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Master-Review:   » drucken    » versenden

Sudeki

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 24.08.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Sudeki will alles, schafft es auf der beinahe RPG-losen Xbox aber nur auf den dritten Platz – weit abgeschlagen hinter Star Wars: KotOR und Morrowind.

Die gesamte Werbe- und Marketingstrategie und im Besonderen die zahlreichen Pressemitteilungen von Microsoft machten eines deutlich: Sudeki sollte die heiße Rollenspielphase auf Microsofts Konsole einläuten und auch den Vergleich mit Fable, Jade Empire oder Star Wars: KotOR 2 nicht scheuen müssen. Ob man sich da nicht etwas zuviel vorgenommen hat? Immerhin ist das englische Entwicklerstudio Climax dem Durchschnittszocker eher durch die sehr erfolgreiche und hochwertige MotoGP-Serie ein Begriff. Nachstehendes Master-Review soll den Titel nun genauer unter die Lupe nehmen.

Action Adventure Rollenspiel
Die bösen Aklorier bedrohen nun schon seit Ewigkeiten die friedliche Idylle von Schloss Illumina, es ist Zeit zu handeln! Zusammen mit der schönen Ailish, der wilden Buki und dem Erfinder Elco
» Idylle Illumina.
macht sich der junge, aufstrebende Krieger Tal nun auf den Weg, dem Treiben mit einem Schlag seines Schwertes ein Ende zu setzen. Dabei beschreitet Sudeki größtenteils unbekanntes Terrain: Sowohl in Kämpfen als auch beim Aufenthalt in den RPG-typischen „kampflosen Zonen“ (wie z.B. Städte und Dörfer) erwartet den Spieler das Look-and-Feel eines typischen Vertreters der Action-Adventure Zunft: Kisten zertrümmern, Schätze finden und mit Leuten über verschiedene – und meist belanglose - Dinge quatschen („Und? Was macht man so den lieben langen Tag… als Fischer?“). Selbstverständlich gilt es auch verschiedene Mini-Quests zu lösen und die eine oder andere Stunde beim lokalen Schmied zu verbringen, der - für entsprechendes Entgelt - eure Waffe gehörig aufstriegelt. Abseits des Kaufrausches dürfen die Charaktere auch gleich noch ihre speziellen Fähigkeiten anwenden: Tal kann Kisten verschieben, Ailish sieht versteckte Schätze, Buki ist eine begabte Kletterin und Elco ist sein eigenes Versuchskaninchen für das hauseigene Jetpack. Wer jetzt jedoch spielerische Vielfalt und stundenlange Entdeckungsreisen erwartet, wird enttäuscht werden: Tals Kisten sind eindeutig als solche zu identifizieren, Ailishs Schätze können auch von jedem anderen der Gruppe gesehen werden (nur ist sie die einzige, die sie entzaubern kann), Bukis Moos-Wände sind ohnehin nicht zu verfehlen und Elco kann sein Jetpack gar nur an bestimmten Stellen einsetzen – man wird vom Programm sozusagen mit der Nase auf alle Secrets gestoßen, Rätsel sind hier (beinahe) Fehlanzeige. Man fühlt sich größtenteils wirklich an „klassische“ Action-Adventures erinnert.

Das Kämpfen ist des Spielers Lust
Auf dem Kampfschauplatz kommen hingegen vornehmlich Rollenspiel-Eigenschaften zum Tragen: Lebensenergie, Magiepunkte und Waffenwerte entscheiden oft frühzeitig über Leben und Tod
» Erste Schritte in der kunterbunten Bonbon Welt.
, ebenso wie der gekonnte Einsatz von Heiltränken und Zaubern. Die Konfrontationen mit dem Feind werden dabei in Echtzeit ausgetragen. Eure beiden Nahkampf-Einheiten Tal und Buki, die vor allem auf den gekonnten Einsatz ihrer Hiebwaffen bauen und dem Kontrahenten auch mal gerne einen neuen Scheitel ziehen, werden dabei aus der 3rd-Person-Perspektive mit frei drehbarer Kamera gesteuert. Novum sind die so genannten Combo-Schläge: Drückt ihr die beiden Attacke-Buttons A oder X dreimal in bestimmten zeitlichen Abständen, lasst ihr eine Attacke vom Stapel, die eure Gegner schon mal in Atome aufspaltet. Elco und Ailish betrachten das Geschehen aber lieber aus respektvollem Abstand in der Egoperspektive - ihre „Schusswaffen“ (Elco hat zwei Pistolen im Handgepäck während Ailish lieber auf ihre Blitzschleuder vertraut) eignen sich weniger für den direkt ausgetragenen Kampf. Auf Knopfdruck könnt ihr dabei jederzeit zwischen den Charakteren hin- und herschalten und den Akloriern gehörig einheizen. Doch kein Rollenspiel ohne Spezialattacken: Neben den (grundsätzlich) ausbaufähigen, Charakter-spezifischen Spezialschlägen, von denen jeder sechs Stück aufweisen kann, gibt es noch eine Art Elite-Mega-Super-Schlag, auch Beschützerschlag genannt. Dieser wischt mit den Bösewichtern so gekonnt den Boden, dass es eine wahre Freude ist. Untermalt werden alle Spezialattacken dabei von sehr japanisch anmutenden Zwischensequenzen. Das Ergebnis präsentiert sich jedoch wieder durchwegs westlich: Zerberstende Leiber und Blutfontänen… mit einem Wort: Splatter(inda)House.

Jahrmarktflair
Moment… Splatter? Beim ersten Start des Spiels hätte man sich eine derartige Entwicklung wohl nicht erwartet: Die ersten Schritte in der Welt von Illumina präsentieren sich in
» Ein gelungener Beschützerschlag
allerfeinster Bonbon-Grafik mit hübschen Schattenspielereien, prächtigen und farbenfrohen Texturen und quietschbuntem Allerlei – die technologisiert-mittelalterliche Welt ist beinahe zum Greifen nah. Doch schon beim ersten Gespräch mit einem NPC wird man auf den Boden der Realität zurückgeholt: Die meisten Konversationspartner legen anscheinend keinen all zu großen Wert auf Sprachmelodie und sind zudem auch meist recht einsilbig unterwegs. Selbst die Hauptcharaktere heben sich leider nicht sonderlich vom sprachlichen Einheitsbrei ab: Die Synchron-Stimmen wirken uninspiriert und gelangweilt, was der Atmosphäre doch recht abträglich ist und nur dazu führt, dass die meisten Gespräche schnell abgebrochen und die Untertitel gelesen werden.

Doch auch die Story kann nicht ganz mit den zwei großen spielerischen Vorzügen des Spiels, dem Kampf und der Optik, mithalten: Die Charaktere werden beinahe ohne Hintergrundinformationen eingeführt und bleiben vom Anfang bis zum bitteren Ende auf demselben „Entwicklungsstand“. Die erzählte Geschichte ist zwar nicht schlecht und beinhaltet sogar den einen oder anderen Wendepunkt, hält dem Kräftemessen mit anderen Größen des Genres aber nicht stand, da einen das japanische Design des Spiels zu Vergleichen mit seinen östlichen Vertretern geradezu nötigt. Ein so eindeutig positioniertes RPG muss sich diesen Vergleich mit Final Fantasy & Co leider gefallen lassen – und schneidet dabei doch recht durchschnittlich ab.


Grafik
Sudeki bezieht einen Großteil seines Reizes sicherlich aus der opulenten Grafik, die sowohl zu Beginn des Spiels, in der heilen Bonbon-Welt Illumina, als auch in den späteren, düsteren Welten den Spieler zu verzaubern weiß. Mit einigen wenigen Slowdowns muss man in der einen oder anderen Schlacht allerdings rechnen – Größe fordert nun mal ihren Tribut. Aufs Spielgeschehen wirken sich die „Rücklerchen“ allerdings beinahe gar nicht aus. Ganz besonders heiß werden übrigens die Spezialattacken präsentiert. Hot!

Sound
Stimmungsvolle Musik schafft Atmosphäre, die auf Grund der schlechten Synchronisation aber auch gleich wieder den Bach runtergeht. So etwas sollte im Jahre 2004 einfach nicht mehr vorkommen, ganz besonders nicht bei einem von Microsoft so gepushten Titel wie es Sudeki ohne Zweifel ist.

Spielspaß Solo
Spannende Kämpfe und das Aufleveln der eigenen Heroen machen den ganzen Reiz des Spiels aus und verlocken zum Durchspielen. Mit geschätzten 20 Stunden bis zum (eher dürftigen) Ende ist die Spielzeit allerdings doch sehr kurz geraten, ganz abgesehen davon, dass die rollenspielerische Freiheit in diesem Spiel größtenteils auf der Strecke bleibt. Generell sei dieser Titel eher Action-Adventure-Spielern zu empfehlen. Rollenspielfreaks, die Morrowind durch haben und KotOR zu ihren Lieblingsspielen zählen, haben wohl weniger Freude damit, als Zocker, die mit Zelda & Co aufgewachsen sind.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayermodus vorhanden.
Pro
Tolle Grafik
Innovatives, intuitives und fesselndes Kampfsystem
Genre-Mix, der zu gefallen weiß
Contra
Zu kurz
Unterdurchschnittliche Synchronisation
Mangelware Story
Gelegentliche Ruckler
Zu linear
Fazit
Das Spiel macht Spaß, daran gibt es nichts zu rütteln. Ganz besonders hervorzuheben ist die hervorragende Spielbarkeit der Kämpfe und die famose Optik, die einen tatsächlich in der Welt von Sudeki gefesselt hält. Weniger gut gefallen allerdings die Story, die unterdurchschnittliche Synchronisation und das doch sehr lineare Gameplay – hier bietet selbst Zelda, und auch diesen Vergleich muss sich der Action-Adventure-Rollenspielmix gefallen lassen, mehr Freiheiten, auch wenn diese eher in den Sidequests zu finden sind und nicht im Rollenspiel-typischen Aufbau der eigenen Kombattanten. Sudeki ist sicherlich ein gelungenes Spiel geworden, das sich sowohl durch seinen Genre-Mix als auch durch die liebevolle Grafik und ein rundherum gelungenes Kampfsystem von seinen Kontrahenten abgrenzen aber eben nicht absetzen kann – denn im eigentlichen Kernstück eines jeden Rollenspiels, der Story und der Atmosphäre, haben die Jungs von Climax noch einiges zu lernen. Dennoch kann hier von einem guten Einstand gesprochen werden, der die Zeit auf die großen RPG-Hoffnungen wie Fable oder Jade Empire zu überbrücken weiß.
Infos
Erhältlich für
Genre
Rollenspiele • Action-RPG
Publisher
Microsoft Game ...
Entwickler
Climax
Website
www.xbox.com/de...
Release
27. August 2004
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User-Bewertung
85
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