Schwerenöter Larry besudelt die ruhmreiche Vergangenheit dieser Adventure-Serie mit einer spielerischen Totalkatastrophe.Leisure Suit Larry – beim Lesen dieser drei Worte bekommen Spiele-Veteranen feuchte Augen und blicken verklärt nostalgisch in die Vergangenheit. Die Abenteuer rund um Larry Laffer, die neben Serien wie
Monkey Island und
King’s Quest ohne Zweifel zu den Genre-Klassikern zählen, setzten bereits zu Home Computer-Zeiten auf klassisches Adventure-Gameplay und schmuddeligen Humor, ohne dabei den Spielspaß zu vernachlässigen. Als ein Nachfolger für PS2, Xbox und PC angekündigt wurde, war die Freude in der Spielergemeinde groß. Es folgte jedoch die Nachricht, dass Serien-Mastermind und Larry-Erfinder Al Lowe nicht in die Entwicklung des neuesten Teils
Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude involviert sein wollte. Zudem steht im neuesten Abenteuer nicht mehr Larry Laffer sondern sein Neffe Larry Lovage im Mittelpunkt des Geschehens. Diese beiden Fakten ließen unter Anhängern der Spielreihe große Zweifel aufkommen. Ob diese berechtigt sind, versucht dieses Master-Review zu klären.
Girls, Girls, GirlsLarry Lovage führt sein Dasein als Student an der Wilhelm-Ständer-Universität und hat dabei nur eines im Kopf: Mädchen. Der Erfolg beim anderen Geschlecht lässt aber schon seit
» Beim Quartern gilt es, mit der Münze ins Glas zu treffen. |
jeher zu wünschen übrig. Da die Reality-Dating-Show Swingles ihre aktuelle Ausgabe jedoch am Campus von Larrys Uni drehen wird und noch nach einem männlichen Teilnehmer sucht, um den dann drei Studentinnen kämpfen, sieht der vulgäre Schwerenöter seine Chancen von null auf hundert steigen. Eure Aufgabe lautet nun, die Show-Moderatorin Uma davon zu überzeugen, dass ihr ein wahrer Hengst seid und euch darum die Teilnahme an der Fernsehsendung verdient habt. Zu diesem Zweck müsst ihr die Gunst von insgesamt
fünfzehn knackigen Mädels gewinnen und von jeder ein Andenken als Zeichen ihrer Zuneigung erhalten.
Minispiele soweit das Auge reichtNatürlich bekommt ihr diese Devotionalien nicht so ohne weiteres geschenkt. In jeweils sechs Etappen versucht ihr nun, die Bräute herumzukriegen, um ihnen einen der wichtigen
» Das Spermaspiel wird euch am Öftesten begegnen. |
Gegenstände zu entlocken. Dazu absolviert ihr pro Etappe eines von
acht Minispielen, die vom Pong-Klon bis zum simplen Nachdrücken vorgegebener Tastenreihenfolgen reichen. Seid ihr mit den ohnehin nicht besonders komplexen Spielchen motorisch überfordert (was durch den teils unausgegorenen Schwierigkeitsgrad keine Schande darstellt), wird die Aufgabe nach drei Wiederholungen signifikant erleichtert. Klappt’s nach drei weiteren Versuchen dann noch immer nicht, dürft ihr das Spiel gnädigerweise überspringen und kommt nach Bezahlung von fünf Geheimmarken (die man allerorts findet) in den Genuss der
belohnenden Zwischensequenz. So könnt ihr also auch ohne jegliche Herausforderung den Abspann zu Gesicht bekommen.
Und das Hauptspiel?Soviele Minigames versprechen ja eine Menge Abwechslung. Jetzt muss nur noch das Hauptspiel überzeugen und einer guten Bewertung steht nichts mehr im Wege, nicht wahr?
» Lebemann Larry treibt sich auch in Stripclubs herum. |
Nun ja, Leute, ich muss euch da was gestehen. Das war in punkto Gameplay bereits alles, was
Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude zu bieten hat. Zwischen den Spielchen lauft ihr in der Haut von Larry Lovage durch so illustre Gegenden wie Schwulenbar, Stripclub, Studentenwohnheim oder Bibliothek und seid stets auf der Suche nach dem nächsten Minispiel. Mehr gibt’s nicht. Über diese peinliche Tatsache versucht man den Spieler mit
plumpem, frauenfeindlichem Humor und
jeder Menge nackter Haut (bzw. nackter Polygone) hinwegzutäuschen. Dabei ist man sich keines
Klischees zu schade. Vom vollbusigen Country-Girl über das kommunistische Mannweib bis zur minderbemittelten Cheerleaderin wird jeder Stereotyp gründlich bedient.
GrafikHier zeigt sich der Titel in allen Belangen knapp überdurchschnittlich. Der gute Eindruck der eigentlich ganz hübschen Grafik abseits der Spielchen wird durch starkes Ruckeln bei Kameraschwenks und teils lieblose Animationen getrübt. Die Minispiele selbst nützen die Fähigkeiten der Konsole in keiner Weise aus und sind für den verwöhnten Technik-Gourmet ein Affront.
SoundDer Sound gehört ohne Zweifel zu den starken Seiten von Leisure Suit Larry. Eine Handvoll intelligent gewählter lizenzierter Songs wie zum Beispiel I’m Too Sexy von Right Said Fred tragen positiv zum Gesamteindruck bei und auch die Synchronisation der meisten Spielfiguren weist hohes Niveau auf. Besonders hervorzuheben ist hier die Verpflichtung Oliver Pochers als Synchronstimme von Larry Lovage. Auch wenn der Comedian dieser Aufgabe über weite Strecken nicht sehr enthusiastisch nachkommt, so muss man anerkennen, dass kaum sonst jemand plumpe Pointen derart gekonnt an den Mann bringt.
Spielspaß SoloSollte beim Absolvieren der Minispiele wider Erwarten so etwas wie Spielspaß auftreten, so wird dieser zarte Sproß von den ständigen Ladepausen, die schon mal bis zu 30 Sekunden dauern, gründlich zertreten. Dass es erst gar nicht so weit kommt, dafür sorgt die ständige Wiederholung. Insgesamt acht Minigames müssen herhalten um in Summe rund 90 Stationen auszufüllen. Die Sidequests lockern das Ganze keineswegs auf, denn auch diese bestehen im Absolvieren der gleichen Minigames. Dass der ein oder andere Witz tatsächlich zum Lachen anregt, schreibe ich nicht der Qualität sondern der Quantität des Humors zu. Bei einer solch hohen Pointendichte muss ja die eine oder andere sitzen.
Spielspaß MultiIm Spiel ist kein Mehrspielermodus enthalten.