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Tom Clancy's Ghost Recon 2

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 09.12.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Gekonnter Mix von beinharter Taktik und actionlastigem Gameplay - inklusive runderneuerter und endlich standesgemäßer Optik.

Zwei Serien streiten nun schon seit Jahren hartnäckig um den Thron im Taktik-Shooter Genre; die Rede ist natürlich von Rainbow Six und Ghost Recon. Zweitere bekam mit Ghost Recon 2 nun einen Nachfolger spendiert, der es in sich hat - weder Gameplay noch Optik wurden vom Vorgänger übernommen und auch die Action kommt nicht mehr zu kurz. Gemeinsamkeiten erspäht man allerhöchstens im Setting. Wie sich der Thronfolger nun im Praxistest schlägt, soll folgendes Review ausführlich klären.

Kein Stein bleibt auf dem anderen
…und so präsentieren sich die beiden Konsolenfassungen auch gänzlich in unterschiedlichem Gewand: Während die PlayStation 2-Fassung des Titels vor allem auf Schleichpassagen
» Bloß in Deckung gehen!
aufbaut und vom Spieler beinahe Splinter Cell’eskes Vorgehen voraussetzt, sieht es bei der Xbox-Version schon anders aus - vom geschichtlichen Hintergrund komplett abgesehen, knüpft die Handlung der vorliegenden Fassung doch nahtlos an die Geschehnisse aus dem PS2-Pendant an. Hier steht also definitiv die Action im Vordergrund: Als Gruppenführer Cpt. Mitchell obliegt es euch und euren Teamkameraden, den Staatsterror in Nordkorea zu stoppen und die Welt ein wenig sicherer zu machen. Sieht man von den gängigen, bewusst geschürten Ressentiments und der US-Holzhammer-Propaganda ab, bleibt von der Story allerdings wenig erwähnenswertes, weswegen uns diese auch nicht weiter zu interessieren braucht.

Denn spielerisch gibt sich Ghost Recon 2 bei weitem nicht so engstirnig und einfallslos wie die Hintergrundgeschichte. Wie schon aus den Vorgängern bekannt, schlüpft ihr in die Rolle eines Squad-Leaders, der mithilfe seiner drei Kompagnons die unterschiedlichsten Missionsziele erfüllen muss, ohne dabei selbst Opfer hinterhältiger nordkoreanischer Kommunisten-Kugeln zu werden. Eure Einsätze bringen euch dabei an die unterschiedlichsten Schauplätze; von idyllischen Wäldern und kleinen Dörfern bis hin zu komplett zerstörten Großstädten und Flughäfen ist alles vertreten, was von den Spielern als glaubhaftes und authentisches Setting akzeptiert wird (bzw. werden sollte). Ebenso zahlreich sind die diversen Missionsziele, welche von einfachen Brückensprengungen bis hin zu Full-Scale-War-Offensives reichen und keinerlei Langweile aufkommen lassen. Im Gegensatz zum ursprünglichen Ghost Recon könnt ihr unter dem Spiel jedoch nicht mehr wahl- und pausenlos zwischen euren Teamkameraden hin- und herschalten. Anstelle dieses Features trat nämlich endlich ein sinnvolles und einfach zu handhabendes Befehlsmenü, welches auch während des Kampfes eingeblendet werden kann und nicht nur optisch dem aus Tom Clancy's Rainbow Six 3 frappant ähnelt. Die KI der Mitstreiter darf dabei durch die Bank als sehr gut bezeichnet werden, da diese eure Kommandos schnell umsetzen und nur selten Verzögerungen auftreten - von kompletter Missachtung ist gar keine Rede. Alternativ kann übrigens auch das Xbox-Headset zur (englisch-sprachigen) Befehlseingabe verwendet werden, was im Test ausgesprochen gut funktioniert hat.

Mission „Atmosphere“ accomplished
Doch auch optisch hat sich einiges seit Tom Clancy's Ghost Recon: Island Thunder. Konnte die Grafik anno dazumal noch nicht einmal unter dem Schlagwort zweckdienlich eingeordnet
» Optisch hinterlässt das Spiel einen sehr guten Eindruck.
werden, so steht uns zwar mit Ghost Recon 2 immer noch keine Bombast-Optik ins Haus - staunen darf man ob des detaillierten und liebevollen Designs trotzdem: Sich im Wind wiegende Gräser, scharfe Texturen, hochgradig authentische Personen- und Waffenmodelle sowie hohe Weitsicht sorgen für einen stimmungsvollen Gesamteindruck, welcher allerdings auch von der druckvollen Soundkulisse mitgetragen wird. Musikalisch ist das Spiel vielleicht Geschmackssache - die Effekte stellen jedoch sicherlich die Crème de la crème der derzeit erhältlichen Spiele dar; unbeschreiblich, wie ergiebig sich der Titel im Zusammenspiel mit einer dicken Anlage gibt. Und um dem ganzen Änderungswahnsinn noch die Krone aufzusetzen, hat man sich bei UbiSoft dazu entschlossen, auch die Ego-Perspektive gleich mit über Bord zu werfen und Platz für die Schulterperspektive zu schaffen. Blasphemie! Alte Veteranen können jedoch beruhigt sein, hat es die gute Ego-Ansicht doch immerhin noch als Option ins Ingame-Menü geschafft - mit dem zähneknirschend abgerungenen Zusatz, dass sich der SOCOM-Stil ein wenig flüssiger und moderner gibt und ebenso spielt. Gute Arbeit!

Ausrüstungstechnisch bleibt jedoch - wider Erwarten - alles beim Alten. Vor jeder Mission legt ihr eure Bewaffnung fest, welche aus Primär- und Handfeuerwaffe sowie Sprengsätzen und Bazookas besteht. Als besonderes Schmankerl werdet ihr in Ghost Recon 2 auch ab und an alleine, im so genannten Lone-Wolf-Modus, auf Terroristenjagd geschickt. Hierfür steht allerlei Prototypen-Schnick-Schnack zur Verfügung, welcher euch erlaubt, eine Gewehrkamera zu nutzen und somit aus sicherer Deckung gegnerische Verbände unschädlich zu machen oder auch Luftschläge anzufordern und direkt gezündete Granaten zu verschießen. Dennoch erwartet den Spieler hier trotz High-Tech-Equipment kein actionreicher Kinderspaziergang: In beiden Spielmodi - Teameinsatz und Einzelmission - gilt es wie eh und je sich behutsam vorzutasten, große feindliche Kampfverbände zu umgehen und Treffer um jeden Preis zu vermeiden. Denn drei eingefangene Kugeln bedeuten sowohl für euch als auch für eure Kameraden das vorzeitige Aus - wobei diese im Gegensatz zu euch aber immerhin von euren Untergebenen medizinisch versorgt werden und daraufhin - geschwächt aber doch - weiterkämpfen können.

Secondary Objectives
Habt ihr die Kampagne in einem der beiden Schwierigkeitsgrade erfolgreich hinter euch gebracht oder einfach keine Lust mehr, euch stundenlang im Schlamm zu wälzen, bietet Ghost Recon 2
» Der Lone Wolf im Einsatz.
auch abseits des eigentlichen Spiels tonnenweise Material zum Stöbern. Unter dem Menüpunkt Extras könnt ihr nicht nur das Aussehen eures Alter Ego festlegen sondern durch Einsatz der in der Kampagne erworbenen (Erfahrungs-)Punkte auch Videos, Informationsmaterial zum Soldaten der Zukunft, Waffen und Fahrzeuge freischalten bzw. -kaufen. Ebenso sind die in der Kampagne bereits absolvierten Einsätze als Schnellmissionen zugänglich, welche auf fünf verschiedenen Wegen bestritten werden können - unter anderem auch im zuvor schon erwähnten Lone-Wolf-Modus, was die Motivationsschraube natürlich gehörig anzieht.

Klarerweise kommen auch Freunde von gepflegten Multiplayer-Sessions nicht zu kurz. Splitscreen-, System-Link- und Xbox-Live-Unterstützung garantieren jedem Spieler ausreichend Möglichkeiten zum virtuellen Austoben. Während auf einer Xbox immerhin bis zu vier Personen sowohl kooperativ als auch gegeneinander antreten können, steht auch einer LAN-Party mit bis zu 16 Konsolen nichts im Wege - vom umfangreichen Xbox-Live-Modus ganz zu schweigen, welcher sämtliche bereits aus Ghost Recon bekannten Modi beinhaltet. Einziges Manko ist der hohe Taktik-Anteil des Titels, welcher auf den meisten Servern zu zwei gängigen Situationen führt: 1. Eure Mitspieler sind Halo-verwöhnt, laufen blindlings ins gegnerische Feuer und die Runde ist um ehe ihr eure Waffen wählen konntet. 2. Beide Teams wählen den taktischen Weg, was zumeist in ewiges Camping ausartet und dementsprechend auch die Rundenspielzeit in interstellare Höhen treibt.


Grafik
Daumen hoch für die Jungs von UbiSoft! An die grafischen Finessen eines Rainbow Six 3 kommt der neueste Ableger der Ghost Recon-Reihe zwar nicht ganz heran - und dennoch darf von einer hervorragend gelungenen Präsentation gesprochen werden. Erstmals muss sich die hauseigene Vorzeige-Serie nicht mehr vor Genrekollegen verstecken, da sich vor allem die Atmosphäre durch originalgetreue Schauplätze und ausgesprochen gelungene Animationen und Spielermodelle kilometerweit vor den letzten Ableger Tom Clancy's Ghost Recon: Jungle Storm (PS2) setzt und entsprechend trumpfen kann. Lediglich die ab und zu auftretenden Slowdowns und die leichten Kameraprobleme bei Benutzung der Gewehrkamera fallen negativ auf.

Sound
Sicherlich die bombastischste Mischung seit es militärisch angehauchte Taktik-Shooter gibt. Die musikalische Untermalung fällt zwar wie eh und je bei Tom Clancy-Titeln in die Kategorie nett aber durch Pathos-triefende Streicher-Arrangements absolut unbrauchbar - bei den Effekten bietet sich dem Spieler hingegen ein gänzlich anderes Bild: Der Subwoofer kracht, dröhnt und wummert dermaßen unbekümmert, dass es eine wahre Freude ist. Hier sind Zocker mit der Anschaffung einer Dolby Digital-Anlage bestens beraten.

Spielspaß Solo
Ghost Recon 2 spielt sich trotz dem naturgegebenen hohen Taktik-Anteil der Serie um einiges actionlastiger als die Vorgänger. Vor allem die vielen gescripteten Ereignisse und der fordernde Schwierigkeitsgrad sorgen jedoch dafür, dass aus dem Ghost Recon nicht so schnell ein Serious Sam wird. Reine Action-Freunde sind also wie immer gut beraten, die Finger von diesem Spiel zu lassen, da hier in erster Linie behutsames und taktisches Vorgehen gefragt ist. Hieraus bezieht der Titel aber auch einen Gutteil der Spannung: Wird der Panzer umdrehen? Ist der Baumstamm für unsere Deckung ausreichend? Wer hält uns den Rücken frei? Für gute 15 Stunden werdet ihr mit Ghost Recon 2 bestens unterhalten - selten gab es militärische Taktik im Zusammenspiel mit viel Action so gut verpackt wie hier. Auch die unzähligen Extras dürfen hier nicht unerwähnt bleiben.

Spielspaß Multi
Sowohl offline als auch online hat Ghost Recon 2 das Zeug, sich in die Herzen der Leute zu spielen: Xbox Live und die mit 16 Spielern über System-Link fantastische Basis für LAN-Partys locken und werden sicherlich auch begierig angenommen - auch wenn auf der Xbox alles andere als Dürre im Taktik-FPS-Genre herrscht. Hier gilt es wohl der jeweils persönlichen Präferenz Folge zu leisten: Der vorliegende Titel ist durch seinen Schwierigkeitsgrad im Multiplayer sicherlich eher für Clanspieler und Profis geeignet als für Gelegenheitszocker, die mit dem (beinahe) realistischen Gameplay wahrscheinlich nicht viel anfangen werden. Wie immer gilt jedoch auch hier, dass die jeweiligen Mitspieler den Spielspaß bestimmen. Habt ihr zu viele Anfänger in der Gruppe, liegt man selbst schneller am Boden, als man Deckung rufen kann; bei zu vielen Profis arten die Online-Schlachten schnell in Gecampe aus - in Ghost Recon 2 vielleicht mehr als anderswo.
Pro
Ansprechender neuer Look
Fette Soundkulisse
Action & Taktik in perfekter Harmonie
Viele Extras und Goodies
Umfangreicher Multiplayer-Modus
Hoher Realismusgrad
Contra
Leichte Slowdowns
Für Einsteiger wohl zu schwer
Multiplayer-Spielspaß schwankt stark
Hoher Realismusgrad
Fazit
UbiSoft konnte den hohen spielerischen Gehalt der Ghost Recon-Serie halten und in diversen Punkten auch verbessern. So gestaltet sich vor allem das neue Befehlssystem als wahrer Segen im Kampf gegen die Bösewichte, mit dessen Hilfe sich Taktik und Action die Klinke noch einfacher und schneller in die Hand geben. Ganz besonderes Augenmerk ist natürlich auch auf die enorm verbesserte Optik und die fantastische Soundkulisse zu legen, die sich vom früheren Look der Serie weiter nicht abheben könnte. Und Multiplayer-Freunde haben mit dem Titel ohnehin schon ihren neuen Liebling gefunden, da sich durch vielfältige Möglichkeiten sowohl offline als auch online stundenlange Sessions ergeben. Als kleiner Wermutstropfen sei jedoch noch angeführt, dass der Titel wohl nur über eine sehr eingeschränkte Zielgruppe verfügt: Action-Freunde und Baller-Fans werden aufgrund des Schwierigkeitsgrades, des hohen Realismusanteils und der taktischen Vorgehensweise mit Sicherheit keine Freude haben. Fans des Vorgängers und Rainbow Six 3-Paradespieler sollten jedoch auf jeden Fall einen oder mehrere Blicke riskieren.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Taktik-Shooter
Publisher
Ubisoft
Entwickler
Red Storm Enter...
Website
www.ubi.com/DE/...
Release
26. November 2004
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User-Bewertung
90
14 Bewertungen
1 Review
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