Vielfältiger Tuning-Racer, der durch eine große Auswahl und Suchtpotenzial glänzt, aber mit wachsender Monotonie und fadem Setting zu kämpfen hat.Das Jahr 2001 war wohl die Geburtsstunde der Tuning-Racer auf den Konsolen. In diesem Jahr lief
The Fast and the Furious in den Kinos und weckte zweifelsohne in vielen Besuchern den Wunsch, das Gesehene in die Tat umzusetzen. In der Realität aus Mangel an Zeit und Geld sicher ein eher schwieriges Unterfangen, schuf
Electronic Arts bald in Form von
Need for Speed Underground virtuelle Abhilfe. Bereits 12 Monate später steht nun der Nachfolger in den Läden und schickt sich an, besser, schöner und schneller zu sein. Welche Attribute
Need for Speed Underground 2 davon für sich verbuchen kann, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Strangers in the night Gerade erst in
Bayview angekommen, in dem es immer Nacht zu sein scheint, läutet auch schon das Handy. An der Strippe eine nette Dame, die dem Spieler nahe legt, möglichst schnell zum nächstgelegenen Autohändler zu kommen. Dabei behilflich ist
eine
Minikarte am linken unteren Bildschirmrand, die neben dem Ziel weitere
wichtige Orte anzeigt und auf Wunsch auch vergrößert werden kann. Unterstützend findet sich sogleich ein nicht zu übersehender Pfeil über dem eigenen Auto wieder, der einen geduldig ans Ziel lotst und im weiteren Spielverlauf auch andere Plätze mühelos finden lässt. Kurz darauf kommt es zur ersten Bekanntschaft mit der Anruferin namens
Rachel, die sich sogleich dazu bereit erklärt, als Managerin einzuspringen und fortan ständig
per SMS mit einem in Kontakt ist. Den Kurznachrichten wird generell eine große Bedeutung zugemessen, da man durch sie nicht nur wichtige Hilfestellungen zum Spiel erhält, sondern auch Einladungen zu speziellen Events, Tipps zu besonders heißen Rennen oder Infos, wenn es ein neues Tuningteil zu kaufen gibt. Wann immer Rachel dabei ins Spiel kommt, wird die Story vorangetrieben, was durch gezeichnete Bilder inklusive Sprachausgabe passiert.
Da es sich ohne Auto schwer durch die City cruisen lässt, darf man sich nun aus einer noch recht mageren Auswahl sein Wunschgefährt aussuchen. Zur Verfügung stehen dabei vergleichsweise lahme Krücken wie Opel Corsa oder Ford Focus. Schnell kommen jedoch weitere Vehikel in Form von beispielsweise Audi A3 und Toyota Celica sowie neuerdings auch
Geländewagen hinzu, die jedoch allesamt ohne Schadensmodell daherkommen und selbst nach dem härtesten Crash wie neu aussehen. Endlich hinterm Steuer seines eigenen Wagens Platz genommen, darf man nun
Bayview nahezu beliebig erkunden, wobei neue Stadtteile jedoch erst im weiteren Spielverlauf freigeschaltet werden. Das ist aber nicht weiter schlimm, da man auch so genügend zu tun hat.
Money makes the world go round Obwohl das Tunerherz natürlich danach schreit, den serienmäßigen Wagen möglichst schnell bis zur Unkenntlichkeit zu frisieren, muss erst einmal
Geld verdient werden. Dies geschieht durch unzählige auf der Karte verteilte
» Quer durchs nächtliche Bayview. |
Rennen, die frei wählbar und durch verschiedenfarbige Punkte gekennzeichnet sind. Es wird dabei die Unterscheidung zwischen folgenden Typen getroffen:
Drag: In einer Abwandlung der berühmten Viertelmeile muss selbstständig im richtigen Moment geschaltet und dabei dem Gegenverkehr ausgewichen werden.
Drift: Wie der Name schon sagt, gilt es hier durch gekonntes Driften die meisten Punkte zu erreichen.
Street X: Die weitaus größte Herausforderung im Spiel. Auf einem verwinkelten Rundkurs stellt sich die Aufgabe, durch möglichst aggressives Fahren seine Konkurrenten hinter sich zu lassen
Rundkurs: Strecken unterschiedlicher Länge und Rundenanzahl als Erster beenden.
Sprint: Ähnlich wie Rundkurs, geht es in diesem Typ jedoch nur von A bis B.
Outrun: Die zahlreichen Konkurrenten, die auf Bayviews Straßen unterwegs sind, können hier auf Knopfdruck zu einem Duell herausgefordert werden. Dabei gilt es, einen bestimmten Vorsprung zum Gegner aufzubauen.
Der
Schwierigkeitsgrad gestaltet sich dabei in der Standardeinstellung sehr
fair und man hat selten damit zu kämpfen, die Ziellinie nicht als Erster zu durchfahren. Sollte es dennoch mal Probleme geben, so liegt es lediglich daran, dass man zu wenig Geld in seine Karosse gesteckt hat. Ein paar PS mehr und schon ist wieder munteres Gewinnen angesagt. Sucht man eine größere Herausforderung, sollte man den Schwierigkeitsgrad also tunlichst auf
schwer stellen. Als gelungen kann man die Steuerung bezeichnen, die zwar sehr arcadelastig ist, aber doch einen realistischen Touch hat.
Neben dem Geld, das man sich durch die Rennen verdient, gibt es im Spiel noch eine Art zweite Währung:
Rufpunkte. Diese verdient man sich jedoch nicht durch bloßes gewinnen, man muss die Gegner vielmehr in den Boden stampfen und einen möglichst großen Vorsprung herausfahren. Als Lohn für die harte Arbeit wird man zu sogenannten URL Rennen (Underground Racing League) eingeladen, die ein noch größeres Plus aufs Konto zaubern. Mit steigender Bekanntheit winken auch fette Sponsorenverträge, die neben Verpflichtungen, wie eine bestimmte Anzahl an Rennen zu gewinnen, auch fette Boni in Form neuer Autos und viel Kohle mit sich bringen.
Pimp my ride Hat man dann endlich ein ansehnliches Sümmchen beisammen, führt einen der erste Weg natürlich in den
Tuning-Shop, um etwa einen stärkeren Motor, ein besseres Steuergerät oder eine härtere Federung einzubauen. Die meiste Zeit wird
» Der Traum eines jeden Tuners. |
man aber im
Karosserie-Shop verbringen - und das sehr, sehr gerne. Hier kann das Auto nach Herzenslust den eigenen optischen Vorlieben angepasst und nahezu bis zur Unkenntlichkeit verändert werden. Unzählige Front- und Heckstoßstangen, Seitenschweller, Spoiler, Reifen und dazugehörige Felgen, Rückspiegel, Motorhauben und Auspuffblenden sind im Programm. Natürlich darf auch eine Nitro-Einspritzung gekauft werden, die während der Rennen durch möglichst stylisches Fahren wie driften oder spätes ausweichen aufgefüllt werden kann.
Man hat zwar meist immer nur die Wahl aus ein paar neuen Teilen, die im Laufe des Spieles immer wieder freigeschaltet werden, insgesamt bringt es das Spiel aber auf eine stattliche Anzahl an nützlichem und ebenso unnutzem Zubehör. Individualisten werden besonders die
Spezialteile-Shops zu schätzen wissen, da dem Auto hier mithilfe von Neons, Hifi-Anlagen oder Tachoscheiben noch mehr Style verliehen werden kann, was auch zwingend notwendig ist, um bald das eine oder andere Cover eines Magazins zieren zu können. Ein Balken zeigt dabei an, die weit man es schon gebracht hat. Überschreitet man eine bestimmte Schwelle, wird man zu einem
Fotoshooting eingeladen, bei dem es den Wagen selbst vor der Linse zu platzieren gilt. Natürlich darf in eigens dafür vorgesehenen Shops auch die
Farbe des Wagens angepasst und dieser mit
Verzierungen und Schriftzügen der Hersteller versehen werden.
Hat man nach unzähligen Rennen gegen seine virtuellen Tunerkollegen genug davon, alleine vor dem Fernseher zu sitzen, holt man sich einfach einen Kumpel und steigt schnurstracks in den
2-Spieler-Splitscreen ein - womit der Offline-Part des Multiplayers aber auch schon erledigt wäre. Zum Glück hat Electronic Arts jedoch ein Herz für Mehrspieler-Fetischisten und spendierte
Need for Speed Underground 2 einen
Online-Modus. Bis zu fünf weitere Teilnehmer finden Platz in der Lobby und können entweder in einem der aus dem Singleplayer bekannten Renntypen gegeneinander antreten oder frei durch die Stadt cruisen und ihr Ein und Alles zur Schau stellen. Beim Erstellen des Schmuckstückes dürfen sämtliche bereits freigeschaltete Autos und Teile verwendet werden.
GrafikWährend das nächtliche Setting sehr gut zum Spielinhalt passt, wünscht man sich auf die Dauer doch ein wenig mehr Abwechslung und lechzt geradezu danach, ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Irgendwie sieht Bayview von hinten bis vorne gleich aus: unspektakuläre Texturen mit geringem Wiedererkennungswert fügen sich in die 1000. gleich aussehende Kreuzung ein. Teils starkes Kantenflimmern, fehlendes Anti-Aliasing, heftige Ruckler und Nachladen während der Rennen lassen oft an der Programmierkunst der Entwickler zweifeln. Ganz anders sieht es bei den Wagenmodellen des Spielers und der Gegner aus, die allesamt sehr detailliert und schön in Szene gesetzt sind. Auch der sehr nette Verwischeffekt bei hoher Geschwindigkeit, der plötzlich einsetzende Regen sowie der vorhandene 16:9 Modus machen einiges wieder gut.
SoundDer Motorensound ist eines der wenn nicht das Highlight des Spieles. Dieser dröhnt satt aus den Boxen und nimmt mit steigendem Tuning sogar noch an Authentizität zu. Auch die Sprachausgabe weiß zu überzeugen und wirkt nie aufgesetzt oder billig. Auch in
Need for Speed Underground 2 setzt Electronic Arts auf eine Auswahl an Musikstücken, die von HipHop bis Rock über Techno reichen. Leider wurde jedoch ein wenig am Umfang gespart und die Tracks wiederholen sich ziemlich schnell. Die Dolby Pro Logic 2 Unterstützung hält sich zwar im Hintergrund, kann aber beispielsweise beim Überholen überzeugen.
Spielspaß SoloDas Hauptaugenmerk des Spieles liegt ohne Zweifel beim Tunen und weniger bei den Rennen – auch wenn man das von einem Rennspiel erwarten könnte. Diese machen am Anfang zwar Spaß und bieten ob der verschiedenen Typen auf den ersten Blick auch genügend Abwechslung, verkommen aber schnell zur Nebensache, ja sogar zum notwendigen Übel, um zu Geld zu kommen. Daran können auch die verschiedenen Strecken nicht viel ändern, die sich alle irgendwie ähneln und lediglich durch andere Streckenführung und unterschiedliche Rundenanzahl unterscheiden – was nicht zuletzt an der allgegenwärtigen Dunkelheit liegt. Eine willkommene Auflockerung sind die URL Rennen, die auf besonderen Strecken stattfinden und sehr viel Geld bringen.
Spielspaß MultiDen besonderen Reiz an Need for Speed Underground 2 macht klar die Möglichkeit aus, sein Auto individuell herzurichten und daraufhin im Online-Modus präsentieren zu können. Angesichts der vielfältigen Auswahl an verschiedenen Teilen wird man so schnell keinen Wagen finden, der dem anderen gleicht. Gerade das kann jedoch auch zu Problemen führen, da anhand der großen Auswahl selten ein Gleichgewicht herrscht und oftmals einer der Teilnehmer klar im Vorteil ist. Man kann das natürlich auch als Ansporn sehen, seinen Wagen noch besser herzurichten und selbst bald an dieser Position zu sein. Dieses Ungleichgewicht wird zwar in der Lobby angezeigt, nur was soll man machen, wenn der Mitspieler partout nicht von seinem Traumauto Abstand nehmen möchte? Die Rennen selbst präsentieren sich dabei meist lagfrei und ohne auftretende Probleme.
Vergleich PlayStation 2- und Xbox-Version Ist man es bei Electronic Arts Spielen an sich gewohnt, auf allen Plattformen die gleiche Qualität zu erhalten, bietet sich bei
Need for Speed Underground 2 ein gänzlich anderes Bild. Während die Xbox-Version außer kleinen Rucklern keinen Grund zur Beanstandung bietet, stehen grobe Ruckler, schlechtes Anti Aliasing und das Nachladen während der Rennen bei der PS2 auf der Tagesordnung. Auch lässt sich das Spiel auf Microsofts Konsole wegen der analogen Schultertasten leichter steuern und die Ladezeiten sind hier ein wenig kürzer. In diesem Fall gilt mehr denn je:
Wer die Wahl hat, soll zur Xbox-Version greifen!