Menü des Tages: Shooter à la Hollywood, bitterer Beigeschmack inklusive.Rauchschwaden steigen aus der Stadt auf. Die Paramilitärs wollen den Blackhawk-Hubschraubern wohl die Sicht nehmen, aber sie kommen zu spät. Bereits wenige Minuten nach dem Abflug habt ihr das Zentrum erreicht, bereit zum Abseilen. Der Hauptplatz ist erreicht. Ein letztes Mal Durchschnaufen, dann geht es hinunter in die afrikanische Hölle. Ohrenbetäubender Lärm schlägt den Soldaten beim Runterlassen am Seil entgegen: Das Geräusch der Rotorblätter, Granateinschläge, Gewehrsalven, Schreie, zerhackte Funksprüche… Kenner des Films
Black Hawk Down dürfte diese Szene bekannt vorkommen. Willkommen in der Welt von
Shadow Ops: Red Mercury.
QuereinstiegGenre-untypisch steigt der Spieler nach dem Einlegen der DVD gleich direkt ins Kampfgeschehen ein.
Ohne Vorgeschichte oder Tutorial (bei Shootern normalerweise Pflichtprogramm) seht ihr euch plötzlich mit heftigem Feuer konfrontiert. Deckung lautet also die Devise und ebendiese solltet ihr euch während des Spiels immer in Erinnerung rufen.
Was gleich zu Beginn auffällt ist die
grandiose Klanguntermalung: Habt ihr eine Dolby Digital Anlage an die Xbox angeschlossen, erlebt ihr die ersten 30 Sekunden des Spiels um einen Gutteil intensiver als die Stereo-Fraktion: Schweres MG-Feuer von links hinten, Zurufe der Kameraden aus der Mitte und Artilleriebeschuss irgendwo in der Ferne, akustisch gut vom schwer arbeitenden Subwoofer umgesetzt. Kennt ihr den Genrekollegen
Medal of Honor, so darf man hier gerne Vergleiche zur Invasion in der Normandie heranziehen: Action pur.
Hollywood StyleAuch die Zwischensequenzen setzen dies konsequent fort. In allerbester Hollywood-Actionkracher-Manier, unterlegt mit pathetischen Hymnen, werden vor und nach den einzelnen Missionen Ingame-Sequenzen abgespielt, die ihren filmischen Kollegen rein von der Inszenierung in nichts nachstehen: Verwackelte und teilweise unscharfe Kamera, haufenweise Explosionen und der siegreiche Held im Alleingang erlauben oftmals Vergleiche zu bekannten Filmproduktionen. Das schließt allerdings auch das Fakt mit ein, dass die Story zur Nebensache verkommt.
Auf dem Schlachtfeld…… sieht es aber dann leider wieder etwas anders aus: Die Grafik in den Stadt- und Tundramissionen ist zwar ganz in Ordnung, bietet aber nichts, was nicht schon einmal in besserer Form zu sehen war. Insbesondere die matschigen Texturen und die teilweise arg in die Knie gehende,
instabile Framerate bieten aber leider genug Anlass zur Kritik. Beispiel gefällig?
“Ganz alleine, bei den bösen russischen Fanatikerterroristen, die eine Atombombe (geklaut?) haben. Tundra. Schnee. Nur ausgestattet mit einer schallgedämpften Pistole und einem Scharfschützengewehr. Zack. Zack. Zwei Gegner ausgeschaltet, ein Dritter sieht mich. Alarm wird ausgelöst. Schweinwerfer werden eingeschaltet, zwei weitere Gegner stürmen auf mich zu… sofort tot... und warum? Weil in dem Moment, in dem der Alarm ausgelöst wurde, die Framerate auf geschätzte 5fps gedroppt ist. Eine Ruckelorgie vom feinsten war das Ergebnis, und dabei ist die Grafik gar nicht mal die schönste.“
Absolut in Ordnung geht im Gegenzug dazu die Grafik in den Dschungel-Levels. Zwar zieht sich hier aufgrund der üppigen Vegetation (bewegtes Gras, fließendes Wasser, Bäume, surrende Insekten) ein wenig Aliasing-Schleier durch die Lüfte, was aber durch die
dichte Atmosphäre wieder wettgemacht wird: Durchs meterhohe Gras zu schleichen, lässt Spannung aufkommen und sieht dabei auch noch recht akzeptabel aus.
Ebenso spannend sind die vielen Scripts, derer sich
Shadow Ops bedient. Es vergeht oft keine Minute ohne bestimmte, vorher festgelegte Aktionen. Hier tun sich besonders die ersten beiden Missionen hervor (die seltsamerweise auch zu den zwei schwersten im ganzen Spiel gehören): Gegner werfen Tische um, um sich zu verschanzen, Sprengstoff legt einen ganzen Häuserblock (in dem ihr euch natürlich befindet) in Schutt und Asche, Hubschrauber werden abgeschossen und und und. Action total, allerdings nicht ohne selbstverständliche Frustmomente. Womit wir auch beim ersten großen Manko des Spiels wären: Die vielen Scripts treten oft so unerwartet ein, dass ihr keine Zeit habt, euch darauf vorzubereiten. Schritt für Schritt rückt ihr langsam zum Missionsziel vor, nur um dann kurz vor dem siegreichen Finale eine abgeschossene Rakete direkt vor die eigenen Füße zu bekommen. Hmpf! Leider bietet das Programm auch
keinerlei Speicherpunkte innerhalb der Missionen, was euch nach dem Ableben immer zu einem Neustart zwingt und keinen zweiten Versuch erlaubt. Mit eingerechnet, dass eine Mission oft eine halbe Stunde gespielt werden will, ein nicht zu unterschätzender Frustfaktor.
Major Flaw returnsGanz besonders schlimm sind dem Spiel aber die
immens langen Ladezeiten vorzuwerfen. In Verbindung mit dem Fehlen der Speicherpunkte und den daraus resultierenden häufigen Neustarts jedes Mal etwa eine Minute und länger auf das Laden des Levels zu warten, zehrt an den Nerven und führt oft gleich zu einem Neustart… und zwar dem der Konsole.
Auch die
künstliche Intelligenz eurer Gegner bzw. eurer Mitstreiter ist alles andere als gelungen. Im Falle der Kollegen ist dies noch zu verschmerzen (da sie sowohl für euch als auch für die Gegner seltsamerweise nicht zu töten sind…), aber auch feindlich Gesinnte wurden wohl nicht mit einem reichlich gesegneten künstlichen Gehirn ausgestattet. Beispiel gefällig? Ihr kennt doch sicherlich die Szene aus
Die nackte Kanone, in der sich Lt. Frank Drebin und ein böser Gegenspieler auf dem Dach eines Hochhauses beharken, verschanzt hinter zwei Mülltonnen… und nur zwei Meter voneinander entfernt. Ähnliches werdet ihr (versprochen!) auch in
Shadow Ops erleben, und zwar nicht nur einmal. Ein US-Ranger schießt auf einen Gegner, der ganze zwei Meter vor ihm steht. Der Feind ist natürlich wachsam, erwidert das Feuer und… trifft auch nicht. Dieser, sicherlich unfreiwillige, Gag zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Spiel. Ihr könnt dem Treiben oft Minuten lang zusehen, bis sich endlich jemand erbarmt und nach 10 ausgeschossenen Magazinen einen Zufallstreffer landet (Nicht vergessen: Die eigenen Leute können nicht sterben!). Solltet ihr eingreifen um dem Schabernack ein endgültiges Ende zu bereiten, ist jedoch Vorsicht angeraten: Erstens treffen euch die Gegner besser als eure geister- und elfenhaften Mitstreiter und zweitens ist
Munition ein rares Gut in der Welt von
Shadow Ops. Ihr könnt zwar Munitionskisten einsammeln, die ebenso wie Medikits einfach in der Gegend herumliegen. Diese sind allerdings so selten anzutreffen, dass es sich lohnt, des öfteren mal die Sekundärwaffe einzusetzen bzw. zum Schlag mit der Waffe auszuholen (der übrigens immer tödlich ist).
Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben dürfen die oftmalig eintretenden
Sound-Aussetzer. Klarer Fall: Die schon erwähnte Soundkulisse und die direktionalen Effekte sind tadellos (das Spiel ist THX-zertifiziert!). Sollte aber einmal zuviel Krachbumm aus den Boxen dröhnen (Musik, Granateinschläge, eigenes Feuer, menschliche Zurufe) wird es dem Soundchip der Xbox zuviel und dreht ab. Diese Aussetzer sind zwar wirklich äußerst selten, stören den Gesamteindruck aber enorm: Wenn ihr einmal einige Sekunden lang nicht einmal das eigene MG-Feuer hören könnt (sondern nur wüstenähnliche Stille), wisst ihr warum.
Monotone StereotypeIn einem Spiel, in dem es vorrangig darum geht, als US-Soldat der Achse des Bösen eins auszuwischen, kann man natürlich keine differenzierte Sicht der Dinge erwarten. Gemischt mit den Pathos-geladenen Zwischensequenzen und der heroischen Musik ergibt das einen Mix, der für einen aufgeschlossenen Europäer in der heutigen Zeit ein wenig seltsam anmutet. Doch selbst wenn man diese Tatsache außen vor lässt und das Spiel als solches betrachtet, bleibt ein fader Nachgeschmack. Für geübte Zocker ist das Ende nach etwa 10-12 Stunden zu sehen und selbst die vielen gescripteten Events können nicht davon ablenken, dass es im Endeffekt doch wieder „nur“ ein stinknormaler Shooter ist. Die meiste Zeit verbringt ihr damit, obwohl im Team unterwegs, alleine auf die Jagd zu gehen, still und stumm den linearen Levels zu folgen und auf alles zu schießen was sich bewegt. Nach einer gewissen Zeit hat man alles gesehen und spielt die restlichen Missionen wie in Trance und Richtung Ziel der Anstrengung, dem Abspann.
Link&Live Shadow Ops beschränkt sich jedoch nicht darauf ein Singleplayershooter zu sein und so wird auch Splitscreen-Coop und das System Link- und Xbox Live-Volk bedient. Mit bis zu 8 Spielern dürft ihr euch dabei im Deathmatch-, im CTF- und im VIP-Modus austoben. In Letzterem müsst ihr, ähnlich wie beim VIP-Modus in
Counter-Strike, als VIP durch Feindesland spazieren und zusammen mit eurem Team einen bestimmten Extraction Point erreichen (welcher von den bösen Buben natürlich schwer bewacht wird). Allerdings krankt der Online Multiplayer an mehreren Details, was unter anderem dazu führt, dass es trotz der Aktualität des Titels beinahe niemand spielt. Erstens: Wieder einmal die Ladezeiten, die jedes Onlinegehen zur Tortur machen. Geschlagene drei Ladebildschirme müsst ihr auf euch nehmen, um endlich auf dem Spielfeld stehen zu können. Zweitens ist in der Lobby nicht ersichtlich, welche Spieler welchem Team angehören (Faux-Pas!) und drittens sind die Maps, um es einfach auszudrücken, schlicht und ergreifend zu klein, was vor allem für den VIP-Modus das spielerische Aus bedeutet. Der Splitscreen-Coop ist jedoch ganz nett, da hier zehn Maps geboten werden, die im Singleplayer nicht zu spielen sind. Er bietet sozusagen eine zweite Kampagne, die man nur zu zweit bestreiten kann. Großer Wermutstropfen: Stirbt einer der beiden Spieler, heißt es wieder von vorne beginnen… Die Einzelspielerkampagne lässt herzlich grüßen.
GrafikAusgangslage: Akzeptable Grafik, gepaart mit teilweise arg verwaschenen Texturen. Einzig und allein die Dschungel-Level können mit ihrer dichten Vegetation überzeugen und wissen zu gefallen. Ein dickes Minus gibt es allerdings für die instabile Framerate: Habt ihr mehr als 3 Gegner auf dem Schirm und sollte noch dazu der wahrscheinliche Fall eintreten, dass irgendwo eine Granate explodiert, fällt die Framerate in den Keller. Gelinde gesagt: Schwache Leistung, ich hatte des Öfteren das Gefühl, vor einem schlecht ausgestatteten PC zu sitzen anstatt vor einer Konsole.
SoundTolle 5.1 Kodierung und pathetische aber passende Musik erfreuen Spielerherzen und Besitzer von Dolby Digital Anlagen. Selten wurde in einem Computerspiel eine so dichte Atmosphäre alleine mithilfe von Musik und Soundeffekten erzeugt. Die durchschnittlich gute Wertung von 8.2 erklärt sich aber aus den Aussetzern, die zwar nicht häufig anzutreffen sind, den Spielspaß aber in tiefe Täler rasseln lassen.
Spielspaß SoloDas Spiel bietet viele gescriptete Ereignisse und eine grandiose Atmosphäre, welche ganz besonders von den hervorragend inszenierten Zwischensequenzen am Leben gehalten wird. Das Gameplay selbst ist actiongeladen, verliert aber auf die Dauer seinen Reiz. Im Endeffekt geht es doch nur darum, von A nach B zu kommen und dabei alle Gegner mitzunehmen bzw. unter die Erde zu bringen. Rätseleinlagen und Aufgaben abseits vom Dauerfeuer sucht man mit der Lupe und sind äußerst selten anzutreffen (und selbst da geht es meist darum, irgendwo Sprengladungen anzubringen). Auch die KI trägt nicht unbedingt dazu bei, das Spiel in vollen Zügen genießen zu können. Die
Frank Drebin Nummer mag zu Beginn noch recht witzig sein, im Kontext mit dem ernsten Hintergrund der Geschichte, wirkt sie aber eher unfreiwillig komisch.
Spielspaß MultiDer Multiplayer darf bestenfalls als Bonus angesehen werden, als denn wirklich eine Bereicherung fürs Spielerleben darzustellen. Die Maps sind zu klein, die Ladezeiten zu hoch und gewürzt mit der Tatsache, dass man nicht einmal erkennen kann, welche Spieler welchem Team angehören. Der Splitscreen geht jedoch in Ordnung, wenn man davon absieht, dass es wie im Singleplayer keine Speicherpunkte gibt und das Ableben eines einzelnen Teammitglieds schon das komplette Aus für die Mission bedeutet. Positiv anzumerken ist, dass zehn komplett neuartige Missionen speziell für den Coop-Modus gebastelt wurden.