Realistische Straßenduelle für erfahrene Autotuner.Nachdem
Electronic Arts vor einiger Zeit mit
Need for Speed Underground einen Erfolgshit landete, ist das Genre der illegalen Straßenrennen heiß umkämpft. Doch bisherige Versuche, das coole Untergrund-Szenario aus Filmen wie
The Fast and the Furious auch virtuell erlebbar zu machen, endeten in eher einfachen Rasereien. Hier setzt das junge Entwicklerteam
Juice Games an und stellt mit ihrem Premierenwerk das erste Rennspiel mit realistischer Fahrzeugphysik in die Händlerregale - und das nicht ohne einige Schwierigkeiten: Wollte zunächst kein Publisher für die Produktion des Titels sorgen, konnte mit
Acclaim ein Herstellungspartner gefunden werden. Der Titel stand kurz vor der Veröffentlichung, als der Fabrikant bankrott ging. Gut ein Jahr später ist die Software im Laden zu finden, das
THQ Logo tragend, und es stellt sich heraus: Intensiveres Betatesten während dem Stillstand hätten Wunder bewirken können.
Bewährtes Altes und frisches NeuesDas Grundgerüst für einen Rennspiel wie
Juiced ist fast schon obligatorisch: Viele lizenzierte Boliden werden mit noch mehr lizenzierten Tuningteilen aufgemotzt. "Über 7,5 Billionen Anpassungsmöglichkeiten" errechnet
THQ aus den circa
50 » Die Skyline von Angel City. |
Originalautos, welche in sieben Gruppen und acht PS-Klassen nach Leistungsniveau geordnet sind, und ungefähr 100 Zusatzteilen. Deren Unterschiede lassen sich lediglich anhand der PS-Zahl und der Antriebsart feststellen: Während Vorderrad-getriebene Wagen nahezu perfekt in der Kurve liegen, lassen sich Allradfahrzeuge in
Juiced schon schwerer steuern. Sind es jedoch die Hinterräder, die für den Antrieb sorgen, neigt der Untersatz zur Übersteuerung. Um Laien nicht sofort zu überfordern, gibt das Spiel in Form von farbigen, blinkenden Schriftzügen Hinweise zur aktuell optimalen Geschwindigkeit. Da diese allerdings nicht immer korrekt sind, sollte die eigene Rennfahrerintuition beim Spielen nie abgeschaltet werden. Nach einiger Gewöhnungszeit wird das taktvolle Anbremsen und Herausbeschleunigen auch mit der widerspenstigsten Hinterrad-Schleuder beherrschbar.
Neben den selbstverständlichen Rundkurs-, Streckenrennen und im Genre bereits etablierten
Sprint-Rennen beinhaltet
Juiced auch so genannte
Angeber-Events. Darin gilt es, während eines begrenzten Zeitraums Tricks und Manöver zu zeigen um so möglichst viele Punkte einzuheimsen. Ähnlich wie in Sportspielen à la
Tony Hawk's beeinflussen Multiplikatoren für Combos und ein cooles Wagen-Äußeres die Score. Neuartig ist auch die Idee, die das
Distress System aufgreift: Ähnlich wie in
SCAR: Squadra Corse Alfa Romeo werden die CPU-Piloten gereizt, wenn sie bedrängt werden. So provozieren diese Fahrfehler, welche allerdings recht künstlich wirken: So dreht sich an einigen Stellen der Vordermann urplötzlich beim Anbremsen einer Kurve oder auf einer langen Gerade um 180°.
Ab nach Angel City Das komplette Geschehen von
Juiced spielt sich in der fiktiven Großmetropole
Angel City ab, welche im Gegensatz zu den Schauplätzen aus
Need for Speed Underground 2 oder
Midnight Club 3: DUB Edition nicht frei befahrbar ist. Kontrolliert wird das Pflaster von
» Bis ganz an die Spitze im Karriere-Modus. |
acht Autogangs, die sich zu Tages- und Nachtzeiten Rennen um Respekt und Bares liefern. Das Spiel versetzt den Zocker im
Karriere-Modus, dem Hauptteil des Titels, in die Rolle des Crewleiters und zwingt ihn in einen realistischen Ablauf. Denn keine ausgeführte Aktion im Menü, keine Rempelaktion und kein Fahrfehler bleibt ohne Folgen: Eine Neustart-Option gibt es hier grundsätzlich nicht; ein aufgezwungenes Speichersystem sichert den Spielstand nach jedem wichtigen Ereignis. Wird die Konsole ausgeschaltet, gilt das Rennen als verloren. Im harten Alltag auf der Straße zählt: Alles oder nichts. Während der Gewinner eines Events nahezu das gesamte Preisgeld absahnt, gehen die anderen quasi leer aus. Wer sich zu leichtfertig auf Duelle mit rivalisierenden Bandenführern einlässt, ist schon mal seinen fahrbaren Untersatz los. Mindestens ebenso wichtig wie eine volle Geldbörse ist in Angel City das genossene Ansehen: Nur derjenige, welcher von seinen Konkurrenten respektiert wird, erhält die Privilegien, bei Rennen zuzuschauen, mitzufahren, ein Duell zu veranstalten oder einen Wettkampf auszurichten.
Juiced misst den eigenen Rang in Punkten von 0 bis 1000, wobei sich jeder zurückgelegte Meter positiv oder negativ auf den Respekt der acht anderen Fraktionen auswirken kann.
Die Leitung des eigenen "Rennstalls" ist denkbar einfach: Per Handy erbeten von Zeit zu Zeit Bewerber die Aufnahme als Fahrer. Sagen euch deren
Talent und
Fassung-Werte zu, kann der Eintritt vollzogen werden. Fortan können die Jungs auf die Strecke geschickt werden, falls genügend Vehikel bereit stehen. Mit simplen Befehlen steuert ihr die Aggression der Fahrer. Je nachdem, wie hoch diese ist, fahren diese schnell und gestresst oder langsam und entspannt.
Geplant wird die Teilnahme an Wettbewerben mittels eines Kalenders. Es kann an allen Events teilgenommen werden, vorausgesetzt, ein Wagen steht zur Verfügung, das Startgeld kann bezahlt werden und der Ausrichter zollt euch ausreichend Respekt. An freien Tagen können im eigenen Revier oder in Gebieten befreundeter Teams
eigene Wettkämpfe zwecks Gehaltsverbesserung ausgerichtet werden, oder ihr versucht euch an Wetten auf Fahrer oder Teams. Doch Vorsicht: Auch, wenn nur CPU-Fahrer am Start sind, seien es die eigenen oder die feindlichen, lässt sich der Spielablauf weder beschleunigen, noch können solche Läufe mit indirekter Beteiligung komplett übersprungen werden. Solltet ihr tatsächlich einmal das Existenzminimum erreichen, geben mysteriöse Unbekannte regelmäßig Sozialhilfe.
Während zu Beginn der Laufbahn nur wenige Wagen zur Verfügung stehen, stellen sich gute Fahrer, die über ein Geschick für die Platzierung von Wetten und ein wenig Geschäftssinn verfügen, nach und nach ihren Fuhrpark aus bis zu 55 Autos zusammen, die das komplette PS-Leistungsspektrum abdecken. Es ist die Gier nach mehr, welche die Faszination dieses Modus ausmacht, ähnlich wie in einem Wirtschaftsspiel.
Online nicht ohne Wer ausreichend auf die Härten des Karriere-Modus vorbereitet sein will, kann sich im
Arcade-Modus ausgiebig an Fahrphysik und Rennmodi gewöhnen. In zwölf Serien sind dort je fünf Wettläufe anhand diverser Merkmale wie Autotyp oder Art der Herausforderung kategorisiert.
» Modden mit Originalteilen. |
Hier schaltet ihr nach und nach Wagen für
Angepasste Rennen frei.
Seinen Trumpf spielt
Juiced mit dem
Online-Modus aus. Via Xbox Live und PS2 Network Gaming können bis zu
sechs Spieler die Straßen von
Angel City unsicher machen. Dabei sind On- und Offline-Fahrten eng miteinander verknüpft: Wer in seiner lokalen Karriere Geld in optische Tuning-Teile investiert und sich seine individuellen Flitzer zusammenstellt, kann diese während der Duelle im Internet zur Schau stellen. Und es funktioniert: Per Headset diskutieren die Zocker, welches das beste Mobil ist – fast wie auf echten Tuner-Treffen. Freunde des Risikos fordern zum Kopf-an-Kopf-Duell, indem der Sieger beide Vehikel behält. Die gewonnen Wagen können andersherum erneut im Singleplayer gefahren werden, was die Motivation in die Höhe schraubt. Ganz ungefährlich geht es hingegen bei den angepassten Rennen im Netz zu, wo jeder Kontrahent, abhängig von den Gruppenlimitationen des Spielerstellers, sein Gefährt und ein Modding-Muster frei wählt.
Solides Innenleben Bei der Präsentation von
Juiced harkt es an einigen Stellen. Ein großer Kritikpunkt ist die mangelnde Einführung in den Karriere-Modus: Wer nicht gerade das Handbuch vor Spielbeginn verschlingt, fühlt sich allein gelassen, denn die knappen Tipps, welche während der Ladezeiten
» Auch am Himmel ist was los. |
angezeigt werden, reichen zur alleinigen Erklärung nicht aus. Zudem sind diese, wie alle anderen Bildschirmtexte, sehr holprig formuliert. Die Optik des Spiels liegt leicht über dem Durchschnitt, grafisch gibt es an
Juiced nichts auszusetzen. Gegenüber Besitzern der Playstation 2 werden Xbox-Spieler mit feineren Texturen und Reflexionen belohnt, zudem kommt es auf Sonys Konsole teilweise zu Rucklern in den Kurven. Ein ähnliches Bild bietet sich bei der Steuerung: An der etwas ungewöhnlichen Tastenbelegung gibt es nichts auszusetzen, jedoch ist auf der Xbox dank analoger Schulterknöpfe und einer genaueren Abfrage des Ministicks ein kontrollierteres Fahren möglich. Ein Sountrack aus
zwölf Musiktiteln, die zusammen eine Vielzahl an Musikgenres abdecken, unterlegt das Renngeschehen angemessen, jedoch nicht zu opulent. Eigene Musiktitel auf der Xbox-Festplatte können nicht wiedergegeben werden.