Max Payne meets John Wayne – ein guter alter Western zum selber Spielen.„Wenn ich mal groß bin, möchte ich Cowboy werden“. Ähnliche Worte werden wohl auch
Red, dem Titelhelden in
Red Dead Revolver, als Kind durch den Kopf gegangen sein. Diese Pläne werden jedoch jäh durchkreuzt, als sein Vater, der erst kurz zuvor durch einen Goldfund zu unerhofftem Reichtum gekommen war, von unbekannten Banditen überfallen wird. Beide Elternteile kommen dabei ums Leben und auch das Heim fällt den Flammen zum Opfer. Seiner Kindheit beraubt streift Red fortan als
Kopfgeldjäger mit nur einem Ziel durch den Wilden Westen: die Mörder seiner Eltern zu stellen und Rache zu üben.
Authentizität pur Bereits das Intro, das vor allem durch seine tolle Musikuntermalung glänzt, zeigt auf, was
Red Dead Revolver sein möchte: ein guter alter Western zum selber Spielen. Dass dies nicht nur eine leere Floskel ist, beweist die Präsentation des Spieles. Neben dem bewussten Einsatz eines Störungsfilters (ähnlich wie in
Silent Hill) treten immer wieder die „Schmutzstreifen“ auf, welche auch alte Filme kennzeichnen. Zusätzlich ist der rechte Teil des Bildes generell unscharf und soll somit eine alte Kamera simulieren. Auch die Zwischensequenzen, in denen die Geschichte weitergesponnen und wichtige Ereignisse dargestellt werden, sprechen eine deutliche Sprache. Es wurde hier bewusst auf eine Übersetzung verzichtet und so tönen die Stimmen der jeweiligen Charaktere mit bestem englischen Slang aus den Lautsprechern. Um den Spieler nicht zu überfordern, gibt es aber dazu wahlweise deutsche Untertitel. Selbst das Hauptmenü, das in Form eines alten Schreibtisches gehalten ist, soll diesen Eindruck verstärken.
Kontrolle pur Nachdem man im Menü nun den „Story-Modus“ gewählt hat, findet man sich bald in obiger Szene wieder. Neben der Einführung in die Story dient diese auch als kleines Tutorial, in dem einem die wichtigsten Steuerungsbefehle näher gebracht werden. Geht es zuerst nur um die Bewegung, greift man auch bald in den Überfall ein, muss jedoch trotz tatkräftiger Unterstützung zusehen, wie die eigene Familie zugrunde geht. Da
Red Dead Revolver aus der 3rd-Person-Perspektive gespielt wird, bewegt sich Red wie nicht anders zu erwarten mit dem linken Analogstick und die Kamera wird mit dem rechten beliebig gedreht. Anders als in ähnlichen Spielen läuft man nicht immer mit gezogener Waffe umher, sondern muss diese erst durch einen Druck auf den L1-Button ziehen. Möchte man nun einen Schuss abgeben, wird dies durch die R1-Taste bewerkstelligt. Der Sinn dahinter offenbart sich erst im Zuge eines Gefechtes: Im Spiel ist eine Art Auto-Aiming eingebaut und zeigt das Fadenkreuz auf einen Gegner, folgt dieses fortan dem anvisierten Schurken bis zu einem gewissen Grad, verliert das Ziel aber bei einer abrupten Bewegung. Man könnte dies also als „Soft-Lockon“ bezeichnen. Ist die Trommel erst einmal leer geschossen, wird diese durch einen Druck auf den Dreiecks-Knopf wieder gefüllt. Um in dieser Zeit nicht allzu wehrlos zu sein, kann man den Gegnern derweil mit dem Kreis-Knopf eines auf die Mütze geben. Hindernisse werden via Sprung mit dem X-Knopf überwunden, wobei sich Red an einem Vorsprung automatisch festhält, um sich danach auf Knopfdruck hoch zu ziehen. Um nahenden Kugel auch mal ausweichen zu können, führt ein seitwärts ausgeführter Sprung zu einer eleganten Hechtrolle.
Dem nicht genug kann mit dem R2-Knopf der sogenannte
Dead Eye Move ausgeführt werden. Dabei schaltet das Spielgeschehen in Zeitlupe um, man kann einige Punkte am Gegner markieren und nach einem erneuten Knopfdruck werden diese Stellen von Red in schneller Abfolge beschossen – was meist ein sofortiges Ableben des Feindes zur Folge hat. Dieses Manöver kann jedoch nicht beliebig oft ausgeführt werden, sondern beschränkt sich auf die drei am linken unteren Bildschirmrand angezeigten Balken, die durch Töten von Widersachern gefüllt werden. Ebenso erhält man für jeden Treffer eine bestimmte Anzahl an Geld, das zwischen den Missionen für das Erwerben neuer Waffen und Goodies verwendet werden kann. So hat man im Laufe des Spieles Zugriff auf unzählige Revolver und Gewehre, sowie Dynamit und Brandsätze.
Action pur Die zahlreichen Schusswechsel machen den größten Teil des Spieles aus. Wer jedoch glaubt, wild ballernd und ohne Hirn durch die Levels laufen zu können, wird schnell eines besseren belehrt. Ohne Köpfchen und geschicktes Vorgehen wird man mehr Bildschirmtode sterben, als einem lieb ist, was auch an dem zwischenzeitlich recht hohen Schwierigkeitsgrad liegt. Als größte Hilfe auf dem Weg zu einem erfolgreich abgeschlossenen Spielabschnitt ist hier die Deckung zu nennen. Dazu kann sich Red mithilfe des Viereck-Knopfes entweder an Wände pressen oder hinter z.B. Steinen ducken, in Ruhe auf die Bösewichte zielen, ein paar Schüsse abgeben und sich dann schnell wieder zurückziehen. Die zahlreichen Feinde stehen Red jedoch in nichts nach und versuchen ebenfalls, die Verstecke zu ihrem Vorteil zu nutzen. Daneben sind sie allseits bemüht, den Projektilen aus der Pistole des Hauptcharakters auszuweichen und kein leichtes Ziel zu bieten. Die Gegner unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern vertragen auch eine unterschiedliche Anzahl an Treffern. Genügen bei manchen oft ein bis zwei, wollen die etwas dickeren Exemplare über einen längeren Zeitraum hinweg beharkt werden, um zu Boden zu gehen. Ein gezielter Kopfschuss macht vielen Bösewichten jedoch augenblicklich den Garaus. Neben wildgewordenen Clowns und bösen Indianern hat man es unter anderem auch mit ganz normalen Cowboys zu tun.
Abwechslung pur Abseits der actiongeladenen Schießereien gibt es genug andere Betätigungsfelder für Red uns seine Freunde. Richtig gelesen, im Laufe des Spieles schlüpft man nicht nur in die Rolle von Red, sondern auch zahlreicher anderer Charaktere – wenn auch meist nur für ein oder zwei Missionen. So muss man mit
Jack Swift, einem englischen Scharfschützen, eine holde Maid beschützen, mit
General Diego in die Schlacht gegen die Vereinigten Staaten ziehen oder mit dem Indianer
Schattenwolf, der nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet ist, auf Befreiungstour gehen. Neben Bullen reiten dürfen auch die obligatorischen Schleicheinlagen nicht fehlen, ohne die ein Spiel heutzutage anscheinend nicht mehr auskommen kann. Doch auch Red selbst muss vielfältige Aufgaben bewältigen. Einmal gilt es, vom Ende des Zuges mithilfe von Sprungeinlagen das Führerhaus zu erreichen und dort nahende Banditen abzuwehren, ein anderes Mal muss eine gepanzerte Kutsche auf dem Rücken eines Pferdes gestoppt werden. Mit solchen Zwischengegnern sieht man sich im Spielverlauf immer wieder konfrontiert. Wie auch schon in
Max Payne 2 wird deren Ableben besonders in Szene gesetzt und in Zeitlupe präsentiert.
Apropos Zeitlupe: Einen leider sehr kleinen Teil in
Red Dead Revolver machen die sogenannten
Duelle aus, die sehr dramatisch in Szene gesetzt sind. Wie aus vielen Western-Filmen bekannt, stehen sich hier zwei Revolverhelden, in diesem Fall Red und einer der zahlreichen Schurken, gegenüber und wer schneller zieht, hat gewonnen. Im weiteren Spielverlauf kann man sich auch mal mit mehreren Gegnern gleichzeitig konfrontiert sehen. Ganz so einfach, wie es sich anhört, gestaltet sich die Sache dann doch nicht. Während die Zeit in verlangsamter Forum abläuft, muss zuerst die Waffe gezogen, dann gezielt und dann die Zeitlupe verlassen werden. Mit einer guten Portion Glück und etwas Zielwasser geht der Widersacher nun zu Boden. Hatte jedoch das Gegenüber beim Ziehen das schnellere Händchen, findet man sich selbst bald dem Boden etwas näher. Ist die eigene Gesundheit trotz einiger eingesteckter Treffer nicht ganz zur Neige gegangen, sollte man nun möglichst schnell ein paar weitere Kugeln hinterher jagen und das Beste hoffen.
Multiplayer pur Neben dem
Tagebuch, das weitere Informationen zu den Charakteren, Waffen und Örtlichkeiten bereit hält, kann man im Hauptmenü den Multiplayer-Modus, genannt
Showdown, auswählen. Hier stehen drei Modi zur Verfügung, wobei zwei davon dem altbekannten Deathmatch sehr ähnlich sind und sowohl gegen menschliche Mitspieler als auch gegen Bots bestritten werden können. Bei
Kopfgeldjäger gewinnt derjenige, der als erstes die maximale Kopfgeldsumme durch Töten der Gegner einstreicht, bei
Sundown siegt der Spieler, der nach Ablauf der Zeit das meiste Geld beisammen hat. Bei jedem Ableben eines Spielers verliert dieser eine Spielkarte, die aufgesammelt und in Kombination mit anderen verschiedene Powerups bereithält. Hinter dem dritten Modus,
High Noon, verbirgt sich das aus dem Story-Modus bekannte
Duell. Stehen am Anfang nur eine Handvoll an Spielfiguren und Schauplätzen zur Verfügung, kann man durch besonders gutes Abschneiden im Singleplayer-Modus viele weitere freischalten.
Grafik Diese hinterlässt leider einen sehr zwiespältigen Eindruck. Einerseits wird durch den Einsatz von Störfilter und Unschärfe gezielt Atmosphäre erzeugt, andererseits fragt man sich jedoch, was solche bewussten Mängel in einem modernen Spiel zu suchen haben. Leider ist auch das Niveau der Texturen nicht besonders hoch und so wirken diese größtenteils verwaschen und unscharf. Ein weiterer Kritikpunkt ist die geringe Polygonanzahl der Spielfiguren, wodurch diese eher klobig wirken. Zuletzt seien noch die zahlreichen Clipping-Fehler erwähnt, die es bereits seit Tomb Raider gibt und mittlerweile doch mal in den Griff zu bekommen sein sollten. Auf der positiven Seite ist dem Spiel jedoch ein vorhandener 16:9 Modus anzurechen.
Insgesamt ist zu sagen, dass die eher durchschnittliche Grafikqualität, die jedoch durch ihren besonderen Stil poisitiv auffällt, erstaunlich gut zum Western-Feeling passt und nur selten wirklich stört. An manchen Stellen wünscht man sich aber trotzdem hochauflösendere Texturen.
Sound Hier gibt sich das Spiel absolut keine Blöße. Angefangen bei der tollen Sprachausgabe mit den jeweiligen Akzenten, authentischen Schussgeräuschen und witzigen Kommentare der Charaktere bis hin zu der exzellenten Musikuntermalung kann man rundum zufrieden sein. Auch die Dolby Pro Logic II Unterstützung ist sehr vorbildlich und so kann jedes Geräusch exakt im Raum geortet werden.
Spielspaß Solo Abwechslung ist wohl DAS Stichwort in Red Dead Revolver: Neben den vielen Charakteren, in dessen Haut man im Spielverlauf schlüpft, muss auch Red selbst viele verschiedenen Herausforderungen meistern. Auch die allseits präsenten und actiongeladenen Schusswechsel sowie die fordernden Duelle, die es leider viel zu selten gibt, lassen nie Langeweile aufkommen.
Spielspaß Multi Obwohl das Hauptaugenmerk des Spieles eindeutig im Story-Modus liegt, weiß das Spiel auch im Multiplayer-Modus zu überzeugen. Zahlreiche Spielfiguren und Schauplätze, abwechslungsreiche Spielmodi und viele, durch einzusammelnde Spielkarten ausgelöste Powerups wissen auch nach Abschluss des Singleplayer-Modus vor den Fernseher zu fesseln. Besonders die Tatsache, dass auch gegen Bots gekämpft werden kann und nicht zwingend ein Freund zugegen sein muss, sprechen für das Spiel.