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DTM Race Driver 2  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 17.02.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Der bessere Nachfolger: DTM2 verweist seinen Vorgänger in die Schranken.

Erneut geht es auf die Rennstrecke: Als absoluter Nobody und Fresh-Meat im Rennzirkus versucht ihr, in die Fußstapfen eures zynischen Vorgängers Ryan Smartass McKane zu treten und das gegnerische Fahrerfeld mit eurem Können gehörig aufzumischen. Einmal mehr erwartet den Spieler mit DTM Race Driver 2 ein Rennspiel mit Soap-Opera Einschlag – dieses Mal spielt jedoch ihr die Hauptrolle.

Fatter, bigger, faster
Die Eckdaten sind auf den ersten Blick alles andere als berauschend: Lediglich 35 Fahrzeugtypen und 48 Rundkurse (inklusive dem neuen, PS2-exklusiven Circuit de Catalunya-Rundkurs)
» Die DTM ist natürlich wieder vertreten.
erwarten den Rennspiel-begeisterten Zocker. Größe zeigt der Titel jedoch in Art und Anzahl der unterschiedlichen internationalen Rennligen, in denen ihr euer fahrerisches Können unter Beweis stellen müsst: Die titelgebende DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) ist freilich ebenso vertreten wie Stock-Car Rennen oder die australische V8 Supercars. Sogar ausgehungerte Rally-Piloten und Freunde exotischer Truck-Rennen werden mit eigenen Rennveranstaltungen bedacht. Sauer stößt lediglich die Tatsache auf, dass euer Alter Ego nicht selbst darüber entscheiden kann, welche Liga als nächste in Angriff genommen wird. Prinzipiell folgt ihr im Karrieremodus also einem stilisierten Walk of Fame, welcher den Aufstieg vom Nobody zum König der Rennfahrer dokumentiert euch aber diesbezüglich keinerlei Entscheidungsmöglichkeiten überlässt.

Auf der Rennstrecke sind solche Kleinigkeiten aber schnell vergessen: Gegen maximal 20 Gegner werden harte Kopf-an-Kopf Gefechte ausgetragen, die allerdings nicht selten im Kiesbett enden - liegt dem Spiel doch ein eher simulationslastiges Fahrverhalten zugrunde. Auch das umfangreiche und äußerst detaillierte Schadensmodell lässt Kamikaze-Aktionen nur bedingt zu: Macht die Vorderachse einmal zu oft Bekanntschaft mit dem rauen Aspalt, heißt es Abschied nehmen. Auch Motorschäden und Reifenplatzer resultieren im vorzeitigen Aus – schwere Fehler führen ausnahmslos zum Ende des Rennens. Nach etwas Einarbeitungszeit lassen sich solch fatale Ereignisse aber glücklicherweise recht einfach vermeiden: Die Steuerung spricht direkt an und ist einigermaßen intuitiv. Wäre da nicht…

Gentlemen, start your engines...
…die teils äußerst aggressive Gegner-KI, die einem vor allem in den höheren Spielstufen ganz schön zu schaffen macht: Hier wird beinhart gerempelt, geschoben und gedrängelt – was für
» Auch im Street-Racing dürft ihr euch betätigen.
euch nicht selten in einem Abflug in die Leitplanke endet. Eure Kollegen scheuen jedoch auch nicht davor zurück, selbige Techniken bei CPU-Fahrern anzuwenden. Gleiches Recht für alle. Eurem Alter Ego bleibt bei der Aufholjagd immerhin noch die Möglichkeit, Kontrahenten in engen Kurven als Rammbock zu verwenden und so auf einen Schlag ein ganzes Grüppchen zu überholen. Der selbst auferlegte, hohe Realismus-Anspruch bleibt dabei aber leider mit angezogener Handbremse auf der Strecke.

Erfrischend anders sind allerdings die unterschiedlichen Ziele geraten, die zum erfolgreichen Abschluss einer Meisterschaft zu erreichen sind: Vor einem bestimmten Rivalen ins Ziel kommen, eine bestimmte Punkteanzahl erreichen, mindestens Platz 3 belegen; die Gesamtführung in der Rangliste ist dabei nur eine unter vielen. Störend fällt hier – vor allem in den Rivalen-Kämpfen – auf, dass keine Option für ein Qualifying-Rennen existiert: Während ihr also von ferner liefen eure Aufholjagd beginnen müsst, startet euer Intimfeind bequem vom zweiten Platz. Im späteren Spielverlauf mausert sich dieses kleine aber feine Detail zum größten Frustfaktor, da immer größere Abstände im immer stärker und unverzeihlicher fahrenden Gegnerfeld aufgeholt werden müssen. Immerhin können begonnene Rennen – auch innerhalb einer Meisterschaft! – aber jederzeit abgebrochen und neu gestartet werden. Auch das Fehlen jeglicher Tuning- und Setup-Einstellungen vermisst man schmerzlich – ihr solltet also viel Vertrauen in die Fähigkeiten eurer Mechaniker haben.

My name is Nobody
Das stetige Im-Kreis-fahren wird zwischen den Rennen immer wieder durch kurze Zwischensequenzen in allerbester Seifenoper-Manier aufgelockert: Hier lernt ihr sowohl euren
» Hier geht’s auch ohne Sicherheitsabstand.
Chefmechaniker als auch die junge, ehrgeizige Agentin sowie diverse Nebencharaktere wie aufstrebende TV-Talente und Rivalen kennen, die euch den Rennalltag hindurch begleiten und dem Spieler ab und zu sogar ein Schmunzeln entlocken können. Über das schon erwähnte B-Movie-Niveau kommen die kurzen Spots aber nie hinaus.

Habt ihr erstmal genug vom Rennzirkus, könnt ihr im Simulationsmodus bereits frei gespielte Strecken und Autos testen, eigene Meisterschaften beginnen und euch im Offline-Splitscreen gegenseitig Sekunde um Sekunde abnehmen. Im Gegensatz zum Karrieremodus steht hier auch ein eigenes Setup zur Verfügung. Selbst ein Qualifying kann hier vor Beginn des Rennens eingeschoben werden. Warum es diese Funktionen nicht in den Story-Modus geschafft haben? Es dürften wohl rein dramaturgische Gründe vorliegen – eine hieb- und stichfeste Erklärung gibt es nicht (und wäre wohl auch nicht nachvollziehbar). PS2-exklusiv ist der neue Pro-Sim-Modus, der es noch genauer mit abgefahrenen Reifen, Fahrwerksschäden und Pit-Stops nimmt, als es das Hauptprogramm ohnehin schon tut.

In DTM Race Driver 2 geht es jedoch nicht nur in den eigenen vier Wänden zur Sache. Auch online können sich auf der PlayStation 2 bis zu acht Personen heiße Duelle am A1- und Hockenheimring liefern. Lags sucht man meist vergeblich, wobei hier einmal mehr das Problem der fehlenden offenen Sitzungen besteht: Man findet schlicht und einfach beinahe keine Spieler – und das auch schon beim Release des Titels vor einigen Monaten. Die GT-Konkurrenz wirft wohl schon ihren (langen) Schatten voraus.


Grafik
Hier gibt es nichts auszusetzen: Das Geschehen läuft für PS2-Verhältnisse superflüssig ab, Ruckler sucht man beinahe vergebens. Lediglich die etwas eintönige Strecken- und Umgebungsgrafik fällt negativ auf. Im Gegenzug besticht das Spiel durch außergewöhnliche Weitsicht und brillant gestaltete Boliden. Selbst das Kantenflimmern hält sich in erträglichen Grenzen. Erwähnenswert ist weiters das Codemasters-typische Schadensmodell, das einmal mehr die Konkurrenz weit hinter sich lässt.

Sound
Auch hier befindet sich alles im grünen Bereich: Die Motorensounds dröhnen, quietschende Reifen, splitternde Scheiben und Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten sind authentisch und tragen einiges zum hohen Realismus-Gehalt des Spiels bei. Während der Rennen gibt es übrigens keinerlei Musikuntermalung – wie immer bei DTM- und Colin-Ablegern. Besonders positiv hervorzuheben ist das hervorragende Voice-Acting der deutschen Synchronstimmen in den Zwischensequenzen – hier könnten sich so manche Lokalisierungs-Teams von Story-intensiveren Spielen ein Scheibchen abschneiden.

Spielspaß Solo
Langzeitmotivation ist dem Spiel kein Fremdwort: Mit einem umfangreichen Karrieremodus und dem langlebigen Simulationsmodus mit seinen unzähligen Einstellungsmöglichkeiten sind Renn-Puristen sicherlich lange beschäftigt. Beeindruckend ist vor allem die große Bandbreite an unterschiedlichen Ligen, die den Titel so spielenswert macht. Negativ fällt hingegen vor allem die Tatsache auf, dass vor Rennen im Karrieremodus weder Qualifying noch Wagen-Setup möglich sind – ein Spiel mit einem derartigen Realismus-Anspruch sollte derartige Funktionen eigentlich als gegeben betrachten.

Spielspaß Multi
Im Multiplayermodus macht das Spiel leider nicht ganz so viel Spaß wie alleine: Vor allem der Splitscreen Modus leidet sehr unter der eingeschränkten Übersicht durch den verkleinerten Bildausschnitt. Online wäre das Spiel durch den guten Netcode durchaus zu empfehlen, allerdings fehlt es beinahe gänzlich an willigen Spielern. Offene Sessions lassen sich des Öfteren an einer Hand abzählen. Auf der Xbox bietet sich durch die vielen Konkurrenzprodukte leider ein ähnliches Bild; hier hilft es also nicht, zum Microsoft’schen Äquivalent zu greifen.
Pro
Umfangreicher Karrieremodus
Erweiterter Simulationsmodus
PS2-exklusive Inhalte
Optik & Sound sehr gelungen
Rennspiel mit Story (!)
Contra
Story auf B-Movie-Niveau
Kein Qualifying & kein Setup im Karrieremodus
Sehr aggressive Gegner-KI
Gegen Ende sehr schwer
Fazit
Rennfahrer mit einem Faible für simulationslastiges Gameplay können mit DTM Race Driver 2 eigentlich nichts falsch machen. Die Spielzeit geht in Ordnung, die Optik ist für PS2-Verhältnisse sehr gut und die Steuerung geht trotz hohem Simulationsgehalt leicht von der Hand. Zwar trüben einige Mängel wie das fehlende Qualifying oder die äußerst aggressive Gegner-KI den sehr guten Gesamteindruck – ein schlechtes Spiel wird es dadurch aber noch lange nicht. Was bleibt, ist ein Titel, der vor allem durch seine große Bandbreite an spielbaren Ligen, hübschen Wagenmodellen und einem hervorragenden Schadensmodell wie frisch poliert glänzt. Onlinespieler sollten jedoch aufgrund fehlender Spielermassen einen großen Bogen um den Titel machen und eventuell auf eine Gran Turismo 4 Online Edition warten.