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Nach der Flut von erfolgreichen Teenie-Horrorstreifen wie Scream, Ich weiß was du letzten Sommer getan hast, Scary Movie und Konsorten war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Thematik auch spielerisch eingesetzt wird. Microids bedienen sich bei diesen Filmen und versetzen euch mit Obscure an eine amerikanische High School, in der es nicht wirklich mit rechten Dingen zugeht. Nun ist der Hersteller Microids ja nicht gerade für qualitativ hochwertige Spiele bekannt, sondern eher für halbgare Grafikadventures. Ob der Ausflug ins Horror-Genre dennoch von Erfolg gekrönt ist, erfahrt ihr im folgenden Review. Der Spielablauf von Obscure unterscheidet sich nicht sonderlich von anderen Survival Horror-Titeln. Ihr lauft in der Schule herum, löst Rätsel und legt euch mit den auftauchenden Gegnern an. Action und Kopfarbeit halten sich dabei ziemlich die Waage, wobei der Rätselpart deutlich besser gelungen ist (dazu später mehr). Man muss Microids aber zugute halten, dass sie versucht haben, ihren Resident Evil / Silent Hill-Klon mit einigen neuen Ideen aufzuwerten. Dieses System hätte natürlich wenig Sinn, wenn sich die Charaktere nicht voneinander unterscheiden würden, um dem Spieler auch einen Anreiz zum Wechseln zu geben. Deshalb besitzt jeder der Protagonisten eine Spezialfähigkeit (Square-Button), die mehr oder weniger hilfreich ist. So gibt Josh auf Tastendruck eine Meldung, ob im aktuellen Raum noch Items zu finden sind (sehr nützlich), Shannon hilft euch bei der Lösung von Rätseln, Ashley ist besonders stark im Kampf, Stan knackt Schlösser schneller als die anderen (sinnlos, da es auf die paar Sekunden auch nicht ankommt), und Kenny kann auf Tastendruck sprinten (was im Prinzip nur für seine langsamere Geschwindigkeit kompensiert). Wie aus dieser Auflistung vermutlich bereits ersichtlich, fahrt ihr mit Josh und Ashley meistens am besten. Während die Idee dieses Multicharakter-Systems also sehr innovativ ist, wurde hier doch einiges an Potential verschenkt. Die Charaktere unterscheiden sich nicht genug voneinander und es herrscht keine Balance zwischen den Spezialskills. Der Anreiz, auf eine andere Spielfigur umzuschalten, ist einfach nicht groß genug. Zusätzlich muss, von einem logischen Standpunkt aus gesehen, die Idee des „Sammelpunkts“ kritisiert werden. Die fünf Jugendlichen befinden sich in einer Leben-oder-Tod-Situation, und drei stehen einfach in der Gegend herum und drehen Däumchen? Right… Hier wäre ein rollenspielähnliches Party-System wie z.B. in der Final Fantasy-Serie vermutlich besser gewesen; soll heißen, zwei Charaktere sichtbar, aber alle fünf in der Party und jederzeit anwählbar. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass ihr euch zwar zum Sammelpunkt teleportieren könnt, umgekehrt geht das allerdings nicht mehr, das heißt ihr müsst nach dem Charaktertausch wieder zu eurem Ausgangspunkt zurücklatschen. Deshalb lässt man es meistens lieber gleich ganz bleiben. Obscure versucht auch bei den Waffen etwas vom Action-Einheitsbrei wegzukommen. Die Auswahl ist zwar identisch mit anderen Horror-Titeln (diverse Revolver und Shotguns), aber ihr habt die Möglichkeit, eure Argumentationsverstärker mit einer Taschenlampe zu kombinieren, wozu ihr ein Klebeband benötigt. Zu Beginn eigentlich eine ganz interessante Idee, wird es im späteren Spielverlauf doch etwas nervig, wenn ihr den Prozess bei jeder gefundenen Waffe wiederholen müsst (oder zumindest solltet). Die angesprochenen Taschenlampen verfügen auch über eine sogenannte Boost-Funktion, die den Lichtstrahl der Lampe und damit die Wirkung auf Gegner erhöht, was aber bei zu langer Benutzung zu Überhitzung führt. Im Übrigen können alle Charaktere auf das Item-Menü (L2) zugreifen, die Waffen allerdings befinden sich nur bei einem Charakter. Wollt ihr eine andere Spielfigur bewaffnen, so müsst ihr derjenigen vorher eine Waffe geben, was ebenfalls über das R2-Menü erledigt wird. Auch nicht weiter umständlich, da ihr große Teile des Spiels sowieso mit euren zwei Lieblingscharakteren bewältigen werdet. Während der Actionpart also technisch gut in Szene gesetzt wurde, gibt es leider einen großen Kritikpunkt: Das Gegnerdesign ist schlichtweg langweilig, und aufgrund dessen machen die Kämpfe keinen Spaß. Die meisten Gegner erscheinen wie unidentifizierbare schwarze Massen und können mit den Konkurrenztiteln Silent Hill 3 und Project Zero 2 keinesfalls mithalten. Nur bei diversen Bossgegnern hat man sich etwas mehr Mühe gegeben. Dazu kommt, dass die Monster oftmals wie aus dem Nichts auftauchen, was zwar vermutlich für Atmosphäre sorgen soll, aber im Endeffekt aufgrund des misslungenen Designs nur nervtötend wirkt. Darüber hinaus sind die meisten Gegner keine größere Bedrohung; ihr könnt auch jederzeit abspeichern, was eine sogenannte Save-Disk benötigt, von denen aber genug aufzufinden sind. Das alles erweckt bei mir den Eindruck, dass der Actionpart nichts weiter als ein notwendiges Übel ist. Dagegen gibt es beim Rätselteil des Spiels nichts zu bemängeln. Zwar zeigen sich die meisten Rätsel von der simplen Seite und das Niveau der harten Nüsse aus Silent Hill wird nicht erreicht, aber nichtsdestotrotz schaffen sie es, den Spielverlauf aufzulockern. Man merkt Obscure teilweise an, dass die Entwickler von Microids eigentlich Adventure-Spezialisten sind. Deshalb meine ich, man hätte den Actionpart auf ein Minimum beschränken und sich hauptsächlich auf anspruchsvolle Rätsel konzentrieren sollen. Da der Actionteil sowieso eher wie ein Nachgedanke wirkt, wäre das definitiv kein Verlust gewesen. Die diversen Rätsel sind auch durchaus abwechslungsreich geraten, wodurch die Motivation hochgehalten wird. Die Kameraführung könnt ihr auch in Obscure nicht beeinflussen, dennoch wurde hier gute Arbeit geleistet, da die Perspektiven meist so gewählt sind, dass ihr alles im Blick habt. Nur selten kommt es vor, dass ihr auf ein Monster schießen müsst, das sich außerhalb des Bildschirms befindet, was aber aufgrund des eher niedrigen Schwierigkeitsgrades sowieso kein Problem darstellt. Negativ fällt aber (vor allem mir als RPG-Fan) die nicht vorhandene Charakterentwicklung auf. Da bietet der Titel fünf spielbare Charaktere, aber es gibt so gut wie keine Background-Infos zu den Personen, und während des Spiels sind die Figuren praktisch untereinander austauschbar, da von charakterspezifischen Storylines weit und breit keine Spur zu finden ist. Die Persönlichkeitsentfaltung der Protagonisten beschränkt sich auf einige dümmliche Kommentare (Ich mach sie platt!, Wo sind sie? Ich will kämpfen!). Schade, hier wurde einiges an Potential verschenkt. Sehr gut gelungen ist der sporadische Einsatz von einem Kinderchor im Soundtrack, wofür laut Credits die Opera National de Paris verantwortlich zeichnet – Gänsehaut garantiert. Leider wird die ansonsten sehr stimmige Atmosphäre vom angesprochenen Monsterdesign etwas gestört. Einige Schockeffekte verfehlen durch das langweilige Design komplett ihre Wirkung, und auch in den Kämpfen kommt kaum Spannung auf. Man vergleiche das ganze mit Project Zero 2, das zu einem Großteil von seinem exzellenten Gegnerdesign lebt. Negativ sind nur die zeitweise instabile Framerate, die bei Effekten des Öfteren in die Knie geht (beeinflusst den Spielspaß aber nicht), und das erwähnte misslungene Monsterdesign. Die deutsche Sprachausgabe wirkt teilweise etwas holprig, bleibt aber stets im akzeptablen Bereich.
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