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The Suffering sorgte bereits im Vorfeld für einige Kontroversen unter Fans und Presse gleichermaßen, da es schien, dass sich der Titel ähnlich wie z.B. Manhunt und State of Emergency eher auf exzessive Gewaltdarstellung und makabere Thematik als auf ausgeklügeltes Gameplay verlassen würde. Gerade bei Midway, die sich verantwortlich für Mortal Kombat zeigen, wäre ein solches Spiel wohl kaum eine Überraschung. Daher kommt es eher unerwartet, dass sich hinter The Suffering ein durchaus spielenswerter Actiontitel verbirgt. Möchten Sie mehr wissen? Im Verlauf des Spiels erfahrt ihr nicht nur mehr über die Geschichte von Abbott und all seinen makabren Ereignissen, sondern auch Torques Vergangenheit wird nach und nach aufgedeckt. Hat er seine Familie nun umgebracht oder nicht? So many questions… Auch bei der Steuerung zeigen sich Unterschiede: The Suffering steuert sich wie ein Ego-Shooter, das heißt ihr bewegt euch mit dem linken Analogstick, und mit dem rechten beeinflusst ihr eure Bewegungs- und Blickrichtung. Passend dazu habt ihr die Möglichkeit, jederzeit in die Egoperspektive umzuschalten. Das kann eure Zielgenauigkeit verbessern, allerdings reagiert die Steuerung in der Egoansicht etwas träge, weshalb ihr in den meisten Situationen 3rd-Person vorziehen solltet. Dieses Feature an sich aber ist sehr lobenswert und sollte eigentlich schon Standard in 3rd-Person-Titeln sein. Die Steuerung selbst reagiert sehr genau und gibt keinerlei Grund zur Kritik. Durch die Tatsache, dass ihr eure Blickrichtung jederzeit selbst kontrolliert, treten auch keine der Kameraprobleme auf, die sonst in Survival Horror-Titeln die Norm sind. Mit dem Kreis-Button könnt ihr sogenannte Xombium-Bottles verwenden, die einen Teil eurer Lebensenergie auffüllen; Max Payne-Spieler werden mit diesem System bereits vertraut sein. Grund zur Beanstandung gibt das Inventar: Mit dem digitalen Steuerkreuz ruft ihr ein In-Game Menü auf, in dem ihr Waffen wechselt, Notizen durchschaut, etc. Das ist etwas kompliziert und kann im Kampf wertvolle Sekunden kosten, Waffenwechseln per einfachen Knopfdruck wäre hier wünschenswert gewesen. Der Gameplay-Schwerpunkt von The Suffering liegt eindeutig auf Action. Ihr braucht nicht viel mehr zu wissen, als auf welche Art und Weise ihr eure Gegner am effektivsten beseitigt, und schon nach kurzer Einspielzeit lauft ihr durch die düstere Gefängnisumgebung und metzelt reihenweise höllische Kreaturen nieder, ohne dabei auf irgendwelchen Stealth-Kram achten zu müssen. Die wenigen Rätsel sind simpel und beschränken sich zumeist auf einfaches Kistenverschieben. Der Midway-Titel kann aber durch bestimmte Spielelemente über die fehlende Abwechslung hinwegtäuschen. Um den Spielablauf nicht zu sehr in Monotonie verfallen zu lassen, verfügt jedes der Monster über ein anderes Angriffsschema: Der Slayer verwirrt euch durch seine schnellen Bewegungen und Attacken, der Mainliner bewirft euch mit Nadeln, die Halluzinationen erzeugen, und der fette Fester attackiert euch mit Ratten, die aus seinem Bauch kommen. Die vereinzelten Bosskämpfe setzen dem ganzen aber die Krone auf, da sie, ähnlich wie in Spielen der Blood Omen-Serie, nicht durch simples Drauflosballern zu gewinnen sind, sondern eine bestimmte Strategie erfordern, die meistens mit dem Manipulieren der Umgebung zusammenhängt. Neben diesen eher weltlichen Waffentypen verfügt Torque über die Möglichkeit, sich in ein fettes, hässliches Monster zu verwandeln. Einzige Voraussetzung hierzu ist ein voll angefülltes Insanity-Meter, was ihr durch simples Töten von Gegnern erreicht. Dies vollbracht, wechselt ihr durch einen Druck auf die Dreieck-Taste in die Monsterform. Zu Beachten gilt: Während ihr euch in dieser Form befindet, nimmt das Insanity-Meter wieder ab. Ihr müsst euch manuell wieder zurückverwandeln, bevor sich das Meter leert, sonst heißt es Game Over. In seiner alternativen Form verursacht Torque natürlich deutlich mehr Schaden, ist aber auf Nahkampfangriffe limitiert. Da ihr eure Feinde vorzugsweise aus der Distanz erledigen solltet, wirkt die Monsterform eher wie ein nettes Anhängsel als ein notwendiges Feature. Ich selbst habe beim Durchspielen die Verwandlung nur an zwei Stellen, an denen es zwingend erforderlich ist, zum Einsatz gebracht. Jedes Mal, wenn ihr mit einer solchen Entscheidung konfrontiert werdet, melden sich Torques „innere Stimmen“ zu Wort. Seine dahingeschiedene Frau motiviert ihn zu guten Taten, während seine dunkle Seite mit Aufforderungen wie Kill him, he’s useless dazwischenfunkt. Diese moralischen Entscheidungen sind natürlich nicht nur reine Spielerei, sondern bestimmen, welches der drei Endings ihr nach Beendigung des Spiels zu Gesicht bekommt. Auch hier gibt es die Varianten gut, neutral und böse. Helft ihr den NPCs, die euch begegnen, werdet ihr mit dem guten Ende belohnt; bringt ihr sie lieber um die Ecke, müsst ihr euch mit dem schlechten Ending anfreunden. Wie auch immer eure Entscheidungen ausfallen, auf jeden Fall bringt dieses Feature willkommene Abwechslung in den ansonst linearen Spielablauf. Ihr stoßt im Gefängnis auch des Öfteren auf Funkgeräte, mit deren Hilfe ihr diversen Konversationen lauschen könnt, die zumeist in irgendeiner Form tödlich enden und die Hoffnungslosigkeit der Situation deutlich machen. So dürft ihr euch z.B. die letzten Worte eines Wärters anhören, die mit einem Revolverschuss enden. Makaber wird in The Suffering großgeschrieben. Erwähnenswert auch, dass fast alle dieser Storysequenzen In-Game ablaufen, ihr könnt euch also nach wie vor bewegen und auch einfach weiterlaufen, falls euch das ganze nicht interessiert. Das Spiel zwingt euch nichts auf; wobei aber ohne diese Handlungsfetzen ein guter Teil der Atmosphäre verloren geht. Jedes der 20 Kapitel besitzt einen für sich sprechenden Titel, der oft mit einem wichtigen Ereignis zusammenhängt, und wird mit einem zynischen oder depressiven Tagebucheintrag eingeleitet, wie z.B. Waiting to die: What makes it unusually cruel is the waiting. When a man knows the date of his own death, every moment becomes a profound torture. Diese Kommentare versetzen den Spieler gleich zu Beginn in die richtige Stimmung. Das ganze Design des Titels wirkt durch diese kleinen Details extrem professionell und keineswegs wie reine Effekthascherei. Gescriptete Schockeffekte bietet The Suffering nicht, die Atmosphäre wird rein durch das exzellente Design und die Flashbacks/Handlungsfetzen erzeugt. Im Endeffekt ist die Tatsache, dass der Midway-Titel seine Stimmung auch ohne Script-Krücken aufbauen kann, wohl das größte Kompliment. Ein kleiner Kritikpunkt aber sollte erwähnt werden: Torque ist einer der „stummen“ Helden. Mit Voice-Acting und Kommentaren vom Protagonisten selbst hätte meiner Meinung nach noch mehr Atmosphäre aufgebaut werden können (siehe Max Payne). Neben dem Gewaltfaktor passt übrigens auch die verwendete Sprache genau zur Thematik des Spiels, soll heißen, die Insassen unterhalten sich mit Ausdrücken, die man in einem Gefängnis erwartet, was die „nur für Erwachsene“-Einstufung noch verdeutlicht. Sätze wie Will you shut the fuck up, you baby-raping, sodomizing sack of shit sind zwar schon hart an der Grenze, sorgen andererseits aber für authentische Gefängnis-Atmosphäre. Als zusätzlich netter grafischer Effekt (und eindeutig Midway-typisch) wird Torque in den Kämpfen vom Blut seiner Gegner überströmt und läuft dann für kurze Zeit in diesem Aufzug herum.
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