Ein Eldorado für Entdecker und Spider-Man-Fans.Lizenztitel haben es wirklich nicht leicht. Stets haben sie mit dem Vorurteil zu kämpfen, nur wegen dem zugkräftigen Hintergrund Erfolg zu haben. Vor allem bei Softwareproduktionen zu aktuellen Kinohighlights liegt der Verdacht nahe, mit schnell oder billig produzierten Spielen auf der Welle des Kinoerfolges mitzureiten, um so den einen oder anderen Euro nebenbei zu machen. Leider bestätigte sich dieses Denken in den letzten Jahren all zu oft, so dass das Image von "Spielen zum Film" stark angekratzt ist. Doch gerade in jüngster Zeit bewiesen Spiele wie
Van Helsing oder
The Chronicles of Riddick: Escape from Butchers Bay, dass Filmversoftungen nicht automatisch schlecht sein müssen. Letzteres wurde von der Fachpresse sogar als eines der besten XBox-Spiele der letzten Monate gefeiert. Nun versucht ein weiterer Vertreter der Lizenztitel auf allen drei Next-Generation-Konsolen zu überzeugen. Hierbei handelt es sich um das offizielle Videospiel zum aktuellen Blockbuster
Spider-Man 2, der in den Kinos gerade alle Rekorde bricht und sich sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern hoher Beliebtheit erfreut. Klar, dass das Spiel dadurch einen nur noch viel schwereren Stand hat. Doch Entwickler
Treyarch konnte bereits vor etlichen Jahren mit gelungenen, innovativen Titeln wie
Die by the Sword auf dem
PC von sich reden machen und gab sich redlich Mühe, den Spinnenmenschen auch virtuell eine gute Figur machen zu lassen. Ob ihnen das Vorhaben geglückt ist, erfahrt ihr wie immer in unserem ausführlichen Master-Review.
Über den Dächern ManhattansFast das gesamte Spiel findet über den Dächern und in den Straßen von Manhattan statt, dem Viertel von New York, welches durch seine riesigen Wolkenkratzer, die Freiheitsstatue und nicht zuletzt dem Mahnmahl Ground Zero wohl jedem bekannt sein dürfte.
Die Story orientiert sich dabei sehr frei am zweiten
Spider-Man-Film. Allerdings wurden etliche Dinge dazu erfunden, um dem Spiel mehr Abwechslung zu verschaffen. So tritt Superheld
Spider-Man während des Spielverlaufs nicht nur gegen den wahnsinnigen Wissenschaftler
Doc Ock, sondern auch gegen alte Bekannte aus den
Spider-Man-Comics wie
Mysterio,
Rhino und
den Schocker an. Da der akrobatische Protagonist über ein reichhaltiges Bewegungsrepertoire verfügt, sollte der Spieler sich natürlich zunächst mit der komplexen, aber sehr guten, Steuerung vertraut machen, was ihm durch ein kleines Tutorial zu Beginn des Abenteuers erleichtert wird. Bewegt wird der Held, wie in jedem anderen Spiel, mit dem linken Analogstick, während das Springen mit dem
X-Button ermöglicht wird. Im Gegensatz zu anderen Actionhelden kann
Spider-Man allerdings gleich zig Meter hoch springen, um so von einem Hochhaus zum anderen zu gelangen. Je länger der X-Button vor dem Springen gedrückt wird, desto weiter springt der Held auch – natürlich nur bis zu einem bestimmten Maximum. Sollte die zurückgelegte Strecke einmal nicht reichen um an sein Ziel zu gelangen, kann man sich mittels
Spider-Mans Spinnweben wie in der Filmvorlage durch die Häuserschluchten Manhattans schwingen. Dazu muss lediglich der
R2-Button gedrückt werden, um einen Spinnfaden abzuschießen, mit dessen Hilfe
Spider-Man dann durch die Luft gleitet. Nacheinander können beliebig viele Fäden abgeschossen werden, um sich so zwischen den zahllosen Gebäuden durch zu hangeln. Darüber hinaus ist es möglich vom Seil abzuspringen, einige Meter durch die Luft zu fliegen und dann erst ein weiteres Seil zu schießen, um so höher gelegene Areale zu erreichen. Neben dem Schwingen und Springen kann der Protagonist natürlich noch an Häuserwänden entlang krabbeln. Hierzu muss man lediglich gegen eine Wand laufen und dabei die
Circle-Taste gedrückt halten , schon krabbelt der gelenkige Superheld in der Vertikalen. Mit Hilfe des
L2-Buttons können alle Aktionen beschleunigt werden um schneller zu laufen oder zu klettern, weiter zu springen oder gar mit Anlauf ein Stück an Häuserwänden hinauf zu sprinten. Mit ein wenig Übung bekommt man schnell atemberaubende Kombinationen hin und schwingt, springt und klettert durch Manhattan wie der „echte“
Spider-Man im großen Filmvorbild, was dank des toll animierten Protagonisten auch hervorragend rüber kommt.
Zack! Boom! Bang!Natürlich besteht das Heldenleben nicht nur aus relaxtem Pendeln und Krabbeln im Häuserdschungel Manhattans. Gerade in so einer großen Stadt wie New York warten zahllose Gangster darauf, dass ihnen das Handwerk gelegt wird.
» Diesem Gauner gehts an den Kragen! |
Spider-Man verlässt sich dabei in Kämpfen ganz auf seine übermenschlichen Kräfte und Fäuste. Prinzipiell gibt es nur eine Angriffstaste, den
Square-Button, durch den
Spider-Man den nächstgelegenen Gegner attackiert. Auch wenn sich durch wildes Buttonsmashing anfangs die meisten Standartgegner gut besiegen lassen, erleichtern weitere Tricks das Heldenleben enorm und sind im späteren Spielverlauf unabdingbar. Durch Betätigung des
Triangle-Buttons setzt der Protagonist seine Spinnweben gegen die Feinde ein. Tippt man den Button nur kurz an, entwaffnet
Spider-Man den Gegner oder blendet ihn vorübergehend mit einem Schuss ins Gesicht. Wird die Taste gedrückt gehalte, spinnt er den Gegner ein um ihn so bewegungsunfähig zu machen. Durch bestimmte Tastenkombinationen werden Kombos ausgeführt, von denen der Held im Verlauf des Spiels immer mehr dazu lernt. So können Gegner beispielsweise in die Luft geschleudert, um dort mit weiteren Attacken traktiert zu werden. Wer will, kann seine Widersacher sogar einspinnen und an Laternenpfählen aufhängen, um ihnen dann den Rest zu geben.
Spider-Mans Spinnensinne erleichtern dem Spieler das Ausweichen vor gegnerischen Attacken. Leuchtet sein Kopf hell auf, muss der
CircleButton gedrückt werden um einen Treffer durch attackierende Gegner zu vermeiden. Anschließende Konterattacken gegen die verwirrten Kontrahenten sind besonders effektiv. Hin und wieder kommt es vor, dass sich die Banditen ein Auto schnappen, welches zunächst verfolgt und mit einem geschickt platzierten Sprung geentert werden muss. Anschließend muss das Fahrzeug mittels Schlägen fahruntüchtig gemacht werden. Allerdings muss man sich hier vor gegnerischem Beschuss aus dem Vehikel in Acht nehmen. Diese gelegentlichen Verfolgungsjagden lockern nicht nur den Spielverlauf auf, sondern machen auch jede Menge Spaß.
Ebenfalls nützlich: Der Spinnenreflexmodus. Dieser wirkt ähnlich wie die Bullet-Time und lässt die Zeit langsamer laufen, was das Ausweichen wesentlich vereinfacht. Außerdem teilt
Spider-Man in diesem Modus besonders kräftig aus. Ein Energiebalken, welcher sich durch das Besiegen von Feinden wieder auflädt, zeigt an, wie lange die Spinnenreflexe noch benutzt werden können.
Viel zu tun Das Spiel ist in insgesamt 16 Kapitel unterteilt. In jedem Kapitel gibt es einige Primärziele zu erfüllen, sind diese erledigt, geht es weiter ins nächste Kapitel.
» In Manhatten gibt es viel zu tun. |
Der Spieler kann sich allerdings jederzeit frei in ganz Manhattan bewegen und die Umgebung nach Lust und Laune erkunden. Wann er die Primärziele in Angriff nimmt, entscheidet er selbst. Neben tonnenweise versteckter Bonusmarken gibt es noch sogenannte Stuntpunkte, an denen der Spieler besonders gewagte Manöver ausführen oder unter Zeitdruck diverse Checkpoints erreichen muss. Die spaßigen Geschicklichkeitsprüfungen sind in vier Schwierigkeitsgrade unterteilt: leicht, normal, schwer und irrsinnig. Vor allem letztere setzen einiges an Geduld und Fingerspitzengefühl voraus. Sämtliche Stuntpunkte und Secretmarken sind im Spiel natürlich rein optional und vor allem für sammelwütige Spieler und all jene, die ihre Steuerungskünste unter Beweis stellen wollen, gedacht. Alle anderen Spieler konzentrieren sich auf die Hauptaufgaben oder verdienen sich in verschiedenen Nebenmissionen ein paar Extraheldenpunkte. Diese gibt es für alle erfolgreich ausgeführten Haupt- und Nebenmissionen oder das Finden von versteckten Marken. Diese Punkte können dann in einem der zahlreichen Spidy-Läden, die man überall in der Stadt findet, gegen Upgrades wie schnelleres Schwingen oder neue Schlagkombinationen eingetauscht werden. Leider besteht bei den Nebenmissionen das Problem, dass sie sich viel zu schnell wiederholen. Es gibt nur wenige Varianten bei diesen Aufgaben. Entweder müssen einfach nur Bösewichter verprügelt werden oder ein abstürzender Bauarbeiter vor dem Sturz in die Tiefe gerettet werden. Des Weiteren stehen die angesprochenen Autoverfolgungen auf dem Heldenplan, sowie das Liefern von Verletzten ins nächstgelegene Krankenhaus – natürlich auch unter Zeitdruck. Bereits nach wenigen Spielstunden stellt sich in diesen Missionen Monotonie ein. Da hilft auch der Pizzabäcker am Stadtrand nicht viel, für den man in einem lustigen Minispiel Pizzen innerhalb eines bestimmten Zeitlimit ausliefern muss.
Gelungene HauptstorylineAnders sieht es bei den sehr gelungenen Hauptmissionen aus, die allesamt abwechslungsreich gelungen sind. Die Story orientiert sich, wie eingangs bereits erwähnt, nur grob an der Filmumsetzung.
» Spidy schwingt sich zum nächsten Missionsziel. |
Kernstück des Spiels ist, genau wie im Film, die Geschichte um den genialen Wissenschaftler Doktor Oktavius, der nach dem Tod seiner Frau dem Wahnsinn verfällt und mit seinen Gangsterbanden und Stahltentakeln die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Neben
Doc Ock warten aber auch noch andere Bösewichte darauf, beseitigt zu werden. So muss in einer Mission der Überfall auf eine Kunstgalerie vereitelt werden, während in einer anderen die Freiheitsstatue aus den Klauen des Außerirdischen
Mysterio befreit werden muss. Markierungen zeigen stets an, wo sich das nächste Missionsziel befindet. Sollte man sich doch einmal verlaufen oder einfach einen Überblick über die gesamte Stadt haben wollen, sorgt die Übersichtskarte für Abhilfe. Die einzelnen Missionen werden mit Ingamesequenzen miteinander verbunden. Hin und wieder gibt es auch einige schicke Rendervideos zu bestaunen. Hier stellt man sich allerdings die Frage, warum nicht gleich die original Filmszenen genommen wurden. Dies hätte nicht nur besser ausgesehen, sondern noch mehr das Flair vom Film rüber gebracht.
Am Ende der meisten Kapitel wartet ein besonders hartnäckiger Endgegner auf Dresche vom Superhelden. Auch hier beweisen die Entwickler ein gutes Designerhändchen. Die Endgegner lassen sich nur mit einer bestimmten Taktik besiegen. Beim elektrisch geladenen Schwerverbrecher Schocker muss beispielsweise sein Schild zuerst mit Hilfe einer Partnerin deaktiviert werden, bevor er überhaupt verwundet werden kann. Allerdings sollte man sich bei anschließenden Attacken auf ihn vor seinem Elektroimpuls in Acht nehmen, der in einem Radius von mehreren Metern gehörigen Schaden anrichtet. Hilfreiche Tipps am unteren Bildschirmrand erleichtern das Vorgehen gegen die Endbosse. Fair verteilte Rücksetzpunkte sorgen stets dafür, dass kein Frust aufkommt – sowohl bei den Endbossen wie auch im Rest des Spiels.
GrafikGrafisch präsentiert sich der Titel auf gehobenem Playstation 2 Niveau. Eine hohe Sichtweite, tolle Heldenanimationen, ein genial vermitteltes Höhengefühl und eine butterweiche Framerate stehen sehr eckigen und polygonarmen Gegner- und Passantenmodellen und durchschnittlichen bis gar schlechten Texturen gegenüber. Vor allem in Nahaufnahmen wirken einige Figuren richtig hässlich. Die gerenderten Zwischensequenzen hingegen können wiederum voll überzeugen.
SoundBeim Sound zeigt sich ein ähnlich gespaltenes Bild wie bei der Grafik. Hollywoodreife Hintergrundmusik, die allerdings etwas mehr Abwechslung vertragen hätte, und die original Synchronsprecher des Films (auch in Deutsch) heben die Stimmung gewaltig und vermitteln dem Spiel jede Menge Flair. Auch Spidys lockere Sprüche, die er während der Kämpfe loslässt, oder die provokanten Ausrufe seitens seiner Gegner tragen zur Atmosphäre bei. Leider können die Umgebungssounds hier ganz und gar nicht mithalten. Diese wiederholen sich viel zu schnell und beschränken sich auf Hilferufe von Passanten oder Sprüche wie einem zujubelnden „Hey Netzschwinger, du siehst gut aus“. Spätestens nach dem fünften Mal beginnen diese Sprachsamples einfach zu nerven.
Spielspaß SoloOb sich ein Kauf des neuesten
Spider-Man-Titels lohnt liegt an der Natur des Spielers.
Sammler und Entdecker werden ihre helle Freude an der weitläufigen Stadt und den vielen versteckten Geheimmarkern haben. Hier kann man seinen Erkundungstrieb so richtig ausleben. Auch die vielen Stuntpunkte halten die ein oder andere echte Herausforderung für erkundungsfreudige Spielernaturen bereit. Wer in Manhattan wirklich alles finden und jede Superzeit brechen möchte, ist ziemlich lange mit dem Spiel beschäftigt. Alle die nicht weit abseits der Missionspfade wandeln möchten seien aber gewarnt. Die Hauptstoryline ist, trotz vieler Anbauten gegenüber der Kinoversion, leider recht kurz ausgefallen und in 5-7 Stunden schnell hinter sich gebracht. Wer also nichts mit ausgiebigen Entdeckungstouren und Geschicklichkeitsübungen anfangen kann und stur der Story folgt, sieht einem recht kurzen Abstecher ins New Yorker Viertel entgegen.
Spielspaß MultiIm Spiel ist kein Mehrspielermodus enthalten.
Hinweis:
Leider hat sich in die Verkaufsversion ein ärgerlicher Bug eingeschlichen, welcher manchmal nach dem neunten Kapitel auftritt. Dieser Bug sorgt dafür, dass das nächste Kapitel nicht geladen wird. Alles was hier hilft ist das Neuladen eines alten Spielstandes. Sollten also alle Primärziele des neunten Kapitels erledigt sein und nach wenigen Sekunden keine neuen Ziele angegeben werden und zusätzlich kein Schriftzug für das zehnte Kapitel erscheinen, hilft nur der Griff zu einem vorherigen Savegame.