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» bewertet mit: 10
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Als Pandemic Software den Auftrag erhielt, für die US Armee einen Trainingssimulator zu programmieren, hätte wahrscheinlich niemand gedacht, dass dies auch interessant für normale Spieler sein könnte. In Zeiten, in denen sich nur Action-Shooter verkaufen lassen oder Taktik aus der Sicht von oben anerkannt wird, wagen die Entwickler mit Full Spectrum Warrior eine andere Herangehensweise. Sie funktioniert, ein spannender und manchmal nervenaufreibender Simulator ist entstanden, der die Zeit im Flug vergehen lässt.
Kein Shooter und doch aus der Schultersicht des Squadleaders macht ihr euch auf, den Terrorismus in einem fiktiven Land zu bekämpfen. Zwei und manchmal drei Teams gilt es zu schützen und taktisch von Deckung zu Deckung zu dirigieren. Die Wurzel der Taktiksimulation für die amerikanische Armee kann Full Spectrum Warrior nicht verleugnen, zu deutlich sind Elemente der Armeetaktik und Funksprache integriert. Dies gibt eine Authentizität, die von Anfang an packend ist. Bewegungen und Schusswechsel entsprechen nicht dem Klischee von Online-Games: hier gibt es keine wild hüpfenden Möchtegern-Soldaten, Deckung ist das Wichtigste und kluges Vorgehen erhält das Team am Leben. Wer Screenshots des Spiels gesehen hat, wird vielleicht auf die falsche Einschätzung gekommen sein, ein Spiel wie America’s Army: Operations (AAO) vor sich zu haben. Full Spectrum Warrior ist komplett anders, der Spieler kann seinem Team taktische Vorgaben machen, Deckungen und Feuerzonen zuordnen, Flugzeuge zur Unterstützung anfordern und seine beiden Teams so durch die unübersichtlichen Strassen führen. Er kann nicht direkt in das Geschehen eingreifen, d.h. er kann nicht eine Person steuern, um selbst zu schießen. Detaillierte Befehle an zwei oder mehr Teams auszugeben, ist bei Full Spectrum Warrior nicht so schwierig wie es sich vielleicht anhört. Das Kommando-Interface ist sehr gut und sehr einfach strukturiert. Man gibt einem Team einen Marschbefehl mit einem Zeiger, der anzeigt, wo die Soldaten hingehen werden (dabei muss unbedingt bedacht werden, immer Deckung zu suchen). Dazu legt man noch fest, ob die Soldaten einen bestimmten Teil der Szenerie besonders überwachen sollen und gegebenenfalls Schießen sollen. Dann setzt sich das angesprochene Team in Bewegung und reagiert realistisch auf Bedrohungen, z.B. durch Eigendeckung, Sperrfeuer oder Suchen von Deckung. Durch einige andere Features kann der Spieler als Kommandant ebenfalls sehen, welche Sektoren von den Teams abgesichert werden. Das Interessante an den obligatorischen Trainingsmissionen ist, dass man endlich mal in einem Spiel danach wirklich „arbeiten“ kann. Gut strukturiert und Schritt-für-Schritt wird man an die verschiedenen Themen wie grundsätzliche Steuerung, Deckungen und Waffenwirkungen und Verhalten auf dem Schlachtfeld herangeführt. Die Trainingsmission am Ende enthält dann einen kompletten Auftrag und zeigt, ob man wirklich alles verstanden hat. Wie oben gesagt, kann man die Kampagne nicht starten, bevor nicht alle Trainings abgeschlossen sind (ähnlich wie bei AAO). Soundtechnisch gehört Full Spectrum Warrior zu einem der besten Spiele, die ich in letzter Zeit gespielt habe. Bei klarem, perfekt ortbarem und richtig eingesteuertem Dolby Digital-Sound kommt sehr beklemmende Atmosphäre auf. In einem Hinterhof festsitzen während man von allen Seiten beschossen wird, keine Ausflucht vorhanden und im Hintergrund das dumpfe Heranrollen eines feindlichen Panzers schaffen Gänsehaut. Viel besser hätte man den gesamten Sound des Spiels nicht machen können. Dazu – natürlich nur in Englisch wirklich authentisch – Funkgespräche und Befehle, die einen vergessen machen, dass es sich nur um ein Spiel handelt. Man wird „bekannt“ mit den Spielcharakteren, die auch mal fluchen, wenn es nicht so läuft wie sie wollen und Gespräche während ruhiger Phasen führen (die Teams bleiben immer die selben, man kann sich also voll auf seine acht Untergebenen konzentrieren). Grafisch ist dieser Titel exzellent. Zwar sind einige Texturen verwaschen aber die genutzte Havoc-Engine zeigt an allen Ecken und Enden Wirkung. Viele Deckungen sind vollkommen zerstörbar, ganze Fahrzeuge werden zerlegt und Teile fliegen durch die Gegend. Dazu wurde der Unschärfeeffekt in der Tiefe perfekt in das Spiel eingepasst. Es wird dem Spieler glaubhaft gemacht, dass nicht weil die Xbox diese Tiefe nicht darstellen kann, sondern weil die Soldaten dort gerade nicht hinschauen, man alles nicht genau erkennen kann. Die Animationen der einzelnen Personen sind lebensecht, die Gestik ist detailgetreu. Wenn ein Team von Deckung zu Deckung hetzt, sieht das nicht nur schön aus, es sieht realistisch aus. Das Ganze auch im Multiplayer? Ja, Full Spectrum Warrior ist Xbox Live fähig, allerdings gibt es nur einen kooperativen Modus, bei dem jeweils ein Spieler ein Team übernimmt. Mehr als zwei Personen können so nicht spielen. Man kann die kompletten Singleplayer-Missionen in diesem Modus gegen vom Computer gesteuerte Gegner durchspielen. Das macht Riesenspaß und ist atmosphärisch noch besser, da eine menschliche, bekannte Stimme im Headset spricht. Mehr Modi wären angebracht gewesen. Auf der anderen Seite: welche? Da Full Spectrum Warrior kein Action-Shooter ist (obwohl er sich so spielt), sind kaum andere Spielvarianten möglich. Wer die Missionen alle besteht, dem wird ein weiteres motivierendes Goodie freigeschaltet: der Army-Modus. Hier hat man kein einfaches Kommandointerface, die Soldaten reagieren anders und der Schwierigkeitsgrad ist sehr viel höher. So nehmen die Soldaten nicht wie im normalen Modus automatisch die beste Position hinter Deckungen ein sondern müssen konstant überwacht werden. Die Gegner schießen besser und töten sehr schnell eine ganze Gruppe. Schön, dass dieser – eigentlich originale – Modus es in das Spiel geschafft hat. So wird die Langzeitmotivation nochmals erhöht. Kurzfazit: Ein Spiel mit mehr Atmosphäre als man es sich vorstellen kann. Einziger Kritikpunkt ist, dass sich bestimmte Taktiken immer wieder wiederholen, weil Gegner in gleicher Art in Deckung sind (Sperrfeuer des einen Teams, anderes Team flankiert den Gegner). Darüber hinaus sollte jedem klar sein: dies ist kein Actionspiel in dem man selbst die Waffe in die Hand nimmt. Wer so etwas sucht, muss ein anderes Spiel nehmen. Ein absoluter Toptitel ist Full Spectrum Warrior aber auf jeden Fall, grafisch und akustisch brillant sowie realistisch und taktisch fordernd. |
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