Der Herr der Ringe betritt zum ersten Mal Rollenspiel-Gefilde – und schneidet dabei gar nicht mal so schlecht ab.The Lord of the Rings – Das Buch zum Film, das Spiel zum Buch, das Spiel zum Film, der Film zum Buch – ein nicht enden wollendes Merchandising- und Lizenz-Band rankt sich um die Erfolgstrilogie von J.R.R. Tolkien.
Der Herr der Ringe: Das Dritte Zeitalter betritt dabei erstmals neue Gefilde, indem es weder die allseits bekannte Geschichte von Frodo & Co. erzählt noch den Spieler in langatmige Hack’n’Slay-Action verwickelt. Neue Recken braucht das Land.
Rumours of a shadow in the eastDas Setting ist bekannt: Am Ende des dritten Zeitalters macht sich der Hobbit Frodo mit seinen Gefährten auf den Weg, den
einen Ring zu zerstören, den Frieden in Mittelerde
» "Die Zwerge haben zu tief und zu gierig gegraben." |
wiederherzustellen und den bösen Herrscher Sauron ein für allemal in die Knie zu zwingen. Als Gondorianer
Berethor und seiner – im weiteren Fortschritt – stetig wachsenden Schar an Mitstreitern folgt ihr allerdings vielmehr einem parallelen Handlungsstrang. Selbstverständlich darf jedoch das eine oder andere
Treffen mit Gandalf & Co. nicht fehlen – in einigen Auseinandersetzungen dürfen sie sogar als fixer Bestandteil eurer Party gesteuert werden.
Rollenspiel-typisch werden neue Gebiete aus der 3rd-Person-Ansicht erforscht: Mit herumstehenden Schatzkisten, offen stehenden Türen und Speicherpunkten ist das tatsächliche Interaktionspotenzial in dieser Welt aber leider schon erschöpft – selbst Sidequests müssen nicht wirklich gefunden werden; sie finden euch. Durch das
streng lineare Leveldesign ist es beinahe unmöglich, auch nur eine Quest auszulassen. Habt ihr es wider aller Naturgesetze und Erwarten dennoch geschafft, einen der im Spielmenü vermerkten Aufträge eines Landes nicht zu beenden, steht euch an jedem Speicherpunkt die Option offen, erneut in das bereits abgeschlossene Kapitel zurück zu reisen. So steuert ihr euren Helden Schritt für Schritt durch die
eher detailarme Welt, stets wachsam auf den linken Spielfeldrand blickend. Denn dieser kündigt in Form einer blauen Kugel das eigentliche Kernstück des Spiels an – den Kampf.
Legend became mythFinal Fantasy Veteranen werden beim ersten Geplänkel ungläubig den Kopf schütteln, wurde das Kampfsystem doch beinahe 1:1 vom großen Genrevorbild übernommen: Auf der
» Elegast lässt einen gezielten Schuss vom Stapel. |
rechten Spielfeldseite ist die derzeitige
Zugreihenfolge ersichtlich, die sich im Laufe des Kampfes natürlich laufend ändert. Aktiv beteiligen können sich jedoch immer nur drei eurer Recken, wobei ein einfacher Druck auf
L1 ausreicht, um einen Helden durch einen Reservisten auszutauschen. Ist man am Zug, stehen einem grundsätzlich sechs Optionen offen: Einsetzen eines Objektes, Waffen-Attacke, Magische Attacke, Rückzug, Anwenden einer speziellen und Charakter-spezifischen Fähigkeit sowie der so genannte
Perfekt-Modus, welcher in etwa dem
Limit-Angriff aus dem Final Fantasy Universum entspricht; mag heißen: unhaltbare und sehr starke Spezial-Attacke, welche aber nur selten eingesetzt werden kann. Voraussetzung dafür ist das Füllen des
Ring-Balkens, welcher sich nach besonders geglückten Angriffen um ein paar Zähler erhöht.
Ist das Scharmützel beendet, dürfen sich die beteiligten Kombattanten selbstverständlich Erfahrungspunkte gutschreiben, welches über kurz oder lang im
Level-Up resultiert. Auf typische Eigenschaften wie
Stärke oder
Konstitution können daraufhin Punkte verteilt werden, um zum Beispiel die Durchschlagskraft des eigenen Angriffs zu verstärken oder die Anzahl der Mana-Punkte zu erhöhen. Ebenso darf man sich über fallen gelassene Items wie Tränke, Ringe, Amulette, Rüstungsteile und Waffen freuen. Die Ausrüstung der eigenen Helden kann neben dem Kampf wohl als zweites Spielspaß förderndes Standbein des Spiels angesehen werden: Mit viel Liebe zum Detail werden
Unmengen an Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung gestellt, deren Anlegen beziehungsweise Verwenden sich auch optisch bemerkbar macht. Mit der Zeit wird somit aus dem eher unscheinbaren Reservegardisten aus Minas Tirith ein strahlender Hauptmann mit noch viel strahlenderer Rüstung.
Perfectly insane.
And some things that should not have been forgotten...Suchte man nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner von
Electronic Arts-Titeln, es wäre die gelungene Präsentation – auch in
Der Herr der Ringe: Das Dritte Zeitalter. So wurden
» Die Dämonenjagd ist eröffnet! |
unter anderem
unzählige Filmschnipsel aus der
Special Extended Edition der Filmtrilogie ins Spiel integriert und mittels Original-Synchronstimme von Gandalf neu vertont – speziell auf die Geschehnisse im Spiel abgestimmt und stets mit einem Blick auf die derzeitigen und vergangenen Erlebnisse der Gefährten. Selbstverständlich wurde auch die äußerst gelungene Musik aus dem Film entnommen, was zu einem sehr
runden und stimmungsvollen Gesamtbild führt und den Spieler – von der eher tristen Optik abgesehen – tatsächlich nach Mittelerde versetzt. Ganz besonders interessant für die Vielzahl an Herr der Ringe Fans ist auch die Tatsache, dass im Laufe des Spiels viele aus Film und Buch bekannte Gegenden bereist und erkundet werden – Homogenität schafft Freude.
Auch die durchschnittliche Spielzeit von etwa
30-35 Stunden kann sich im Vergleich mit der derzeit so populären
Instant-Game-Politik durchaus vom Einerlei abheben. Selbst nach Beenden der Kampagne steht mit dem
Schatten-Modus ein Feature offen, welches dem Spieler erlaubt, das Geschehen noch einmal aus einer anderen Perspektive Revue passieren zu lassen – nämlich in der Haut der Orks, was die tatsächlich mit dem Titel verbrachte Zeit wohl weit über 60 Stunden treibt.
GrafikDie Optik reißt im
Erkundungsmodus keine Ents aus: Die Levels präsentieren sich zu steril, ohne Details oder Effekthascherei. Wären nicht die tadellos animierten und gestalteten Charaktermodelle, würde man meinen, vor einer PSone zu sitzen. Lediglich die bereits erwähnten detaillierten Spielermodelle und die effektgeladenen Kämpfe verhindern einen grafischen Absturz in die Tiefen des Schicksalsberges.
SoundBei der Sounduntermalung sieht es da schon anders aus: Von der sehr guten Synchronisation – mit speziellem Augenmerk auf die äußerst harmonische Stimme Gandalfs – bis hin zur grandiosen Filmmusik präsentiert sich
Der Herr der Ringe: Das Dritte Zeitalter wie aus einem Guss. Wenn die Atmosphäre nicht bei der dargebotenen Optik aufkommt – hier tut sie es ganz gewiss.
Spielspaß SoloDen Spieler erwartet mit
Der Herr der Ringe: Das Dritte Zeitalter eine gelungene Abrundung seiner Bedürfnisse: Wenn schon keine frische Herr der Ringe Unterhaltung im Kino, dann wenigstens im heimischen Wohnzimmer. Vor allem die zu erwartende Spielzeit für die Kampagne von 30-35 Stunden sorgt für Entzücken. Ganz besonders hervor zu streichen sind die sehr gute Spielbarkeit der Kämpfe und das Sucht erzeugende Ausrüsten der eigenen Kombattanten: Hier mal eine neue Klinge, da mal ein neuer Wams. Leider lässt sich der Titel im Endeffekt auf genau dieses Feature reduzieren. Ständig wird man vom Willen angetrieben, neue Items für die Heldenschar im Feindesland auszumachen und endlich anlegen zu dürfen. Abseits bietet das Spiel leider weniger Stoff. Die gelungenen Filmschnipsel hin oder her: Eine richtige Story sucht man vergebens, ebenso wie eine begründete Motivation vieler Charaktere, sich der Heldengruppe überhaupt anzuschließen – vieles wirkt ein wenig aufgesetzt; und die Tatsache, dass die Levels durch die Bank strengstens linear aufgebaut sind und keinerlei Abweichen vom Hauptstrang zulassen ist leider auch mehr als nur reine Lappalie.
Spielspaß MultiIm Spiel ist kein Mutiplayer-Modus vorhanden.