Mit atemberaubender Schönheit, grandiosem Design und anspruchsvollem Gameplay katapultiert sich Tecmo mit dem furiosen Ninja Gaiden auf den Videospiel-Olymp.
Ninja Gaiden erschien 1988 als Beat'em-Up auf einem Spielhallenautomaten und hinterließ keine großen Spuren im Gedächtnis der damaligen Gamer. Erst mit der späteren Veröffentlichung der NES-Version gelangte das Spiel zu Ruhm. Was war geschehen? Mit einem komplett überarbeiteten Spielkonzept wurde das Spiel sehr anspruchsvoll. Der junge Ninja Ryu Hayabusa musste sich durch viele Stages, schwere Boss-Kämpfe und trickreiche Levels schlagen. Dieses Gameplay begeisterte Spieler so sehr, dass etliche Sequels produziert wurden. Ryu wurde auch als Charakter in die erfolgreiche Dead Or Alive-Serie integriert. In den letzten Jahren ist es allerdings um den furchtlosen Ninja wieder ruhig geworden. Für Tecmo war die Zeit gekommen, eine Fortsetzung auf der Xbox herauszubringen. Doch es wurde nicht irgendein beliebiger Aufguss der bekannten Gameplay-Formel, sondern ein Spiel der Extraklasse. Tecmo präsentiert mit dem für die Xbox exklusiven Ninja Gaiden eines der besten Action-Adventures der letzten Jahre.
Features
Sechzehn Kapitel mit riesigen Arealen 20+ Stunden Gameplay mit anspruchsvollem Schwierigkeitsgrad Zahlreiche Waffen-Upgrades und freischaltbare Kombos Drei klassische Ninja Gaiden NES-Spiele als Extra 5.1 Dolby Digital Sound und Widescreen-Support Xbox Live Downloads und Score Boards
Rache ist ein Gericht, das kalt serviert werden muss...
Die Einleitung des Spiels klärt euch über den entsetzlichen Angriff auf das Heimatdorf von Ryu Hayabusa auf. Gnaden- und ehrenlose Diebe haben das Dark Dragon Blade, ein magisches Schwert, aus der Jahrhunderte alten Ruhestätte entwendet und die Einwohner der Siedlung vom Angesicht der Erde gefegt. Diese Schmach kann der junge Master Ninja nicht auf sich sitzen lassen und begibt sich auf eine Vendetta. Angetrieben durch Rache und bewaffnet mit legendärer Klinge aus eigenem Familienbesitz, zieht der Protagonist aus, um die verantwortlichen Schurken zur Strecke zu bringen. Ninja Gaiden präsentiert die Story des Spiels in spektakulären Cutscenes, die noch einiges auf den gewohnt hohen Standard von Team Ninja oben drauf setzen. Allerdings wird nicht gleich alles verraten, d.h. ihr erfahrt gerade genug um die Story interessant zu machen, aber wer die mysteriösen Gegner sind und wie ihre Motive aussehen, müsst ihr im Verlauf des Spiels selber herausfinden. Später stoßt ihr aber auf tote Ninja-Kollegen, die sich dank Tagebüchern und anderen hinterlassenen Hinweisen als wertvolle Informationsquellen herausstellen und so etwas Licht in die düstere Angelegenheit bringen.
Der eher einfache Rache-Plot bietet eine gut funktionierende Grundlage für Ninja Gaiden. Ohne langatmig Zeit zu verschwenden stürzt euch das Spiel in knallharte Action. Eine heiße Spur führt Kampfexperte Hayabusa ins Vigoor Empire, einem Sagen umwobenen Reich irgendwo in Asien. Von diesem Ausgangspunkt kämpft ihr euch immer tiefer ins Herz des Imperiums vor. Auf den ersten Blick scheinen die Städte ruhig zu sein, doch hinter der friedlichen Fassade brodelt es. Jede Menge an tödlichen und visuell berauschenden Gefahren lauern auf euch. Im weiteren Spielverlauf macht ihr noch die Bekanntschaft mit zahlreichen Gegnern, die angefangen von Ninjas und Soldaten bis hin zu okkulten Gestalten reichen - sogar Drachen, Panzer und ein Helicopter stellen sich euch in den Weg. Ayane, die Ninja-Kriegerin aus Dead Or Alive, trefft ihr übrigens auch.
Abwechslungsreich und phantasievoll präsentieren sich die insgesamt 16 Levels (inklusive Tutorial), die ihr als Ryu bereist. Ihr kämpft euch durch klassische japanische Städte, durchquert Eis- und Feuerhöhlen, besucht eine Kathedrale und verschanzt euch in Katakomben; sogar eine Spritztour mit einem Zeppelin steht auf dem Programm. Dabei übertrifft ein Szenario das andere an Details und Schönheit.
Ein umfangreiches Abenteuer mit heftiger Action
Ninjas sind ja im Allgemeinen für ihre ausgezeichneten Meuchel-Methoden berühmt. Ninja Gaiden verzichtet komplett auf diesen Aspekt und präsentiert sich als reinrassiges Actionspektakel, das auf Stealth komplett verzichtet. Während die Story ein durchaus wichtiges und wunderschön präsentiertes Element des Spiels ist, steht das Gameplay (=kämpfen) ganz klar dort, wo es hingehört: im Mittelpunkt. Tecmo übernahm das Spielprinzip der Vorgänger und hat es behutsam dem heutigen Anspruch von Spielern angepasst. Das reine Action-Spiel wurde mit Elementen eines Action-Adventures angereichert. Eine der wichtigsten Ergänzungen ist die Möglichkeit, neue Attacken und Eigenschaften zu erlernen. Im gesamten Verlauf des Spiels könnt ihr auch zahlreiche wichtige Gegenstände finden. Allerdings sind diese oft sehr gut verborgen und ihr müsst euren Denkmuskel wirklich anstrengen, um die Verstecke ausfindig zu machen. Entlang seines Wegs kann Ryu auch in Geschäften nützliches Inventar kaufen. Nach und nach erschließt sich euch die Phantasie-Welt, in die Ninja Gaiden eingebettet ist. Erstaunlicherweise geht das Spiel fast nahtlos von einem Kapitel zum nächsten über. Angenehm kurze Ladezeiten zwischen verschiedenen Territorien oder vor einem Boss-Fight treten nur sehr selten auf. Je mehr ihr erkundet habt, desto mehr Freiraum lässt euch das Spiel. Ihr werdet aber nie von der Hauptaufgabe abgelenkt. Zeitweise fehlen Hinweise was zu tun ist, um ein gewisses Rätsel zu lösen. Da meistens mehrere Wege zur Auswahl stehen, ist es oft etwas undurchsichtig, welchen Weg man einschlagen soll. Glücklicherweise reduziert sich aber lästiges Backtracking (das Zurücklaufen in bereits gespielte Bereiche um z.B. benötigte Gegenstände zu besorgen) auf ein notwendiges Minimum. Die Entwickler haben dies erkannt und unterstützen euch durch ein sehr hilfreiches Kartenmenü, damit ihr den Überblick nicht verliert. Oftmals spart ein gründlicher Blick auf die Karte viel Zeit, da wertvolle Abkürzungen gefunden werden können. Prinzipiell steht euch aber immer die Möglichkeit offen, bereits besuchte Gebiete erneut zu betreten. Allerdings kann das auch unangenehme Konsequenzen haben. Entweder "spawnen" die Gegner wieder und ihr müsst euch ihnen erneut stellen oder aber die Story hält eine neue Herausforderung für euch bereit.
Prince Ninja
Als Action-Adventure funktioniert Ninja Gaiden überraschend gut. Das Erkundschaften und Lösen von kniffligen Aufgaben und Rätseln nimmt einen wohl dosierten Teil eurer Zeit in Anspruch, ohne von der Action unnötig abzulenken. Parallelen zum ebenfalls superben Prince of Persia: The Sands of Time können ebenfalls gezogen werden. Ryu ist, wie es sich für einen Master Ninja gehört, ein wahrer Akrobat und kann Orte erreichen, die einem Normalsterblichen wohl für immer verwehrt bleiben würden. So kann unser Held buchstäblich Wände vertikal hoch laufen. Ähnlich dem persischen Prinzen kann Ryu auch für kurze Zeit horizontal eine Mauer entlang sprinten. Beherrscht ihr diese intuitiv anzuwendenden Techniken, dann könnt ihr sogar von Wand zu Wand nach oben springen oder euch auch z.B. aus tiefen Löchern wie auf einer Wendeltreppe heraus manövrieren.
Aber damit sind die Fähigkeiten des Ninja noch lange nicht ausgereizt. Er kann sich auch an Balken hochziehen und sich über Abgründe hinweg schwingen. Darüber hinaus ist er des Schwimmens mächtig und vermag sogar unter der Wasseroberfläche erstaunlich geschickt zu kämpfen. Da unser Ryu als kleiner Ninja-Lehrling immer brav seine Suppe gelöffelt hat, ist er auch überaus robust gebaut und überlebt Stürze aus beliebiger Höhe. Dadurch wird gelegentliches Springen zwischen Plattformen auch nie zur Frustaufgabe. Allerdings gibt es ein paar dunkle Abgründe, die unserem erstaunlichen Krieger einen Fehltritt nicht verzeihen.
Abgerundet wird der Adventure-Aspekt von Ninja Gaiden durch einige traditionellere Puzzle-Elemente. So gilt es gewisse Gegenstände zu finden und richtig zu platzieren (z.B. Schlüssel) oder aber Hebel in der richtigen Reihenfolge zu betätigen, um in vorher unzugängliche Bereiche eines Levels vorzudringen.
Besiegte Gegner hinterlassen kostbare Essenzen, die Ryu's Energien (Gesundheit und Magie) aufladen oder als wertvolles Zahlungsmittel dienen. Die Farben der Essenzen identifizieren die Eigenschaften: gelb = Geld, blau = Lebensenergie und rot = magische Energie, auch "Ninpo" genannt. In den Shops von Muramasa könnt ihr euch mit unterschiedlichen Items (hauptsächlich Waffen- und Energie-Upgrades) eindecken. Schaltet ihr Gegner durch besonders schöne Schlagkombinationen aus bzw. streckt ihr viele Feinde in einem Spielzug nieder, dann hinterlassen diese mehr Energie, was natürlich äußerst praktisch für euch ist. Leider herrscht schnell notorischer Mangel an Power-Ups und Händler knöpfen euch dafür schon mal euren letzten Kimono ab. Da "Ninpo" aber eine wichtige Rolle beim Besiegen von Hauptgegnern einnimmt, müsst ihr immer dafür sorgen, dass genug da ist, vor allem wenn ein Boss-Fight unmittelbar bevorsteht.
Für alle Indiana Ninjas unter euch gibt es auch die Möglichkeit, die Umgebung genauer zu erkundschaften und versteckte Items zu finden. Als Belohnung für ein wachsames Auge winken Upgrades, die für extra durchschlagende Argumente sorgen. Als Bonus können auch "Golden Scarabs"-Statuen gefunden werden. Sie sind sehr wertvoll und dienen zum Freischalten von Extras.
Übung macht den Meister
Ryu Hayabusa ist ein abgebrühter Bursche. Mehr noch: er ist die Definition von cool. Stellt euch vor, Quentin Tarantino und John Woo würden einen reinen Ninja-Film machen, nicht so einen Langweiler wie Kill Bill, sondern einen wirklich coolen Ninja-Kultstreifen. Jetzt stellt euch noch vor, wie übercool dieser Ninja sein würde. Multipliziert das ganze mit zwei und ihr habt Ryu aus Ninja Gaiden. Obwohl unser Haudegen zu Beginn des Spiels noch über wenige einfache Schwertattacken verfügt, mausert er sich im Verlauf der Geschichte zu einem wahren Schwertmeister. Durch hinzugelernte Kombos könnt ihr Gegner in die Luft werfen und dann nach allen Regeln der Kunst tranchieren. Durch Upgrades für eure Waffen erlernt ihr gleichzeitig neue Attacken. Weitere Spezialangriffe erhaltet ihr, wenn ihr neue Waffen findet. Ab der Mitte des Spiels kennt ihr sicher mehr Kombos als ihr überhaupt einsetzen könnt. Bemerkenswerterweise bleibt die Steuerung aber auch mit diesen unzähligen Kombinationsmöglichkeiten für eure Angriffe immer noch höchst intuitiv und reagiert phantastisch auf eure Kommandos. Sie ist erfrischend unkompliziert und beruht im Wesentlichen auf einer starken und schwachen (Schwert-)Attacke, die mit Sprüngen kombiniert werden können. Hinzu kommen noch Moves für Verteidigung und zum schnellen Ausweichen.
Um nichts anbrennen zu lassen, hat Ryu unbegrenzt Shuriken (Wurfsterne aus Eisen) zur Verfügung, mit denen er Gegner beharken kann. Allerdings sind sie bestenfalls als Ablenkung gedacht, denn echten Schaden richten sie nicht an. Mit von der Partie ist auch ein Bogen, der mittels First-Person-Perspektive gezielte Angriffe ermöglichen soll. Um bei einem Unterwassereinsatz für geordnete Verhältnisse zu sorgen, steht auch eine Art Harpune bereit. Im Spiel gilt es noch weitere Waffen (Nunchakus, Streitäxte, Schwerter) zu finden.
Doch egal wie gut die Waffen sind, die große Stärke eines Ninja ist seine Schnelligkeit. Ryu ist unglaublich agil und kann sehr schnell seine Attacken, Sprungangriffe und Special Moves (die ihr im Lauf des Spiels erlernen könnt) ausführen. Wird die Action einmal gar zu bunt, so könnt ihr euch per Sprung nach hinten eine kleine Verschnaufpause verschaffen, um die Lage zu analysieren und einen neuen Angriff zu planen. Alles fest im Griff: Das Konzept mit der aufsammelbaren Energie ist der Schlüssel zum Erfolg. Ihr könnt diese Energien hastig zusammenraffen und so direkt eure Energien auffrischen. Wer aber in harten Boss-Fights die Oberhand behalten will, lernt rasch, dass noch nicht aufgesammelter Energie eine besondere taktische Bedeutung zukommt. Haltet ihr den Y-Button gedrückt, dann saugt ihr diese Energiekugeln auf und könnt sie in Form von markerschütternden Spezialangriffen einsetzen. Wer diese Techniken im Laufe des Spiel zu verfeinern und kultivieren weiß, der wird mit Ninja Gaiden seine helle Freude haben, weil das Gameplay dadurch doppelt so interessant wird.
Auch die Verteidigung ist gut gelungen. Selbst wenn mehrere Gegner gleichzeitig auf euch einstürmen, könnt ihr meist eine gute Figur bei der Abwehr machen. Ganz gezielt könnt ihr auch Counter-Attacken (eine der wichtigsten Techniken, die ihr im Spiel lernt) ausführen. Glaubt ihr zu wissen, den Angriff vorherzusehen, könnt ihr ihn per flinker Reaktion abwenden und einen eigenen Gegenangriff (mit meist verheerender Wirkung) starten. Verharrt ihr allerdings zu lange in der Verteidigungsstellung, dann können Gegner für euch nicht mehr abwehrbare Superangriffe ausführen. Der Drahtseilakt, die Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu finden, ist ein wesentlicher Bestandteil um Ninja Gaiden erfolgreich zu spielen.
Alles unter Kontrolle
Ähnlich wie in der Dead Or Alive-Serie können auch Neueinsteiger, die im Wesentlichen nur wild auf den Buttons herum drücken, zu anschaulichen Kombos kommen. Interessant wird es natürlich für Genießer der exakten Klinge, pardon, des Controllers, die rasch sehr gezielte Manöver durchführen können. Es ist also für jede Spielernatur etwas dabei. Was sich zu Beginn des Spiels noch ungewohnt und unbeholfen anfühlt, wird durch kontinuierliches Gameplay immer mehr verfeinert, bis auch schwierigere Kombos flüssig von der Hand gehen. Die Lernkurve ist dabei sehr subtil.
Die Kamera ist der wahre Feind
Bei Spielen in der Third-Person-Perspektive gibt es immer einen Knackpunkt, der in hohem Ausmaß über die Spielbarkeit entscheidet: die Kamera. Entwickler Team Ninja hat einen guten Mittelweg gefunden, um das Spielerlebnis möglichst ungetrübt zu gestalten. Prinzipiell habt ihr keine freie Hand über die Blickrichtung der Kamera, d.h. das Spiel managt den Blickwinkel mehr oder weniger gut für euch. Ihr müsst ziemlich oft per R-Trigger die Kamera neu zentrieren, da sie auf eure flinken Bewegungen reagiert, aber oft nicht genug Sicht auf die Gegner bietet. Der Blickwinkel, vor allem in Boss-Fights, sorgt für viele Kopfschmerzen. Mittendrin statt nur dabei: der Überblick in Kampfsituationen leidet, weil die Kamera zu nahe an der Spielfigur positioniert wurde. Da ihr meist von mehreren Gegnern gleichzeitig attackiert werdet, kann es sogar so weit führen, dass ihr den Überblick verliert und ihr hinterrücks angegriffen werdet. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber an die Eigenheiten der Kamera.
Ärgerlich ausgefallen ist auch der Bogen, der in heftigem Kampfchaos nahezu nutzlos ist. Einerseits zielt er auf den nächsten Gegner, da es kein Auto-Targeting gibt. Schaltet ihr in die First-Person-Perspektive um wenigstens irgendwie sinnvoll zu zielen, fehlt ein Zielkreuz um exakte Treffer zu landen.
Da es vorkommt, dass ihr einen Gegner aus den Kamera-Augen verliert, könnt ihr einen Special Move ausführen. Drückt ihr die Buttons X und A gleichzeitig, dann richtet sich die Sicht auf den nächstgelegenen Gegner aus, der auch sogleich per Sprungattacke angegriffen wird. Team Ninja hat vieles getan, um die Kameraprobleme in Grenzen zu halten und es gelingt auch im überwiegenden Teil des Spiels gut.
Mit dem Ninja Gaiden Hurricane Pack Vol. 1 hat sich Tecmo die Kritik an der Kamera zu Herzen genommen.
Viele coole Extras!
Ninja Gaiden bietet nicht nur geniale Action, sondern auch noch einige versteckte Features. So könnt ihr neue Outfits oder einen höheren Schwierigkeitsgrad (für besonders Verwegene unter euch) freispielen. Zusätzlich herunterladbare Inhalte, Xbox Live vorausgesetzt, runden den Online-Auftritt perfekt ab. Ihr könnt euch auch in Score Boards verewigen. Am Ende jedes Kapitels erhaltet ihr eine Spielstatistik über eure Spielzeit, Kills und gesammelte Energie. Anhand dieser Statistik könnt ihr euch weltweit mit anderen Spielern messen. Eine weitere gute Idee um den Replay-Value zu erhöhen ist das Master Ninja Tournament. Habt ihr das Spiel einmal durchgespielt, stehen euch zusätzliche Levels zum Download bereit. Im Rahmen des Turniers könnt ihr eure Ergebnisse erneut mit denen von anderen Xbox Live Usern vergleichen. Allerdings spielt ihr nicht direkt gegeneinander (kein Versus-Mode), sondern vergleicht nur die High Scores.
Diese bombastische Anzahl von Extras ist schon eindrucksvoll genug, doch Tecmo ist wunderbar großzügig mit weiteren Goodies: drei klassiche Ninja Gaiden-NES-Spiele sind als Emulation auf die Disc gepackt worden. Während manche der Extras im Laufe der Zeit automatisch freigespielt werden können, sind die NES-Spiele aber schon kniffliger zu finden. Durch einfaches Durchspielen sind sie nämlich nicht freizuschalten. Daher ist es sehr ratsam, die Unlockables-List von GameFAQs zu konsultieren.
Wer stilecht durch das Spiel schleichen will, kann in den umfangreichen Optionen sogar auf den japanischen Original-Soundtrack wechseln, was die Stimmung nochmals authentischer macht.
Tecmo beweist auch Mut zum Humor und es sind einige lustige Situationen eingebaut, die mehr als nur ein Schmunzeln auf das Gesicht der Spieler zaubern. Besonders sehenswert ist der geniale Xbox Insider-Joke in Tairon (ab Level 4) an einem Ort "der nur von Ninjas erreicht werden kann".
Update: Ninja Gaiden Hurricane Pack Vol. 1
Alle Xbox Live Nutzer dürfen sich seit 11. August 2004 über das kostenlose Update freuen. Dieses Ninja Gaiden Hurricane Pack wird derzeit nur online zum Download angeboten. Entwickler Team Ninja und Tecmo sehen es als eine Art Dankeschön an die zahlreichen Fans des Hardcore-Spiels. Ninja Gaiden wird durch das Update keinesfalls leichter, sondern eher härter (!!).
Das Hurricane Pack könnte man aber auch als ein Zeichen, dass Tecmo die Kritik am Spiel sehr ernst genommen hat, interpretieren. Denn allem voran wird einer der schwersten Kritikpunkte, die Kamera (siehe oben "Die Kamera ist der wahre Feind") überarbeitet und ist nun mittels Druck auf den R-Stick völlig frei bewegbar. Entwickler Team Ninja lässt euch nun frei wählen, ob ihr die automatische oder die frei von euch manipulierbare Kamera bevorzugt. Die Grafik von Ninja Gaiden wird damit noch ein Stückchen more beautiful. Von nun an könnt ihr, wenn nicht gerade Horden von Gegnern auf euch einstürmen, die Umgebung von Ryu genau erkunden. Die geniale Grafik-Engine rückt so noch mehr in den Mittelpunkt: ihr könnt jetzt viele Details der wunderbaren Grafik genau ansehen, die zuvor wegen der unübersichtlicheren Kamera gar nicht sichtbar waren. Vor allem die gelungenen Schatteneffekte fallen dabei äußerst positiv auf.
Master Ninja Tournament: Tecmo spendiert mit dem Hurricane Pack aber nicht nur eine verbesserte Kamera, sondern auch das Master Ninja Tournament geht in die nächste Runde. Bevor ihr das Turnier spielen könnt, müsst ihr aber in den Options noch schnell euer Land angeben (das Setup bringt euch automatisch zur Einstellung). Dies ist notwendig, da die Score-Boards nach Regionen unterteilt sind. Wenn der Download (ca. 2500 Blöcke) beendet ist, erwartet euch im Menü Master Ninja Tournament die neue Herausforderung. Startet ihr ein neues Turnier, so beginnt das Spiel wie gehabt im ersten Level komplett neu. Allerdings ist links oben automatisch euer Highscore eingeblendet, den ihr natürlich möglichst in die Höhe treiben sollt, wenn ihr eine gute Platzierung in den Score-Boards anstrebt. Aber keine Sorge: eure bereits gespeicherten Spielstände sind davon nicht betroffen, das Turnier speichert in eine separate Datei. Somit bleiben euch alle Savegames aus vorheriger Offline-Tätigkeit erhalten. Wie Weihnachten, nur halt im August: das ist aber noch lange nicht alles, es gibt noch viel mehr an Goodies, die hier aufgelistet werden.
Neue Waffe: die neue Waffe im Spiel ist der Lunar, eine Art Kampfstab. Dazu kommen natürlich komplett neue Kampfanimationen, eigene Geräuschkulisse und spezielle Taktiken. Es ist keine Überwaffe, sondern hat ebenfalls ihre Stärken und Schwächen und ihr müsst selbst entscheiden, ob sie euch liegt. Übrigens: der Lunar ist ebenfalls upgrade-fähig. Ihr findet den Kampfstab ziemlich offensichtlich gleich zu Beginn im ersten Level. Darüber hinaus sind die Nunchakus auch ab Spielstart in eurem Inventory.
Neue Kampftechnik: mit Intercept bekommt Ryu einen neuen Move spendiert, der euch aus diversen Kampfspielen vertraut sein sollte. Es handelt sich um einen Spezialblock, der aus einem Block heraus eine mächtige Counter-Attack startet. Ihr aktiviert Intercept, in dem ihr genau im richtigen Moment, wenn euch ein Gegner angreift und ein Treffer kurz bevorsteht, den L-Trigger drückt. Ob ihr wirklich alles richtig gemacht habt, seht ihr, wenn das Licht angeht. Ein schimmernder Effekt umhüllt euch, wenn der Move korrekt ausgeführt wurde. Anstatt vom Gegner getroffen und verletzt zu werden, landet ihr einen harten Schlag. Die Technik ist nicht ganz leicht zu erlernen (Timing), aber die Mühe lohnt sich, denn Gegner können so ziemlich effektiv aufgemischt werden.
Ultimate Attack: ab sofort kann Ryu die ultimativen Angriffe auch ohne die Absorption von Orbs (Ninpo oder Lebensenergie) ausführen. Allerdings wird das Spiel dadurch nicht wesentlich leichter, denn ihr müsst sehr lange auf den Y-Button drücken, um die Attacke zu starten.
Keine neuen Levels, aber: die Gegenstände befinden sich meist an neuen Orten. Somit müsst ihr euch in den Stages erst neu orientieren um eure Lieblingsgegenstände einzusammeln. Dazu kommen auch Gegner, die an anderen Stellen auf euch lauern – und fieserweise neue Taktiken draufhaben. Dafür bekommt Ryu aber neue Outfits spendiert, damit er auch stilvoll gekleidet gegen die Widersacher antreten kann.
Noch härter? Noch härter!! Unglaublich aber wahr: die Endgegner wurden noch ein Stückchen härter und das gesamte Master Ninja Tournament ist schwerer als das bereits recht anspruchsvolle "normale" Ninja Gaiden. Gegner attackieren euch schneller und härter als zuvor. Außerdem bekommt ihr es bereits in niedrigeren Levels mit wirklich harten Gegnern zu tun. So ganz nebenbei hat Muramasa, der alte Geschäftsmann, die Preise im Shop empfindlich erhöht... aber nur für die exklusiveren Items, denn die Preise für Potions (Lebensenergie etc.) sind zum Glück gleich geblieben.
Grafik
Dem Spiel eilt der Ruf voraus, eine excellente Grafik zu haben; und tatsächlich, die Präsentation von Ninja Gaiden ist in fast jeder Hinsicht superb. Angefangen bei der ersten atmosphärischen Cutscene, über Bildschirm füllende Endgegner, bis zu detaillierten Umgebungen, wird das Auge verwöhnt. Die außergewöhnlich hohe Güte der Grafik gilt auch für Ryu's zahlreiche Gegner: sie sind sehr detailliert und sehen ebenso gut wie der Protagonist selbst aus. Die Animationen der Charaktere sind harmonisch und machen die Kämpfe zu spektakulären Events. Bemerkenswert sind auch die Cutscenes, die mit Ausnahme von Veteran Square Enix wohl einzigartig, in Bezug auf Atmosphäre und Qualität, sind.
Allerdings macht das Spiel auf mich auch folgenden Eindruck: dank einiger sehr guter Effekte und Grafik-Highlights entsteht ein sehr interessantes Szenario, das doch irgendwie steril bleibt. Dead Or Alive Goes Ninja Gaiden: während einige Szenen im Spiel atemberaubend sind, so fallen mir persönlich doch einige Dinge auf, die weniger schön sind. Einerseits bin ich von der Grafik nicht besonders beeindruckt, da sich das Spiel einfach an der sehr guten (aber nicht merklich weiter entwickelten) DOA-Engine bedient. Andererseits gibt es sogar grobe Mängel zu beklagen. Dem Spiel wurde ein kleiner Hinweiszettel beigelegt, dass die Grafik im 60Hz-Modus betrieben werden soll. In diesem TV-Modus sieht das Spiel sehr gut aus und läuft trotz massiver Onscreen-Action sehr flüssig. Im 50Hz-Modus (immerhin die Standardeinstellung) ruckelt es leider stellenweise doch recht deutlich. Vor allem in der First-Person-Perspektive äußert sich dieser Effekt sehr unschön. Alle, die keinen moderneren Fernseher zuhause haben, könnten (zu Recht) enttäuscht sein. Ihr solltet also auf jeden Fall den 60Hz-Modus aktivieren: dazu geht ihr ins Xbox Dashboard (eventuell Spiel-Disc auswerfen um dorthin zu gelangen), wählt Einstellungen / Video / PAL60 und bestätigt per A-Button mit "JA". Sofern euer TV-Gerät mitspielt, sollten alle Ruckeleien somit der Vergangenheit angehören.
(Anm.: Die hohe Grafikwertung bezieht sich ausschließlich auf den 60Hz-Modus.)
Schließlich ist da auch die Kamera-Perspektive, mein persönlicher Intim-Feind, die zu wünschen übrig lässt. Zeitweise ist der Überblick nur durch den ständigen Eingriff des Spielers (Kamera zentrieren) gewährleistet. Ein besserer Blickwinkel hätte die Übersichtlichkeit drastisch erhöhen können.
Trotz dieser Kritikpunkte macht das exzellente Look-and-Feel Ninja Gaiden zu einem der schönsten Spiele, das je auf einer Konsole erschienen ist. Zeitweise fühlt man sich wie in einem Hollywood-Film (Stichwort: Gewitter im Zeppelin-Level). Je länger ihr spielt, desto mehr fallen euch die echten Grafik-Leckerbissen, verspielten Design-Details und die wunderbaren Cutscenes auf.
Sound
Sowohl Soundtrack als auch Geräuscheffekte sind sehr gut gelungen. Der Klangteppich aus traditionellen asiatischen Musikinstrumenten kann voll überzeugen. Jedes Kapitel verfügt über eigene Melodien, die sich zwar zeitweise (zu schnell) wiederholen, aber nie langweilig werden. Sogar die meisten Boss-Fights haben ein spezielles Theme. Jene unter euch, die 5.1 Dolby Digital ihr Eigen nennen, können sich natürlich besonders über den ausgeprägten Raumklang freuen. Soundtechnisch überzeugt Ninja Gaiden auf ganzer Breite. Sehr löblich ist auch, dass neben dem englischen auch der japanische Originalsoundtrack zur Auswahl steht, was die Atmosphäre weiter erhöht.
Spielspaß Solo
Ninja Gaiden überzeugt dort wo es am meisten zählt: beim Gameplay. Die Steuerung ist sehr intuitiv und erfrischend simpel, reagiert aber unglaublich gut auf eure Kommandos. Es passiert etwas, das nur in wenigen Spielen eintritt: die Steuerung erhöht noch zusätzlich die Tiefe des Gameplays. Die Gegner, die Ryu das Leben schwer machen, sind nämlich nicht nur schick anzuschauen, sondern auch höchst fähige Kämpfer. Eure Kontrahenten sind nämlich verdammt herausfordernd und somit auch sehr gefährlich. Oft wird euch der anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad an die Grenzen eures Könnens treiben. Er ist nicht gerade zimperlich ausgefallen und so wird auch schon mal das Gamepad auf den Boden geschleudert werden. Einfaches Analysieren der Bewegungsabläufe eurer Gegner alleine wird euch auch nicht helfen, da die KI des Spiels (vor allem in Boss-Fights) ganze Arbeit leistet. Das Spiel bleibt immer fair, verlangt euch aber gute Reflexe und das Entwickeln von Gegenstrategien ab. Einzig die Savepoints hätten etwas mehr zu Gunsten des Spielers verteilt werden sollen.
Ryu verfügt über ein gewaltiges Repertoire an Moves um sich zu verteidigen. Die Angriffe wirken sehr realistisch und gehen geschmeidig von der Hand. Die Kampfszenen sind Adrenalin-geladen und sehr fordernd ausgefallen. Bemerkenswert ist, dass das Spiel aber in allen Phasen selbstständig von der wunderbaren Action lebt. Langer Rede, kurzer Sinn: Ninja Gaiden ist anspruchsvoll und setzt eine ungewohnt hohe Disziplin bei der Steuerung voraus. Im Spiel passiert nichts, was ihr nicht genau geplant und sorgfältig ausgeführt habt, aber genau das motiviert ungemein und erhöht den Spielspaß.
Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten. Obwohl Xbox Live unterstützt wird, gibt es keinen Versus-Modus, d.h. herunterladbare Levels, Turniere etc. können nur alleine gespielt werden.
Pro
Anspruchsvolles Gameplay
Wunderschöne Grafik und atemberaubende Cutscenes
Guter Soundtrack mit 5.1 Dolby Digital
20+ Stunden Spielzeit und viele Extras
Drei freispielbare klassische Ninja Gaiden-NES-Spiele
Weitere Inhalte per Xbox Live herunterladbar
Contra
Sehr hoher Schwierigkeitsgrad (Neueinsteiger sollten sich warm anziehen)
Unfaire Verteilung der Savepoints
Nur im 60Hz-Modus wirklich flüssig spielbar
Unübersichtliche Kameraperspektive
EU-Version wurde zensiert
Fazit
Ist es revolutionär? Nein. Ist es das bemerkenswerteste Spiele des Genres? Ohne Zweifel!
Eines steht aber 100%ig fest: Ninja Gaiden ist wunderschön. Vielleicht sogar das schönste Spiel, das bisher auf einer Konsole erschienen ist. Auf technischer Ebene katapultiert sich Team Ninja endgültig auf den Grafik-Olymp der Videospielwelt. Interessantes Level-Design, gut reagierende Steuerung und knackiger Schwierigkeitsgrad machen das Spiel zu einem atemberaubenden Erlebnis.
Allerdings ist ein hoher Preis zu zahlen: nur im 60Hz-Modus ist das Spiel wirklich ruckelfrei zu genießen. Die Kamera ist sehr gewöhnungsbedürftig und mir persönlich macht es weniger Spaß, diese andauernd manuell auszurichten. Ein besserer Kamerawinkel hätte viele Spielsituationen entschärfen können. Ein großer Kritikpunkt, neben dem Kamera-Problem, ist der sehr hohe Schwierigkeitsgrad. Es gibt wenig leichte oder mittelschwere Passagen im Spiel und meistens müsst ihr euch zahlreicher Widersacher gleichzeitig erwehren. Hinzu kommt auch noch die Aussage auf der Spielpackung ("Speichern ist jederzeit möglich"), die schlicht und einfach falsch ist. Es kann definitiv nur bei Savepoints gespeichert werden. Es gibt zwar zwei Schwierigkeitsgrade, aber der erste beginnt ungefähr dort, wo in anderen Spielen "Hard" beginnt. Warum kein "Easy-Mode" spendiert wurde, bleibt mehr als rätselhaft.
Ich sehe den anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad aber viel mehr als Motivation. Wer sich der Herausforderung stellt, wird fürstlich belohnt. Ich habe selten ein Spiel gesehen, das so wie Ninja Gaiden mit jedem neuen Level noch spannender, ja noch interessanter wird und einen richtigen Suchtfaktor erzeugt. Außerdem gibt es einen guten Grund, das Spiel zumindest teilweise mehrmals durchzuspielen. Verbessert ihr nämlich eure Statistik, so reiht ihr euch in den Score Boards vor. Für Nachschub an Levels ist dank weiterer Downloads in Form des Master Ninja Tournaments gesorgt.
Nicht unerwähnt soll auch bleiben, dass die EU-Version geschnitten wurde. Zwar fließt das Pixelblut immer noch in rauen Mengen, die Enthauptungsanimationen gingen den europäischen (=deutschen) Sittenwächtern aber zu weit. Unverständlich bleibt aber, warum Japanern und US-Amerikanern immer die ungeschnittene Version zugemutet wird, während erwachsene Europäer immer "beschützt und behütet" (vor was oder vor wem eigentlich?) werden müssen. Persönlich stört mich das aber weniger, denn mit der "ab 16"-Einstufung kann man ganz zufrieden sein, denn bis auf besagte Animationen wurde nichts aus dem Spiel entfernt. Ninja Gaiden ist für Actionfans der Pflichtkauf schlechthin.