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Master-Review:   » drucken    » versenden

Def Jam Fight For NY

» Autor: Wolfgang Radax
» Datum: 26.01.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Def Jam Fight For NY steht für wüste Hinterhofprügeleien mit leicht zugänglicher Steuerung und jeder Menge Hip-Hop-Flair.

US-Rap meets Fight Club: So in etwa lässt sich die Formel hinter Electronic Arts derber Untergrundkeilerei Def Jam Fight For NY beschreiben. Nachdem der Vorgänger die Spielergemeinde begeisterte und die Fachpresse zu durchweges hohen Wertungen bewegte, übt sich nun erneut eine Vielzahl prominenter Musikschaffender des Platten-Labels Def Jam im Nahkampf. Ob dieses Rezept abermals das Zeug zum Kassenschlager hat oder #Spiel.name ein One Hit Wonder bleibt, versucht dieses Master-Review genau zu erörtern.

Immer mitten in die Fresse rein
Eines gleich vorweg: Def Jam Fight For NY erhielt keine Jugendfreigabe und das auch völlig zurecht. Als einer von 74 Rappern vermöbelt ihr eure Widersacher in den
» Die Zuschauer packen mit an.
schummrigen Nachtclubs, Schrottplätzen und Hinterhöfen von New York bis zum Knockout oder zur Aufgabe. Durch den Einsatz von Hilfsmitteln wie Billard-Queues, Auspuffen und Glasflaschen oder die Zweckentfremdung der Kampfschauplätze enden die blutigen Auseinandersetzungen in den meisten Fällen mit zahlreichen Cuts und großem Verlust von Körperflüssigkeiten. Nichtsdestotrotz macht die ruppige Prügelei mit so namhaften Stars wie Ice-T, Busta Rhymes oder Method Man weniger zart besaiteten Spielernaturen großen Spaß.

Steuersenkung
Obwohl dem Gamecube-Controller oft nachgesagt wird, er sei für Kampfspiele nicht geeignet, geht die Steuerung nach kurzer Eingewöhnungsphase erstaunlich gut von der Hand.
» Gleich gibt’s was auf’s Maul.
Im Gegensatz zum Vorgänger, der sich noch mit dem Etikett verkapptes Wrestlingspiel zieren durfte, vereint dieses Spiel mehrere Stile wie z.B. Martial Arts, Kickboxen und eben Wrestling. Darüber hinaus wurde das Kampfsystem bei Def Jam Fight For NY gehörig vereinfacht und vom viel gerühmten komplexen Steuerungskonzept aus dem Entwicklerstudio Aki (unter anderem für N64-Wrestlingperlen wie WWF No Mercy oder WCW vs. NWO Revenge verantwortlich) blieb lediglich eine abgespeckte Variante übrig. So ermöglicht das Spiel nun Neulingen einen schnelleren Zugang, lässt aber auf lange Sicht etwas Tiefe vermissen.

Mein Block
Neben der Möglichkeit, im Exhibition-Modus Einzelkämpfe, Tag Team-Matches oder sogenannte Free-For-Alls (jeder gegen jeden) zu bestreiten, geht der größte Reiz eindeutig
» Air Ludacris setzt zum Abflug an.
vom Story-Modus aus. Die Geschichte knüpft direkt an die Geschehnisse aus dem Vorgänger an und so müsst ihr mit eurem (selbst erstellten) Charakter dem Rapper D-Mob im Kampf gegen Crow (verkörpert und gesprochen von Snoop Dogg) und seine finsteren Schergen zur Seite stehen. So prügelt ihr euch von Nachtclub zu Nachtclub, um eurer Gang einen Namen zu verschaffen und deren Revier zu vergrößern. Für gewonnene Aufeinandertreffen erhaltet ihr Geld und Erfahrungspunkte, außerdem schaltet ihr neue Rapper frei.

Mit den Erfahrungspunkten dürft ihr eurem Protagonisten im Gym von Henry Rollins neue Kampfstile und Blazin Moves beibringen oder einfach seine Werte wie Kraft, Ausdauer oder Charisma steigern. Mit den Moneten gönnt ihr eurem Ebenbild neue Klamotten, wilde Tattoos oder den angesagtesten Haarschnitt - Rasur inbegriffen. Das ist nicht bloß Makulatur, denn jeder weiß, dass nur dem Trend entsprechend gekleidete Rapper mit dicken Goldketten bei den Fans beliebt sind. Die Gunst der Fans erweist sich in den Auseinandersetzungen zumeist als entscheidend, da ihr dadurch schneller eure Blazin-Leiste aufladen könnt und so einen oftmals matchentscheidenden Blazin Move vom Stapel lassen dürft, bei dem der Gegner nach allen Regeln der Kunst durch die Luft gewirbelt und auf den Boden der Tatsachen geschleudert wird.


Grafik
Def Jam Fight For NY glänzt durch wunderschöne Charaktermodelle, die ihre realen Vorbilder sehr authentisch einfangen und so für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen. Gezielter Einsatz von Licht- und Schatteneffekten sorgt zudem in den wüsten Hinterhofprügeleien für eine kräftige Portion Fight Club-Untergrundflair.

Sound
20 Songs (und damit weniger als in der PS2- und Xbox-Fassung) der Crème de la Crème des amerikanischen Hip Hop tragen gehörig zur Gesamtstimmung bei. Die Synchronisierung erweist sich als äußerst gelungen, was auch nicht verwundert, da jeder Rapper sein eigenes Ebenbild mit großem Enthusiasmus vertont hat. All jene, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, werden in Def Jam Fight For NY allerdings mit Verständnisproblemen konfrontiert, denn das Spiel bietet keinerlei deutsche Untertitel für die slanglastigen Dialoge.

Spielspaß Solo
Der Story-Modus fesselt euch für sechs bis sieben Stunden ans Joypad und ständig werdet ihr versuchen, euren Rapper mit schickeren Klamotten, Tattoos oder Schmuckstücken auszustatten, ihn in Henry Rollins Gym aufzutrainieren und neue Charaktere freizuspielen. Die riesige Menge an Kleidungsstücken und sonstigen Accessoires machen den Titel zur virtuellen Barbie-Puppe für raue Naturen. Nach diesen rund sieben Stunden ist die Luft allerdings kräftig raus, denn die übrigen Spielmodi wissen auf Dauer nicht zu begeistern.

Spielspaß Multi
Die Kämpfe mit mehreren menschlichen Mitstreitern können durchaus überzeugen, aber aufgrund der akuten Variantenarmut vermag es Def Jam Fight For NY nicht, sich gegen den indirekten Genre-Konkurrenten WWE Day of Reckoning durchsetzen, der auf lange Sicht durch die größere Matchvielfalt mehr Abwechslung bietet.
Pro
Tolle Präsentation
Stimmige Hinterhof-Atmosphäre
Riesiger Roster voller Rap-Stars
Eingängige Steuerung
Virtuelle Kleiderpuppe für Hip Hop-Fans
Contra
Soundtrack der Gamecube-Version beschnitten
Wenige Spielmodi
Langfristig etwas langweilig
Story-Modus vollkommen linear
Fazit
Def Jam Fight For NY macht eigentlich alles richtig. Die große Menge an Kämpfern in Verbindung mit der gelungenen Steuerung, dem tollen Flair und dem variantenreichen Erschaffe-dir-deinen-eigenen-Rapper-Baukasten sorgen für Spielspaß auf hohem Niveau. Nach dem erstmaligen Durchspielen des Story-Modus bleibt jedoch der bittere Nachgeschmack bestehen, in rund sechs bis sieben Stunden beinahe jeden Rapper, fast alle Moves und viele der Kleidungsmöglichkeiten gesehen zu haben. Abseits davon leidet der Titel an fortgeschrittener Variantenarmut. Fans des Vorgängers sollten sich außerdem vor Augen führen, dass das Kampfsystem stark vereinfacht wurde. Unterm Strich bleibt eine derbe Prügelei, die ausgezeichnet in Szene gesetzt einige Abende lang unterhalten kann und für Fans amerikanischen Sprechgesangs zweifelsohne eine Pflichtinvestition darstellt.
Infos
Erhältlich für
Genre
Fighting
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Games
Website
www.electronic-...
Release
24. September 2004
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