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Oft war in letzter Zeit zu lesen, dass Shellshock Nam ein Antikriegsspiel sei. Das ist natürlich kompletter Blödsinn. ShellShock ist so wenig ein Antikriegsspiel wie Medal of Honor. Es ist einfach nur ein Spiel. Die Tatsache, dass in diesem Spiel gleich hektoliterweise Blut fließt und alle gängigen Klischees aus drei Jahrzehnten Vietnamfilm bedient werden, wird niemanden zu einer Debatte über den Krieg anregen. Also sollte man ShellShock einfach nur als einen weiteren Shooter ansehen.
Der Spieler übernimmt die Rolle eines jungen GI, der im Jahre 1967 nach Vietnam geschickt wird. Eingestimmt durch einen kurzen Exkurs in die Historie des Vietnamkrieges samt Nennung der Zahl der zivilen und militärischen Opfer, findet man sich schnell im Basiscamp wieder. Dieses Camp ist der Ausgangspunkt für alle zukünftigen Missionen. Zwischen den Missionen hat man die Möglichkeit das Camp auf eigene Faust zu erkunden, zahlreiche Gespräche mit den stationierten Soldaten zu führen oder den Schießplatz aufzusuchen und sich dort mit den herumliegenden Waffen vertraut zu machen. Und weil erfahrungsgemäß die meisten in Vietnam stationierten Soldaten drogenabhängig waren, kann man hier auch einige stimulierende Hilfsmittel kaufen, doch dazu später mehr. Los geht's Während der ersten Mission wird man durch Hinweise in die Steuerung eingeführt. Man bekommt auch erklärt wie man im Dschungel platzierte Sprengfallen erkennt und entschärft. Um zu verdeutlichen, dass diese Fallen nicht zu unterschätzen sind, wird auch gleich einer unserer Kameraden aufgespießt. Sehr praktisch ist, dass das Vorhandensein dieser Fallen durch auffällig platzierte Bambuspfeile angekündigt wird. Doch diese Fallen sind verglichen mit den Gegnern eher harmlos. Kurz nach Beginn der ersten Mission wird man sich dessen schmerzlich bewusst. Die Feinde, im Dschungel tragen sie meistens den landestypischen Vietcong-Hut, sind keine leichten Gegner. Sie stehen nicht nur in der Gegend herum, sondern versuchen den Gegner mit allen Mitteln zu töten. Deckung suchen, anschleichen, in die Zange nehmen, sie beherrschen ihr Handwerk recht gut. Zudem ist das Zielen und Treffen nicht gerade leicht, da man zwar ein leichtes Autoaiming zur Verfügung hat, dieses im Kampfgetümmel aber nur unzureichend genau ist. Das heißt, dass man sehr genau zielen muss, um die Gegner zu treffen. Das Zielkreuz ist sehr klein, kein Vergleich zu Spielen wie RainbowSix. Normalerweise sieht man seine Spielfigur von hinten und leicht oben. Bei Bedarf kann man in eine Art Egoperspektive umschalten in der man seinem Protagonisten über die Schulter schaut. Das erleichtert zwar das Zielen etwas, erschwert aber die Gesamtübersicht. Das größte Problem mit den Gegnern ist, dass sie meist nicht vereinzelt auftauchen, sondern in Massen. Wenn man sich zu viel Zeit lässt, wird man von ihnen schlicht überrollt. Während der meisten Missionen ist man aber gottlob nicht allein unterwegs, sondern mit einem kleinen Trupp. Diese Kameraden werden vom Computer gesteuert und können sehr gut auf sich aufpassen. Sie nehmen einem sehr viel Arbeit ab. Allein hätte man nicht die geringste Chance. Praktisch ist, dass diese virtuellen Kameraden fast unverwundbar sind. Selbst nach einem direkten Granatentreffer rappeln sie sich wieder auf und feuern weiter. Sie feuern eigentlich immer, selbst wenn sie bereits verwundet am Boden liegen. Die Locations der einzelnen Missionen sind sehr abwechslungsreich. Alles was man aus diversen Vietnamfilmen kennt, wird hier verwendet. Enge Tunnelsysteme voller Vietcong, offene Reisfelder mit malerischem Bergpanorama im Hintergrund und einem Dorf im Vordergrund und auch verwinkelte Dschungelpfade auf denen man vor lauter Gewächs oder Nebel kaum die Hand vor Augen sieht. Selbst eine große, alte Festung fehlt nicht. Man wird dabei an Apokalypse Now erinnert. Im Verlaufe des Spiels arbeitet man sich von einem einfachen Soldaten zu einem Mitglied der Special Forces hoch. Dementsprechend gestalten sich die Missionen. Während man als einfacher GI mit seinem Trupp ein Dorf erkunden und versteckte Waffen aufspüren muss, muss man als Special Agent allein und Nachts in Sam Fischer Manier durch den Dschungel stapfen und lautlos die Gegner von hinten mit dem Messer außer Gefecht setzen, um dann diverse Boote zu zerstören. Nebenbei muss man auch Geheimdienstinformationen beschaffen oder gefangene Sympathisanten und amerikanische Soldaten befreien. Die Stealth-Missionen sind allerdings nicht so angelegt, dass man zwingend lautlos vorgehen muss. Ebenso ist es möglich wild ballernd durch die Gegend zu laufen und zu versuchen in Feuergefechten zu überleben. Für Abwechslung im Missionsdesign ist also stets gesorgt. Allerdings wird man wohl kaum eine Mission auf Anhieb schaffen, da die Gegner, wie bereits erwähnt, recht intelligent und aggressiv sind. Der Schwierigkeitsgrad ist sehr, sehr hoch. Die Bewegungsfreiheit in den Levels ist aber zum Glück relativ groß. So ist es meist möglich verschiedene Wege zum Ziel zu probieren. Entweder versucht man einen direkten Sturmangriff oder man sucht einen Weg der einen in den Rücken der gegnerischen Stellungen führt. Blutbad Was Shellshock Nam "auszeichnet" ist der immens hohe Splatter-Faktor. Während der Kämpfe watet man buchstäblich durch ein Meer von Blut und Körperteilen. Überall türmen sich Leichenberge auf. Die Gewaltdarstellung wird teilweise unnötig übertrieben. So ist es durch gezielte Kopfschüsse möglich, die Köpfe der Gegner platzen zu lassen. Dass es dabei nicht gerade appetitlich zugeht, muss nicht extra erwähnt werden. Neben den Köpfen verlieren die Gegner und auch die eigene Spielfigur gern das eine oder andere Körperteil. Da das Spiel einen extrem hohen Schwierigkeitsgrad hat, findet man seine Spielfigur mehr als einmal ohne Arme oder Beine auf dem Boden liegen. Oder ohne Kopf. Abseits der Kämpfe finden sich weitere ekelerregende Details. Aufgespießte Köpfe von gefangenen Amerikanern, zu Tode gefolterte Einheimische, verwesende Leichen, etc. Alles was man aus einschlägigen Filmen kennt, findet sich hier wieder. Das Spiel ist definitiv nichts für schwache Mägen. Während einer Mission, in der es gilt eine alte Festung gegen anstürmende Gegnermassen zu verteidigen, findet man sich am Ende inmitten von dutzenden Toten wieder. Man kann gar nicht so viele Kugeln verschießen so schnell und zahlreich wie die Gegner nachrücken. Besonders nervtötend sind die Selbstmordkandidaten die auf die Gis mit einer Sprengladung am Körper zulaufen und sich samt der näheren Umgebung in die Luft sprengen. Sämtliche zeitgenössischen Mordwerkzeuge finden in Shellshock Nam ihre Verwendung. Das Angebot reicht von Granaten und schweren Maschinengewehren über Macheten bis zu Scharfschützengewehren. Vereinzelt ist es auch möglich einen "Air Strike" anzufordern. Dann helfen Kampfbomber mit Napalm, die Gegner zu dezimieren. In dieser Hinsicht ist das Spiel sehr hart und teilweise auch unglaublich brutal. Sound und Grafik Der Sound ist in der englischen Version passend und perfekt. Die Amis nehmen kein Blatt vor den Mund und die Sprecher sind gut aufgelegt und tragen ihre Texte sehr stimmig vor. Dass die dunkelhäutigen Gis im typischen Ghettoslang sprechen, kennt man zur Genüge, nicht nur aus Vietnamfilmen. Die Sprachsamples der vietnamesischen Gegner und Einheimischen beschränken sich auf eher eintönige Durchhalteparolen und Hasstiraden gegen die Amerikaner, vorgetragen mit starkem asiatischen Akzent. Während der Missionen hört man nur typische Dschungelgeräusche, es gibt keine Hintergrundmusik. Diverse Tierarten sind aus dem Gebüsch zu vernehmen. Musik wird nur gespielt während man sich im Camp aufhält. Dort spielt ein Army-Sender diverse Hits aus den 60ern und ein DJ moderiert das laufende Programm. Man kann sich im Camp einfach hinstellen und Roy Orbison hören. Die Auswahl der Songs ist perfekt und eine CD mit dem Soundtrack könnte vielleicht ein Verkaufsschlager werden. Der Sound der diversen Waffen klingt teilweise etwas schwach. Jede Waffe hat zwar ihren eigenen Sound und man kann sie alle anhand der Geräusche auseinander halten, aber etwas mehr "Bums" hätte den Waffen gut getan. Die Story wird durch diverse Zwischenanimationen voran getrieben. Die Bewegungen während dieser Sequenzen sind teilweise etwas staksig, aber dafür sind sie sehr dramatisch gemacht und passen sehr gut zu dem Spiel und sind sehr sehenswert. Die Spielgrafik vermittelt eine sehr gute Atmosphäre der Locations. Ob dichter Nebel oder weite Landschaften, die Grafikengine stellt das meiste sehr detailliert dar. Nur manchmal wirken die Umgebungen etwas zu freundlich und farbenfroh. Dennoch ist die Grafik sehr gut. Bum Bum bei Mama San Das das Spiel ziemlich alle Klischees bedient die man mit dem Vietnamkrieg verbindet, finden sich auch abseits der eigentlichen Missionen etliche Details die zum Schmunzeln anregen. Während der Kämpfe kann man einigen gefallenen Gegnern ihre Hundemarken abnehmen oder vereinzeltes Propagandamaterial der Nordvietnamesen einsammeln. Diese Items stellen eine Art Währung dar. Im Camp kann man sie beim Camp-Dealer gegen nützliche oder weniger nützliche Dinge eintauschen. Ein eher nützliches Mittel ist eine Droge die man vor dem Einsatz des Snipergewehrs einwerfen kann. Dadurch wird ein wesentlich genaueres Zielen ermöglicht, da dann das Wackeln des Objektivs gemindert wird. Wie gut, dass man den Dealer im Hause hat... Eine für den Kampf unwichtige, aber für die Kampfmoral umso wichtigere Angelegenheit ist der Besuch bei den Huren von Mama San. Mama San vermittelt Liebesdienste ihrer leichten Mädchen, die im nahe gelegenen Dorf "stationiert" sind. Zuerst verschafft man sich einen Passierschein und kann anschließend außerhalb des Camps etwas entspannen. Die leichten Mädchen offerieren ihre Dienste dabei mit einer detaillierten Beschreibung ihrer Leistungen. Im anschließenden "Kampf" wackelt wortwörtlich die Hütte und der sonst eher wortkarge Protagonist wird sichtlich lockerer... Fazit Shellshock Nam ist für Fans von knallharten Shootern genau das Richtige. Wer kein zu zartes Gemüt hat, wird seine wahre Freude an dem Spiel haben. Der hohe Schwierigkeitsfaktor sorgt dafür, dass es einige Zeit dauert, bis man den Abspann sieht. Die detailverliebten und mit vielen Kleinigkeiten gespickten Missionen tun ihr Übriges dazu. |
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