Der PC-Hit krallt sich auch im Konsolenbereich mühelos den Genre-Thron.Noch lassen die Konsolen-Portierungen der PC-Kracher
Far Cry und
Half-Life 2 auf sich warten; Zeit genug für
Doom3, sich mit dichter Atmosphäre, hervorragender optischer und akustischer Präsentation sowie fesselndem Gameplay in den FPS-Olymp zu ballern. Warum man vom neuesten Streich aus dem Hause
id Software einfach nicht mehr ablassen kann, erfahrt ihr im folgenden
Master-Review.
Hell broke looseDie Vorgeschichte ist ebenso belanglos wie schnell erzählt: Als namenloser Soldat des Marine Corps werdet ihr im Zuge einer Aufstockung des Personals auf den Mars versetzt. Die Entscheidung, die
» Unfreundliche Zeitgenossen. |
Wachmannschaften zu verstärken, kommt dabei nicht von ungefähr: Auf dem von der
UAC – Union Aerospace Corporation – zu Forschungszwecken besiedelten Planeten kam es in letzter Zeit gehäuft zu unerklärbaren Zwischenfällen. Arbeiter liefen Amok oder verschwanden überhaupt spurlos, viele beklagten psychische Labilität und erlagen Wahnvorstellungen. Eben erst angekommen, bricht dann auch schon nach wenigen Minuten das Chaos aus: Ein Experiment ist schief gelaufen,
das Tor zur Hölle geöffnet. Anstatt gemütlich Patrouille zu schieben steht ihr nun einem Heer von Dämonen gegenüber – Gott sei Dank habt ihr vor dem Abflug noch die Kettensäge eingepackt!
Doom3 ist kein gewöhnlicher Shooter: Anstatt sich mit der Waffe im Anschlag durch zahllose Gegnerhorden zu mähen, spendierten euch die Jungs von
id Software ein besonderes Tool –
die lebensnotwendige Taschenlampe. Mit ihr werden die vorwiegend dunklen Räume und Gänge vor dem Betreten nach dämonischem Ungeziefer abgesucht, was in den folgenden Minuten schnell über Leben und Tod entscheiden kann. Mithilfe der
weißen Taste könnt ihr euch dabei jederzeit des kleinen Helferleins bedienen – ein erneuter Druck wechselt zur zuletzt verwendeten Waffe. Ein weiteres, unverzichtbares Gimmick wird euch gleich zu Beginn ausgehändigt und ist mit der
schwarzen Taste abrufbar: euer
UAC–PDA (Personal Digital Assistent) führt nicht nur Buch über das nächste Einsatzziel sondern lädt bei Erhalt auch Inhalte wie E-Mails sowie Sprach-Memos von anderen PDAs herunter und speichert Authentifizierungscodes –
this will come in handy.
Close CombatKlarer Fall: Um euch der hinterhältigen Heerscharen zu erwehren, ist die Taschenlampe natürlich keineswegs erste Wahl. Für effektive Schädlingsbekämpfung
» Euer Helferlein (nein, nicht Pinky!). |
empfiehlt die UAC neben der Standard-9mm-Pistole vor allem Schrotflinte, Sub-MG und Chaingun – die bereits erwähnte Kettensäge und der obligatorische Raketenwerfer selbstverständlich nicht zu vergessen. In einem Titel des
Doom-Franchises darf eine ganz besondere Waffe natürlich ebenfalls nicht fehlen: der Prototyp der
BFG-9000, der mit dem Gesinde gleich zuhauf kurzen Prozess macht. Im Gegensatz zu manch anderem Horror-Shooter findet sich dabei üblicherweise ausreichend Munition für eure Argumentverstärker – sei es bei gefallenen Gegnern oder in den zahllosen Munitionslagern. Praktisch: Auf dem
D-Pad lassen sich bis zu vier Waffen per Shortcut aufrufen – je nach den zuvor getroffenen Präferenzen im Menü.
Ein Kinderspiel wird
Doom3 durch diese immense – und sehr einseitig verteilte – Feuerkraft aber dennoch nicht: Dafür ist in erster Linie das
Vorgehen eurer Kontrahenten verantwortlich, die sich – je nach Typ – entweder verschanzen, von hinten anschleichen oder sich mit lautem Gebrüll frontal auf euch stürzen. Ganz besonders gewitzt sind die schon aus den ersten beiden Teilen bekannten
Imps, die sich darüber hinaus auch sehr gerne in plötzlich abdunkelnde Räume teleportieren und euch von gleich mehreren Seiten Saures geben. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Die Horden sind
hervorragend animiert und lassen euch bei deren Auftauchen den Angstschweiß gefrieren. Auch das Design ist stimmig: Mannshohe Teufelchen, abscheuliche Spinnen mit annähernd menschlichen Zügen, Untote – das gesamte Spektrum an Dämonen lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, mit wem ihr es hier zu tun habt: Die Höllenbrut kennt keine Gnade. Euer
größter Feind ist allerdings die Dunkelheit und damit einhergehend das schon zuvor erwähnte Gameplay-Element der Taschenlampe...
Horror³"Dieser Code – ich brauche diesen Code... nur noch dieser eine Raum"; Taschenlampe gezückt, hinter die Tür gelinst; "Okay, links alles sauber, rechts auch. Jetzt
aber rein.". Plötzlich ein Stöhnen, ein zweites setzt kurz darauf ein. Schweiß läuft meine Stirn hinab. Ich drehe mich um und erstarre beim Anblick des halb verwesten Untoten, der sich unbemerkt von hinten angeschlichen hat und blitzschnell zum Schlag ausholt. Ein ohrenbetäubender Knall ertönt, die Schrotflinte hat einmal mehr für Ruhe gesorgt; ruckartig die Taschenlampe gezückt, doch der zweite lässt sich nicht blicken. Plötzlich – kaum vernehmbar – hohe, gezerrte Frauenstimmen: "They killed my baby"... der Raum verdunkelt, die einzige Lichtquelle ist meine Taschenlampe. Eine Feuerbrunst beim Ausgang lenkt meine Aufmerksamkeit weg vom unauffindbaren Untoten. Meine Augen weiten sich – ein Imp teleportiert sich in den Raum... und mit ihm ein zweiter rechts hinter mir – sein Schnaufen verrät ihn...
Doom3 lebt keineswegs vom fesselnden Aufbau einer Geschichte, die den Spieler durch die Handlung führt. Ähnlich wie in den früheren
Resident Evil-Teilen baut der Titel vor allem auf
Schockmomente: Urplötzlich durch Türen brechende Dämonen und im Dunklen auf der Lauer liegende Untote sind keine Seltenheit. Herzstillstand verursachend sind aber in erster Linie einige der
Backtracking-Passagen, in welchen eigentlich schon feindfrei geglaubte Räumlichkeiten mit einem Schlag wieder zum Leben erwachen und einem das Herz in die Hose rutschen lassen – ganz der (Horror-)Papa. Atmosphärisch ist der Titel beinahe ungeschlagen: Das gekonnte Licht- und Schattenspiel, die
umwerfende und niemals ruckelnde Optik sowie die
hervorragende Sounduntermalung lassen Stimmung – und in diesem Fall eigentlich immer Nervosität und Angst – aufkommen. Gerade letztere ist in hohem Maße für den Spannungsbogen verantwortlich: Schnaufende und stöhnende Dämonen, vereinzelt schaurige Melodien und immer wieder eingestreute, grausam verzerrte Stimmen-Samples lassen euch auf ein baldiges Ende des Levels hoffen – in Dolby Digital selbstverständlich um ein vielfaches intensiver.
Ein Ende ist nicht in SichtInsgesamt werden geneigte Spieler je nach Schwierigkeitsgrad zwischen 15 und 20 Stunden lang bis zum Finale ausharren und tief verwurzelte Ängste ausstehen müssen. Für alle Angsthasen besonders praktisch: Per Druck
auf die
Back-Taste ist jederzeit ein
Quicksave möglich, über das Menü steht selbstverständlich auch eine normale Speicherfunktion zur Verfügung. Zu beachten gilt es, dass der Titel – auch in der "deutschen" Pal-Version – nur über englische Sprachausgabe und Untertitel verfügt. Da sich der Rätselanteil aber ohnehin auf ein Minimum beschränkt und man eigentlich nur für einige optionale Zahlenkombinationen ein wenig recherchieren muss, ist dieses Manko durchaus zu verkraften: Auch Spieler, die des Englischen nicht mächtig sind, kommen in den Genuss des Finales.
Neben der umfangreichen Einzelspielerkampagne bietet das Programm auch einen
Multiplayermodus: Über Xbox Live sind die obligatorischen Modi
Deathmatch,
Team-Deathmatch und
Last Man Standing spielbar. Als besonderes Feature steht den Xbox-Zockern allerdings auch ein
kooperativer Spielmodus über Xbox Live zur Verfügung, der jedoch bei großem Gegneraufkommen unter Lags sowie Slowdowns leidet, aber nichtsdestotrotz äußerst unterhaltsam ist.