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Mercenaries  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 24.03.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Umfangreiches GTA im Krieg, das erheblich unter seiner technischen Umsetzung leidet.

Viele Spieler schreien nach riesigen Spielwelten, in denen man sich frei bewegen kann und es viel zu entdecken gibt. Auch liegt ihnen eine offene Vorgehensweise beim Erfüllen der einzelnen Aufträge am Herzen. Dass Spiele, die so etwas bieten, schnell zu Verkaufsschlagern avancieren, beweisen die GTA-Serie sowie das Mega-Rollenspiel The Elder Scrolls III: Morrowind. Doch was Rockstar und Bethesda Software können, kann LucasArts schon lange. So verpflichtete man den Entwickler Pandemic eine Art GTA im Kriegsszenario mit frei begehbarer Welt und nichtlinearem Spielablauf zu entwickeln. Herausgekommen ist Mercenaries, welches wir im folgenden Master-Review für euch unter die Lupe genommen haben.

Jeder gegen Jeden
Kriegsszenarien in der realen Welt sind seit jeher ein beliebtes Mittel, Spiele für eine breite Masse interessant zu machen. Dies dachte sich nun auch Pandemic und verfrachtete sein aktuelles Söldnerspektakel flugs ins
» Hier gehts rund
fiktive Nordkorea der nahen Zukunft. Dort hat ein größenwahnsinniger Diktator die Macht an sich gerissen und unterdrückt sein Volk. Viel schlimmer jedoch ist die Tatsache, dass er im Besitz von Atomwaffen ist, mit denen er den gesamten Weltfrieden gefährdet. Klar, dass das Bündnis der Allierten, kurz A.N., nicht tatenlos zusehen kann. Doch auch China, die Russenmafia und Südkorea mischen kräftig in diesem Konflikt mit und verfolgen jeweils ihre eigenen Ziele. Perfekt wird das Kriegstreiben durch den Spieler, welcher in der Rolle eines Söldners mitten in dieses Chaos herein stolpert, um der nordkoreanischen Diktatur ein Ende zu setzen. Dabei darf er frei für die oben genannten vier Parteien arbeiten, um an Geld zu kommen, mit dem er sich in einem Onlineshop jederzeit neue Waffen und Unterstützungstruppen ordern darf. Ein Besuch im Hauptquartier einer der Koalitionen genügt, um für diese zu arbeiten, was gleichzeitig die Beziehungen zwischen dieser und dem Spieler verbessert. Da die Aufträge allerdings manchmal gegen eine der anderen drei Parteien gerichtet ist, verschlechtern sich gleichzeitig die Kontakte zu dieser Vereinigung. Vier Balken geben stets Auskunft über das Verhältnis zwischen Spielfigur und den einzelnen Gruppierungen. Hat man es sich mit einer Seite komplett verscherzt, hilft eine großzügige Spende, um den Kontakt wieder herzustellen.

Viel zu tun
Die Aufträge gestalten sich als abwechslungsreich und erfreuen durch nicht vorgegebene Lösungswege. So ist es meist dem Spieler selbst überlassen, wie er eine Mission zu Ende führt. Zu den Zielen gehören klassische
» Dieser Panzer gehört gleich uns.
Aufgaben wie beispielsweise das Retten von Geiseln, Zerstören bestimmter Gebäude oder Eliminieren/Gefangennehmen bestimmter Personen. Oberste Priorität hat allerdings das sogenannte 52er-Blatt. In diesem Kartensatz sind die 52 wichtigsten militärischen Persönlichkeiten der Nordkoreaner vermerkt. Die Aufgabe des Spielers ist es, alle Mitglieder dieses Blattes dingfest zu machen oder umzubringen. Lebend gefangene Bösewichter bringen eine doppelte Belohnung. Um eine Zielperson unversehrt zu fangen, muss diese lediglich betäubt und anschließend per Tastendruck gefesselt werden. Ein angeforderter Hubschrauber bringt den Gefangenen anschließend in sichere Verwahrung.
Doch auch abseits der Missionspfade gibt es in der großen Spielwelt viel zu entdecken: Über ganz Nordkorea verteilte Geheimkisten, Propagandastatuen und Horchposten wollen zerstört, beziehungsweise eingesammelt werden. Außerdem warten zahlreiche kleine Herausforderungen wie Zeitrennen darauf, vom Spieler gemeistert zu werden. Als Belohnung winken zusätzliche Dollars und neue Shopobjekte.

One Man Army!
Bei der Steuerung der Spielfigur hält sich der Titel an gegebene Third-Person-Standards. Neben einem ganzen Arsenal todbringender Schießeisen und Handgranaten, die allesamt realen Vorbildern nachempfunden wurden, stehen
» Helis lassen sich auch im Flug kapern.
dem Spieler noch wertvolle Hilfsmaßnahmen zur Verfügung: So darf man beispielsweise per Laserpointer Ziele markieren, um einen Luftschlag gegen die markierte Stelle durchzuführen zu lassen oder man ordert großflächige Artillerieangriffe, die alles im Zielgebiet in Schutt und Asche legen. Geht dem Protagonisten die Munition oder Lebensenergie aus, sorgen Nachschubhelikopter für Abhilfe. Besonders hilfreich ist der Medivac-Befehl, mit dem man schnurstracks ins Lazarett der Alliierten verfrachtet wird, wo man gegen ein geringes Entgelt eine komplette Heilung und Aufmunitionierung erfährt. Vor allem in brenzligen Situationen ist diese Funktion sehr hilfreich.

Grand Theft Panzer
Wer die meistens überlangen Wege zwischen den einzelnen Kontaktpunkten nicht zu Fuß zurücklegen will, darf jedes Fahrzeug besetzen, beziehungsweise gewaltsam übernehmen. Dazu
» Die Explosionen sind optisch sehr schick.
muss man sich lediglich in die Nähe des Einstiegspunkts der Vehikel begeben und die Dreiecks-Taste drücken. Ist das Fahrzeug bereits von einem Feind in Besitz genommen, zeigt eine kurze Scriptsequenz wie der Protagonist dieses übernimmt. Die Palette reicht von normalen PKWs und LKWs über mit MGs bestückte Jeeps, Truppentransportern und Panzern bis hin zu raketenbeladenen Helikopern. Obwohl die Bedienung der Fahrzeuge schnell ins Blut übergeht, steuern sie sich allesamt sehr träge und etwas zu lahm. Selbst Jeeps lassen kein richtiges Geschwindigkeitsgefühl aufkommen, wie es beispielsweise Grand Theft Auto: San Andreas zu vermitteln weiß. Schlimmer jedoch wiegt die teils grauenhafte Kollisionsabfrage und Physikengine. Selbst schwere Truppentransporter und Panzer bleiben des Öfteren an kleinen Zäunen, Sandsäcken oder dünnen Bäumchen hängen. Hin und wieder kippen die Fahzeuge beim Versuch kleinere Hindernisse zu durchbrechen sogar um oder verheddern sich. Stoßen zwei fahrbare Untersätze aufeinander, werden diese manchmal vollkommen unrealistisch meterweit voneinander weggeschleudert. Alles in allem also ein äußerst durchwachsenes Vergnügen. Allerdings hat die Physik-Engine auch ihre guten Seiten: In Gefechten fliegen brennende Wracks meterhoch durch die Luft und Soldaten werden durch Druckwellen realistisch weggeschleudert, was oft wirklich spektakulär aussieht.

Überforderte PS2
Technisch merkt man dem Titel leider an allen Ecken und Enden an, dass er neben der Playstation 2 noch für die Xbox entwickelt wurde. So scheint die eigentlich recht hübsche und
» Kampf in den Trümmern.
detaillierte Grafik nie wirklich flüssig zu laufen und sehr starkes Fogging stört vor allem bei Hubschrauberflügen die Sicht. Die Ladezeiten befinden sich in einem Bereich jenseits von Gut und Böse. Vor dem Beginn einer Mission (gilt auch für das Wiederholen eines gescheiterten Auftrages) muss man einen rund halbminütigen Ladebildschirm über sich ergehen lassen.
Auch die KI ist alles andere als überzeugend. Hin und wieder reagieren Feinde selbst dann nicht, wenn neben ihnen Kameraden niedergemäht werden. Zudem ziehen es die Gegner oft vor, mit ihren schwachen Standartwaffen auf den Spieler zu feuern, statt ein direkt neben ihnen stehendes freies Geschütz zu bemannen. Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass die Umgebungen komplett zerstörbar sind, was vor allem destruktive Zockernaturen erfreuen dürfte. Auch die Sounduntermalung inklusive der deutschen Sprachausgabe ist gelungen und erfreut das Ohr durch wuchtige Effekte und passende Musikstücke. Lediglich Todesschreie wirken arg künstlich und nerven nach kurzer Zeit.
Pro
Großer Spielumfang
Viel zu entdecken
Viel Handlungsfreiraum
Vier Parteien
Große Anzahl an Waffen und Fahrzeugen
Contra
Fehler in Physikengine
Derbe KI-Aussetzer
Unflüssige Grafik (PS2)
Träge Fahrzeuge
Lange Wegstrecken zwischen Missionen
Elendig lange Ladezeiten
Fazit
Es hat wirklich etwas gedauert, bis ich mit dem Titel warm geworden bin. Die zahlreichen kleinen Ärgernisse und technischen Schwächen gingen mir mitunter stark an den Geduldsfaden und ließen mich Pandemics neuestes Werk mehr als nur einmal verfluchen. Vor allem die langen Ladezeiten und ausgedehnten Fahrstrecken zwischen den einzelnen Aufträgen ziehen sich störend durch das gesamte Programm und bremsen den Spielfluss erheblich. Die zähe Grafik und das starke Fogging kommen erschwerend hinzu. Dennoch: Mercenaries ist trotz dieser Mängel ein spielenswerter Titel und vor allem für Fans großer Spielwelten, in denen es viel zu entdecken gibt und man sich frei bewegen darf, einen Kauf wert. Das offene Missionsdesign wird experimentierfreudige Spieler zum Rumprobieren animieren, während Ballerfans dank vieler Wummen ebenfalls auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch aufgrund der technischen Mängel Bedenken hat, der sollte Mercenaries erst einmal gründlich Probe spielen, bevor er rund 55 Euro auf den Tisch legt.