Krieg spielen ist in. Nicht erst seit neulich, sondern schon immer in der Welt der Videospiele. Gewöhnlich halten sich die Hersteller mit Kriegsspielen zu aktuellen Ereignissen der Weltgeschichte zurück. Nicht so bei Full Spectrum Warrior. Dieses Spiel greift unübersehbar die Thematik der aktuellen Irak Krise auf und bastelt daraus ein Spiel. Ob das daran liegt, dass die Amis etwas moralische Unterstützung an der Heimatfront benötigen oder daran, dass das Spiel schon länger als Trainingssimulation für das US Militär existiert, sei dahingestellt.
Genug moralisiert. Lässt man diesen Aspekt außer Acht, dann handelt es sich bei Full Spectrum Warrior um ein wirklich gelungenes Spiel. Wie bereits erwähnt, gibt es dieses Spiel seit längerer Zeit in Diensten des Militärs. Amerikanische Soldaten trainieren damit das taktische und vorsichtige Vorgehen in urbanen Kampfgebieten. Natürlich wurde die Konsolenumsetzung etwas an die Bedürfnisse in den Wohnzimmern angepasst. Das letzte Fünkchen Realismus wurde entfernt und einige Spielelemente geändert, damit der Spaß nicht allzu schnell an der Realität scheitert. So braucht eine Rauchgranate nicht mehr mehrere Minuten bis sie ihren schützenden Rauch entfaltet, sondern qualmt das Gebiet nach bereits knapp 10 Sekunden voll. Dass man einen getöteten Kameraden auf die Schulter packen und zum nächsten Medical Truck schleppen kann wo er auf wundersame Weise wieder zum Leben erweckt wird, ist zwar auch nicht sehr realistisch, aber es dient dem Spielfluss, denn ansonsten wären viele Einsätze nach wenigen Minuten beendet.
Der Lenker im Hintergrund.
Der augenfälligste Unterschied zu anderen Kriegsspielen ist, dass der Spieler seiner kleinen Truppe Befehle erteilen, sie aber nicht selbst steuern kann. Man bekommt das Kommando über zwei Vierergruppen, Alpha Team und Bravo Team. Mithilfe eines Cursors hat man die Möglichkeit, diese Teams über das Gelände zu verteilen. Dabei fungiert der Spieler mehr als Lenker und kann nur die Laufrichtung und auch das Verhalten seiner Kämpfer bestimmen. Ganz eilige erteilen den Soldaten den Befehl, so schnell wie möglich zum Ziel vorzurücken. Das geht oft allerdings nicht sehr glimpflich aus, denn in diesem Spiel sind Rambo-Typen fehl am Platz. Das oberste Gebot in Full Spectrum Warrior ist vorsichtiges Vorgehen. Die zwei Einheiten müssen umsichtig platziert werden und man sollte tunlichst darauf achten, dass sie sich gegenseitig Deckung geben. Hier kommt die interaktive Komponente des Spiels zum tragen. Denn der Spieler kann und muss dafür sorgen, dass seine Männer nicht hilflos in der Gegend stehen, sondern Deckung suchen, das Schussfeld absichern und gegebenenfalls den Gegner mit Sperrfeuer in Deckung zwingen, damit der zweite Trupp eine sichere Position erreichen kann. Völlig hilflos sind die Computer Soldaten allerdings nicht, denn sie verfügen über eine relativ gute eigene Intelligenz. An einer Hausecke angelangt, sieht der Teamleader vorsichtig nach, ob Gefahr droht und wenn die Gegner zu stark feuern, dann ziehen auch schon mal die Köpfe ein. Bevor Full Spectrum Warrior veröffentlicht wurde, kamen viele Spekulationen auf, ob ein Spiel, bei dem man nicht selbst schießen kann, auch Spaß machen kann. In diesem Punkt kann Entwarnung gegeben werden. Bereits nach kurzer Zeit ist man mitten im Geschehen. Die Steuerung ist dabei sehr gelungen. Den bereits erwähnten Cursor steuert man mit dem linken Analogstick. An einer Ecke angekommen, verwandelt sich der Cursor in ein Symbol das signalisiert, dass man seine Männer zu dieser Position schicken kann und sie, dort angekommen, selbstständig Deckung nehmen und die Gegend im Auge behalten. Mit einem Tastendruck kann man seinen Truppen einen bestimmten Bereich zuweisen, den sie dann selbstständig überwachen. Sollte sich ein Gegner innerhalb dieses Bereichs blicken lassen, wird er sogleich aufs Korn genommen. Die eigentliche Schwierigkeit in diesem Spiel besteht darin, dass man seine Männer möglichst unverletzt von Deckung zu Deckung und von Scharmützel zu Scharmützel leiten muss. Anders als in den zahllosen Kriegsspielen bisher, kann man es sich nicht leisten, dass mehr als einer der Männer getötet wird. Einen Verwundeten kann man von einem der Männer auf die Schulter nehmen lassen. Das mindert die Schlagkraft der Truppe natürlich enorm, da diese zwei nicht mehr aktiv in den Kampf eingreifen können und sie zudem die Geschwindigkeit mit der man sich bewegt, stark verringern. Sollte ein weiterer Krieger kampunfähig geschossen werden, dann ist das Spiel aus. Ganz nach dem Motto "No one´s left behind".
Bild und Ton
Über jeden Zweifel erhaben sind Grafik und Sound. Die Stadt in der man seine Aufträge erfüllt, ein fiktiver an den nahen Osten angelehnter Staat, ist sehr trist und viele Gebäude sind zerstört. Und trotzdem fühlt man sich nach wenigen Minuten wie mitten drin. Dazu tragen auch die sehr guten Zwischensequenzen in Spielegrafik bei. Während ein Trupp den Standort wechselt und zur nächsten Deckung rennt, wackelt die Kamera als würde der Kameramann mit den Soldaten mitlaufen. Das schafft eine sehr gute und angespannte Atmosphäre. Die meisten Objekte wie Autos, Mülltonnen oder Kisten, die man benutzen kann, um Deckung zu suchen, können komplett zerstört werden. Autos sind nach einem Feuergefecht übersät mit Einschusslöchern und können entweder in die Luft gesprengt oder in einen Haufen Schrott geschossen werden. Das bedeutet natürlich auch, dass die eigenen Soldaten nicht allzu lange Deckung hinter einem solchen Ziel suchen sollten.
Ebenfalls nur Lob gibt es für den Sound. Ein dramatischer, an den Film "Black Hawk Down" angelehnter Soundtrack ertönt aus den Boxen und die Soundeffekte sind in Dolby Digital abgemischt und verteilen sich auf alle Lautsprecher. Mitten im Kampf pfeifen dem Spieler die Kugeln um die Ohren.
Ein weiterer ehr gelungener Aspekt ist die Sprachausgabe. Die Soldaten fluchen wie die Kesselflicker und sparen auch nicht mit trockenen, zynischen Bemerkungen. Gottlob wurde auch in der deutschen Version die englische Sprachausgabe beibehalten und zwecks besserer Verständlichkeit um deutsche Untertitel erweitert. Dadurch erhält das Spiel ein authentisches Flair. Die Sprecher sind durchweg sehr gut und mit vollem Einsatz bei der Sache.
Motivation
Natürlich ist Full Spectrum Warrior nicht perfekt. Der mangelnde Langzeitspaß ist das größte Manko des Spiels. Das eigentlich Spiel nebst Trainingsmission ist relativ schnell durchgespielt. Eine Motivation, alle Missionen nochmals anzugehen, gibt es leider nicht, da sich die Abläufe nicht ändern. Man kann die meisten Missionen also nur auf eine Art durchspielen. Ob man dabei etwas früher oder etwas später die Gegner aufs Korn nimmt oder sich an einer anderen Ecke platziert, spielt keine große Rolle. Der Ablauf ist stets gleich und sehr linear.
Der gelungene Online Modus ändert leider nicht viel daran. Man kann zusammen mit einem weiteren menschlichen Mitspieler alle Einzelspieler Missionen durchspielen. Jeweils einer übernimmt dabei die Kontrolle über einen der Trupps. Dass man sich also abspricht ist unabdingbar. Einzelgänger kommen nicht sehr weit. Kennt man allerdings erst das Vorgehen der Gegner, dann bleibt auch hier nicht mehr viel Motivation.
Ein allerdings gelungenes Feature ist der versteckte Army-Modus auf der Spiele DVD. Dies ist eine wesentlich härtere und realistischere Variante des Spiels mit einigen anderen Aufträgen und anderer Steuerung.
Es bleibt zu hoffen, dass von der Möglichkeit, Download Content anzubieten, bald Gebrauch gemacht wird. Zusätzliche neue Missionen könnten dem Spiel nur gut tun.