Gekonnter Mix von beinharter Taktik und actionlastigem Gameplay - inklusive runderneuerter und endlich standesgemäßer Optik.Zwei Serien streiten nun schon seit Jahren hartnäckig um den Thron im Taktik-Shooter Genre; die Rede ist natürlich von
Rainbow Six und
Ghost Recon. Zweitere bekam mit
Ghost Recon 2 nun einen Nachfolger spendiert, der es in sich hat - weder Gameplay noch Optik wurden vom Vorgänger übernommen und auch die Action kommt nicht mehr zu kurz. Gemeinsamkeiten erspäht man allerhöchstens im Setting. Wie sich der Thronfolger nun im Praxistest schlägt, soll folgendes Review ausführlich klären.
Kein Stein bleibt auf dem anderen…und so präsentieren sich die beiden Konsolenfassungen auch gänzlich in unterschiedlichem Gewand: Während die
PlayStation 2-Fassung des Titels vor allem auf Schleichpassagen
aufbaut und vom Spieler beinahe
Splinter Cell’eskes Vorgehen voraussetzt, sieht es bei der
Xbox-Version schon anders aus - vom geschichtlichen Hintergrund komplett abgesehen, knüpft die Handlung der vorliegenden Fassung doch nahtlos an die Geschehnisse aus dem PS2-Pendant an. Hier steht also definitiv die
Action im Vordergrund: Als Gruppenführer Cpt. Mitchell obliegt es euch und euren Teamkameraden, den Staatsterror in Nordkorea zu stoppen und die Welt ein wenig sicherer zu machen. Sieht man von den gängigen, bewusst geschürten Ressentiments und der
US-Holzhammer-Propaganda ab, bleibt von der Story allerdings wenig erwähnenswertes, weswegen uns diese auch nicht weiter zu interessieren braucht.
Denn spielerisch gibt sich
Ghost Recon 2 bei weitem nicht so engstirnig und einfallslos wie die Hintergrundgeschichte. Wie schon aus den Vorgängern bekannt, schlüpft ihr in die Rolle eines Squad-Leaders, der mithilfe seiner drei Kompagnons die unterschiedlichsten Missionsziele erfüllen muss, ohne dabei selbst Opfer hinterhältiger nordkoreanischer Kommunisten-Kugeln zu werden. Eure Einsätze bringen euch dabei an die
unterschiedlichsten Schauplätze; von idyllischen Wäldern und kleinen Dörfern bis hin zu komplett zerstörten Großstädten und Flughäfen ist alles vertreten, was von den Spielern als glaubhaftes und authentisches Setting akzeptiert wird (bzw. werden sollte). Ebenso zahlreich sind die diversen Missionsziele, welche von einfachen Brückensprengungen bis hin zu
Full-Scale-War-Offensives reichen und keinerlei Langweile aufkommen lassen. Im Gegensatz zum ursprünglichen
Ghost Recon könnt ihr unter dem Spiel jedoch nicht mehr wahl- und pausenlos zwischen euren Teamkameraden hin- und herschalten. Anstelle dieses Features trat nämlich endlich ein sinnvolles und
einfach zu handhabendes Befehlsmenü, welches auch während des Kampfes eingeblendet werden kann und nicht nur optisch dem aus
Tom Clancy's Rainbow Six 3 frappant ähnelt. Die KI der Mitstreiter darf dabei durch die Bank als sehr gut bezeichnet werden, da diese eure Kommandos schnell umsetzen und nur selten Verzögerungen auftreten - von kompletter Missachtung ist gar keine Rede. Alternativ kann übrigens auch das
Xbox-Headset zur (englisch-sprachigen) Befehlseingabe verwendet werden, was im Test ausgesprochen gut funktioniert hat.
Mission „Atmosphere“ accomplishedDoch auch optisch hat sich einiges seit
Tom Clancy's Ghost Recon: Island Thunder. Konnte die Grafik anno dazumal noch nicht einmal unter dem Schlagwort
zweckdienlich eingeordnet
» Optisch hinterlässt das Spiel einen sehr guten Eindruck. |
werden, so steht uns zwar mit
Ghost Recon 2 immer noch keine Bombast-Optik ins Haus - staunen darf man ob des
detaillierten und liebevollen Designs trotzdem: Sich im Wind wiegende Gräser, scharfe Texturen, hochgradig authentische Personen- und Waffenmodelle sowie hohe Weitsicht sorgen für einen stimmungsvollen Gesamteindruck, welcher allerdings auch von der
druckvollen Soundkulisse mitgetragen wird. Musikalisch ist das Spiel vielleicht Geschmackssache - die Effekte stellen jedoch sicherlich die
Crème de la crème der derzeit erhältlichen Spiele dar; unbeschreiblich, wie ergiebig sich der Titel im Zusammenspiel mit einer dicken Anlage gibt. Und um dem ganzen Änderungswahnsinn noch die Krone aufzusetzen, hat man sich bei
UbiSoft dazu entschlossen, auch die Ego-Perspektive gleich mit über Bord zu werfen und Platz für die
Schulterperspektive zu schaffen. Blasphemie! Alte Veteranen können jedoch beruhigt sein, hat es die gute Ego-Ansicht doch immerhin noch als Option ins Ingame-Menü geschafft - mit dem zähneknirschend abgerungenen Zusatz, dass sich der
SOCOM-Stil ein wenig flüssiger und moderner gibt und ebenso spielt. Gute Arbeit!
Ausrüstungstechnisch bleibt jedoch - wider Erwarten - alles beim Alten. Vor jeder Mission legt ihr eure Bewaffnung fest, welche aus Primär- und Handfeuerwaffe sowie Sprengsätzen und Bazookas besteht. Als besonderes Schmankerl werdet ihr in
Ghost Recon 2 auch ab und an alleine, im so genannten
Lone-Wolf-Modus, auf Terroristenjagd geschickt. Hierfür steht allerlei Prototypen-Schnick-Schnack zur Verfügung, welcher euch erlaubt, eine Gewehrkamera zu nutzen und somit aus sicherer Deckung gegnerische Verbände unschädlich zu machen oder auch Luftschläge anzufordern und direkt gezündete Granaten zu verschießen. Dennoch erwartet den Spieler hier trotz
High-Tech-Equipment kein actionreicher Kinderspaziergang: In beiden Spielmodi - Teameinsatz und Einzelmission - gilt es wie eh und je sich behutsam vorzutasten, große feindliche Kampfverbände zu umgehen und Treffer um jeden Preis zu vermeiden. Denn drei eingefangene Kugeln bedeuten sowohl für euch als auch für eure Kameraden das vorzeitige Aus - wobei diese im Gegensatz zu euch aber immerhin von euren Untergebenen medizinisch versorgt werden und daraufhin - geschwächt aber doch - weiterkämpfen können.
Secondary ObjectivesHabt ihr die Kampagne in einem der beiden Schwierigkeitsgrade erfolgreich hinter euch gebracht oder einfach keine Lust mehr, euch stundenlang im Schlamm zu wälzen, bietet
Ghost Recon 2 » Der Lone Wolf im Einsatz. |
auch abseits des eigentlichen Spiels tonnenweise
Material zum Stöbern. Unter dem Menüpunkt
Extras könnt ihr nicht nur das Aussehen eures Alter Ego festlegen sondern durch Einsatz der in der Kampagne erworbenen (Erfahrungs-)Punkte auch Videos, Informationsmaterial zum
Soldaten der Zukunft, Waffen und Fahrzeuge freischalten bzw. -kaufen. Ebenso sind die in der Kampagne bereits absolvierten Einsätze als Schnellmissionen zugänglich, welche auf fünf verschiedenen Wegen bestritten werden können - unter anderem auch im zuvor schon erwähnten
Lone-Wolf-Modus, was die Motivationsschraube natürlich gehörig anzieht.
Klarerweise kommen auch Freunde von gepflegten Multiplayer-Sessions nicht zu kurz.
Splitscreen-, System-Link- und Xbox-Live-Unterstützung garantieren jedem Spieler ausreichend Möglichkeiten zum virtuellen Austoben. Während auf einer Xbox immerhin bis zu vier Personen sowohl kooperativ als auch gegeneinander antreten können, steht auch einer LAN-Party mit
bis zu 16 Konsolen nichts im Wege - vom umfangreichen Xbox-Live-Modus ganz zu schweigen, welcher sämtliche bereits aus
Ghost Recon bekannten Modi beinhaltet. Einziges Manko ist der hohe Taktik-Anteil des Titels, welcher auf den meisten Servern zu zwei gängigen Situationen führt: 1. Eure Mitspieler sind
Halo-verwöhnt, laufen blindlings ins gegnerische Feuer und die Runde ist um ehe ihr eure Waffen wählen konntet. 2. Beide Teams wählen den taktischen Weg, was zumeist in ewiges Camping ausartet und dementsprechend auch die Rundenspielzeit in interstellare Höhen treibt.
GrafikDaumen hoch für die Jungs von UbiSoft! An die grafischen Finessen eines
Rainbow Six 3 kommt der neueste Ableger der
Ghost Recon-Reihe zwar nicht ganz heran - und dennoch darf von einer hervorragend gelungenen Präsentation gesprochen werden. Erstmals muss sich die hauseigene Vorzeige-Serie nicht mehr vor Genrekollegen verstecken, da sich vor allem die Atmosphäre durch originalgetreue Schauplätze und ausgesprochen gelungene Animationen und Spielermodelle kilometerweit vor den letzten Ableger
Tom Clancy's Ghost Recon: Jungle Storm (PS2) setzt und entsprechend trumpfen kann. Lediglich die ab und zu auftretenden Slowdowns und die leichten Kameraprobleme bei Benutzung der Gewehrkamera fallen negativ auf.
SoundSicherlich die bombastischste Mischung seit es militärisch angehauchte Taktik-Shooter gibt. Die musikalische Untermalung fällt zwar wie eh und je bei
Tom Clancy-Titeln in die Kategorie
nett aber durch Pathos-triefende Streicher-Arrangements absolut unbrauchbar - bei den Effekten bietet sich dem Spieler hingegen ein gänzlich anderes Bild: Der Subwoofer kracht, dröhnt und wummert dermaßen unbekümmert, dass es eine wahre Freude ist. Hier sind Zocker mit der Anschaffung einer Dolby Digital-Anlage bestens beraten.
Spielspaß Solo Ghost Recon 2 spielt sich trotz dem naturgegebenen hohen Taktik-Anteil der Serie um einiges actionlastiger als die Vorgänger. Vor allem die vielen gescripteten Ereignisse und der fordernde Schwierigkeitsgrad sorgen jedoch dafür, dass aus dem
Ghost Recon nicht so schnell ein
Serious Sam wird. Reine Action-Freunde sind also wie immer gut beraten, die Finger von diesem Spiel zu lassen, da hier in erster Linie behutsames und taktisches Vorgehen gefragt ist. Hieraus bezieht der Titel aber auch einen Gutteil der Spannung:
Wird der Panzer umdrehen? Ist der Baumstamm für unsere Deckung ausreichend? Wer hält uns den Rücken frei? Für gute 15 Stunden werdet ihr mit
Ghost Recon 2 bestens unterhalten - selten gab es militärische Taktik im Zusammenspiel mit viel Action so gut verpackt wie hier. Auch die unzähligen Extras dürfen hier nicht unerwähnt bleiben.
Spielspaß MultiSowohl offline als auch online hat
Ghost Recon 2 das Zeug, sich in die Herzen der Leute zu spielen: Xbox Live und die mit 16 Spielern über System-Link fantastische Basis für LAN-Partys locken und werden sicherlich auch begierig angenommen - auch wenn auf der Xbox alles andere als Dürre im Taktik-FPS-Genre herrscht. Hier gilt es wohl der jeweils persönlichen Präferenz Folge zu leisten: Der vorliegende Titel ist durch seinen Schwierigkeitsgrad im Multiplayer sicherlich eher für Clanspieler und Profis geeignet als für Gelegenheitszocker, die mit dem (beinahe) realistischen Gameplay wahrscheinlich nicht viel anfangen werden. Wie immer gilt jedoch auch hier, dass die jeweiligen Mitspieler den Spielspaß bestimmen. Habt ihr zu viele Anfänger in der Gruppe, liegt man selbst schneller am Boden, als man
Deckung rufen kann; bei zu vielen Profis arten die Online-Schlachten schnell in Gecampe aus - in
Ghost Recon 2 vielleicht mehr als anderswo.