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MAG

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 08.02.2010
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Der absolute Wahnsinn: 256 Spieler gleichzeitg und es funktioniert! Dies ist die Evolution des Online-Shooters.

Schattenkriege
MAG. Das stand einmal für "Massive Action Game". Entwickler Zipper Interactive hat sich mittlerweile von diesem doch etwas seltsam klingenden Namen verabschieded, wodurch der PS3-exklusive Online-Shooter nun lediglich auf MAG hört. Der ursprüngliche volle Name ist allerdings nach wie vor Programm. Mit bis zu 256(!) Spielern gleichzeitig kämpft man hier in einer nicht all zu fernen Zukunft im Jahre 2025 im Schattenkrieg. Drei große private Militär-Unternehmen machen sich dabei das Leben gegenseitig schwer. Für eines jener muss sich der Spieler nun entscheiden, bevor er selbst in den Krieg zieht.

Zur Auswahl stehen Valor, Raven und S.V.E.R.. Jede Partei präsentiert einen Teil der Welt: Amerika, Europa und Ostblock-Staaten. Dabei wird mir Klischees nicht gespart. So sind die Soldaten von Valor hart gedrillte, muskelbepackte Marines mit Hang zum Hurra-Patriotismus, während die europäische Vereinigung Raven (übrigens mit Hauptsitz in Wien!) eher auf Hightech, kühle Intelligenz und neueste Waffentechnologien setzt. S.V.E.R. hingegen besteht weitestgehend aus heruntergekommenen Widerstandskämpfern, welche für ihre Freiheit kämpfen.

Treue Söldner-Seele
Die drei PMCs werden in kurzen Videos näher beschrieben. Anschließend muss der Spieler eine Wahl treffen - doch Vorsicht: Es kann immer nur ein aktiver Charakter pro PSN-Profil gespeichert
» Drei Armeen kämpfen um Technolgie und Rohstoffe.
werden, so dass die Wahl bindet. Will man die Seite wechseln, muss der alte Charakter gelöscht werden. So wird ständiges Hin- und Herwechseln zwischen den einzelnen PMCs unterbunden, was deren Mannstärken auf lange Zeit konstant halten soll. Hat man die Qual der Wahl überwunden stehen von den insgesamt vier Spiel-Modi zunächst nur zwei sowie ein rudimentäres Training zur Verfügung.

Letzteres macht den Spieler mit der Steuerung des Spiels bekannt und bietet allerlei Text-Infos zu Waffen, Gebäuden, Fahrzeugen und anderen wissenswerten Dingen rund um MAG. Während die Bedienung an sich schnell in Fleisch und Blut übergeht, hätte man sich gerade als Einsteiger mehr spielbaren Content mit anschaulichen Beispielen zu den recht komplexen Spielabläufen gewünscht. So ist man vor allem in den fortgeschrittenen Spiel-Modi erst einmal auf Ausprobieren angewiesen.

RPG-System inklusive
Desweiteren gewährt das Abschließen des Trainings erste Erfahrungspunkte und den Aufstieg auf Stufe 2. Der damit verdiente Skillpunkt darf anschließend im komplexen Fertigkeiten-Bildschirm investiert
» Taktisches Vorgehen lohnt.
werden. Ähnlich wie in vielen Rollenspielen gibt es hier keine fest vorgegebenen Charakterklassen, sondern verschiedene Fertigkeiten-Stränge, welche nach und nach neue Boni und Waffen freischalten. Mehrere solcher Stränge können dabei beliebig miteinander kombiniert werden. Die Möglichkeiten sind extrem umfangreich: Sturm-, Scharfschützen- und Maschinengewehre inklusive allerlei Attachements stehen ebenso zur Auswahl wie Sprengsätze, Gas-, Explosiv- und Rauchgranaten, Ortungsgeräte, diverse Raketenwerfer, Pistolen und Schrotflinten.

Bei den Fertigkeiten hingegen bestimmen Charakterverbesserungen wie schnelleres Nachladen, längeres Sprinten, stärkere Resistenz gegen bestimmte Schadens-Typen, verbessertes Stealth oder erhöhte Lebensenergie das Gesamtbild. Während Fertigkeiten dauerhaft aktiv sind, werden die tragbaren Waffen und Ausrüstungsgegenstände durch sogenannte Loadout-Punkte beschränkt. Jedes Stück Equipment kostet einen bestimmten Anteil dieser Punkte. Um in der Schlacht dennoch flexibel zu bleiben, ist es dem Spieler gestattet, insgesamt fünf verschiedene Vorlagen zu erstellen, zwischen denen er in der Schlacht vor einem Respawn wechseln kann.

Clan-Kriege
Von den insgesamt vier Hauptspiel-Modi stehen zunächst nur zwei zur Auswahl: Supression und Sabotage. Ersteres ist klassisches Team-Deatchmatch mit bis zu 64 Leuten. Wer zuerst eine bestimmte Anzahl an
» Gut gedeckt verteidigt Raven seine Fahrzeuge.
Gegnern getötet hat, gewinnt. Bei Sabotage verteitigt ein Team zunächst zwei Ziele. Werden diese von der gegnerischen Fraktion zerstört, gilt es ein weiteres Ziel zu beschützen. Dieser Modus läuft ebenfalls mit maximal 64 Teilnehmern. Wirklich interessant wird es dann in den Modi Aquisition sowie Domination, welche ab Level 4 beziehungsweise 8 verfügbar sind.

Im mit bis zu 128 Teilnehmern spielbaren Aquisition-Modus stürmt ein Team eine Basis und versucht zwei Fahrzeuge aus dieser zu stehlen. Das andere Team muss dieses natürlich verhindern. Quasi eine Art Capture the Flag mit nur einer Fahne. Domination hingegen ist eine Art erweiterter Sabotage-Modus in dem die volle Spieleranzahl - satte 256 - unterstützt wird. Auch hier gibt es eine Basis, welche von einem Team verteidigt wird. Das andere Team hingegen muss zunächst acht Kühltürme zerstören und anschließend tiefer in die Basis vordringen und dort weitere acht Punkte einnehmen, um Reaktortürme zum Überhitzen zu bringen.

Komplexes Kriegstreiben
Je größer der Spiel-Modus, desto komplexer und größer die Schlachtfelder. Insgesamt gibt es von diesen zwölf Stück - also drei für jeden Modus. In den Modi Sabotage, Aquisition und Domination ist auf den
» Der Truppentransporter steht unter heftigem Beschuss.
entsprechenden Karten das verteidigende Team immer das gleiche, während die Angreifer zwischen den anderen beiden Fraktionen wechseln. Es kann also nicht jede PMC jede Karte angreifen bzw. verteidigen, was schade ist. Ein weiteres Problem ist das Balancing. So ist vor allem die S.V.E.R.-Domination-Map sehr schwer einzunehmen, während Raven in diesem Modus oft chancenlos überrannt wird. Nichtsdestotrotz sind die Maps sehr gut designt und bieten abseits der eigentlichen Ziele viele wichtige strategische Einrichtungen. Neben Bunkern bestimmen Luftabwehr-Batterien, Mörser-Stellungen, Satelitten-Anlagen, Garagen, Brücken und Blockaden das Bild des Schlachtfeldes. Diese festen Stellungen bieten den Verteidigern allerlei Vorteile. Bunker sind mit Miniguns und Raketen bestückt und dienen gleichzeitig als Spawnpunkt. Zerstörte Brücken und intakte Blockaden behindern den Vormarsch des Feindes, während in Garagen gepanzerte Fahrzeuge warten. Mörser-Stellungen und Satelitten-Uplinks erlauben großflächige Angriffe gegen die Angreifer.

Herzstück einer jeden Verteidigung sind die Luftabwehrstellungen, welche den Luftraum sichern. Gelingt es den Angreifern diese zu zerstören, erhalten sie neue Spawnpunkte in Form von Fallschirmspringer-Transportern und Helikoptern tiefer im Feindesland. Außerdem erlangen sie so Zugriff auf verheerende Luftangriffe. Sämtliche Gebäude können nicht nur zerstört, sondern durch Mechaniker auch wieder aufgebaut werden, was stets für einen überaus dynamischen Spielverlauf sorgt. Selbst steuerbar sind übrigens nur Jeeps, welche es an besagten Garagen gibt, sowie Truppentransporter, welche dem angreifenden Team als mobile Spawnpunkte dienen. Helikopter und Flugzeuge sind voll automatisiert - auf Vehikel wie Panzer oder gar Schiffe haben die Entwickler ganz verzichtet, um den Fokus ganz klar auf den Infanterie-Kampf zu legen.

Organisation ist alles
Damit bei so vielen Spielern gleichzeitig kein heilloses Chaos ausbricht, sind sämtliche Teilnehmer in Squads organisiert. Acht Spieler bilden jeweils ein Squad, vier Squads ein Platoon und bis zu vier Platoons eine Armee. Soldaten können darüber hinaus lediglich mit ihren
» Rein optisch kein Hingucker, dafür gigantische Dimensionen.
Squad-Mitgliedern per Headset kommunizieren, damit kein Sprach-Overkill entsteht. Jedes Squad verfügt darüber hinaus über einen Squad-Leader. Dieser kann auf der praktischen, jederzeit aufrufbaren Übersichtskarte Ziele und Wegpunkte für sein Squad setzen. Diese werden dann nicht nur akustisch darüber informiert, sondern bekommen jene auch auf dem HUD angezeigt. Wer in der Nähe dieser Ziele kämpft wird mit doppelten Erfahrungspunkten belohnt - ein geschickter Schachzug der Entwickler, um Spieler zum Teamplay zu motivieren, der auch meistens funktioniert.

Dem Squad-Leader ist es zudem gestattet mit anderen Squad-Leadern seines Platoons in einem extra Sprach-Channel per Headset zu kommunizieren, um Taktiken abzusprechen. Außerdem kann der Squad-Leader Luftschläge und Artillerie-Angriffe einberufen und gibt allen Squad-Mitgliedern in seiner Nähe einen Bonus auf diverse Fertigkeiten. Doch damit nicht genug. Neben Squad-Leadern gibt es noch Platoon-Leader und OICs. Diese mächtigen Spieler können per Durchsage-Channel zum gesammten Platoon bzw. zur gesamten Armee sprechen und verfügen über die mächtigsten Unterstützungs-Angriffe. So kann der Platoon-Leader beispielsweise verheerende Bombenteppiche anfordern, während der OIC gleich die komplette Kommunikation des Feindes für kurze Zeit lahm legt oder deren Respawn-Zeiten erhöht.

Kein Hingucker, aber dennoch technisch top
Auf der technischen Seite sieht man MAG zunächst gar nicht an, dass es sich hierbei um eine großartige Leistung der Entwickler handelt: Verwaschene Texturen, durchschnittliche
» Luftunterstützung ist das A und O für Angreifer.
Charaktermodelle und Animationen, Popups, vernebelte Sicht und teils etwas maue Effekte können mit Grafikkrachern wie Killzone 2 oder Gears of War 2 nicht annähernd mithalten. MAG ist zwar nicht hässlich, aber eben auch nicht wirklich schön. Doch wenn man die Dimensionen hinter all dem bedenkt, dann ist das Gebotene - ruckel- und weitestgehend lagfreies Spielen - fast schon ein kleines Technik-Wunder. Hinzu gesellt sich eine durchaus gelungene Sound-Kulisse mit passenden Waffen- und Explosions-Effekten kurzen Musik-Einspielungen und gelungenen Sprach-Samples.

Ein weiteres großes Lob verdient das Matchmaking-System. Wer glaubt, er müsse Ewigkeiten warten, bis er in einem voll gefüllten Spiel unter kommt, der irrt. Selbst wenn man mit mehreren Freunden gleichzeitig nach einem Spiel sucht, findet man oft in unter einer Minute Anschluss - lediglich im Domination-Modus kann es mitunter auch einmal mehrere Minuten dauern, bis ein Spiel gefunden wurde. Desweiteren ist es natürlich möglich Clans zu erstellen, Spiele zu joinen, in denen Freund gerade am Zocken sind oder sich einfach auf das nächstbeste Schlachtfeld zu verbinden, um schnell in die Action einzusteigen.
Pro
Authentische Schlacht-Atmosphäre dank riesiger Spieleranzahl
Schlachten entwickeln sich sehr dynamisch
Großartiges Commander-System
Vier abwechslungsreiche Spiel-Modi
Vielseitiges Skill-System
Konstante Framerate und weitestgehend lagfreies Spielen
Drei unterschiedliche Fraktionen
Contra
Balancing stimmt noch nicht ganz
Mäßige Tutorials
Jede PMC sollte jede Karte verteidigen und angreifen dürfen
Muss aufgrund der extremen Spielerzahlen optische Kompromisse eingehen
Fazit
MAG bietet gleich zwei Dinge, welche man in dieser Konsolen-Generation viel zu selten erlebt: Ein neues Spielgefühl und Komplexität. Fernab typischer Run&Gun-Schießereien, wie sie Killzone 2, Call of Duty oder Halo bieten, sind hier neben einem schneller Finger am Abzug Koordinationsvermögen, Teamwork und taktisches Verständnis gefragt. Wer nicht dynamisch auf den Verlauf der teils immensen Schlachten reagiert, der wird verlieren. Während sich die Modi Supression und Sabotage noch recht konventionell spielen, fühlt man sich in den größeren Schlachten als würde man einen Soldaten aus einem Echtzeit-Strategie-Titel selbst spielen. Während um einen die Hölle ausbricht versucht man so gut es geht den Anweisungen des Squad-Leaders zu folgen, um dem Feind in die Flanke zu fallen, Sperrfeuer zu legen, Kameraden zu heilen, Gebiete zu verminen, Ziele zu sprengen oder taktische Einrichtungen zu reparieren. Gutes Spielen wird mit Erfahrungspunkten honoriert, welche zwischen den Einsätzen im komplexen Skillbaum gegen Fertigkeiten eingetauscht werden dürfen - eine sehr motivierende Angelegenheit. Natürlich ist auch bei MAG nicht alles perfekt. Die gigantischen Ausmaße bringen Kompromisse bei der optischen Darstellung mit sich. Nicht, dass die Grafik schlecht wäre, mit anderen aktuellen Ego-Shootern kann sie allerdings nicht mithalten. Allerdings bieten diese auch nur einen Bruchteil der hier vorhandenen Spielerzahlen und deutlich kleinere Karten. Geschliffen werden sollte allerdings Karten-Balancing - derzeit ist vor allem S.V.E.R. noch zu sehr im Vorteil. Dies ist allerdings nichts, was ein zukünftiger Patch nicht beheben könnte. Ein paar mehr Tutorials hätten darüber hinaus Neulingen den Einstieg vereinfacht. So ist man vor allem in den ersten Runden erst einmal auf Trial & Error angewiesen. Doch seis drum. Wer nicht wild drauf losstürmt, sondern bei seinem Team bleibt und den Anweisungen des Squad-Leaders folgt, der kommt schnell dahinter, wie die gigantischen Massenschlachten funktionieren. MAG ist eben kein "Hirn raus, Magazin rein"-Shooter, sondern die Evolution der Online-Schlachten, wie wir sie bisher kannten. Daher für alle Online-Fanatiker mit einer PS3, die nicht nur auf wüstes Geballer aus sind, ein klarer Pflichtkauf!
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Online-Shooter
Publisher
SCEE
Entwickler
Zipper Interact...
Website
-
Release
29. Jänner 2010
Spiel kaufen
»  Game World
»  game4game
User-Bewertung
77
7 Bewertungen
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