Als Electronic Arts verkündete, dass sie die Lizenz von Burnout 3 gekauft hatten, ging ein Aufschrei durch die Spielwelt. Würde das bedeuten, dass der heiß erwartete Arcaderacer keine Unterstützung für Xbox Live haben würde? Nachdem die Wogen sich geglättet haben und das Spiel endlich da ist, haben wir uns die Zeit genommen, einen Blick auf den Nachfolger des ebenfalls von Criterion entwickelten Titels Burnout 2: Point of Impact zu werfen. Und bevor ihr weiterlest: ja, Burnout 3: Takedown ist mit Leichtigkeit der beste Arcaderacer, den es zurzeit gibt. Punkt!
Wollen wir uns doch mal als erstes mit der Geschichte befassen. Geschichte? Eine Story in einem Titel der Burnout-Reihe? Ich konnte jedenfalls keine finden, das Schema hat sich nicht wirklich geändert. Fahrt Rennen gegen andere oder crasht eure Fahrzeuge in stark befahrene Kreuzungen oder in den entgegenkommenden Verkehr. So einfach ist das, aber verfeinert in einem Umfang den sich niemand vorgestellt hat. Während die bekannten Methoden, Boostlevel zu erreichen erhalten geblieben sind: auf der falschen Straßenseite dem Verkehr entgegenfahren, nahes Überholen, Drift, Sprünge etc., sind die Animationen und die Technik der Darstellung von Crashs modifiziert worden.
Crashs waren und sind der Hauptfokus des Spiels. Das Abdrängen von Kontrahenten über den Rand einer Klippe oder gegen eine Wand so dass sie crashen bringt richtig Punkte. Die sogenannten Takedowns sind wichtig und verschaffen euch oft die Extrasekunde Vorsprung um das Rennen zu gewinnen. Viele verschiedene Arten Takedowns sind möglich: das Abdrängen an eine Wand, über eine Klippe oder in den Gegenverkehr etc. Und das ist nicht Alles: wenn ein Konkurrent euch abrammt (oder einen Takedown bei euch schafft) könnt ihr eine neue Technik nutzen, den „Aftertouch“. Während ihr die Taste A (Xbox) oder X (PS2) gedrückt haltet, könnt ihr euer durch die Luft fliegendes Wrack in Zeitlupe (genannt Impact Time) steuern und in eine von euch gewünschte Richtung lenken. Das macht Spaß und gibt euch die Möglichkeit, Konkurrenten noch mit eurem Auto zu crashen, obwohl ihr eigentlich machtlos wart und so den Takedown umzudrehen. Im Crashmodus ist „Aftertouch“ sogar noch wichtiger, weil manche Powerups und Goodies nur so erreichbar sind. Also lernt euer Auto auch nach dem Crash zu lenken, um den vollen Spaß zu haben.
Burnout 2: Point of Impact hatte etwas, was die meisten Rennspiele so nie erreicht haben: das Gefühl von Geschwindigkeit, besonders im Boostmodus. Burnout 3: Takedown hat dieses Gefühl vervollkommnet und gibt euch nicht nur den Kick durch die Geschwindigkeit sondern jagt euch Schauer über den Rücken und lässt das Adrenalin steigen wenn ihr mit 300 km/h durch den Gegenverkehr heizt. Den Bootzähler zu füllen ist etwas zu einfach geworden und insgesamt setzt ihr Boost eigentlich fast konstant ein, einzelne Segmente der Skala sind schnell gefüllt. Insgesamt müsst ihr den Boost perfekt nutzen, um noch mehr Punkte zu erreichen wenn ihr eure Gegner mit Boost abschießt.
Nicht nur das Gefühl der Geschwindigkeit, die Optik insgesamt wurde aufpoliert und ist sehr eindrucksvoll. Es gibt eine Menge Leben auf den Straßen und um die Rennstrecken. Die Strecken sind detailliert und gut strukturiert. Nur eine Sache muss im Bereich Grafik noch verbessert werden: die Autos. Die Autos, die die Stars des Spiels sind, lassen mich verwundert denken: gibt es keine offiziellen Lizenzen? Warum nicht? Obwohl viele Autos „wie ein…“ aussehen, gibt es kein Auto, das ihr so auf der Strasse finden werdet. Der Gesamteindruck ist manchmal etwas flach und außerdem können meistens nur drei Farben gewählt werden: Blau, Rot und Schwarz (manchmal gibt es Autos, die ihr in Gelb wählen könnt). Etwas einfallslos aber es zerstört nicht den Spaßfaktor des Spiels. Die Partikeleffekte bei den Crashs und Explosionen sind eindrucksvoll und es kann euch gut passieren, dass ihr euch einen Crash immer und immer wieder anschaut.
Im Bereich Audio gibt es nur zwei Möglichkeiten: „Liebe oder Hass“. Während der Ansager nach einer Zeit einfach nur schrecklich nervt (akzeptabel in der deutschen und französischen Synchronisation aber im Englischen einfach nur furchtbar), ihr ihn aber abschalten könnt, ist der Soundtrack mit nu-Metall artigen Art Punk von unterschiedlichen Künstlern nicht jedermanns Geschmack. Wenn ihr keine Lust auf die EAtrax habt, könnt ihr sie entweder ausschalten oder eigene Soundtracks auf der Xbox nutzen. Ist bestimmt sowieso die bessere Lösung.
Die ersten beiden Teile der Burnout-Reihe zeichneten sich durch eine extrem direkte und schnelle Steuerung aus. Es hat sich hier nichts geändert und das ist gut so. Anders wäre es sicherlich nicht möglich, das Spiel komplett durchzuspielen denn aggressives Fahren in diesen Geschwindigkeiten ist nur möglich mit perfekter Steuerung. Kurz gesagt: die Steuerung ist perfekt (das sage ich persönlich als nicht der beste Rennfahrer).
Wenn wir über den Multiplayer bei Burnout 3: Takedown sprechen, sprechen wir über eine Reihe von Bugs in diesem Teil. Nachdem ich von den Acht-Spieler-Kop-an-Kopf Rasereien gelesen hatte, traten die ersten Probleme schnell auf. Criterion ist einfach noch nicht an Xbox Live gewöhnt gewesen und Electronic Arts haben gerade erst begonnen, Microsofts Onlineservice zu unterstützen. Darunter leidet das Spiel. Oft ist es nicht möglich, Freunde einzuladen, Spielen beizutreten oder ihr werdet aus dem Spiel gekickt. Was ich aber für noch wichtiger und nicht verständlich halte: weltweites Xbox Live spielen ist NICHT möglich mit Burnout 3: Takedown. Wenn ihr euch bei Xbox Live anmeldet, teilt euch ein kleiner Screen mit, dass 50Hz und 60Hz Konsolen nicht gegeneinander spielen können.
Ein anderes Problem ist die Art, wie Electronic Arts mit Xbox Live insgesamt umgeht. In dem Moment in dem ihr euch das erste Mal mit Burnout 3: Takedown bei Xbox Live anmeldet, bekommt ihr eine Email, dass ihr euch doch bitte anmeldet im EA System, um Scores etc. abzufragen. Ihr befindet euch außerhalb des wohlbekannten Xbox Live Systems. Nur nebenbei: Xbox Live wird für viele Spiele mit dem gleichen System weltweit genutzt. Warum musste EA das ändern? Es ruiniert die Erfahrung für eine Menge Spieler. Forendiskussionen zeigen: die Art wie EA Spieler zu kontrollieren versucht und die Probleme mit dem Service im Multiplayer sorgen dafür, dass einige Leute Burnout 3: Takedown nicht kaufen. Solltet ihr es unerwartet schaffen und mit mehreren Spielern von Anfang bis Ende ein Spiel spielen können, könnt ihr euch glücklich schätzen. Electronic Arts hat allerdings bereits reagiert und verspricht Nachbesserungen am System. Wir werden sehen.
Erinnert ihr euch an den Split-Screen-Modus bei Burnout 2: Point of Impact? Stabil, schnell und motivierend. Stabile Framerates sorgten dafür, dass ihr euch die Nächte um die Ohren schlagen konntet während ihr mit euren Freunden um die Wette fuhrt. In hohem Grade suchtgefährdend. Nun, die gleiche Erfahrung werdet ihr mit Burnout 3 nicht machen. So schön und stabil der Singleplayer ist, so instabil ist es im Split-Screen. Die Framerate geht auch mal unter 20 Frames und ist maximal bei 25-30 FPS. Das Geschwindigkeitsgefühl ist einfach nicht so da.
Fazit:
Burnout 3: Takedown klar der best polierte und beste Arcadeartracer auf den Konsolen und es wird hart, das zu übertreffen. Criterion haben sich selbst mit diesem Titel übertroffen und der Singleplayer ist nicht nur süchtig machend sondern auch hochmotivierend. Normale Spieler werden leicht 30 und mehr Stunden brauchen, um alle Autos zu haben und um auch den letzten Gegner zu crashen. Das Fehlen lizenzierter Autos ist nicht so schlimm, denn der Titel macht einfach ungeheuer Spaß. Genau: Burnout 3 macht eine Menge Spaß und darum geht es. Der Multiplayer-Teil des Spiels ist nicht so eindrucksvoll, eine Menge Fehler trüben die Erfahrung und es bleibt zu hoffen, dass EA nachbessert. Auch die Probleme mit dem Split-Screen sollte man nicht verschweigen. Das zusammen macht den Multiplayer nicht zu meinem Lieblingsteil des Spiels. Zusammenfassend muss es aber gesagt werden: kauft euch Burnout 3: Takedown solltet ihr auf der Suche nach dem perfekten Arcaderacer sein! Jetzt!