Argonauts Jetski-Thronanwärter brilliert durch großartige Xbox Live-Unterstützung und niedrigen Preis, doch lässt durch zahlreiche Unstimmigkeiten im Detail einige Federn.Hoch motorisierter Rennsport gepaart mit spritzigen Wellen kann durchaus als erfolgversprechende Mischung angesehen werden. Grund dafür sind "Altkonsolenmeister"
Nintendo, der anno 1996 auf dem N64 große Entwicklerkunst bewiesen hatte. Seiner Zeit erfreuten sich viele Videospieler am bis dato ersten Jetski-Titel
Wave Race, der damals einzigartige Features wie rasantes Geschwindigkeitsgefühl, weitläufige Buchten im dreidimensionalen Gewand und fordernde Wassersportaction miteinander vereinte. Vom Erfolg des wellenlastigen Vorreiters überzeugt, konterte
Atari mit
Splashdown vor knapp anderthalb Jahren auch auf dem Xbox-Sektor, doch gegen die schillernde Cartridge aus dem fernen Japan schien damals kein Kraut gewachsen.
Das Team von
Argonaut präsentiert nun nach ausgiebiger Publisher-Suche mit
Carve einen weiteren Ableger des Genres. Um sich von den Konkurrenzprodukten entscheidend abzuheben, kündigte Vertreiber
Take 2 sogar erfrischende Neuerungen im Gameplay an. Dabei verspricht die Watercraft-Neuentwicklung gepflegtes Teamplay und Mehrspieler-freundlichen Xbox Live-Support. Ob die Rechnung des Xbox-exklusiven Wellenreiters zugunsten aller Racing-Fans aufgeht, zeigt sich nun in den nachfolgenden Zeilen des Master-Reviews.
Spielmodi en masse Was wären Rennspiele ohne eine Reihe motivierender Spielmodi? Diese Frage habe sich die Entwickler zweifelsohne zu Herzen genommen und integrierten in einem geordneten Grundmenü sechs verschiedene Spielmöglichkeiten. Im eminent wichtigen
Tutorial macht sich der angehende Düsen-Veteran mit ersten Trickkombinationen und richtigen Superturbo-Einsätzen auf einem speziellen Trainingsgelände vertraut. Im ausschließlich für Einzelspieler gedachten
Quick Race kann es sich ohne Voreinstellungen ins kühle Nass gestürzt werden. Dabei gilt es jederzeit den herunterzählenden Timer im Auge zu behalten und schlussendlich neue Bestzeiten aufzustellen. Im
Arcade-Mode hingegen lassen sich neben Einzelspieler- auch Mehrspieler-Races mit bis zu vier Gleichgesinnten via Splitscreen absolvieren, wobei sämtliche optionalen Einstellungen wie Wetter, Kurs, Fahrer und Rundenanzahl frei nach Wunsch vorgenommen werden können. Selbstverständlich können sich hier alle Spielernaturen auch an später gewonnenen Extras erfreuen und ohne Leistungsdruck gemütlich Runde für Runde tuckern. Für größere Wettbewerbe mit mehreren Freunden ist der für bis zu acht Spieler vorgesehene
System Link die ideale Lösung. Das Hauptaugenmerk wurde von Seiten der Entwickler jedoch auf die Spielmodi
Turnier und
Xbox Live gelegt. Im Meisterschaftsmodus gilt es, sich in sukzessive schwerer werdenden Rennen gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. Dabei wird auf ein allseits bekanntes Punktesystem zurückgegriffen. Die anfänglich erscheinende Umfangsarmut wird durch das Freispielen zusätzlicher Boni wie Fahrzeugen, Moves, Events und Cheats bei anhaltenden Siegeszügen innerhalb der Karriere beseitigt. Großes Lob muss dem sehr gelungenen Xbox Live-Support gezollt werden. Neben dem
Quick Race, das den Spieler an einem willkürlichen Rennen ohne Vorgaben teilnehmen lässt, wurde der Titel auch mit dem strukturierten
OptiMatch ausgestattet. Dieser Online-Modus durchsucht alle aktuellen Online-Events bequem nach Nationalität, Spielart, Kurs, Schwierigkeit und sogar Motorleistung. Die ausgereifte Online-Unterstützung wird durch die Möglichkeit, selbst die Rolle eines Hosts zu übernehmen, eigene Freunde einzuladen und auf volle Funktionsvielfalt des Head-Sets zurückgreifen zu können, bestens abgerundet.
Die Qual der Charakter-Wahl Anders als beim vierrädrigen Nachbar-Genre wählt der Motorpilot nicht irgendein Gefährt aus, sondern schlüpft in die Rolle eines Charakters. Das Angebot zählt insgesamt
acht verschiedene Zeitgenossen und könnte nicht unterschiedlicher ausfallen. In vier Zweiergruppen aufgeteilt stehen die Teams Venta, Tsunami, Inferno und Terra zur Auswahl. Nicht nur in optischer Hinsicht heben sich die teils geschlechtlich gemischten Gruppierungen voneinander ab. So unterscheidet sich beispielsweise Jamaikaboy Oz gegenüber Muskelpaket Nikolei durch verschiedene Stärken und Schwächen. Die für den Spieler wichtigsten Attribute stellen dabei Trickumsetzung, Renngeschwindigkeit, Teamzusammenspiel und Temposchub dar. Trotz der stark begrenzten Fahrerauswahl sollte sich für jeden Geschmack und hinsichtlich späterer Streckenanforderungen der geeignete Charakter finden lassen.
Trickreiches Spiel(-prinzip) Während der Rennen gilt es sich gegen ein Fahrerfeld aus sieben weiteren Konkurrenten gekonnt durchzusetzen. Für den Erfolg ist das Umfahren der stetig auftauchenden Bojen im gleichbleibenden Richtungswechsel maßgeblich verantwortlich. Gelingt dies nicht, wird das eigene Zeitkonto durch einen konsequenten Abzug von drei Sekunden deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Da kann der meist knapp bemessene Zeitfaktor jederzeit für
gehöriges Zähneknirschen sorgen. Bei fünfmaliger Missachtung - das kann bei fehlender Streckenkenntnis häufiger vorkommen - erfolgt sogar eine Disqualifikation.
Anders als bei herkömmlichen Rennspielen, darf sich der Spieler auf die tatkräftige Unterstützung des eigenen Teammitglieds verlassen. Der treue aber auffallend sture Wegbegleiter rammt vorne liegende Fahrer zur Seite und schafft somit Platz für anschließende Überholmanöver.
Den entscheidendsten Erfolgsfaktor stellt die Beherrschung des
vielfältigen Tricksystems dar. Dieses lässt sich bequem beim Pausieren des Spielverlaufs über einen Menüpunkt anzeigen und zur Einprägung studieren. Nur wer von den nach ein wenig Übung vorzüglich umsetzbaren Stunts ausgiebigen Gebrauch macht, erlangt durch den sogenannten Temposchub - in Carve-Sprache auch „Rush“ genannt - die Erfolgsgarantie. Das in zwei Bereiche gegliederte Trick-Arsenal zieht im direkten Vergleich mit aktuellen Trendsport-Titeln zwar klar den Kürzeren, besitzt durch sein
reichhaltiges Kontingent aber nichtsdestotrotz einen überzeugenden Charakter. Neben spektakulären Wassertricks wie „Bodywhip“, „Surfer“ oder „Reversal“ lassen sich auch luftige Rampentricks wie „Barrel Roll“ oder „Backflip“ je nach Situation ausführen. Doch nicht nur das Punktekonto erfreut sich nach erfolgreicher Ausübung über Zulauf. Je nach Kombination erfolgt dann der grafisch imposant in Szene gesetzte Turbo und befördert das eigene Gefährt für einen kurzen Moment mit enormer Schubkraft über die Wasserstraßen und an diversen Gegnern vorbei.
Schade nur, dass mit zunehmender Schnelligkeit sowohl Übersicht für den Streckenverlauf als auch Kontrolle des PS-starken Wellengleiters gehörig aus der Bahn geraten. Die von Mitstreitern ausgelösten Wasserrillen und die großflächigen Streckenbegrenzungen bremsen den Jetski einfach zu ruckartig ab und verlangen unvorhergesehene
Höchstleistung an Selbstdisziplin. Der durchaus gewillte Spieler findet sich dann schlagartig auf den hinteren Rängen wieder und hat einmal mehr damit zu kämpfen, das eigene Stimmungsbarometer aufrecht zu erhalten. Dieser leicht erhitzte Gemütszustand bleibt durch die teils
stark unausgereifte Gegner-KI auch weiterhin vorhanden. Denn oftmals legen die gegnerischen Parteien ein deutlich übertriebenes Vorgehen aus Drängen und Blocken an den Tag. Komplettiert wird die Auflistung der unangenehmen Faktoren durch die Tatsache, dass jedes Rennen vom letzten Startplatz gemeistert werden muss. Mit ausgeprägtem Fingerspitzengefühl wäre diesbezüglich sicherlich mehr möglich gewesen - von gesunder und motivierender Fairness kann hier aber sicherlich keineswegs die Rede sein.
Wo gehts denn hier zum Strand? Das offizielle Streckenangebot ist mit
24 verschiedenen Kursen umfassend ausgefallen und verteilt sich auf die Weltteile Europa, Pazifik, Arktis und USA. Die Abschnitte der Locations präsentieren sich zu verschiedenen Tageszeiten und sind mit authentisch inszenierten Witterungsbedingungen untermalt. Enorm erfolgreiche Karriereabsolventen dürfen sich zusätzlich noch über drei freischaltbare Kurse freuen. Das Design der einzelnen Streckenumgebungen wirkt erfreulich ausgefeilt – wenn auch nicht unbedingt spektakulär. Einmal rast der Spieler mit seinem motorisierten Einsitzer im Hafenbecken an Fassaden und Häusern europäischer Baukunst vorbei. Ein anderes Mal hingegen gilt es in klirrender Kälte durch Tunnelsysteme riesiger Eisberge hindurch den Sieg einzuheimsen. Zusätzlich lassen sich, um Zeit einzusparen, auch geschickte Abkürzungen nehmen. Dabei sei jedoch erwähnt, dass selbst die bis dahin sehr linear agierende Konkurrenz kluges Köpfen beweist.
Drei Kameraperspektiven und die Zusatzoption in alle vier Himmelsrichtungen blicken zu können, lassen kaum Wünsche offen. Die Steuerung geht nach kurzer Eingewöhnungsphase wunderbar in Fleisch und Blut über. Dabei reagiert sie angenehm rasch und bedient sich aller Knopf- und Tastenressourcen des Joypads. Selbst weitreichende Stunts und zusätzliche Signature-Tricks lassen eine problemlose Handhabung per Tastenkombination zu.
Grafik Wer meint der Titel sei aufgrund des halben Preises auch grafisch nur eine halbe Portion, irrt sich gewaltig. Denn neben dem großen Umfang an knallig bunter Umgebungsdarstellungen, fallen auch exzellent wirkende Wassergrafiken mit bezaubernden Spiegeleffekten sofort ins Spielerauge. Daneben steht das Spielgeschehen durch permanent ruckelfreien Spielspaß selbst bei erhöhtem Gegneraufkommen absolut im Bilde. Einen nicht minder
stimmungsvollen Eindruck hinterlassen die realistischen Wasserspritzer mit direktem Weg auf die Mattscheibe. Die authentischen Witterungseffekte oder die grandios in Szene gesetzten Speed-Effekte bei der Ausübung des Turbos sorgen nicht nur für
grafische Ergüsse, sondern lassen gerne das eine oder andere Mal den Mund offen stehen. Den Unterschied zur aktuellen Elite bewirken jedoch streckenweise unscharfe Texturen am Streckenrand, die stark unter Polygonarmut leidenden Charaktermodelle der Fahrerteams und die teils steril wirkenden Areale.
Sound Die akustische Seite schafft es nicht ganz an das Niveau der glänzenden Optik anzuknüpfen. Grund dafür sind die sehr monoton ausgefallenen und schnell langweilig werdenden Sprachsamples der einzelnen Teammitglieder. Im Gegenzug beweisen die variierenden Soundeffekte des plätschernden Wassers und der leistungsfähigen Motoren gehobene Qualität. Die hörbare Hintergrundmusik mit ihren vielfältigen Musikstücken verschiedener Genres fügt sich großartig in den rasanten Spielverlauf ein. Neben vielfältigen Stücken aus der Popmusik, scheinen die zuständigen Sound-Entwickler Gefallen an elektronischer Musik gefunden zu haben. Es lassen sich nämlich zahlreiche, natürlich vom eigenem Geschmack abhängige Techno- und House-Tracks im üppigen Klangportfolio vorfinden.
Spielspaß Solo Auf Solo-Pfaden wird das
Spielprinzip definitiv nicht neu erfunden. Gerunzelte Stirn und gerümpfte Nase verdeutlichen bereits in der ersten Kennengelernphase alles irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Dennoch überzeugt das Gebotene durch
gehaltvolle Spielvarianten wie dem Tutorial für Stunts, dem Rennen gegen die Zeit oder dem Hauptargument des Spiels, dem Turniermodus. Die gerissenen Entwickler bedienen sich, um die eigene Motivation langfristig im positiven Bereich anzusiedeln, allerdings eines kleinen Tricks und ließen das „Boni-Enabling“ vom Erfolg innerhalb der Turniere abhängig werden. Fehlende Innovation hin oder her, die stellenweise deutlich vermurkste Gegner-KI stellt diesen Sachverhalt durch kochende Weißglut stellenweise sogar noch locker in den Schatten. Persönlichkeiten mit hartem Biss und hoher Toleranzgrenze werden sich durch ihren ausgeprägten Drang nach Erfolg im späteren Verlauf jedoch an unzähligen Extras wie zusätzlichen PS-strotzenden Einsitzern, netten Tricks und anderen süßen Leckereien erfreuen können. Trotz aller Spielmodi-Kopierung kommt nach einer plagenden Anfangsepisode so etwas wie Faszination und Tatendrang zustande und lässt den Spieler etliche Stunden vor der Flimmerkiste verweilen.
Spielspaß Multi Die umgesetzte Xbox Live-Unterstützung könnte einfach nicht besser ausfallen. Sie tischt dem ausgelaugten und hungrigen Sportler nach beschwerlichen Runden im Einzelspieler-Turnier ein
exzellentes Online-Menü auf. So stehen die spaßbringenden Modi “Qickrace” und “OptiMatch” wie selbstverständlich auf der Tageskarte und sind keinen Deut schlechter umgesetzt als in Microsofts Referenz-Titel. Störende Lags oder gar ganze Zusammenbrüche werden beim Jetski-Titel vergeblich gesucht und bekräftigen abermals den vorbildlich entwickelten Online-Support. Auch auf kurzfristigen Besuch einiger Freunde hat der Titel die passende Antwort parat. Idealerweise können Mehrspieler-Rennen an einer lokalen Xbox mit bis zu vier Gleichgesinnten per Splitscreen gefahren werden. Zwar geht dabei die Übersicht etwas verloren, doch für schnellen Racegenuss auf schlagenden Wellen reicht diese Konzipierung allemal aus. Das genüssliche Dessert bildet der opulente LAN-Modus, der insgesamt bis zu acht Xbox-Geräte im Netzwerk vereint und auf größeren Parties für jede Menge Spielspaß sorgt. Kaum erwartet aber dennoch eingetroffen, das Team von Argonaut hat einen
großartigen Multiplayer-Modus auf die Beine gestellt.