Wer schon immer mal gerne mit 100-tonnen schweren Kampfkolossen durch Hauserschluchten ziehen wollte, ohne dabei groß auf architektonische Kolateralschäden achten zu müssen, der ist bei Microsofts MECH ASSAULT genau richtig. Graphisch beeindruckend zieht ihr als Elitesöldner in ca. 20 Single-Playermissionen gegen die religiöse und planetenvereinnahmende Sekte der WOB in die Schlacht und zeigt den Jungs mal so richtig wo der Hammer hängt. Multiplayernaturen kommen in den verschiedenen Spielmodi vor allem über Xbox Live voll auf ihre Kosten, der Splitscreenmodus vor dem heimischen Fernseher entpuppt sich aber leider schon nach kurzer Zeit als wenig abwechslungsreich. Die von MS benutzte FASA-Lizenz („Mech Warrior“) bietet Insidern und PC-Gamern zusätzlich etwas Background und macht MA auch für Simulationspuristen aus dem PC-Lager attraktiv. Diese seien aber gewarnt: MA ist definitiv keine Mech-Simulation, sondern Action in Reinkultur!
Als Mitglieder der Söldnertruppe Wolfs Dragoner, welche den Auftrag erhält auf dem Planeten Helios nach den Rechten zu sehen, müßt ihr zu Beginn gleich den Absturz eures kugelförmigen Transportschiffes miterleben. Leider hat nur ein Mech diesen Absturz so halbwegs überstanden, so daß ihr in den ersten Missionen mit diesem Vorlieb nehmen müßt. Nach und nach bastelt euer Techniker aber weitere Modelle zusammen, bzw. erobert Ihr feindliche Mechs die fortan ebenfalls in eurer Garage auf ihren Einsatz warten. In ca. 20 Mission geht es dann auf die Jagd nach den fanatischen Sektenmitgliedern der WOB (Word of Blake), wobei die Rollen zwischen Jäger und Gejagten schon mal wechseln. Der Plot selbst wird meist durch einleitende Text, bzw. Funkpassagen und hin und wieder durch Cut-Scenes in der Gamegraphik (keine gerenderten Videos) vorangetrieben. Insgesamt fällt dies aber doch ein wenig mager aus und richtig cineastisches Flair will nicht so recht aufkommen. Vor allem fällt die Identifikation mit eurem Alter-Ego als Mechpilot ziemlich schwer, da man diesen nie zu Gesicht bekommt und man sich eher als „Unknown-Soldier“ denn als epischer Held fühlt. Ausgearbeitete Charaktere wie Yagers Hauptprotagonist Magnus Tide sucht Ihr bei MA leider vergebens. Schade eigentlich, da die Story durchaus Raum und Potential für eine filmreife Inszenierung hätte.
Die Mechs selbst sind alle mit unterschiedlichen Waffensystemen und Verteidigungsanlagen ausgestattet, deren taktischer Einsatz erst zu erlernen ist. Viele verschiedene Gegnertypen (von lächerlich unterbewaffneten Infanteristen über Panzer, Helikopter und Geschütztürme, bis zu feindlichen Mechs) sorgen für Abwechslung vor dem Fadenkreuz. Die Steuerung ist angelehnt an die typische FPS-Belegung und geht leicht und schnell von der Hand. Die Single-Player Missionen bieten einiges an Abwechslung, obwohl klassische „Seek & Destroy“ Aufträge etwas in der Überzahl sind, was aber ganz und gar kein Nachteil ist. Wenn ich schon hinter dem Steuer eine 100-Tonners auf zwei Beinen Platz nehme, dann will ich auch ordentlich die Kanonen rauchen lassen. Dies ist MA nicht nur in den gameplaybestimmenden Kämpfen notwendig, sondern fast schon destruction-derby-artiger Selbstzweck: Wenn ein 50-stöckiges Hochaus nach intensiven Beschuß zuerst seine Fensterscheiben verliert, dann Brandnester auflodern und schließlich die Struktur zu wanken beginnt und kartenhausgleich in sich zusammenfällt, ja dann stehen schon mal die einige Münder vor dem heimischen Fernseher eine Zeitlang offen.
Neben diesem optischen Zerstörungsfeuerwerk motivieren aber auch die solide in Szene gesetzten Umgebungen (von Städten über Hügellandschaften und Eiswelten bis zu apokalyptischen Lava-Levels) zum Weiterspielen der Solo-Kampagne.
Negativ für die Motivation und für einige Frustmomente gut, ist wieder einmal (wie so oft) das Speichersystem: Gespeichert wird nur nach erfolgreichem Abschluß einer Mission. Eine Quicksave-Funktion sucht der geneigte Gamer ebenso umsonst, wie automatische Speicherpunkte. Besonders in den heiklen Infiltrationsmission, wo Ihr zumeist mit start unterbewaffneten Mechs unterwegs seid, kann dies schon für einige Frustmomente sorgen: Mehrmals ein gesamtes Level bis zum Endgegner durchzuspielen, und dort beim x-ten Versuch wieder zu scheitert verlangt euch manchmal ein gestähltes Nervenkostüm ab. Der wählbare Schwierigkeitsgrad schafft da aber zum Glück etwas Abhilfe.
Bezüglich Steuerung während des Gameplays und Menuführung gibt es MA kaum etwas zu bemängeln. Die FPS-orientierte Zwei-Stick Steuerung ist einfach, schnell erlernbar und perfekt auf das Gameplay zugeschnitten. Einzig der Einsatz mancher Defensivsysteme, wie der Sprungdüsen (welche euch das kurzzeitige Fliegen ermöglichen), fällt etwas umständlich aus, da diese durch Gedrückthalten des Sticks aktiviert werden. Nach einiger Zeit geht aber auch dies ganz gut von der Hand, so daß für die Steuerung ein großes Lob ausgesprochen werden kann.
Das Bildschrim-Interface ist ebenfalls ordentlich umgesetzt. Während ihr in Third-Person Ansicht eurem Mech über die Schulter blickt, sorgen ein mit Freund-Feind-Erkennung ausgestattetes Radar, eine Anzeige euer Lebensenergie und des Waffenstatus für ausreichend Übersicht am Schlachtfeld. Der Weg zum nächsten Missionsziel wird euch zumeist durch einen kaum übersehbaren Pfeil dargestellt, so daß auch in der Orientierung wenig geübte Zeitgenossen kaum mal vom rechten Pfad abweichen. Insgesamt also ein sehr gelungnes Human-Interface, von dem sich viele Entwicklerstudios noch einiges abschauen könnten.
Grafik Graphisch weis MA durch eine solide Umsetzung zu überzeugen: Mechs, Gebäude und Landschaften sind hübsch modelliert und mit passablen Texturen überzogen, ohne aber neue Maßstäbe zu setzen. Graphische Effekte wie Regen, Schneefall, Mündungsfeuer, Rauch und vor allem die fulminanten Explosionen dagegen sind durchaus einen intensiveren Blick wert und kratzen an der Grenze zur XBOX-Referenzklasse. Trotz all dieser aufwendigen Optik bleibt die Framerate zumeist sehr stabil, so daß auch bei großem Gegneraufkommen ein flüssiger Spielablauf ermöglicht wird. Graphische Liebe zum Detail findet sich nicht nur in der komplett zerlegbaren Architektur und den wirklich ansehnlichen Wettereffekten, sondern auch in den Umgebungsobjekten. Beispielsweise verdampfen Regentropfen wenn sie auf euren überhitzten Mech treffen und biegen sich Bäume wenn ihr diese mit eurem Koloß streift. Alles in allem hinterläßt MA einen gelungen Eindruck und darf mit Fug und Recht als in sich stimmiges, optisches Gesamtwerk bezeichnet werden.
Sound Die akustische Untermalung ist dem Action-Fest durchaus angemessen und harmoniert sehr gut mit der restlichen Präsentation des Titels. Als Hintergrundmusik dröhnt dem Spieler ein situationsabhängiger Soundtrack um die Ohren, so daß
hammerharte Metal-Beats durchaus stimmungsfördernd wirken, wenn ein feindlicher 100-Tonner mit geladenem Laser auf euch zustürmt. Die restliche Geräuschkulisse weis ebenfalls zu überzeugen: Die verschiedenen Schußgeräusche, das Stampfen eures Mechs und vor allem die wuchtigen Explosionen bringen das heimische Wohnzimmer zum Erbeben.
Spielspaß Solo Wider vielen kursierenden Meinungen hat MA auch in der Single-Palyer Kampagne einiges an Motivation zu bieten: Die Palette der Aufträge reicht von klassischen Zerstörungsmissionen, über Schutz- und Eskortaufträge bis zu heiklen Infiltrationsmissionen. An die 20 linear verketteten Missionen werden dem solitären Mech-Piloten geboten, die durch Missionbriefings und Cut-Scenes in der Game-Graphik zusammengehalten werden. Verzweigende Story-Äste sucht man leider vergebens, was sich leider auch etwas negativ auf den Wiederspielwert der Solo-Kampagne auswirkt. Alles in allem ist Mech Assault aber auch für Solo-Spieler mit einem Hang zu schneller und imposanter Action eine gute Wahl.
Spielspaß Multi Dank voller Xbox-Live Unterstützung garantiert Mech Assault vor allem in diesem Bereich ein langfristiges und motivierendes Spielerlebnis. Spielmodi wie „Zerstörung“ und „Team Zerstörung“ (allen FPS-Multiplayern sonst wohl eher als „Deathmatch“ bekannt), „Der letzte Mann“, „Der letzte Mann Team“ und „Nicht ich“ bieten genügend Abwechslung für actionreiche Multiplayer-Duelle. Ein in der Basisversion noch nicht enthaltener „Capture the Flag“-Modus ist zusätzlich seit kurzem als XBL-Download ebenso verfügbar, wie neue Mechs für die Multiplayer-Schlachten. Microsoft scheint momentan keine Mühen zu scheuen allen Mech Assault Spielern die mit XBL ausgerüstet sind, laufend neuen Content anzubieten. Wenn es bei diesem Support bleibt, steht einem langfristigen Online-Spielspaß nichts im Wege.