Actionreicher PSI-Thriller mit kleinen Schönheitsfehlern.Fast jeder hat schon einmal davon geträumt, Gegenstände nur mit der Kraft seiner Gedanken zu bewegen oder das Tun eines anderen Menschen mit Hilfe psionischer Fähigkeiten zu kontrollieren. Für
Nick Scryer, dem Hauptdarsteller in
Midways neuestem Action-Adventure
Psi Ops: The Mindgate Conspiracy, ist dieses Wunschdenken längst Wirklichkeit geworden. Er gehört zu einer PSI-Spezialeinheit und lässt auch größere Felsbrocken mühelos durch die Luft schweben. Dummerweise hat der smarte Agent sein Gedächtnis verloren. Obendrein wurde er noch von der terroristischen Gruppierung
Die Bewegung nach einem Angriff auf seinen Stützpunkt gefangen genommen und in Einzelhaft gesteckt. An dieser Stelle schlüpft der Spieler in die Rolle des ehemals PSI-begabten Protagonisten und steigt damit in ein erfrischend innovatives Actiongame ein, welches wir im nachfolgenden
Master-Review ausführlich unter die Lupe nehmen werden.
Flashback Zunächst muss man sich natürlich den Weg aus der Gefängniszelle bahnen, wobei einem die mysteriöse Doppelagentin Sarah zur Seite steht.
» Die PSI-Kräfte sind sehr nützlich. |
Nur mit einer Pistole bewaffnet erledigt man die ersten Feinde. Wahlweise kann man auch auf das simple, aber effektive Nahkampfsystem zurück greifen. Entweder in der direkten Konfrontation oder mit
lautlosen Stealth-Angriffen, die den Gegner sofort für immer ins Land der Träume schicken. Die Steuerung hält sich bei allen Aktionen an gängige Standards und ist einfach zu erlernen. Probleme sollte es hier nicht geben. Wem die voreingestellte Konfiguration nicht gefällt, darf noch aus zwei Alternativen wählen.
Nach ein paar getöteten Gegnern und harmlosen
Schalterrätseln hat
Nick seinen ersten Flashback, in dem er sich an eine seiner insgesamt sechs
PSI-Fähigkeiten zurück erinnert. Wann immer dies geschieht, folgt in
Nicks Gedanken ein kurzes spielbares Tutorial, in dem die Vorzüge und Möglichkeiten der jeweiligen PSI-Kraft ausführlich vorgestellt werden. Die nützlichste dieser Mächte ist die Telekinesekraft, mit deren Hilfe fast alles angehoben und bewegt werden kann. Auch Gegner lassen sich auf diese Weise im wahrsten Sinne des Wortes leicht in den Griff bekommen.
Havok und übernatürliche Kräfte Dank der lizensierten Havoc-Physik-Engine eröffnet die PSI-Fähigkeit dem Spieler eine große Anzahl an Möglichkeiten. Gegenstände können beispielsweise gestapelt werden, um in sonst unerreichbare Gegenden zu gelangen.
Gezielt platzierte Benzinfässer töten effizient größere Gegneransammlungen oder Feinde werden in Abgründe geschleudert. Es ist sogar möglich, sich auf einen Gegenstand wie beispielsweise eine Kiste zu stellen und diesen anschließend zu bewegen, was im Spiel als
TK-Surfing (Telekinese-Surfing) bezeichnet wird. Auch hierbei präsentiert sich die Steuerung vorbildlich. Mittels gedrückt halten des
L1-Buttons wird der zu bewegende Gegenstand fixiert und kann anschließend mit dem rechten Analogstick beliebig bewegt werden. Je fester man den
L1-Knopf drückt, desto höher wird das erfasste Objekt gehievt. Lässt man den Button los, kann der Gegenstand in eine beliebige Richtung geschleudert oder einfach fallen gelassen werden. Um das Ganze beim Werfen auf Feinde zu vereinfachen, stellt das Spiel ein leichtes Auto-Aiming zur Verfügung.
Immer wenn PSI-Fähigkeiten angewendet werden, verbraucht dies
PSI-Energie. Diese kann entweder durch das Benutzen von Gegenständen oder Absaugen wiederhergestellt werden. Bei letzterem können sowohl Leichen als auch lebende Feinde angezapft werden, um Energie zurück zu gewinnen, wobei lebende Opfer wesentlich mehr Kraft wiederherstellen.
Weitere PSI-Fähigkeiten ermöglichen das
gefahrlose Erkunden unbekannter Umgebungen, eine
Aurenwahrnehmung, die besondere Dinge wie Risse in Wänden kennzeichnet, oder die mächtige
Pyrokinese, die Feuerwellen auf die Gegner schleudert. Eine weitere, sehr starke Fähigkeit ist die
Gedankenkontrolle, mit der Feinde übernommen und gesteuert werden können.
Action meets Rätsel Beim Leveldesign haben sich die Entwickler sichtlich Mühe gegeben. So können
fast alle Abschnitte des Spiels auf verschiedene Weisen gelöst werden.
Je nach Lust des Spielers kann er sich entweder lautlos an seinen Kontrahenten vorbeischleichen oder diesen aus dem Hinterhalt erledigen, sich auf seine PSI-Fähigkeiten verlassen oder auf rohe Waffengewalt zurück greifen. Sehr schön fällt hierbei die
KI und das damit verbundene Verhalten der Gegner auf. Diese reagieren glaubwürdig auf Geräusche und stellen sich auch im Kampf geschickt an, indem sie Deckungen aufsuchen oder den Spieler mit Granaten aus Verbarrikadierungen heraus zwingen. Leider wurden einige Feinde etwas
unfair platziert. Die einzige Alternative zum ständigen Aufklären unbekannter Gebiete mittels der Geistersicht heißt hier
Trial and Error, was vor allem ungeduldige Spielernaturen zu spüren bekommen werden.
Neben der Action können sich auch die
vielen Rätsel, in denen oft die PSI-Fähigkeiten benutzt werden müssen, durchwegs sehen lassen. Diese bilden ein gutes Gegengewicht zur knallharten Action und lassen niemals Monotonie im Spielverlauf aufkommen.
Am Ende jedes Levels wartet einer der vielen Endgegner, die fast ausnahmslos überzeugen. Besonders beeindruckend ist ein Obermotz, der Eisenbahnwagons auf den Spieler schleudert.
Zensuropfer Leider ist auch
Midways neuestes Game, wie schon vor kurzem
The Suffering, einer
starken Zensur zum Opfer gefallen. Sämtliche Bluteffekte wurden aus dem Spiel entfernt.
Schleudert man Kontrahenten gegen eine Wand, hinterlassen diese keine großen Blutflecken mehr. Auch unter Beschuss verlieren die Feinde keinen Tropfen des roten Lebenssaftes. Diese Einschnitte betreffen ebenfalls die zahlreichen Zwischensequenzen. Da ist es natürlich auch selbstverständlich, dass einige heftigere Splattereffekte ebenfalls rausgenommen wurden. Explodierende Köpfe nach einem gelungenen Psionikentzug oder einem Kopfschuss fallen ebenso raus, wie blutig explodierende Körper. Eigentlich unverständlich, dass den Titel auch nach solchen Entschärfungen immer noch ein
Keine Jugendfreigabe-Sticker ziert. Wer das Spiel dennoch unzensiert genießen möchte, muss wohl oder übel zu einem
UK-Import greifen. Vorbildlich: auch in der englischen Version können deutsche Bildschirmtexte und Sprachausgabe eingestellt werden.
Grafik Grafisch gibt es an dem Titel nichts auszusetzen. Texturen, Animationen, die abwechslungsreichen Levels sowie die zahlreichen Effekte bieten einiges fürs Auge und schlagen nie auf die Framerate. Ruckel- und slowdownfreier Spielspaß ist somit garantiert. Auch die Zwischensequenzen können mit ihrer filmreifen Inszenierung durchwegs überzeugen und transportieren die Story sicher durch das gesamte Game.
Sound Auch auf der soundtechnischen Seite gibt es kaum etwas auszusetzen. Die deutsche Synchronisation ist vorbildlich gelungen und steht der englischen in nichts nach. Alle Sprecher wurden passend gewählt und bringen die Charaktere authentisch rüber. Dumpfe Explosionssounds lassen die Boxen beben, während die Musik stets passend im Hintergrund spielt. Der Titelsong wurde sogar eigens von der Band
Cold beigesteuert.
Spielspaß Solo Das Spiel ist leider nicht sonderlich umfangreich ausgefallen. Nach sechs bis acht Stunden hat man das Ende erreicht und alle Feinde niedergestreckt. Auch entpuppt sich die anfangs spannend wirkende Geschichte im Verlauf des Spiels als
08/15-Sci-Fi-Story, die teils stark an den Haaren herbei gezogen wirkt. Hier wäre wesentlich mehr drin gewesen. Dennoch bleibt das eigentliche Spiel ein
durchwegs gelungener Mix aus Action- und Rätselelementen, bei dem vor allem die grandios eingesetzte Physikengine sowie die großen Freiheiten zum erfolgreichen Beenden der Missionen hervorzuheben sind. Zudem ist das Spiel mit einem üppigen Angebot an Extras ausgestattet. Neben einem ausführlichen Making of und dem Musikvideo zum Titelsong gibt es Trailer zu kommenden Midway-Titeln. Darüber hinaus können unter anderem neue Skins für den Hauptcharakter, alle Levels zum freien Anwählen, Cheats, die zahlreichen Zwischensequenzen sowie kleinere Bonusmissionen freigespielt werden. Besonders spaßig ist der Trainingsraum, in dem der Spieler nach herzenslust Feinde vermöbeln und seine PSI-Fähigkeiten an zahlreichen Gegenständen testen darf.
Spielspaß Multi Das Spiel bietet einen Kooperationsmodus, in dem zwei Spieler den Hauptcharakter übernehmen. Während einer der beiden die Bewegungen und das Zielen übernimmt, muss der andere die Waffen und PSI-Fähigkeiten steuern. Ein durchaus lustiger Modus, der allerdings nur als nette Draufgabe gesehen werden darf.