![]() |
![]() |
|
|
|
Wenn biertrinkende Mutanten mit selbstgebauten Schrotflinten laut pöbelnd durch heruntergekommene Wüstengegenden streifen und dabei einen Umgangston pflegen, welcher sogar die South Park-Macher vor Neid erblassen lässt, kann es sich nur um die Welt von Fallout handeln. 1997 erschien der erste Teil auf dem PC und mischte das Rollenspielgenre mit einem brachialen Endzeitszenario, derbem Humor, exzessiver Gewaltdarstellung und komplexer Charakterentwicklung auf. Eineinhalb Jahre später erschien der zweite Teil und baute alte Tugenden konsequent aus. Trotz der hohen Beliebtheit der Serie blieb dies der bisher letzte Rollenspielteil. Das 2001 erschienene Fallout Tactics: Brotherhood of Steel war zwar ein gutes Rundenstrategiespiel, konnte aber nicht an vergangene Erfolge anknüpfen. Seitdem ist es ruhig geworden um die Endzeitwelt. Fans warten immer noch auf das sagenumwobene Fallout 3 welches erst angekündigt und dann gecancelt wurde, dann aber doch wieder in den Releaselisten der Entwickler aufgetaucht ist. Zwischenzeitlich gab es sogar Gerüchte, dass aus dem Titel ein Online-Rollenspiel werden solle. Als jedoch Lizenz-Hack'n'Slays mit großem Namen à la Baldurs Gate: Dark Alliance auf Konsolen immer beliebter und begehrter wurden, besann man sich bei Interplay auf vergangene RPG-Erfolge zurück und bastelte aus den komplexen Fallout-Rollenspielen flugs einen leicht zugänglichen Hack'n'Slay-Titel. Herausgekommen ist Fallout: Brotherhood of Steel, welches seltsamerweise den selben Untertitel trägt wie Fallout Tactics. Wer wissen möchte, ob das Unterfangen gelungen ist, oder ob es sich nur um einen Schnellschuss handelt, erfährt dies in unserem ausführlichen Review.
Die einzige Hoffnung der Unterdrückten ist die stählerne Bruderschaft, ein wild zusammen gewürfelter Haufen aus Abenteurern, Söldnern und Kriegern. Diese haben sich zusammen geschlossen um die wehrlose Zivilbevölkerung vor den Übergriffen zu schützen und Recht und Ordnung wieder herzustellen. Der Spieler schlüpft in Fallout: Brotherhood of Steel in die Rolle solch einer gerechtigkeitsliebenden Person und wird mit dem Auftrag entsendet, ein paar Paladine der Bruderschaft im kleinen Wüstenkaff Carbon zu kontaktieren. Bevor das eigentliche Spiel jedoch los geht, muss sich für einen von drei Protagonisten entschieden werden. Zur Auswahl stehen der Muskelprotz Cyrus, der Ghul Cain und die mehr oder weniger hübsche Nadia. Leider unterscheiden sich die einzelnen Charaktere, bis auf minimale Differenzen in der Lebensenergie, Rüstungsklasse und einzelnen Spezialfähigkeiten, kaum voneinander. So kann der Hüne Cyrus beispielsweise einen Hund als Weggefährten mit sich führen, während der heruntergekommene Cain Lebensenergie durch Attacken auf Gegner regeneriert. Weitere Recken können während des Spieles freigespielt werden um eine größere Auswahl zu schaffen. Auch dürfen Charaktere aus bereits angelegten Savegames samt ihrer Erfahrungsstufe, aber ohne Ausrüstung, übernommen werden.
Das Level- beziehungsweise Missionsdesign gibt ebenfalls einigen Grund zur Kritik. So müssen in vielen Missionen alle Gegner in einem Sektor getötet werden um diese erfolgreich abzuschließen. Zwar wird durch Texteinblendungen wie "Noch 20 Banditen" immer darauf aufmerksam gemacht, wie viele Feinde noch zu töten sind, allerdings läuft es oft darauf hinaus, dass einige Gegner übersehen werden und so manche Sektoren mehrmals abgeklappert werden müssen, um auch den letztem Feind über den Jordan zu schicken. Das hemmt nicht nur den Spielverlauf gewaltig, sondern erhitzt zudem unnötig das Zockergemüt. Vereinzelt auftretende Sprungpassagen sowie viele Abgründe, in die man hineinfallen kann, strapazieren ebenfalls die Nerven. Glücklicherweise sind die Savepunkte, wie bereits erwähnt, reichhaltig und fair verteilt, so dass man nie längere Passagen erneut spielen muss, was der Frustvermeidung sehr entgegen kommt. Am Ende von fast jedem größeren Quest wartet ein besonders hartnäckiger Endgegner auf den einsamen Recken. Im Ungeziefer-Quest ist dies ein riesiger Skorpion, der tonnenweise Blei problemlos wegsteckt und zudem ziemlich heftige Schläge austeilen kann.
Das Ausrüstungssortiment ist ziemlich umfangreich ausgefallen. Für überzeugende Durchschlagskraft im Nahkampf stehen anfangs noch Baseballschläger und Kampfmesser zur Verfügung, während später zum Beispiel ein High-Tech-Kampfhammer für zermatschte Schädel sorgt. Auch für den Fernkampf steht einiges zur Auswahl. Neben Pistolen, Schrotflinten, Maschinengewehren und Energie- sowie Brandwaffen in allen möglichen Formen und Größen, sorgen besonders hochexplosive Granaten für weiträumig befriedete Gebiete. Manche Waffen sind sogar derart schwer geartet, dass man sich beim Abfeuern selbiger nicht mehr bewegen kann, was natürlich vor allem im Nahkampf für Probleme sorgt. Daher ist es stets sinnvoll, sowohl gute Nahkampf, als auch effektive Fernkampfwaffen mit sich herum zu führen. Ein dickes Polster an Stimpacks, welche die Lebensenergie wieder auffrischen, und Munition sollten auch nicht vergessen werden. Allerdings sind diese Gegenstände auch reichhaltig über die einzelnen Maps verteilt worden, was die Investition von Geld in diese Artikel selten werden lässt. Nachdem der geschäftliche Teil zwischen den Missionen erledigt wurde, macht man sich auf die Suche nach neuen Quests. Sehr zur Hilfe kommt einem dabei die praktische Mapfunktion, welche stets eingeblendet werden kann. Auf dieser wird die Position wichtiger Charaktere mit einem Ausrufezeichen markiert. Diese Personen haben meistens einige Quests für den Spieler parat oder verstricken den Protagonisten in witzige multiple-choice Gespräche, bei denen Ausdrücke wie impotenter Mistkerl noch zum netten Umgangston gehören. In fast jedem zweiten Satz steckt eine Beleidigung oder Veralberung des Gegenübers, was für jede Menge Lacher sorgt und die Atmosphäre der alten Fallout-Rollenspiele gut einfängt. Leider sind die Nebenquests weder anspruchsvoll noch einfallsreich. Fast immer muss man irgend einen Gegenstand finden und diesen zum Auftraggeber zurück bringen. Auch die Hauptquests gewinnen keine Preise für Einfallsreichtum und die öde Story motiviert ebenfalls kaum zum Weiterspielen. Insgesamt läuft das gesamte Spiel stets nach dem selben Schema ab und strotzt gerade zu vor Monotonie: Auftrag besorgen, Dungeon säubern, Endgegner plätten, Ausrüstung kaufen, Auftrag besorgen ... und überhaupt war alles irgendwie schon einmal besser in anderen Spielen da. Gelegentliche Geschicklichkeitseinlagen in denen man sich beispielsweise durch Minenfelder schleichen oder über dünne Abflussrohre springen muss, schaffen da ebenfalls keine Abhilfe und wirken eher deplaziert. Die Soundeffekte reichen von ganz nett, bis hin zu ziemlich nervig. Vor allem bei den Waffensounds wünscht man sich knalligere Geräusche, welche die Durchschlagskraft der teils sehr schweren Waffen besser rüberbringen. Die durchwachsenen Soundeffekte werden jedoch ein wenig durch die äußerst gelungene Sprachausgabe wieder wett gemacht. So wurde für fast alle Charaktere ein passender deutscher Synchronsprecher gefunden, welche die deftigen Dialoge gut transportieren. Wer möchte, kann das Spiel auch auf die englische Originalsprache oder Französisch einstellen. Angesichts der kaum unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich diese auch nicht in ihrem Handeln. So gibt es keine klassischen Support-Klassen, die ihrem Kumpan aus zweiter Reihe den Rücken stärken, während sie selbst von ihm vor den anrückenden Gegnern beschützt werden. Zudem ist im Mehrspielermodus bei Sprungpassagen, dem Navigieren durch ein Minenfeld oder dem Ausweichen von Granaten gute Koordination angesagt, damit auch beide Spieler ihr Ziel erreichen. Bleibt ein Spieler bei einem weiten Sprung über einen Abgrund beispielweise zu lange zu weit hinten stehen, schafft es sein Freund nicht auf die andere Seite der Schlucht und bleibt am Bildschirmrand hängen, um anschließend im Abgrund zu verschwinden. Besonders in solchen Situationen bekommt man als Opfer so richtig Lust, die im Spiel neu gelernten Schimpfworte seinem Spielpartner an den Kopf zu werfen - oder vielleicht doch gleich das Gamepad? Stirbt einer der beiden Helden, wird er beim Erreichen des nächsten Speicherpunkts mit ein wenig Lebensenergie und einem minimalen Erfahrungspunkteverlust wiederbelebt, was den Frustfaktor meistens in Grenzen hält.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||