Irres Geschwindigkeitsgefühl + heiße Action * edle Optik = Burnout 3.Als der erste Teil von Burnout im Jahre 2002 erschien, ahnte wohl noch niemand, welch grandiose Serie daraus werden würde. Das lag nicht zuletzt daran, dass der Einstand des Racers nur bedingt überzeugen konnte und lediglich oberes Mittelmaß war. Entwickler
Criterion Studios lernte jedoch aus den Fehlern und lieferte mit
Burnout 2: Point of Impact ein wahres Meisterwerk ab. Dass es jedoch noch besser geht, lest ihr im folgenden Master-Review.
We are the lazy generation... Bereits beim ersten Start des Spieles wird anhand des Intros klar:
Burnout 3: Takedown ist ziemlich laut, äußerst zerstörerisch und wahnsinnig schnell. Nachdem man das Menü hinter sich gelassen hat und endlich selbst ans Steuer darf, wird
» Gerade nochmal gut gegangen |
dieser Eindruck mehr als bestätigt. Im Gegensatz zum zweiten Teil darf der
Boost diesmal
zu jeder Zeit mithilfe der A-Taste ausgelöst werden – vorausgesetzt die zugehörige Anzeige am linken unteren Bildschirmrand ist wenigstens zu einem kleinen Teil gefüllt. Dies ist durch zahlreiche mehr oder weniger
waghalsige Manöver möglich: im Gegenverkehr fahren und möglichst spät ausweichen, über Kuppen springen, um jede Kurve driften usw.
Hat man sich bis jetzt nur an harmlosen Verkehrsteilnehmern vergriffen, darf man sich nun, und das ist die größte Neuerung, auch herzhaft an seinen Gegnern auslassen und sogenannte
Takedowns ausführen, indem man sie gegen die Leitschiene drückt, ihnen von hinten einen heftigen Stoß versetzt oder sie schlicht und einfach in den Gegenverkehr drängt. Doch Vorsicht! Die übrigen Rennteilnehmer setzen alles daran, dieses Manöver auch am Wagen des Spielers durchzuführen und
fahren dementsprechend aggressiv. So kann es schnell passieren, dass man die Worte „Takedown gerächt“ am Bildschirm liest und einem nur mehr die Trümmer um die Ohren fliegen. Umso größer ist jedoch dann die Genugtuung, wenn man einen solchen Unfall für einen
Aftertouch nutzt, was folgendermaßen vonstatten geht: durch Drücken der A-Taste kann die Zeit nach dem Crash verlangsamt und das Auto mithilfe des linken Analogsticks
in begrenztem Maße bewegt werden. Mit ein wenig Glück ist sogleich ein Gegner zur Stelle und zischt mit vollem Karacho in den eigenen Flitzer.
Takedown! Leider kommt einem hier des Öfteren die Kamera in die Quere, da man diese nicht selbst steuern kann und so meist nicht sieht, wenn ein potenzielles Opfer herannaht.
Boost, Boost, Boost! Nachdem man es nun es nun endlich geschafft hat, den Boost-Balken durch pure Boshaftigkeit zu füllen, geht der Spaß erst so richtig los: Die Umgebung verschwimmt zusehends, der Tunnelblick setzt ein und die Geschwindigkeits-
Anzeige schnellt nach oben. Neben dem
unglaublichen Geschwindigkeits-Gefühl ist es so auch möglich, bereits verloren geglaubte Rennen doch noch zu gewinnen. So schön das ungehemmte Rasen ist, so tückisch kann es auch sein. Hat man selbst bei normaler Geschwindigkeit Probleme, den Wagen von anderen Verkehrsteilnehmern fernzuhalten, ist es während des Boosts
teils pures Glück, nicht in der nächsten Leitplanke zu landen. Auch wenn das oft sehr frustrierend sein kann, sieht man sich selbst den 100. Crash noch gerne an, in dem das eigene Auto auf jede nur erdenkliche Art und Weise deformiert wird, Scheiben bersten, sich Fahrzeugteile in alle möglichen Himmelsrichtungen verstreuen und nicht nur man selbst wild durch die Luft fliegt. Unterstrichen wird das Ganze noch durch eine Anzeige, was man alles angerichtet, zerstört und umher gewirbelt hat.
Cooler kann ein Unfall nicht inszeniert werden!
Obwohl man eigentlich davon ausgeht, dass die Anzahl der Crashs mit zunehmendem Spielverlauf und somit wachsender Erfahrung abnimmt, trifft dies schon alleine wegen der immer schneller werdenden Fahrzeug-Klassen und dem dadurch auch gesteigerten Schwierigkeitsgrad nicht zu. Geht es zu Beginn in der Compact-Klasse noch vergleichsweise gemächlich zur Sache, wird der Takt in der Coupe-Klasse schon etwas schneller, um dann in der Special-Klasse mit einem ausgewachsenen
Formel-1-Flitzer zu gipfeln. Insgesamt stehen so nach und nach
72 Autos in 12 Klassen zur Verfügung, die jedoch ohne Lizenzen auskommen müssen, teilweise aber sichtlich realen Karossen nachempfunden sind.
Die Fahrphysik der Autos ist eigentlich nicht existent, da sie richtiggehend am Boden kleben und wie auf Schienen um jede Kurve befördert werden können. Das ist aber nicht weiter schlimm, da alles andere einfach nicht zur unkomplizierten Renn-Action von Burnout passen würde.
Around the World Das Kernstück des Singleplayer-Modus bildet die
Burnout 3 Welt-Tour, in der man in den drei Regionen
USA, Europa und Asien je nach Fortschritt nahezu beliebig zahlreiche Herausforderungen bestreiten kann. Insgesamt stehen hier
sieben Spielmodi und
40 verschiedene Strecken zur Verfügung. Was auf den ersten Blick viel aussieht, sind im Endeffekt nur ca. ein Duzend wirklich individuelle Rennstrecken mit eigenem Look, die durch unterschiedlichen Verlauf variiert werden. Da sich diese aber in der Länge teils erheblich unterscheiden, wird im Endeffekt doch einiges geboten.
Auch wenn man zuerst von der Anzahl der unterschiedlichen Spielmodi nahezu überwältigt ist, ähneln sich diese nach genauerem Hinsehen doch in gewisser Weise. Für dauerhafte Motivation ist dann aber doch gesorgt, da sich jeder Modus in der Spielweise unterscheidet. Der weitaus schwerste ist
Burning Lap, da man hier
gegen die Uhr antritt und einem diese unerbittlich im Nacken sitzt. Ohne richtigen Einsatz des Boosts wird man keinen Blumentopf gewinnen. In die komplett andere Richtung geht die unter Spielern besonders beliebte
Road Rage Herausforderung, in der es innerhalb einer gewissen Zeit so
viele Gegner wie möglich per Takedown auszuschalten gilt.
Auch sind die aus dem Vorgänger bekannten
Crash-Kreuzungen wieder mit von der Partie, wobei es diesmal zahlreiche Symbole zum Aufsammeln gibt, darunter auch den sogenannten
Crashbreaker, der das Auto augenblicklich explodieren und weit durch die Luft wirbeln lässt. Daneben gibt es noch ganz normale Rennen über eine oder drei Strecken und gegen einen oder bis zu fünf Gegner.
Alle Modi haben die Gemeinsamkeit, dass man je nach Platzierung/Erfolg eine Gold-, Silber- oder Bronze-Medaille erhält und dementsprechend unterschiedliche Extras wie Autos freischaltet. Insgesamt werden selbst geübte Spieler so mindestens 15 Stunden beschäftigt sein, besonders wenn man immer das edelste Metall als Ziel vor Augen hat.
Du gegen den Rest der Welt Erstmals in der Geschichte von Electronic Arts wird mit
Burnout 3 auch Xbox Live unterstützt. Neben dem obligatorischen
Optimatch (Spiele anhand verschiedener Kriterien suchen) und dem
Quickmatch (auch
Schnell ins genannt) ist es » Ob sich das noch ausgeht? |
Spiel natürlich auch möglich, sein
eigenes Spiel zu eröffnen und auch mit einem Passwort zu versehen. Bis zu fünf weitere Spieler können der Lobby beitreten, wobei es bei der maximalen Teilnehmeranzahl schon mal eng werden kann – was aber nicht an der mangelnden Bandbreite des Hosts, sondern an den Servern von Electronic Arts liegt. Auch sonst hat der Publisher zum Zeitpunkt des Reviews noch mit teils argen Problemen zu kämpfen. So hängt sich der Titel in seltenen Fällen auf, ein Beitreten zu einem Spiel ist nicht möglich, Teilnehmer hören sich auf einmal nicht mehr oder Freunde werden als online in
Burnout 3 angezeigt, obwohl sie es gar nicht sind.
Hat man es dann nach einigen Anlaufschwierigkeiten doch in eine Lobby geschafft, stehen die Modi
Rennen und
Road Rage für bis zu sechs Spieler und
Team-Crush (Crash-Kreuzung miteinander) sowie
Double Impact (gegeneinander) für maximal zwei Teilnehmer zur Verfügung. Im Modus
Crash-Party können auf Wunsch acht Personen nacheinander auf den Verkehr losgelassen werden. Alle genannten Modi können auch offline im Multiplayer-Modus gespielt werden.
Grafik Burnout 3 zählt zweifellos zu den schönsten Spielen, die derzeit auf dem Konsolenmarkt erhältlich sind. Detaillierte Wagenmodelle, abwechslungsreiche Strecken mit netten Details, schöne Effekte wie ein Wischeffekt, Reifenqualm oder Funkenregen sowie Echtzeit-Enviroment-Mapping. Letzteres ist jedoch teilweise zu übertrieben dargestellt und wirkt in Verbindung mit den übermäßig blitzenden und funkelenden Fahrzeugen eher unrealistisch.
Im gesamten Testverlauf kam es weder online noch offline zu Slowdowns oder Popups und auch der 16:9 Modus ist positiv hervorzuheben.
Sound Hier ist besonders der hervorragende Soundtrack zu nennen, der eine unglaubliche Vielfalt bietet und sich aus bekannten Rock- und Punk-Größe wie Jimmy Eat World, Donots, Pennywise oder The Ramones zusammensetzt. Präsentiert wird dieser in Form eines virtuellen Radiosenders inklusive eigenem Moderator namens
DJ Blackpearl, an dem sich wohl die Spieler-Geister scheiden werden.
Leider können die Motorgeräusche nicht ganz mithalten. Sie unterscheiden sich zwar von Fahrzeug zu Fahrzeug, klingen aber allesamt eher unrealistisch und können bestenfalls noch als zweckmäßig eingestuft werden. Im krassen Gegensatz dazu stehen die hervorragenden Soundeffekte beim Vorbeifahren an anderen Autos, die dank Dolby-Digital-Unterstützung auf ganzer Linie überzeugen.
Spielspaß Solo Das größte Manko im Vorgänger war, dass der Singleplayer-Modus in relativ kurzer Zeit durchgespielt werden konnte.
Burnout 3 macht es viel besser: Die World Tour sorgt mit ihren zahlreichen Herausforderungen dafür, dass man für eine lange Zeit beschäftigt ist und durch die zahlreichen Spielmodi, unzähligen Autos und vielen Strecken nie Langeweile aufkommt. Man ist stets motiviert, jedes Rennen auf Gold zu schaffen, auch wenn man es wieder und wieder von vorne beginnen muss. Ab und zu kann einem da aber schon mal der teils recht hohe Schwierigkeitsgrad in die Quere kommen, der sich besonders im Modus
Burning Lap offenbart. Ohne eine wirklich fehlerfreie Fahrt und gezieltem Einsatz des Boosts ist es oft nicht möglich, zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Auch die im späteren Spielverlauf immer anspruchsvoller werdenden Gegner können dazu führen, dass man leichte Kratzspuren am Gamepad hinterlässt.
Spielspaß Multi Burnout 3: Takedown kann sowohl offline als auch online voll und ganz überzeugen, obwohl der Xbox Live Variante natürlich wenn möglich der Vorzug zu geben ist. Macht es bereits sehr viel Spaß, die Computergegner zu traktieren, ist die Genugtuung umso größer, wenn man gerade seinen Kumpel per Takedown ins Abseits befördert hat, um danach mit einem breiten Grinsen an ihm vorbei zu brettern. Auch wenn das Angebot mit lediglich zwei Modi, die zu Sechst absolviert werden können, etwas dürftig erscheint, wird ein Rennen um das andere gestartet und die Zeit vergeht wie im Fluge.Lediglich die teilweise noch argen Probleme, mit denen man bei Online-Spielen zu kämpfen hat, trüben den Spielspaß zwischenzeitlich doch beträchtlich. Hier hat Electronic Arts definitiv noch Nachholbedarf.