Der atmosphärische Stealth-Gründer hält neben überzeugender Schleich-Kost auch eine Reihe exklusiver Zusätze bereit - kann sich allerdings nicht bis zur Elite durchkämpfen.Die kunstvolle Tenchu-Reihe vom Entwicklerstudio
K2 kann nicht nur im weit entfernten asiatischen Raum, sondern auch in Europa auf einen beachtlichen Erfolg und eine große Fangemeinde unter Videospielern zurückblicken. Bereits im Jahre
1998, als noch 32-Bit Konsolen wie beispielsweise Sony’s Playstation das Höchstmaß für Leistung im eigenen Wohnzimmer darstellten, erfreuten sich actionversierte Spieler am gehaltvollen Mix aus gehobenen Abenteuereinlagen und markanter Ninja-Action. Nachdem Sony’s erster Konsolenverkaufsschlager durch den direkten Nachfolger Playstation 2 abgelöst und das ergänzende Genre Stealth geschaffen wurde, knüpften die Entwickler mit
Tenchu: Wrath of Heaven vor etwa einem Jahr an die Erfolgszeiten der beiden Vorgänger
Tenchu: Stealth Assassins und
Tenchu 2 ohne Einschränkungen an. Nach nun mehr als einem Jahr Stille um den einstigen Schleichvorreiter, entfernt sich Publisher
Activision nun von der „Ein-Konsolen-Strategie“ und beschehrt allen Xbox-Besitzern exklusiv die Neuauflage des letzten Teils der Ninja-Serie. Ob das Xbox Live-fähige und mit neuem Namen geschmückte
Tenchu: Return from Darkness den großen Erwartungen gerecht werden kann oder etwa doch nur im Strudel der aktuellen Highlights unbeachtet untergehen wird, erfahrt ihr nun im Anschluss.
Verbittertes Kampfszenario gegen das Böse Der vorgeschichtliche Bereich des Titels präsentiert sich wie in allen bisherigen Serienteilen von seiner mythischsten Seite und wird anhand eines grafisch meisterhaften Vorspanns erzählt. In einer bemerkenswert ruhigen Phase nach erbitterten Kämpfen im großen Japan schlüpft der angehende Hobbyschleicher in die Rolle einer der sogenannten Azuma-Ninjas, um die geplanten Schandtaten des machtbesessenen Tenrai erfolgreich zu unterbinden. Da der obskure Tyrann eine unberechenbare Armeefraktion in der Hinterhand besitzt, wird die erteilte Aufgabe des Fürsten Gohda ungeahnte Größen mit später brachialen Kämpfen und exzessiven Schleichphasen annehmen. Soviel sei damit schon einmal verraten. Doch bevor sich der Spieler auf die Seite des Guten begibt, um für Gerechtigkeit im weiten japanischen Land zu sorgen, bedarf es der genauen Betrachtung der zugrunde liegenden Modi des Titels.
Nach Einlegen der Xbox-typsichen Doppel-DVD hält das Hauptmenü einen Story-Modus, einen lokalen Multiplayer-Modus für maximal zwei Spielernaturen, ein gewohntes Optionsmenü, den Trainingsbereich Tutorial und einen Online-Bereich für Multiplayer-Partien über Microsoft’s Onlinedienst Xbox Live zur Auswahl bereit. Vor Beginn der Reise empfiehlt sich ein ausgiebiger Blick in das Optionsmenü. Hier erwarten den Spieler neben der Änderung des Schwierigkeitsgrades, diversen Soundeinstellungen und einer Save-/Load-Funktion auch die Auflistung der im Spielverlauf erworbenen Fähigkeiten. Besonders letzterer Punkt erweist sich als wichtiges Instrument, um Erlerntes anhand vorliegender Instruktionen genauer zu studieren und erfolgreich ausführen zu können.
Konnte sich der angehende Ninja-Held mit allen zur Verfügung stehenden Optionen vertraut machen, steht nach Beginn des Hauptteils, dem Story-Modus, die Auswahl des Hauptcharakters auf dem Plan. Zum einen wäre der mit einem Schwert ausgestatte Rikimaru - der über enorme Stärke verfügt - und zum anderen, die pfeilschnelle aber deutlich weniger starke Ayma. Je nachdem für welchen Charakter sich im Endeffekt entschieden wird, verfügt der eigene Protagonist über
variierende Attributshöhen. Neben diesen beiden aus der Playstation 2-Fassung bekannten Landschleichern, dürfen sich Vielspieler jedoch noch über einen freischaltbaren und somit dritten Helden freuen. Darüber hinaus sei noch hinzugefügt, dass der Spieler je nach Charakterwahl später von verschiedenen Stellen startet und die Story somit aus
unterschiedlichen Blickwinkeln zur Geltung kommt. Doch nun hinein ins Geschehen.
Inmitten von Kunst und Feind Kaum ins Abenteuer gestartet fällt sofort ins Auge, dass das lautlose Anschleichen an Feinde oberste Priorität darstellt - denn überstürzte oder zu rasante Bewegungen werden von der gegnerischen Partei sofort ausgemacht und besonders präzises Durchsetzen in anschließenden Kämpfen kann in den ersten Phasen zu einer Reihe wenig motivierender und gleichzeitig verhängnisvoller Tode führen. Um in diesen Belangen Herr über jegliche Situation zu sein, spendierten die Entwickler dem Titel einen dezenten
KI-Sensor, der bequem den Standpunkt des nächstliegenden Gegners in steigenden Prozentpunkten angibt. Nicht nur bei Sichtkontakt ändert sich der Status der Anzeige, sondern auch unvorsichtig ausgelöste Geräusche werden wie von Zauberhand analysiert. Da dieses Feature permanent gegebene Gefühlszustände der Gegner erkennt, erweist es sich als
nützliches Instrument um erfolgreich voranzukommen.
Im überaus blutigen Kampfgeschehen wird auf bereits aus den Vorgängern bekannte und daher
altbewährte Mittel zurückgegriffen. Mit verschiedenen Schwerthieben, gekonnten Komboanreihungen oder zerstörerischen Special-Moves setzt sich der zu steuernde Protagonist gegen schwerbewaffnete Wachen, blitzschnelle Ninjas oder schmierige Orks im Laufe seiner Reise zur Wehr. Dabei stellen anschleichende Spezialangriffe aus dem Hinterhalt mit Hilfe einer der über
20 Waffen die effizienteste Eleminierungsart dar. Diese befördern den anstehenden Kontrahenten mit viel Geduld und nur einem Schlag ins Jenseits und wurden eindrucksvoll in Szene gesetzt. Konnten die teils hervorragend aber gleichzeitig sehr brutal dargestellten Fatalities zehn Mal innerhalb einer Stage angebracht werden, hinterlässt der angriffslustige Kämpfer nicht nur ein riesiges Blutbad, sondern erlangt im gleichen Zuge
zusätzliche Fähigkeiten wie ergänzende Schlagmuster dazu.
Zusätzlich lassen sich jedoch auch
diverse Gegenstände, die innerhalb der Missionen gefunden oder nach Beendigung der Levels erhalten wurden, mit integrieren. Neben dem fest vorhandenen Kletterhaken und einer Reihe lebenserhaltener Power-Ups, lassen sich auch kampfentscheidende Rauchbomben oder andere nette Wurfgeschosse ideal mit in das vorhandene
Inventar aufnehmen und bei akutem Bedarf problemlos verwenden.
Doch auch die ebensfalls bestens ausgerüstete gegnerische Partei verfügt durch die, auf den ersten Blick, ausgereifte KI über eindrucksvolle Angriffsmethoden und nicht zu unterschätzende Durchsetzungpraktiken. Gesellt sich zum knallharten Kampfgeschehen jedoch ein weiterer Kontrahent hinzu, ist es mit der vorausgesetzten Besonnenheit und dem bis dahin vorbildlichen Gameplay leider vorbei. Denn sowohl das Wehren mit gezielten Schlägen als auch das Blocken kann zu einem waghalsigen Glücksspiel ausarten. Großen Anteil an diesem Zustand hat überflüssigerweise auch die stellenweise
nicht optimal ausgerichtete Kameraperspektive, die insbesondere bei Neulingen des Genres jede Menge Frust aufkommen lässt. Aber auch erfahrene Spieler werden bei der teils miserablen Perspektive oftmals mit dem Gedanken spielen, einfach mal berherzt ins Joypad zu beißen. Erfreulicherweise können sich jedoch weniger geübte Naturen, wie bereits am Anfang betont, auf eine Einstellung des Schwierigkeitsgrades im Optionsmenü verlassen und somit zumindest die Gegnerstärke ihren individuellen Möglichkeiten anpassen. Neben „easy“ und „normal“ dürfen sich geübte Serienfans zusätzlich auch noch auf „hard“ beweisen. Jedoch setzt der in den grundlegenden Einstellungen bereits getroffene mittlere Schwierigkeitsgrad hohe Erfahrungswerte, komplexe Arealkenntnis und perfekte Beherrschung der Steuerung voraus. Aus diesem Grund empfiehlt es sich für Neulinge des Genres, einen Gang herunterzuschalten und im leichtesten aber dennoch sehr fordernden Modus zu beginnen.
Auf geheimen Schleichpfaden im fernen Japan Im direkten Spielverlauf sollte sich der Freizeit-Ninja bewusst werden, dass die perfekte Verschmelzung mit der vorhandenen Umgebung und eine reichliche Priese Geduld, den Schlüssel für das erfolgreiche Absolvieren der fordernden Missionen darstellen. Daher empfiehlt es sich aus den
vielfältigen Objekten der unterschiedlichen Umgebungen einen entscheidenden Nutzen zu ziehen. Um vom gegnerischen Gesindel nicht bemerkt zu werden, sollte sich dabei der Hilfe von Büschen, Bäumen oder Kisten bewusst bedient werden. Diese sind in zahlreicher Variation vorhanden und zweifelsohne prädestiniert zur unbemerkten und lautlosen Beseitigung der gegnerischen Charaktere. Des weiteren kann sich der ausgewählte Protagonist mittels Tastenbetätigung gekonnt an ebene, in die Höhe ragende Flächen wie Häuser- oder Felswände lehnen, um so potenzielle Gegner bis ins letzte Detail ideal auszukundschaften und anschließend im richtigen Augenblick unbemerkt aus dem Hinterhalt auszuschalten. Auch ansonsten weiß der zu steuernde Charakter durch die
auffallende Agilität und die
großartigen Bewegungsmöglichkeiten wie bespielsweise seitliches Rollen, weitreichende Doppelsprünge oder hinterlistiges Anschleichen zu überzeugen.
Gleiches gilt auch für die mitunter sehr
überzeugenden Locations, denn innerhalb des Spielverlaufs gilt es insgesamt
elf Missionen mit jeweiligen Zielvorgaben und großartig inszenierten Umgebungen zu bereisen. So zwängt sich der Abenteurer einmal durch verschachelte und eng ausgefallene Gänge einer riesigen Tempelanlage hindurch, um sich am Ende der Mission mit nicht weniger als drei feindlichen Kämpfern einen spektakulären Kräftemessen zu liefern. Ein anderes Mal hingegen erklimmt der Protagonist mithilfe des weitreichenden Wurfhackens hohe Vorsprünge einer kristallenden Miene, um seinem seinem Herausforderer Tenrai wieder ein weiteres Stück näher zu kommen. Darausfolgend wird durch die permanent sehr fordernden aber gleichzeitig äußerst abwechlungsreichen Missionen ein
intensives Spielevergnügen aufgetischt, das aber auffallend stark in Abhängigkeit mit den eigenen Fähigkeiten steht und folglich mehr oder weniger motivierend auf Dauer ausfällt.
Ein für Xbox-Besitzer entscheidender Vorteil gegenüber der Playstation 2-Fassung stellt die neu integrierte Xbox Live-Komponente dar. Im besagten Online-Modus lassen sich sowohl Duelle gegeneinander als auch Missionen in Kooperation mit europäischen Spielern über den Online-Dienst abhalten. Leider resultiert aus den auf maximal zwei Spielern begrenzten Missionen nur
geringfügig Motivation und insbesondere bei eingefleischten Online-Fans wird diese Auswahl langfristig auf nur verhaltenen Zuspruch treffen. Das ist jedoch zu verschmerzen, da der Stealth-Titel sein
Hauptaugenmerk auf den Story-Modus legt.
Steuerungstechnisch offenbart der Titel nach ein wenig Einarbeitungszeit ein
durchdachtes Konzept. Obwohl das Portfolio an Angriffsmöglichkeiten vielfältig ausgefallen ist, gelang es den Entwicklern eine bequeme und
reaktionsschnelle Buttonbelegung auf die Beine zu stellen. Ob man sich nun mit dem Controller S oder dem größeren Vorläufer auf Reisen begibt, stellt angesichts der guten Umsetzung keinen Unterschied dar.
Grafik Die optische Seite des feudalen Japano-Games weiß zu überzeugen. Obwohl sich im direkten Vergleich mit
Wrath of Heaven nicht sonderlich viel getan hat, hinterlassen die butterweichen 60 Bilder pro Sekunde und die grafisch erstklassigen Zwischensequenzen einen exzellenten Endruck. Die vielschichtigen Umgebungen, blitzenden Lichteinwürfe, flächendeckenden Spiegeleffekte oder vorbildlichen Schattenwürfe zeigen ebenfalls wie es geht. Die Modelle der eigenen Protagonisten weisen in fast allen Fällen ausgefeilte Animationen und zufriedenstellende Detaildarstellungen auf. Trotzdem brachten es die Entwickler nicht ganz fertig, alle entscheidenen Fehler aus der ein Jahr alten PS2-Fassung zu verbannen. So eindrucksvoll die vorbeiziehenden Wolken am pechschwarzen Himmel auch seien mögen, die teils haarsträubenden Clipping-Fehler, die nicht immer zufriedenstellende Kollisionsabfrage und die detailarmen Gegner fallen negativ ins bis dahin von der Optik verwöhnte Spielerauge.
Sound Der soundtechnische Teil des Titels ist auf beachtlich hohem Niveau. Großen Anteil daran haben die gut gelungene englische Sprachausgabe und die glasklaren Soundeffekte innerhalb des Spielverlaufs. Neben emotionalen und gleichzeitig gelungenen Angriffsschreien aller Beteiligten lassen auch feine Soundspielereien wie Wasserplätschern oder Fußstapfen richtiges Feeling aufkommen. Die atmosphärische Soundkulisse ganz im Stile der japanischen Gegebenheiten erzeugt durch viele markante Klänge und eingehende Kompositionen eine stimmungsvolle, ausgefeilte und überaus ohrenfreundliche Atmosphäre.
Spielspaß Solo Diejenigen, die bislang noch nicht viel mit dem Thema Stealth anfangen konnten, werden schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Zu schnell läuft der Spieler Gefahr durch unkonsequentes Durchlaufen der Levels ins offene Messer zu geraten. Vielmehr setzt Tenchu: Return from Darkness auf enorm ruhige Hände und viel Verstand beim Durchqueren der altertümlichen Provinzen. Die Vielzahl an erlernbaren Kombo-Angriffen begeistert dabei ungemein und lässt den gewillten Hobby-Schlitzer bis zur letzten erlangten Fähigkeit gebannt vor der Flimmerkiste sitzen. Die eigene Motivationskurve orientiert sich jedoch stark an den gesammelten Erfahrungswerten in diesem Genre. Besitzen Neulinge jedoch genug Standfestigkeit im Hinblick auf Steuerungseinarbeit oder Kampfvorgehen, belohnt sie das japanische Stealth-Abenteuer mit einer dichten Atmosphäre und exzellenten Missionen in der zweiten Hälfte des Abenteuers. Erfahrene Fans der Serie werden sowieso ohne mit der Wimper zu zucken zugreifen und erfreuen sich gegenüber der Playstation 2-Variante an einem neuen Charakter, weiteren Gegenständen und zusätzlichen Missionen.
Spielspaß Multi Der zur Verfügung stehende Muliplayer-Modus besteht aus einem Kooperations-Mode und einem Versus- bzw. Duell-Modus. Im Co-Op-Modus können sich maximal zwei Spielernaturen aus Fleisch und Blut vor einem Bildschirm gemeinsam in den vorgegebenen Missionen des Story-Bereichs beweisen. Der zusätzliche Duell-Mode gibt abermals nur zwei Spielern die Möglichkeit, sich in Kämpfen gegenseitig den Lebenssaft aus dem stark durchtrainierten Ninjakörper herauszuschlagen. Beide Modi sind wie bereits erwähnt auch Bestandteil der Xbox Live-Komponente und stellen für den kleinen Multi-Hunger eine zufriedenstellende Bereicherung dar. Ein auf vier Spieler ausgebauter Online-Modus wäre angesichts des vorhandenen Potentials sicherlich auch langfristigig eine Alternative gewesen.