, wo der Pfeffer wächst. Auch
Brothers in Arms: Road to Hill 30 bildet in diesem Zusammenhang keine Ausnahme, erweitert das Gameplay jedoch um eine taktische Team-Komponente. Inwiefern dieser Schritt geglückt ist, erfahrt ihr in folgendem Review.
Full Spectrum BakerDie Analogien zur HBO-Miniserie
Band of Brothers sind unverkennbar: Als Sgt. Matt Baker der 101st Airborne Division habt ihr einen Tag vor der alliierten Invasion in der Normandie eine
schwere Bürde zu tragen. Zusammen mit euren Kameraden werdet ihr des Nächtens hinter feindlichen Linien abgesetzt, um den erfolgreichen Abschluss der Operation
Overlord vorzubereiten. Als euer Flugzeug von einer deutschen FLAK getroffen wird, gerät die Situation außer Kontrolle: Der Absprung erfolgt unkoordiniert, euer Zug verfehlt das Zielgebiet und versprengt sich. Zeit den Karabiner auszupacken und sich auf die Suche zu machen!
Was den Titel in erster Linie von anderen WK2-Shootern abhebt, ist das äußerst gelungene und intuitive
Team-Feature: Im Laufe der Missionen sind euch bis zu zwei Fire- bzw. Assaultteams unterstellt, welchen ihr durch Ziehen der
L-Taste einfache Befehle erteilt. Auf diese Weise ordnet ihr Feuerschutz an, legt Wegpunkte für die Untergebenen fest oder lasst Stellungen stürmen. Ein kleiner Kompass in der linken unteren Ecke des Bildschirms gibt dabei jederzeit Auskunft über den aktuellen Status und Aufenthaltsort eurer Kameraden bzw. Panzer. Durch Betätigen der
Back-Taste steht euch ein weiteres, im späteren Spielverlauf sogar überlebensnotwendiges, Feature des Spiels zur Verfügung: Der so genannte
Situational Awareness Mode pausiert die Mission und lässt euch das unterbrochene Geschehen aus der Vogelperspektive betrachten. Neben Status und Aufenthaltsort eurer Teams sind auch Ziele sowie bereits entdeckte Feinde eingezeichnet und auswählbar.
FeuerteppichUm bei einer solchen Vielzahl an unterstützenden Features durch die Gegnerverbände nicht wie das sprichwörtliche Messer durch die Butter zu gleiten,
hat auch die KI ein wenig zugelegt:
» Über Kimm’ und über Korn. |
Eure Feinde verschanzen sich hinter Mauern und Zäunen, versuchen euch über Flankenangriffe in die Zange zu nehmen und treffen zielgenau – im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass euresgleichen nur wenige Treffer bis zum fatalen KIA (
Killed in Action) verträgt, eine explosive Mischung. Abhilfe schafft hier nur die gekonnte Ausnutzung des
Suppression Level: Habt ihr eine Truppe deutscher Soldaten gesichtet, erscheint über dem jeweiligen Zug ein roter Kreis, der sich bei andauerndem Beschuss langsam grau färbt. Für euch gilt: Je grauer desto besser, stehen die Kontrahenten dabei doch zunehmend unter Stress und trauen sich weder aus ihrer Deckung hervorzukommen, noch die Waffe zielgenau auf euch zu richten – Zeit, die Stellung zu stürmen!
Im Missionsaufbau orientiert sich
Brothers in Arms: Road to Hill 30 größtenteils an tatsächlichen Begebenheiten und Kampfschauplätzen: Euer Weg führt euch durch die Städtchen Foucarville, St. Come-du-Mont sowie Carentan und schlussendlich zum schicksalsträchtigen und namensgebenden
Hill 30. Dabei erwarten euch die unterschiedlichsten Aufgaben: Mal müsst ihr ein von den Deutschen besetztes Dorf im gefährlichen Häuserkampf einnehmen, dann wiederum gilt es, eine Landebahn vorzubereiten und die rustikale Umgebung feindfrei zu schießen. Selbst als reiner Scharfschütze darf man sich im Verlauf des Spiels auf die Lauer legen. Ein zentrales Element spielen jedoch die Panzer, welche euch in einigen Missionen auch selbst zur Verfügung stehen – als Teil des Teams.
Abwechslung wird groß geschrieben. Gespeichert werden darf übrigens nur an Speicherpunkten, welche aber fair gesetzt wurden und den fordernden Titel nicht unnötig in die Länge ziehen.
Realismus-KeuleUm euch die Authentizität des Titels und die einhergehende, wochenlange Vorarbeit stilgerecht zu demonstrieren, schaltet ihr auf jedem der
drei Schwierigkeitsgrade » Von den eigenen Waffen geschlagen. |
nach dem erfolgreichen Abschluss einer Mission Extras frei: Diese beschränken sich nicht nur auf Artworks oder Fotogallerien, sondern zeigen auch kurze Clips der Originalschauplätze oder Interviews mit Verantwortlichen von Gearbox-Software bzw. militärischen Beratern. Auch bei den verfügbaren Waffen wird Realismus groß geschrieben: Alle Modelle haben das
Look and Feel der Originale und bieten sogar die Möglichkeit, über
Kimme und Korn zu zielen – Fadenkreuz nein danke (standardmäßig ist dieses übrigens deaktiviert).
Leider findet sich jedoch eine Design-Entscheidung im Spiel, welche die gekonnt aufgebaute Atmosphäre mit ausgemachter Präzision wieder den Bach runtergehen lässt: Stirbt einer eurer Kameraden im Laufe einer Mission, steht er in der nächsten dennoch wieder auf der Matte – wohl aus dramaturgischen Gründen, denn schließlich wird hier eine Geschichte von Freundschaft und Kollegialität erzählt; nichtsdestotrotz wirkt dieses Detail ein wenig fehl am Platz. Im Gegensatz dazu stehen die
hervorragenden Zwischensequenzen und die sehr
gelungene Präsentation: Zwar kann die Optik den Genreschwergewichtern
Doom 3 und
The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay keinesfalls das Wasser reichen – überzeugen mag sie trotz etwas niedrig aufgelösten Texturen dennoch: Zerbombte Städtchen wechseln sich mit weitläufigen Feldern ab, die Animationen sind gelungen und Ruckler sucht man vergeblich. Auf Sound-Untermalung innerhalb der Missionen wurde übrigens gänzlich verzichtet – recht so, hat der Subwoofer doch mit den
brachialen Soundeffekten genug zu tun.
Ins GetümmelGäbe es einen Kritikpunkt, der
Brothers in Arms: Road to Hill 30 ein wenig des verdienten Glanzes nehmen könnte, es wäre derselbe wie auch schon bei
Full Spectrum Warrior: Im Prinzip wird
» Auf der Suche nach James? |
jede Mission nach dem Schema
Sperrfeuer – Flanke – Abschuss absolviert. Zwar bleibt im Vergleich zu Pandemics Vorzeige-Strategietitel ein wenig mehr Spielraum, doch schlussendlich läuft es immer wieder auf diese Vorgehensweise hinaus. Richtig störend ist dies jedoch nie, da immer wieder Passagen eingestreut werden, welche auf eine andere Weise hand zu haben sind.
Für einen Shooter der aktuellen Generation fast schon zur Pflicht anstatt zur Kür wird der
Multiplayer-Modus über Splitscreen, System Link und Xbox Live. Auch hier beschreitet
Brothers in Arms: Road to Hill 30 neue Wege, in dem es das
Gameplay der Kampagne 1:1 ins Mehrspielergefecht überführt. Anstatt also alleine gegen den Feind vorzurücken, verfügt ihr weiterhin über drei Untergebene, welche euren Befehlen Folge leisten. Werdet ihr tödlich getroffen, übernehmt ihr automatisch einen der verbleibenden Kameraden. Eine Prise Taktik ist in Onlinegefechten ebenso erforderlich wie auch gegen die KI:
Rambos haben keine Chance.