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Master-Review:   » drucken    » versenden

Destroy All Humans!

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 20.07.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Witzige Reminiszenz an die glorreichen 50er – leider mit etwas angestaubtem Gameplay.

Those were the days – als Mädchen noch Faltenröcke trugen, der Prokopfverbrauch an Haarpommade sein Allzeithoch erreichte und der Kommunismus in den Köpfen der Amerikaner das Weltübel bedeutete. Damals begann man von den unendlichen Weiten des Alls zu träumen, Horrorgeschichten von außerirdischen Experimenten an Menschen machten die Runde, Entführungen und Ufo-Sichtungen waren – augenscheinlich – an der Tagesordnung – die Nachwehen des mythenumwobenen Roswell-Vorfalls. THQ schickt uns nun mit Destroy All Humans! auf eine Reise in die Vergangenheit. Ob die Tour als Erfolg verbucht werden kann oder eher in einer veritablen Bruchlandung endet, soll einmal mehr unser Master-Review zeigen.

Furons attack!
So ein Schlamassel aber auch! Der genetische Code der Rasse der Furons liegt darnieder: Jahrhunderte lang zog man bei den kleinen grauen Aliens die Klonung der natürlichen Vermehrung vor. Als Folge blüht den
» Noch steht das Weiße Haus.
zynischen Winzlingen das ultimative worst case scenario: Das langsame Aussterben der eigenen Rasse! Nicht auf den Kopf gefallen, besinnt man sich an frühere Tage. Die widerwärtigen Menschen auf diesem nichtsnutzigen Planeten Erde tragen aufgrund längst vergangener Experimente das begehrte Furon-Gen in seiner reinsten Form in sich. Getreu dem Motto Ein Furon muss tun, was ein Furon tun muss begebt ihr euch nun als Crypto-137 auf die lange Reise Richtung Erde, um den verhassten Menschen Saures zu geben – und ganz nebenbei kiloweise DNA aus frischen Gehirnen einzusacken.

Ohne entsprechendes Equipment wäre unser grauer Held bei dieser Aufgabe allerdings heillos überfordert. Gut, dass die erste Mission in einem kleinen Hinterwäldler-Kuhkaff auch gleich als Mini-Tutorial herhält und dem Fratz – also euch – die ganze Breite an Manipulationsmöglichkeiten in Form von kleinen Aufgaben näher bringt. Die Steuerung beweist sich dabei als recht eingängig: Innerhalb kürzester Zeit seid ihr im namensgebenden Zerstören aller Menschen einsame Spitzenklasse. Um dem hohen Anspruch als äußerst aggressive außerirdische Lebensform gerecht zu werden, bedient ihr euch nicht nur eurer psycho-telekinetischen Fähigkeiten, um Kühe und Menschen durch die Lüfte segeln zu lassen beziehungsweise überhaupt gleich menschliche Gestalt anzunehmen, sondern natürlich auch diverser Feuerwaffen. Neben der elektrisierenden Strahlenkanone Zap-O-Matik steht euch zu Beginn auch die Analsonde zur Verfügung, welche unter anderem äußerst unangenehmen Juckreiz in der unteren Leistengegend verursacht.

Brain-Extracting!
Der hohe Bodycount verkommt in Destroy All Humans! aber selbstverständlich nicht zum reinen Selbstzweck. Schließlich gilt es, menschliche DNA aus den humanoiden Lebewesen heraus zu pressen, um dem
» Muuuuh?
eigenen Untergang entsprechend entgegen wirken zu können. Um an das begehrte Erbgut heran zu kommen, extrahiert ihr nicht nur die Gehirne menschlicher Gegner, sondern lasst auch diverse Mini-Games über euch ergehen. Neben klassischen Wettläufen gegen die Zeit bieten sie aber selten mehr als die obligatorischen Töte xx Menschen in yy Minuten-Modi – und diese schaffen es kaum, wirklich an den Schirm zu fesseln. Um die Story entsprechend voran zu treiben, werdet ihr jedoch nicht an der Absolvierung einiger dieser Spielchen herum kommen, wird gegen Ende doch ein Mindestpensum an extrahierter DNA vorausgesetzt.

Euer Mentor Pox hat aber auch noch eine andere Verwendung für entsprechend qualitativ hochwertiges Erbmaterial. So lassen sich Waffen, aber auch Fähigkeiten und eure fliegende Untertasse gegen entsprechende Entlohnung upgraden, um die ekelhaften Menschen noch effektiver bekämpfen zu können. Ja, richtig gelesen: Auch mit der Untertasse geht es den Erdenbewohnern mit Todesstrahler und Quantenzerstörer an den Kragen. Habt ihr für ausreichend Aufsehen gesorgt, ist euch nämlich nicht nur die lokale Polizei auf den Fersen – farbige Symbole auf dem oberen Bildschirmrand informieren euch jederzeit über den derzeit herrschenden Ausnahmezustand. Treibt ihr es besonders wild, bekommt ihr es mit der Armee zu tun; im schlimmsten Fall auch mit der Majestic-Elitetruppe. Nach einem beherzten Sprung in das persönliche, interstellare Raumfahrzeug wischt ihr mit dem Pack jedoch den Boden auf – einzig den Boden-Luft-Raketen von Panzern und Geschützen gilt es dann auszuweichen.

War of the Worlds
Was Destroy All Humans auszeichnet ist schnell erklärt: Triefender Sarkasmus und ätzende Sprüche des Protagonisten gepaart mit einer äußerst stimmungsvollen Fifties-Atmosphäre zeugen
» Hinfort mit den Erdenwürmern!
von der Besessenheit der Designer, das typische B-Movie-Ambiente 50 Jahre alter Kinofilme in ein Spiel zu packen. Die Detailverliebtheit hört dabei keineswegs beim äußerst gelungenen Charakter- und Leveldesign auf; auch die vielen Sprachsamples und die durch den so genannten Cortex-Scan aufgefangenen Gedanken der Erdenbürger regen zum Schmunzeln an und unterhalten ob der Vielzahl ebendieser Samples für Stunden – gerade der schon eingangs erwähnte Hass auf den Kommunismus offenbart sich in unzähligen Scans.

Leider krankt Destroy All Humans! jedoch in einer essenziellen Disziplin: dem Gameplay. Das Spiel ist einfach viel zu schnell durchgespielt. Nach etwa 8 – 10 Stunden sieht der Durchschnittszocker den Abspann. Auch innerhalb der Missionen sucht man Abwechslung – größtenteils – vergeblich: Im Großen und Ganzen dreht sich trotz unterschiedlichen Zielen wie Beschattung beziehungsweise Hypnose von Individuen und Erforschungsaufträgen alles nur um den Kampf, sei es zu Fuß oder in der fliegenden Untertasse. Und gerade dieser ist vor allem aufgrund einer sich ständig wieder aufladbaren Energieleiste nur selten eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod – im hauseigenen Ufo noch eine Spur weniger als zu Fuß. Über kurz oder lang entwickelt sich auch das ständige Aufsammeln von menschlicher DNA mehr zur Arbeit als zum Vergnügen – dauert das Extrahieren nach dem Ableben doch noch weitere 3-5 Sekunden, in denen man anderen, noch lebenden Kontrahenten ein hübsches und lohnendes Ziel bietet. Besonders nervig: Während einer Mission ist kein Zwischenspeichern möglich; beißt ihr ins Gras, dürft ihr von vorne beginnen.

Invasion!
Grafisch bietet Destroy All Humans! hingegen einiges: Von friedlichen Dorfidyllen bis zu Militärbasen ist in den grundsätzlich frei begehbaren sechs Missionsgebieten alles vertreten, was in
» Chaos in D.C.
einem zünftigen Alienschocker nicht fehlen darf. Besonders betont wurde einmal mehr die typische 50er-Atmosphäre mit ihrer Vorliebe für bunte Farben und überzeichnete Charaktere. Lediglich einige Pop-Ups trüben das durchwegs positive Bild – vor allem in den Flugsequenzen. Hier kann es schon mal passieren, dass ganze Häuserblocks unvermittelt im Bild auftauchen. Auch beim Sound wurde grundsätzlich alles richtig gemacht: Die Soundeffekte sind authentisch und die Musikuntermalung könnte glatt von Plan 9 from Outer Space entnommen worden sein. Die deutschen Synchronstimmen hätten aber – einmal mehr – ein wenig Feintuning gebraucht, obwohl sie sich grundsätzlich Mühe geben, dem englischen Original gerecht zu werden.
Pro
Abgedrehte Story und Charaktere
Tolle 50er-Atmosphäre
Gute Optik
Stimmungsvolle Sounduntermalung
Spielbarer B-Movie
Contra
Zu kurz
Etwas monotones Gameplay
Pop-Ups
Fazit
Destroy All Humans gibt sich alle Mühe und scheitert schlussendlich am zu starren und einfachen Gameplay. Dabei hätte man soweit alles richtig gemacht: Die Story ist witzig, der Protagonist abgedreht und die Atmosphäre eines typischen Alien-B-Movies aus den 50ern wurde perfekt eingefangen. Im Prinzip macht ihr jedoch zehn Stunden lang nichts anderes, als DNA aus Körpern zu saugen, die ihr kurz zuvor mit einem eurer zahlreichen Hilfsmittel zu Fall gebracht habt. Statt dem erwarteten Spitzentitel wurde aus Destroy All Humans! also leider doch nur ein gutes Spiel, zu dem man sich einen verfeinerten und etwas abwechslungsreicheren Nachfolger nur wünschen kann. Zocker mit einem Faible für die 50er-Jahre und/oder intelligent (!) witzigen Programmen mit B-Charakter können jedoch bedenkenlos zugreifen. Alle anderen borgen sich das Spiel über das Wochenende aus der Videothek aus und spielen es dann auch gleich durch.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action • Action-Adventure
Publisher
THQ
Entwickler
Pandemic Studio...
Website
www.thq.de/html...
Release
24. Juni 2005
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User-Bewertung
84
8 Bewertungen
2 Reviews
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