Der Umfang
Deutlich abgespeckter als ESPN NHL 2K4 kommt Rivals daher. Mit den üblichen Modi Schaukampf, Saison, Playoff oder Tunier wird der Spieler begnügt, einen spannenden und motivierenden Franchise-Modus sucht man allerdings vergebens. Die Schwierigkeitsgrade sind dabei in vier Stufen unterteilt und bieten jeder Spielerfähigkeit ausreichend Raum. Für ein Offline-Spielchen zwischendurch reichen die Modis aber in jedem Fall aus.
Die Grafik
Wie bereits bei ESPN beschrieben, ist es heute generell nicht einfach, grafische Appetithappen zu finden. NHL Rivals sieht keinesfalls schlecht aus, hat aber außer der Standardkost nicht viel zu bieten. Die Spieler sehen durchschnittlich gut aus, das Stadion ist mit vielen Nettigkeiten gespickt. Das Eis wirkt nicht so brilliant, man hat die ganze Zeit das Gefühl, man skate auf einer weißen Tischplatte und nicht auf Eis. Die Animation der Spieler geht in Ordnung. Benutzt man allerdings die "Schneller-Laufen"-Taste, so scheinen die Spieler einen Haufen Eis in der Hose zu haben, so steif bewegen sie sich. Body-Checks sind nicht so kraftvoll in Szene gesetzt wie bei der Konkurrenz. Leider leidet das Spiel unter gelegentlichen Clippingfehlern, was manchmal ärgerliche Konsequenzen im Spielverlauf haben kann, wenn man z.B. einen Spieler in die Bande stellen will und stattdessen durch ihn hindurchfährt. Insgesamt wirkt die Grafik etwas weichgezeichneter als beim ESPN-Produkt, was der Eine als Vor- und der Andere als Nachteil werten mag. Dafür sind die Farben heller und brillianter als beim ESPN-Titel.
Der Sound | Die Atmosphäre
Der Sound und die Atmosphäre gehen ebenfalls in Ordnung, wirken im Gegensatz zu ESPN aber ziemlich steril. Die Zuschauer scheinen ein anderes Spiel zu verfolgen als das, was wirklich auf dem Eis abläuft, denn sie jubeln häufig zu unspektakulären Szenen, geraten dabei sogar übertrieben aus dem Häuschen. Bei brenzligen Torsituationen dagegen ist dann Todesstille wie beim Tennis. Die Kommentatoren machen überhaupt keinen Spaß (wenn Kommentatoren jemals Spaß gemacht haben), denn sehr schnell wiederholen sich die Sprachsamples. Bei einem Tor ertönt eine schwache Hupe, es wird kurz gejubelt, und weiter geht's.
Das Gameplay
Auch hier ist die Steuerung schnell und einfach erlernt. Wer mehr Tiefgang wünscht, sollte sich aber auch bei diesem Spiel genauer mit der Steuerung auseinandersetzen. Der Goalie ist nie unfair und auf jeden Fall bezwingbar (aber auch nur in den unteren Schwierigkeitsgraden), was leider nicht selten an der Dummheit der KI liegt. Zwar kann er nicht immer mit denselben Spielzügen bezwungen werden, aber dafür hält er oft die einfachsten Schläge nicht oder greift zu oft in die falschen Richtungen - Abprallertore sind keine Seltenheit. Manchmal skaten die Spieler etwas unkontrolliert über das Eis, was den Spielfluss stört: Stürmt man auf ein Tor zu und versucht einen One-Timer, so dreht der Teampartner plötzlich ab und der Pass versenkt im Nirvana. Sie gönnen sich scheinbar Pausen, wo keine Pausen gestattet sein sollten. In der einen Minute behalten sie ihre Positionen, in der nächsten nicht mehr. So ist die Torchance schon im Ansatz vereitelt. Spielerkontakte und Bodychecks finden gerade im höheren Schwierigkeitsgrad zu oft statt. Vielleicht liegt das auch darin begründet, dass NHL Rivals eher arcadelastig als simulationslastig ist. Das erklärt wohl auch, warum NHL Rivals eher hektischer und unübersichtlicher abläuft. Das gesamte Gameplay ist recht träge, man hat den Eindruck, als hätten die virtuellen Sportler Gewichte an den Beinen - es läuft nicht so weich ab wie bei ESPN NHL Hockey.
Als ungewohnt (und m.E. sehr ätzend) ist der Umstand, dass ein Bully durch ein "Stein-Schere-Papier-System" entschieden wird. Das bedeutet, man drückt keine Taste zum richtigen Zeitpunkt wie man es von anderen Hockey-Spielen gewohnt ist, sondern drückt eine beliebige Taste A, X oder B in der Hoffnung, dass es irgendwie für einen ausgeht. Man hat also keinen direkten Einfluss auf den Bully. Genau wie bei Sega's Titel sind die Schlägereien stupide und machen gar keinen Spaß. Glücklicherweise kann man die in beiden Titeln ausstellen. Auch bei Rivals lassen sich diverse Kamerawinkel wählen.
Xbox Live
Obwohl der Titel im Offline-Modus etwas mau ist, hohlt er im Online-Modus wieder etwas raus. Zwar steppt beim Opti-Match auch hier nicht der Bär, aber zumindest kann man mit diesem Titel gegen die ganze Welt spielen (was sich allerdings gegen Amerikaner in der Regel als harte Nuss erweist, denn die haben Football, Basketball und Hockey ja schon in der Muttermilch). Ein weiterer Live-Pluspunkt kann das Spiel durch die Unterstützung von XSN Sports erzielen. Ob XSN nach all dem Pech und den Pleiten in Top Spin und Links noch wirklich interessant ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Grundsätzlich ist der Spielfluss im Online-Bereich wie beim Sega-Titel gut, Lags sind kaum der Rede wert. Das absolute Highlight des Microsoft-Titels ist aber die Möglichkeit, im sogenannten Pick-Up-Modus mit 6 Spielern gleichzeitig (3 vs. 3, Goalie wird von der CPU gesteuert) in einem Match anzutreten, was ziemlich viel Spaß macht. Es ist sogar möglich, Spiele mit max. 10 menschlichen Gegner zu spielen (10 Spieler an 6 Boxen / Gastfunktion). Wer auf Statistiken steht, wird hier bestens versorgt - damit meine ich nicht das Ranking, sondern alle Details von Torverhältnissen über Spielzeiten bis Penalty-Minuten und vieles mehr. Auch sehr schön: Ruft der Gegner während des Online-Spiels das Menü auf, um seine Taktik einzustellen, kann man nicht einsehen, was genau er da einstellt. Das lässt die Taktik mehr in den Vordergrund rücken.
Fazit
Positiv
- gute Live-Unterstützung
- Pick-Up-Modus
- Unterstützung von XSN
Negativ
- KI etwas dümmlich
- Atmosphäre steril und Gameplay nicht so stimmig wie bei ESPN
- Options-Einstellungen sind nicht so vielfältig
- offline ziemlich langweilig und unspektakulär
- zu wenig Live-Spieler online
NHL Rivals kann im Gesamteindruck nicht mit ESPN NHL Hockey mithalten. Das bezieht sich nicht nur auf die Grafik bzw. die Präsentation, sondern vor allem auf die Gegner-KI und das Gameplay. Einzig der Live-Support dieses Titels ist noch interessant, aber auch dieses Spiel leidet darunter, dass man kaum noch Partien zum Joinen findet. Der Pick-Up-Modus ist aber wohl die Hauptmotivation, warum man dieses Spiel überhaupt spielen sollte. Allerdings gestaltet sich der Spielablauf im Pick-Up-Modus als schwierig, da es einer guten Absprache bedarf und doch irgendwie jeder das Tor selber machen möchte.
Bildschirmtexte: Englisch
Sprachausgabe: Englisch
Anzahl der Spieler: 1-10
Eigener Soundtrack: ja
16:9-Modus: ja
Content-Download: nur Roster-Updates