Driv3r
Kult oder was?
„Driv3r“ wurde von vielen zum Spielereignis der Industrie im Juni 2004 erklärt. Das Game wurde schon im Vorfeld als mindestens „genial“ gehyped, und diverse Videospielzeitschriften vergaben dem Projekt gleich mal Traumwertungen im Bereich 90% und mehr. Leider kam recht schnell Ernüchterung über das „Monsterspiel“ von Atari – warum wohl?
Im Unterschied zu „GTA III“ oder „True Crime“ ist das Spiel sehr linear aufgebaut – man bekommt in den Missionen meistens mit Autofahren und Schiessereien zu tun. Das Ganze erscheit jedoch so unglaublich banal und langweilig, dass man sich kaum vom Gähnen retten kann. „Driv3r“ gibt zudem keine Möglichkeit, einen Fehler zu machen – es kommt nur zu oft vor, dass eine Mission scheitert und man von vorne beginnen darf. Leider gibt es kein Tutorial, so dass Neulinge sich die Steuerung mühsam selber beibringen müssen – der Schwierigkeitsgrad steigt zudem nicht kontinuierlich an, sondern ist von Anfang an ziemlich deftig. Nach der ersten Aufgabe erwies sich bereits die zweite Mission als beinahe unspielbar – ich konnte sie nur nach dem sechsten Versuch erfolgreich bestehen, und ich bin nun mal wahrlich kein absoluter Beginner im Bereich Videospiele. Jedoch muss man unbedingt anmerken, dass das Spiel deshalb so schwer ist, weil es viele unfaire Stellen gibt und weil die Steuerung so kompliziert ist (und nicht, weil die Gegner so schlau sind, s. u. ).
Die künstliche Intelligenz ist schlicht und ergreifend eine Katastrophe – die Polizei demonstriert nur auf breiten Strassen die letzten Merkmale eines vorhandenen IQ. In den meisten Fällen entkommt man den Verfolgern kinderleicht, indem man einen 180°-Manöver ausführt! Wenn die Hüter des Gesetzes es dennoch schaffen, euch zu umringeln, dann werden sie auch stupide gegen euch oder gegen die Wand fahren – bis eine Explosion alle Beteiligten von dieser Peinlichkeit erleichtert.
Es ist erstaunlich, dass im Spiel mit dem Namen „Driv3r“ („Fahrer“) eine solche Menge Szenen gibt, wo man auf die beiden eigenen Füße angewiesen ist. Meistens sieht es folgendermaßen aus: der Held öffnet eine Tür, die Banditen schreien „Auf ihn! “ und erstarren daraufhin auf ihren Plätzen (s. o. , künstliche Intelligenz). Man kann sich verstecken oder weglaufen – und die Deppen werden trotzdem dort stehen bleiben wo sie sind.
Die Grafik ist auch nicht übermaßen genial – es kommt sehr oft ein sogenannter Pop-Up-Effekt vor, d. h. plötzlich erscheinen in zehn Meter Entfernung vor euch Menschen, Bäume und Gegner. Oft fehlen die Texturen – in den Gebäuden findet man meistens eine total öde Farbe an den Wänden – wir sind jedoch nicht im Jahre 1995 mit der PS-One!!! Erstaunlicherweise ist die Sounduntermalung sehr gelungen – besonders die Spezialeffekte der vorbeifahrenden Autos.
Das Schadensmodell ist jedenfalls gut: die Autos gehen oft kaputt und versprühen Funken bei Zusammenstössen – jedoch sehen die Explosionen einfach lächerlich aus. Die Wettereffekte sind einwandfrei: alle drei Städte sehen hervorragend bei jeder Tageszeit aus. Am besten finde ich jedoch den Regisseurmodus, wo man einen kleinen Film basierend aus den eigenen Fahrleistungen zusammenschrauben kann. Dafür sind die übrigen Modi (etwa „Entkomme der Polizei“ oder „Zeitrennen“) total langweilig.