Def Jam Fight For NY steht für wüste Hinterhofprügeleien mit leicht zugänglicher Steuerung und jeder Menge Hip-Hop-Flair.US-Rap meets
Fight Club: So in etwa lässt sich die Formel hinter
Electronic Arts derber Untergrundkeilerei
Def Jam Fight For NY beschreiben. Nachdem der Vorgänger die Spielergemeinde begeisterte und die Fachpresse zu durchweges hohen Wertungen bewegte, übt sich nun erneut eine Vielzahl prominenter Musikschaffender des Platten-Labels
Def Jam im Nahkampf. Ob dieses Rezept abermals das Zeug zum Kassenschlager hat oder
#Spiel.name ein One Hit Wonder bleibt, versucht dieses Master-Review genau zu erörtern.
Immer mitten in die Fresse reinEines gleich vorweg:
Def Jam Fight For NY erhielt
keine Jugendfreigabe und das auch völlig zurecht. Als einer von
74 Rappern vermöbelt ihr eure Widersacher in den
» Die Zuschauer packen mit an. |
schummrigen Nachtclubs, Schrottplätzen und Hinterhöfen von New York bis zum Knockout oder zur Aufgabe. Durch den Einsatz von Hilfsmitteln wie Billard-Queues, Auspuffen und Glasflaschen oder die Zweckentfremdung der Kampfschauplätze enden die blutigen Auseinandersetzungen in den meisten Fällen mit zahlreichen Cuts und großem Verlust von Körperflüssigkeiten. Nichtsdestotrotz macht die ruppige Prügelei mit so
namhaften Stars wie Ice-T, Busta Rhymes oder Method Man weniger zart besaiteten Spielernaturen großen Spaß.
SteuersenkungObwohl dem Gamecube-Controller oft nachgesagt wird, er sei für Kampfspiele nicht geeignet, geht die Steuerung nach kurzer Eingewöhnungsphase erstaunlich gut von der Hand.
» Gleich gibt’s was auf’s Maul. |
Im Gegensatz zum Vorgänger, der sich noch mit dem Etikett
verkapptes Wrestlingspiel zieren durfte, vereint dieses Spiel mehrere Stile wie z.B.
Martial Arts, Kickboxen und eben Wrestling. Darüber hinaus wurde das Kampfsystem bei
Def Jam Fight For NY gehörig vereinfacht und vom viel gerühmten komplexen Steuerungskonzept aus dem Entwicklerstudio
Aki (unter anderem für N64-Wrestlingperlen wie
WWF No Mercy oder
WCW vs. NWO Revenge verantwortlich) blieb lediglich eine abgespeckte Variante übrig. So ermöglicht das Spiel nun Neulingen einen schnelleren Zugang, lässt aber auf lange Sicht etwas Tiefe vermissen.
Mein BlockNeben der Möglichkeit, im
Exhibition-Modus Einzelkämpfe, Tag Team-Matches oder sogenannte Free-For-Alls (jeder gegen jeden) zu bestreiten, geht der größte Reiz eindeutig
» Air Ludacris setzt zum Abflug an. |
vom
Story-Modus aus. Die Geschichte knüpft direkt an die Geschehnisse aus dem Vorgänger an und so müsst ihr mit eurem (selbst erstellten) Charakter dem Rapper
D-Mob im Kampf gegen
Crow (verkörpert und gesprochen von
Snoop Dogg) und seine finsteren Schergen zur Seite stehen. So prügelt ihr euch von Nachtclub zu Nachtclub, um eurer Gang einen Namen zu verschaffen und deren Revier zu vergrößern. Für gewonnene Aufeinandertreffen erhaltet ihr Geld und Erfahrungspunkte, außerdem schaltet ihr neue Rapper frei.
Mit den Erfahrungspunkten dürft ihr eurem Protagonisten im Gym von
Henry Rollins neue Kampfstile und Blazin Moves beibringen oder einfach seine Werte wie Kraft, Ausdauer oder Charisma steigern. Mit den Moneten gönnt ihr eurem Ebenbild
neue Klamotten, wilde Tattoos oder den angesagtesten Haarschnitt - Rasur inbegriffen. Das ist nicht bloß Makulatur, denn jeder weiß, dass nur dem Trend entsprechend gekleidete Rapper mit dicken Goldketten bei den Fans beliebt sind. Die Gunst der Fans erweist sich in den Auseinandersetzungen zumeist als entscheidend, da ihr dadurch schneller eure Blazin-Leiste aufladen könnt und so einen oftmals
matchentscheidenden Blazin Move vom Stapel lassen dürft, bei dem der Gegner nach allen Regeln der Kunst durch die Luft gewirbelt und auf den Boden der Tatsachen geschleudert wird.
Grafik Def Jam Fight For NY glänzt durch wunderschöne Charaktermodelle, die ihre realen Vorbilder sehr authentisch einfangen und so für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen. Gezielter Einsatz von Licht- und Schatteneffekten sorgt zudem in den wüsten Hinterhofprügeleien für eine kräftige Portion Fight Club-Untergrundflair.
Sound20 Songs (und damit weniger als in der PS2- und Xbox-Fassung) der Crème de la Crème des amerikanischen Hip Hop tragen gehörig zur Gesamtstimmung bei. Die Synchronisierung erweist sich als äußerst gelungen, was auch nicht verwundert, da jeder Rapper sein eigenes Ebenbild mit großem Enthusiasmus vertont hat. All jene, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, werden in
Def Jam Fight For NY allerdings mit Verständnisproblemen konfrontiert, denn das Spiel bietet keinerlei deutsche Untertitel für die slanglastigen Dialoge.
Spielspaß SoloDer Story-Modus fesselt euch für sechs bis sieben Stunden ans Joypad und ständig werdet ihr versuchen, euren Rapper mit schickeren Klamotten, Tattoos oder Schmuckstücken auszustatten, ihn in
Henry Rollins Gym aufzutrainieren und neue Charaktere freizuspielen. Die riesige Menge an Kleidungsstücken und sonstigen Accessoires machen den Titel zur virtuellen Barbie-Puppe für raue Naturen. Nach diesen rund sieben Stunden ist die Luft allerdings kräftig raus, denn die übrigen Spielmodi wissen auf Dauer nicht zu begeistern.
Spielspaß MultiDie Kämpfe mit mehreren menschlichen Mitstreitern können durchaus überzeugen, aber aufgrund der akuten Variantenarmut vermag es
Def Jam Fight For NY nicht, sich gegen den indirekten Genre-Konkurrenten
WWE Day of Reckoning durchsetzen, der auf lange Sicht durch die größere Matchvielfalt mehr Abwechslung bietet.