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Mafia

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 10.05.2004
» Gesamtwertung:
/5
2/5: Für Fans des Genres
bietet nichts Besonderes.
Wie wir bewerten
Storymäßig gelungene Schlapphut-Action, die aufgrund unterdurchschnittlicher Grafik und Steuerung jedoch einiges an Boden verliert.

Einer der großen Erfolge im PC-Spielejahr 2002 war mit Sicherheit das vom kleinen tschechischen Studio Illusion Softworks entwickelte Mafia: Im Vorfeld vielerorts als GTA-Klon verschrien, gelang es schlussendlich doch, ein einzigartiges Spiel mit dichter Atmosphäre und fesselnder Story zu schaffen, welches sich mit der GTA-Serie durchaus messen konnte. Ganz abgesehen davon, dass Mafia mit Grand Theft Auto ungefähr soviel gemeinsam hat wie Burnout mit Gran Turismo. Mittlerweile stehen nun die Portierungen des Bestsellers für PS2 und Xbox in den Läden und versprechen bleihaltige Action auch für Konsoleros. Doch können die Umsetzungen dem PC-Original auch gerecht werden?

Taxifahrer leben gefährlich
Nichts weiter ahnend macht der junge Taxifahrer Tommy im fiktiven Lost Heaven der 30er Jahre gerade eine nächtliche Zigarettenpause, als es passiert: Das dumpfe Krachen eines Autos, als es gegen eine Wand fährt. Zwei Typen in teuren Seidenanzügen winden sich aus der verbeulten Karosserie, die Pistole im Anschlag. Sie kommen auf ihn zu. Sein Puls rast. Sie zwingen ihn, in sein Taxi zu steigen und die eben unsanft beendete Fahrt fort zu setzen. Es gilt, dem Mob von Don Morello zu entkommen. Die Uhr tickt.

Seinen Fahrkünsten ist es jedoch zu verdanken, dass er die üblen Schergen schließlich abwimmeln kann, großzügige Belohnung seitens Mr. Salieri für die Unannehmlichkeiten und die Rettung seiner beiden Schützlinge inklusive. Es heißt, der Don vergesse niemals einen Gefallen und wüsste um die Schuld, in der er steht. Nicht lange wird es dauern, dass diese Schuld eingelöst und Tommy ein Teil der Salieri-Familie wird. Adieu harte Arbeit, willkommen im Leben eines reichen und verbrecherischen Schlapphutträgers.

Tommy
Im Intro wird schnell klar, dass die einzelnen Missionen in Rückblenden erzählt werden. In der Art eines persönlichen „Lebenslaufes“ schildert er vor Beginn der ersten Mission einem Detective der Polizei haarklein jede Begebenheit seit seinem Einstieg in die Familie: Von den Morden, den Anschlägen, den Bestechungen und Einschüchterungen bis hin zum großen Bruch, dem Grund, warum Tommy sich schlussendlich von der Mafia abgewandt und sich bereit erklärt hat, der Polizei gegenüber ein volles Geständnis abzulegen.

Ähnlich wie in GTA III wird der Protagonist dabei aus der 3rd-Person Perspektive gesteuert. Per „Dreieck“ hüpft ihr ins nächste Auto (und zerrt bei Bedarf den Fahrer auf die Straße). Dazu solltet ihr aber zuvor schon das Knacken des jeweiligen Schlosstyps von eurem Familienmechaniker gelernt haben. Habt ihr das nicht, wird sich unser Tommy vergeblich darum bemühen, ins Objekt der Begierde zu kommen (und gegebenenfalls die wachsamen Augen der Polizei auf sich lenken). Doch auch beim Fahren selbst ist Vorsicht oberstes Gebot, eine Übertretung von rudimentären Verkehrsregeln wird im Gegensatz zu vergleichbaren Spielen geahndet: Geschwindigkeitsübertretung und Überfahren von roten Ampeln ist kein Kavaliersdelikt und wird in Lost Heaven mit einem Strafzettel quittiert. Doch keine Bange: Das bezahlte Geld wird euch nicht gleich vom Konto abgezogen, euch wird lediglich ein kurzes Anhalten aufgezwungen. Praktischerweise besitzen alle verfügbaren Wagen einen Speed-Limiter, der eurem Bleifuss einen elektronischen Riegel vorschiebt. Lasst ihr euch jedoch von Trillerpfeifen und Sirenengeheul nicht beeindrucken, wird aus Spaß schnell Ernst und statt euch nur eine milde Geldstrafe aufzubrummen, legen euch die Hüter von Recht und Ordnung stattdessen Handschellen an. Fahrt ihr darüber hinaus noch ein paar Passanten über den Haufen, wird nicht mehr lange gefackelt und das Feuer auf euch eröffnet. Zusätzlich wird, ähnlich wie in GTA, Unterstützung in Form zusätzlicher Streifen angefordert, die eurem Mafiosi-Dasein schneller ein Ende bereiten können als ihr „Spaghetti“ sagen könnt. Solltet ihr eines Tages einfach keine Lust haben, euch dem täglichen Verkehrsstress auszusetzen, ist es auch möglich, einfach in die nächste Straßenbahn zu hüpfen und euch durch Lost Heaven chauffieren zu lassen.

Tommy Guns und andere Kanonen
Ähnlich rigide wird der Besitz von Waffen überwacht. Grundsätzlich dürft ihr drei Waffen tragen: Eine Pistole für die Manteltasche, ein Gewehr/Baseballschläger für die Mantelinnentasche und eine Wumme feuerbereit in den Händen. Sollte euch jedoch ein Polizist mit gezogener Waffe sehen, wandert ihr umgehend in den Knast (so sie euch erwischen). Ausgenommen davon sind „Nicht-Schusswaffen“, wie z.B. der eben erwähnte Baseballschläger. Es empfiehlt sich also, eure Fiat-Kanonen sowohl auf offener Straße als auch im fahrenden Auto immer schön versteckt zu halten. Was natürlich nicht heißen soll, dass ihr in Mafia keine Gangster-mäßigen Drive-by-Shootings ausführen könnt.

Das zur Verfügung stehende Waffenarsenal ist dabei schön 30er-Jahre konform und bietet für jeden Geschmack das Passende: Vom Colt bis zur Magnum, von der berühmt-berüchtigten Tommy-Gun bis hin zur doppelläufigen Schrotflinte und Scharfschützengewehren ist alles dabei. Daneben dürft ihr auch noch Molotov-Cocktails werfen und schaurig-schöne Feuerwerke mit Splittergranaten zelebrieren. Geht es jedoch darum, einer Person bestimmte Informationen rauszuprügeln, lasst ihr einfach die Fäuste sprechen oder packt den zuvor schon erwähnten Baseballschläger aus.

Eine Stadt im Umbruch
Vor euch liegt also die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Es gibt verschiedene Bezirke wie z.B. das atmosphärische Chinatown, Downtown mit seinen Hochhäusern und Banken oder das Villenviertel Oak Hill oben auf dem Hügel mit Blick über die Bucht… Little Italy natürlich nicht zu vergessen. Selbst das nahe Umland der Stadt mit Rennbahn und Flughafen dürft ihr im Zuge der Missionen unsicher machen. Das Missionsdesign gestaltet sich dabei recht abwechslungsreich (und bleihaltig): Ihr überfallt Banken, treibt Schutzgeld ein, trefft euch mit anderen Mafiosi um einen Deal abzuwickeln und das eine oder andere Mal betätigt ihr euch auch als waschechter Profikiller. Hitman-like schlüpft ihr dazu in eine Verkleidung und macht die Zielperson unschädlich… genaue Kenntnisse des Fluchtwegs sind dabei natürlich von äußerster Wichtigkeit. Als ganz besonderes Schmankerl dürft ihr euch zu Beginn des Spiels sogar als Rennfahrer versuchen: Es gilt in einem waschechten Silberflitzerrennen den ersten Platz zu machen, denn der Boss hat einen Haufen Geld auf euch gesetzt. Und er mag es nicht, wenn er Geld verliert.

Auch die Story trägt viel dazu bei, sich schnell in der Stadt heimisch zu fühlen. Die Geschichte rund um den Werdegang des jungen Mafiosi Tommy fesselt und wirkt im Zusammenspiel mit der riesigen, frei erkundbaren 30er-Jahre-Stadt absolut glaubwürdig und wie aus einem richtigen Gangster-Film entsprungen (es finden sich z.B. zahlreiche Anlehnungen an den Film „Good Fellas“, insbesondere beim Charakterdesign). Intrigen, Verrat, Bestechung und Familienkriege stehen in Lost Heaven an der Tagesordnung und sind euer tägliches Brot. Ohne zuviel von der Story zu „spoilen“ steht euch auch die eine oder andere interne Familien-Fehde bevor.

Eilmeldung: Grafikabteilung vom Erdboden verschwunden
Soviel zu den guten Seiten… das größte Manko in Mafia ist sicherlich die grottige Grafik: Null Weitsicht, Pop-Ups zuhauf, Ruckler, schwache Texturen und Kantenflimmern stellen die Frage, ob und inwiefern es nötig war, das Spiel vom PC auf die PS2 zu portieren. Die ausgestorbenen Straßen tragen ihr übriges dazu bei, das optische Desaster noch zu verstärken. Das Spiel gewann auf dem PC einen Großteil seines Reizes aus der liebevoll gestalteten Stadt mit seinen unzähligen Gässchen und Passanten, vorbeifahrenden Autos und Weitsicht bis zum Straßenende. Diese ganze Atmosphäre wurde nur sehr mangelhaft bis gar nicht umgesetzt. Was bleibt ist eine sterile und verwaiste Stadt. Auch die deutsche Synchronisation weiß alles andere als zu überzeugen: Langweilige Interpretation und nicht immer ideale Sprecherwahl ernüchtern und legen dem Käufer nahe, eher zur UK-Fassung zu greifen (die daneben auch noch ungeschnitten ist). Ebenso negativ fällt die Steuerung auf, die genaues Zielen (trotz aktiviertem Auto-Aiming!) zur Glückssache macht. Sie reagiert einfach viel zu träge. Überzeugen kann jedoch die superbe Klanguntermalung. Sowohl der Soundtrack als auch die Soundeffekte passen wunderbar ins Bild der 30-er Jahre und vermitteln ein Gefühl von Authentizität.


Grafik
Die Grafik ist leider Gottes der Dreh- und Angelpunkt in Mafia: Matschige Texturen, Ruckler und Pop-Ups zerstören das eigentlich schöne Bild der Stadt auf nachhaltige Art und Weise und machen das Spiel an sich schlechter als es eigentlich wäre. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass die Grafik dem Spiel gut und gerne 20-30% an Spielspaß raubt: Der beeindruckenden Großstadt-Atmosphäre der PC-Version ebenso wie dem tollen Gameplay innerhalb der Missionen wird die mangelhafte optische Umsetzung einfach nicht gerecht und nimmt dem Programm einen Gutteil des spielspaßfördenden Inhalt. Überzeugen können lediglich die Zwischensequenzen.

Sound
Sehr guter Original Score und die Tatsache, dass jedes Stadtviertel sein eigenes Musikstückchen spendiert bekommen hat, erzeugt Atmosphäre und lässt den Spieler zumindest akustisch ins Amerika der 30-er Jahre reisen. Auch die Soundeffekte sind überzeugend: Motoren- und Schusswaffengeräusche klingen authentisch und wuchtig (zumindest bei den schnelleren Gefährten). Weniger beeindruckend hingegen ist die deutsche Synchronisation, die abgesehen von gelangweilten Stimmen nicht viel zu bieten hat. Ein wenig Anlehnung an die originale, englische Synchro wäre hier wohl von Vorteil gewesen.

Spielspaß Solo
Sehr gute und toll aufbereitete Story, atmosphärisches Setting, filmreife Zwischensequenzen und eine grandiose Sounduntermalung treffen auf ein Grafik-Debakel sondergleichen. Keine Frage, Grafik ist bekanntlich nicht alles, aber in diesem speziellen Fall raubt sie dem Spieler jegliche Motivation, das Leben eines Mafiosi tatsächlich führen zu wollen. Ruckler und die gegen Null tendierende Weitsicht kosten in diversen Missionen oft den letzten Nerv, von den matschigen Häuser-, Auto- und Personentexturen ganz zu schweigen. Das Spiel vermag es einfach nicht, den Spieler in seinen Bann zu ziehen. Hinzu kommt eine Steuerung, die teilweise sehr träge reagiert und genaues Zielen beinahe unmöglich macht. Schade um das vergebene Potenzial.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Filmreife Story
Tadellose Soundkulisse mit genialem Original Score
Toll inszenierte Zwischensequenzen
Contra
Unterdurchschnittliche Synchronisation
600% teurer als die um Welten bessere PC-Version
Träge Steuerung
Fazit
Das Spiel an sich wäre gut geworden, nicht umsonst hatte ich die PC-Version damals sicherlich dreimal durchgespielt: Die spannende und filmreif aufbearbeitete Story zieht in den Bann und unterhält ebenso gut wie ein Abend mit Coppola’s „Der Pate“ oder vergleichbaren Mafia-Filmen. Leider wird die Portierung der Originalversion alles andere als gerecht: Die Grafik, aus der das Spiel einen Großteil seines Reizes bezieht, spielt in einer komplett anderen Liga und nervt den Spieler mit den weiter oben in Grafik beschriebenen Makeln. Mein Rat: Ein durchschnittlich alter PC (1 GHz Taktfrequenz, 512Mb RAM, Geforce 2/3) reicht vollkommen aus, um die PC-Version annehmbar flüssig und mit vollen Details spielen zu können. Darüber hinaus wird euch das Spiel in jedem Elektronik-Großhandel bereits zum Budget-Budget-Budget-Preis nachgeschmissen (Preisregion: 10€). Greift zur PC-Version und lasst euch eines der Highlights der letzten Jahre nicht entgehen… aber bitte auf dem PC, denn die Konsolenumsetzungen wissen alles andere als zu überzeugen. All denjenigen, welche ein Dasein ohne Computer fristen müssen, sei die GTA-Serie von Rockstar ans Herz gelegt. Auch einen Blick auf das fulminante Max Payne dürft ihr riskieren (Xbox-Version), auch wenn hier die Action im Vordergrund steht. Mafia für Konsole ist leider weggeworfenes Geld und nur an richtige Mafia-Konsolen-Freaks empfohlen. Ästheten haben sowieso schon beim Punkt Grafik zu lesen aufgehört.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Take 2
Entwickler
Illusion Softwo...
Website
www.mafia-game....
Release
13. Februar 2004
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User-Bewertung
75
3 Bewertungen
0 Reviews
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