Trotz technischer Mängel bringt auch die 2005er Version den Titel der perfekten Rally-Simulation ein Stück näher.Auf dem PC von Anfang an beheimatet, bringt es mittlerweile auch die Nextgen-Konsolen-Version von
Colin McRae Rally auf den dritten Ableger. Dem allgemeinen Trend jährlicher Updates folgend, findet sich nun eine Jahreszahl im Namen wieder. Ob sich
Codemasters dabei lediglich auf Feintuning beschränkt oder auch an echte Innovationen gedacht hat, erfahrt ihr im folgenden Master-Review.
Rally-Gott oder Nobody? Nach dem eher unspektakulären Intro findet man sich im gewohnt einfachen aber durchgestylten Hauptmenü von
Colin McRae Rally 2005 wieder. Alle anderen Punkte bereits aus den Vorgängern bekannt, sticht einem sofort die wichtigste Neuerung
» Auch deutsche Strecken sind mit dabei. |
ins Auge: der
Karriere-Modus. Untypisch für die Serie muss man sich hier aus eigener Kraft vom Nobody zum Champion hoch arbeiten. Dabei stehen zu Beginn lediglich zwei Fahrzeuge zur Verfügung: der VW Polo Super 1600 und der eher unbekannte MG ZR. Dementsprechend gemächlich geht es dann in den ersten Rennen auch zur Sache. Je nach Erfolg und dem daraus resultierenden Fahrer-Rating schaltet man aber schnell weitere Events und somit über
300 Wertungsprüfungen frei. Es bietet sich hier zumeist die Wahl, welche Herausforderung als nächstes absolviert wird. Natürlich müssen aber nicht alle mit dem gleichen Auto bestritten werden. Vom
Subaru Impreza WRX über den
Citroen Xsara bis hin zum neuen
Audi A3 ist hier alles vetreten, was das Rennfahrer-Herz höher schlagen lässt. Aber auch Oldie-Fanatiker kommen beispielsweise mit dem
Celica GT-Four voll auf ihre Kosten.
Da manche Boliden in ihrer Grundversion etwas lahm sind, können zwischendurch immer wieder neue
Fahrzeug-Teile wie etwa kräftigere Bremsen, ein stärkerer Motor oder ein besseres Getriebe
freischaltet werden. Durchaus auflockernd muss man hier in kleinen Herausforderungen den Motor im richtigen Drehzahlbereich halten oder die Stoßdämpfer möglichst stark beanspruchen.
Abseits der Karriere darf man sich im
Meisterschafts-Modus auch wieder als Rally-Gott Colin McRae höchstpersönlich hinters Steuer klemmen und ein Rennen ums andere bestreiten. Stilecht sucht man sich hier natürlich den
Ford Focus oder
Citroen Saxo aus, kann aber auch jeden anderen Wagen aus der 4WD-Klasse wählen. Im Gegensatz zum Vorgänger hat sich hier so gut wie nichts geändert und es müssen alle Wertungsprüfungen innerhalb einer Rally nacheinander möglichst als Erster beendet werden. Dabei geht es in
neun verschiedenen Ländern zur Sache, darunter neuerdings auch
Deutschland. Neben den Witterungsverhältnissen unterscheiden sich die Austragungsorte vor allem durch ihre Fahrbahneigenschaften: Während es in Spanien und Japan vorwiegend auf Asphalt zur Sache geht, ist in Finnland und Australien Schotter bis zum Abwinken angesagt. Auch Schneefahrbahnen bleiben einem als Rally-Pilot in Schweden nicht erspart. Insgesamt stehen so
76 unterschiedliche Strecken zur Verfügung.
Der Schlüssel zum Erfolg In beiden genannten Modi hat man innerhalb des
Wartungsbereiches die Möglichkeit, sieben Aspekte des Autos seinen individuellen Vorlieben und nicht zuletzt den Anforderungen der Strecke anzupassen. Darunter finden sich unter
» Wer die Wahl hat, hat die Qual. |
anderem die Wagenhöhe, die Härte der Stoßdämpfer und nicht zu vergessen die Wahl der Reifen wieder, die für einen erfolgreichen Abschluss einer Rally von essenzieller Bedeutung sind. Um nicht ganz im Regen zu stehen, können diese Einstellungen im Meisterschafts-Modus auch in einer kurzen Probefahrt getestet werden. Hat man sich trotzdem beim Tuning ein wenig vergriffen, dürfen nach dem Rennen 60 Minuten dafür aufwendet werden, möglichst viele
Schäden am Wagen zu reparieren. Da sich nach einer zünftigen Schotterstrecke meist mehr Teile im roten Bereich befinden, als Zeit zur Verfügung steht, sollte es durchaus gut überlegt sein, wo man die Mechaniker Hand anlegen lässt.
Findet man sich nach der Wartung endlich im Cockpit wieder, bietet sich erst einmal die Wahl zwischen
fünf verschiedenen Kameraperspektiven. Anfängern sei die Von-Hinten-Ansicht, die es in zwei Ausführungen gibt, ans Herz gelegt. Richtiges Rally-Feeling kommt erst in der schwer zu beherrschenden Innenansicht auf, in der man sich wie am Fahrersitz fühlt. Dazu trägt vor allem die hervorragende
Dolby-Pro-Logic-II-Unterstützung bei, die sowohl Motor- als auch Umgebungsgeräusche täuschend echt aus den Boxen schallen lässt. Als kleines Zuckerl darf hier auch dem Scheibenwischer bei seiner imposanten Arbeit zugesehen werden.
Wie im Rally-Sport üblich, findet sich am Beifahrersitz immer der Copilot wieder, der einen durch hilfreiche Zurufe im richtigen Moment unterstützt und die Strecke näher bringt. Findet man sich trotz der gut gemeinten Kommentare abseits der Piste wieder, kommt das sehr gute Schadensmodell zum Einsatz, wodurch sich so ziemlich jedes Teil am Wagen verformen oder mutwillig entfernen lässt. Neben der Optik, die neuerdings auch Kratzer und Abschürfungen mitbringt, haben diese Veränderung auch Auswirkungen auf das Fahrverhalten: Spürt man nach einer davonfliegenden Motorhaube noch wenig, kann ein verlorener Reifen schnell das vorzeitige Aus bedeuten. Besonders nett ist auch der neue
Benommenheitseffekt, bei dem der Bildschirm nach einem Crash kurzzeitig verschwimmt.
Ein Aspekt des Spieles blieb glücklicherweise so gut wie unangetastet: Das bereits nahezu
perfekte Fahrverhalten der Boliden. Hat man zwar als Anfänger trotz zweier Schwierigkeitsgrade so seine Probleme, geht die Steuerung mit ein wenig Übung in Fleisch und Blut über und schnelle Rundenzeiten sind kein Problem mehr. Jeder Bodenbelag fühlt sich so an, wie man es von ihm erwartet. Während der Wagen auf Asphalt nahezu klebt, ist das Driften auf Schotter eine umso größere Freude. Auch die verschiedenen Witterungsverhältnisse wie Regen und Schnee wirken sich spürbar auf die Steuerung aus. Wie im echten Leben steuert sich dabei natürlich jeder Wagen anders und ist unterschiedlich schwer beherrschbar.
Colin McRae Rally schafft es wie keine andere Simulation auf der einen Seite anspruchsvoll und realistisch, auf der anderen Seite aber leicht erlern- und immer nachvollziehbar zu sein.
On- oder offline, das ist die Frage Neben dem Karriere-Modus bietet der Titel in der neuesten Version ein weiteres Novum: echten Network-Gaming-Support mit bis zu
acht Spielern. Alle Teilnehmer gehen dabei zwar untypisch für den Rally-Sport gleichzeitig an den Start, können
» Selbst "Oldtimer" sind am Start. |
sich durch die Darstellung als verschiedenfarbige Drahtgittermodelle aber nicht gegenseitig behindern. Ein wenig mager präsentieren sich die zur Verfügung stehenden Spielmodi, wobei hier nur die Auswahl zwischen einzelner Wertungsprüfung und ausgewachsener Rally besteht. Einschränkungen bei Fahrzeugen, Strecken oder Witterungsverhältnissen gibt es jedoch keine. Offline steht dem Spielspaß mit bis zu vier Mitspielern nichts im Wege. Im Splitscreen kann zu zweit über die Pisten geheizt werden, finden sich drei oder vier Personen vor dem Fernseher ein, geht es nacheinander zur Sache.
Grafik Kann sich
Codemasters bei der Steuerung getrost auf den Lorbeeren ausruhen, ist ihnen dies bei der Grafik nicht gegönnt. Es finden sich zwar nette Effekte wie Lens-Flares und sich sanft im Wind wiegendes Gras wieder, von einem Grafikhammer ist
Colin 2005 aber noch meilenweit entfernt. Bei jährlichen Updates kann man sich durchaus mehr als nur kosmetische Verbesserungen erwarten. Trotzdem haben es die Entwickler nicht geschafft, Ruckler und Popups vom Spiel fernzuhalten. Schade. Etwas anders sieht die Sache bei den Wagenmodellen aus, die allesamt sehr detailliert sind und mit schönem Enviroment-Mapping glänzen. Erwähnt sei an dieser Stelle auch der vorhandene 16:9 Modus.
Sound Hier passt einfach alles. Angefangen bei den allseits leicht verständlichen Kommentaren des Copiloten bis hin zum Highlight des Titels, das besonders in der Innenansicht so richtig gut zur Geltung kommt: der Dolby-Pro-Logic-2-Unterstützung. Überall um einen herum scheppert und klappert es, wenn das Auto auf einer Schotterpiste so richtig gemartert wird. Auch die Motorengeräusche hören sich allesamt sehr realistisch an, obwohl einige Autos ein wenig zu leise und somit unspektakulär klingen.
Spielspaß Solo Endlich es ist auch in der
Colin McRae Reihe möglich, sein eigener Herr zu sein und sich im Karriere-Modus an die Spitze des Rally-Sports hochzuarbeiten. Dabei stehen unzählige freischaltbare Autos und Fahrzeugteile, zahlreiche Herausforderungen sowie genug verschiedene Strecken zur Verfügung, um keine Langweile aufkommen zu lassen. Wiederholungen lassen sich aber auch hier nicht vermeiden. Wer es gerne etwas bodenständiger hat, kann auch gleich am oberen Ende der Nahrungskette beginnen und sich als schottisches Rally-Ass beweisen. Eines steht fest: der neueste Teil der Serie bietet mehr denn je.
Spielspaß Multi Immer wieder versuchen Entwickler uns Spielern weis zu machen, dass der durch und durch auf Einsamkeit ausgerichtete Rally-Sport auch im Verbund Spaß machen kann. Teilweise mag das auch stimmen, bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass ein Rennspiel ohne kräftige Rempler und heiße Kopf-an-Kopf-Duelle einfach nicht so viel Freude bereitet. Auch
Colin McRae Rally ist davon nicht ausgenommen. Es macht zwar durchaus Spaß, mit Mitspielern aus aller Welt auf Rekord-Jagd zu gehen, so richtig überzeugen kann der Multiplayer-Modus aber sowohl on- als auch offline nicht. Dieser Meinung scheinen auch all die Network-Gaming-Spieler da draußen zu sein, da über mehrere Tage hinweg kein einziges Online-Duell möglich war.
Vergleich PlayStation 2- und Xbox-Version Die PlayStation 2-Version wird von ihrem Xbox-Pendant in allen Belangen übertrumpft. Die Grafik ist nicht so scharf und deutlich pixeliger, auch fehlen hier der Benommenheitseffekt und die Kratzer am Wagen. Besonders da die Grafik keine Bäume ausreißt ist es unverständlich, dass
Codemasters es nicht geschafft hat, die Optik auf einen gleichen Level zu bringen. Bezogen auf den Sound zeigt sich der Unterschied nicht so deutlich, die Xbox bietet mit ihrem Dolby-Digital-Sound aber dennoch ein wenig mehr und kommt einen Tick besser zur Geltung. Besonders mit der Steuerung konnte ich mich auf der PlayStation 2 nur bedingt anfreunden. Zu sehr habe ich die längeren Wege und somit die präzisere Dosierung von Gas und Bremse mithilfe der Schultertasten am Xbox-Controller vermisst. Selbst die Ladezeiten sind auf Sonys Konsole länger und auch das Speichern geht nicht so schnell vonstatten. Hat man die Wahl, sollte man auf jeden Fall zur Xbox-Version greifen.