Endlich ist er da. Der Titel, der in fast jeder Most-Wanted-Liste für die Xbox für 2004 auftauchte und mit einer non-linearen Geschichte und der Möglichkeit, selbst das Geschehen komplett zu bestimmen wirbt. Deus Ex: Invisible War, ist der neue Geniestreich von Warren Spector. Schon der erste Teil ist ein Klassiker, wie sind die Veränderungen und Verbesserungen des zweiten Teils? Wir haben ihn unter die Lupe genommen.
Ihr schlüpft in die Rolle eines Rekruten der Tarsus-Akademie und findet schnell heraus, dass nicht alles so heil ist in eurer Welt, wie ihr es gedacht habt. Spärliche Informationen eurer Vorgesetzten überzeugen euch nur, dass ihr auf eigene Faust herausfinden müsst, wer der wahre Böse ist in diesem Weltuntergangs-Szenario. Verschiedene Organisationen buhlen dabei um eure Hilfe. Wofür ihr euch entscheidet, steht euch frei. Ebenso, wie ihr die Aufgaben löst: gewaltfrei oder stürmisch, mit der Waffe in der Hand.
Ihr steuert Alex D. aus der Ego-Perspektive, sprecht mit verschiedensten Personen und müsst vielfältige Rätsel in vielen verschiedenen Levels lösen. Dabei wirken teilweise die Innenlevel trist und öde und das größte Manko sind die Gespräche, die ihr führen müsst, um Aufträge zu bekommen und euch die Belohnungen abzuholen, da die Gesprächspartner sehr statisch und unrealistisch animiert sind. Die Details und Leveldesigns auf der anderen Seite, trösten euch darüber hinweg. Ebenso die Vielfalt der Gegner und Verbündeten.
Wie angekündigt, ist auf die Lokalisation besonders viel Augenmerk gelegt worden. Die Synchronstimmen der größten Hollywoodgrößen geben sich ein Stelldichein. Neben der deutschen Stimme von Kiefer Sutherland und Julia Roberts, findet man auch die Stimme der Trinity aus Matrix z.B. wieder. Sofort, wenn Alex D. das erste Mal spricht, fühlt man sich wie in einem Film. Dieses Feature macht Deus Ex: Invisible War zu einem interaktiven Meisterwerk mit hohem Wiedererkennungsfaktor. Musik und Soundeffekte sind gut gelungen aber nichts Besonderes.
Wichtig ist, dass ihr euch mit Implantaten aufrüsten könnt und so mit z.B. katzenähnlicher Wendigkeit bewegt bzw. ohne Nachtsichtgerät im Dunkeln sehen könnt. In verschiedenen Stufen können so die einzelnen Teile des Körpers aufgerüstet werden. Teils mit legalen und teils mit illegalen Mitteln, wenn ihr Neuro-Transplantate auf dem Schwarzmarkt kauft, die es euch erlauben, Computer zu hacken und andere Roboter zu steuern. Da alles Geld kostet, müsst ihr euch öfters mal als Söldner verdingen und unliebsame Konkurrenten von verschiedenen Personen ausschalten, um Zugang zu anderen Bereichen zu erhalten, um dort wiederum andere Aufgaben erfüllen zu können. Das ist wohl der größte Schwachpunkt des Spiels: es sind einfach zu viele Aufgaben, die sich nachher in eurem Notizbuch wiederfinden. Meiner Meinung nach ist es unmöglich, alle Aufgaben zu erfüllen. Zu viel des Guten hier und die ständigen Meldungen auf eurem Display, dass eine neue Aufgabe aufgenommen wurde, sind manchmal demotivierend, weil man weiß, dass es unmöglich sein wird, alles zu schaffen.
Neben diesem „Information-Overflow“ ist lediglich der hohe Schwierigkeitsgrad zu nennen, der teilweise deprimierend ist. Gerade habt ihr eine Aufgabe gelöst, da kommen schon die nächsten Gegner. Ihr habt keine Munition mehr und sterbt. Da bestimmte Aufgaben nur in einer bestimmten Zeit erfüllbar sind, habt ihr nicht mal mehr Zeit, euch neu zu versorgen. Für Anfänger ist Deus Ex: Invisible War deshalb wahrscheinlich nicht die richtige Wahl.
Die Story ändert sich konstant durch eure Entscheidungen. So steht ihr gleich ziemlich am Anfang vor der Wahl, den Orden des Lichts – eine verfeindete Gruppe von Tarsus – zu besuchen und so eure Unterstützung durch Tarsus zu verlieren oder im Reichenviertel zu bleiben und dort unter der Protektion von Tarsus Aufgaben zu erledigen. Schwere Entscheidungen, die den Verlauf eurer persönlichen Geschichte sofort verändern. Im Gegensatz zu einem konventionellen First-Person-Shooter, habt ihr im Gefecht nicht wirklich Chancen am Anfang. Einfaches Schießen sorgt nur dafür, dass ihr sterbt. Scharfschützengewehre und das Schleichen im Schatten sind die einzige Lösung bis ihr genügend Biomodifikationen habt, um bestehen zu können.
Deus Ex: Invisible War ist somit nicht für jeden zu empfehlen und die Komplexität des Spiels dürfte für einige Spieler zuviel sein. Insgesamt hat die Mischung aus Rollenspiel und First-Person-Shooter eine tolle Atmosphäre und die Möglichkeit, die Geschichte selbst mitzubestimmen, macht den Titel natürlich sofort zu einem Klassiker. Wer die Einarbeitungszeit nicht scheut und nicht nur Action sucht, wird nicht enttäuscht. Warren Spector und die teilweise aus dem ersten Teil bekannten Figuren wie J.C. Denton und sein Bruder Paul schaffen ein atmosphärisch und erzählerisch tolles Abenteuer.
Fazit:
Nicht umsonst war Deus Ex: Invisible War heiß erwartet. Mit kleinen Schwächen sind und bleiben Deus Ex und sein Nachfolger Deus Ex: Invisible War Klassiker in diesem Mischgenre. Anschauen lohnt sich.