Begeisterndes Old-School-Hüpfabenteuer mit der bewährten Mario-Formel.
Thank you, Mario ... Wir leben in einer Zeit, in der Videospiele mit großen Kinoblockbustern in vielerlei Hinsicht konkurrieren. Sei es eine bombastische Inszenierung, eine packende und mitreißende Story oder einfach nur die reine "Production Value" - Videospiele sind ein Medium der Mainstream-Gesellschaft geworden und setzen mehr denn je auf große Ambitionen. Umso unwahrscheinlicher erscheint es einem dann, dass ein zweidimensionales Spiel mit 80er-Jahre-Gameplay hier erfolgreich mithalten könnte. Doch
New Super Mario Bros. Wii dürfte vermutlich bei vielen Gamern sehr hoch in der "Game of the Year"-Liste rangieren, da der Titel trotz der scheinbar veralteten Technik und kaum vorhandenen Story in punkto Spielspaß viele der modernen Blockbuster in ihre Schranken weist. Aber erstmal der Reihe nach: Das vorliegende Wii-Spiel baut auf dem gleichen Prinzip auf wie seinerzeit
New Super Mario Bros. auf dem Nintendo DS. Es ist ein 2D-Jump'n'Run der alten Schule, gepaart mit einer schicken "2,5D"-Optik und einigen Neuerungen. Obwohl der Titel darauf schließen ließe, ist
New Super Mario Bros. Wii kein Port des DS-Vorgängers, sondern ein gänzlich neuer Teil.
Die Story ist dabei immer noch genau so 08/15 wie schon in den seligen 80er-Jahren auf dem NES: Prinzessin Peach wird entführt und Mario macht sich auf, sie wieder zu befreien. So weit, so banal und wenig spannend. Ein Negativpunkt ist dies aber nicht wirklich, schließlich dient die Geschichte nur als Vorwand, den Klempner und seine Freunde durch die unterschiedlichsten Welten zu hetzen.
Dabei stellt sich für Kenner der alten Mario-Jump'n'Runs gleich ein wohliges "Willkommen zurück"-Gefühl ein: Mit quergehaltener Wiimote steuert man den fidelen Italiener mittels Steuerkreuz und den Buttons 1 und 2 durch die zweidimensionalen Levels - wie seinerzeit mit dem NES-Pad. Die Steuerung ist somit für Neulinge schnell verinnerlicht. Ziel ist jedesmal einfach nur das Ende des Levels zu erreichen, die klassische
Super Mario Bros.-Fahnenstange feiert dabei ihr Comeback. Das Spiel wurde in mehrere Welten unterteilt, die sich wie bei
Super Mario Bros. 3 als Landkarte präsentieren. Auf diesen steuert der Spieler die unterschiedlichen Levels an. Ab und zu hat man zudem die freie Wahl zwischen zwei Stages, meistens gilt es allerdings einen vorgegebenen Weg zu bewältigen. Jeweils in der Mitte und am Ende einer Weltkarte wartet ein Schloss inklusive Endgegner - die berühmt-berüchtigten Koopa Kids aus
Super Mario Bros. 3 geben sich hier die Ehre.
... but our princess is ... Überhaupt begegnen dem Mario-Kenner sehr viele alte Bekannte: Vom Goomba zum Hammerwerfer bis hin zu den verschiedensten Varianten der Piranha-Pflanze tummelt sich in
New Super Mario Bros. Wii ein Sammelsurium aus Kreaturen der verschiedensten
» Es gibt einige knifflige Passagen zu bewältigen. |
Abenteuern der Nintendo-Ikone. Weitere klassische Elemente stellen unter anderem die Pilzhäuser dar, die auf der Landkarte anwählbar sind. In ihnen gilt es via Minispielchen Items und Leben abzustauben. Eine weitere Möglichkeit Leben einzusammeln sind die Münzen - 100 Stück ergeben ein 1-Up.
Im Gegensatz zu den NES-Klassikern lässt sich beim vorliegenden Wii-Titel der Spielstand speichern, allerdings nur nach dem Bewältigen eines Schloss-Levels/Endgegners. Dies wirkt ein bisschen zu "retro", befinden sich doch zwischen zwei Schlössern gerne mal vier bis fünf Level. Wer allerdings ganz dringend mal eine Pause einlegen muss, kann einen QuickSave-Spielstand anlegen. Eine Schnellspeicherung bedeutet allerdings, dass auch wirklich in dem Moment mit dem Spielen aufgehört werden muss. Zudem kann der QuickSave nur einmal geladen werden - eine Speicherung "sicherheitshalber" ist somit nicht möglich.
Neben all diesen altbekannten Inhalten bietet
New Super Mario Bros. Wii auch einige Neuerungen. Neben neuen Fähigkeiten wie der Eisblume, mit der man Gegner einfrieren kann, oder dem Propelleranzug, der das geistige Erbe des Waschbärenkostüms aus
Super Mario Bros. 3 antritt, ist der Koop-Modus wohl die tiefgreifenste Neuerung.
Während die alten Titel im Multiplayer nur nacheinander spielbar waren, können im neuesten Teil bis zu vier Spieler gleichzeitig durch die Levels springen. Ein komplettes Multiplayerspiel aus Mario-Veteranen kann sich dabei in ein enorm spaßiges Plattform-Chaos verwandeln, wo man sich gegenseitig Power-Ups und Münzen stibitzt. So mancher wird sich hierbei an
Zelda Four Swords errinert fühlen, welches ebenfalls zu viert spielbar war und eine geniale Mischung aus Teamwork und Schadenfreude bot. Da man jederzeit zwischen Einzelspiel und Mehrspielermodus umschalten kann, bietet sich unerfahrenen Spielern die Möglichkeit, dank des großen Bruders oder der Jump'n'Run-süchtigen Freundin auch die teils sehr fordernden Passagen zu meistern und sich quasi von den besserspielenden Koop-Partnern durch die Level ziehen zu lassen. Solospieler sollten sich aber keine Sorgen machen, der Einzelspielerpart ist genauso fordernd und spaßig wie der Mehrspielermodus - die Angst, dass die Entwickler sich zu sehr auf die Multiplayer-Partien konzentrieren könnten, bleibt unberechtigt.
Ein Online-Multiplayer fehlt allerdings - ob dieser bei einem Jump'n'Run, wo jeder kleinste Lag beim Springen über Leben und Tod entscheiden könnte (ach was habe ich manchmal bei Little Big Planet geflucht ...), auch wirklich nötig wäre, sei dahingestellt.
... in another castle! Eine weitere Neuerung erlaubt dem Spiel ebenfalls, den Spagat zwischen Einsteigerfreundlich und Herausfordernd geschickt zu meistern: das Autoplay-Feature. Wenn der Spieler mehr als acht Leben in einem Level verliert, bietet
New Super Mario Bros. Wii » Macht euch auf eine Rutschpartie gefasst! |
die Möglichkeit an, den Level selbstständig durchzuspielen. Ist die schwierige Stelle gemeistert, kann die Kontrolle über Mario wieder übernommen und normal weitergespielt werden. Da das neue Mario-Spiel stellenweise echt knifflig ist, kann dieses Feature einigen Frust bei Jump'n'Run-Einsteigern vorbeugen. Natürlich ist niemand gezwungen, diese Hilfe auch anzunehmen - echte Veteranen werden es als Ehrensache ansehen, das Hüpfabenteuer ohne Autopiloten zu bewältigen.
Grafisch präsentiert sich der zweidimensionale Titel technisch einwandfrei. Auf HDTVs ist zwar selbst auf 480p eine gewisse Treppchenbildung nicht zu verleugnen, dies tut der schönen, bunten und detailverliebten Optik aber keinen Abbruch. Die erwähnte Detailverliebtheit spiegelt sich auch in den Animationen wieder: Fischgegner in den Wasserlevel drehen Pirouetten zur Hintergrundmusik, die Koopas legen gerne mal ein Tänzchen hin und die Gesichtsanimationen der Koopa Kids sind auch immer wieder für einen Lacher gut.
Apropos Hintergrundmusik: Wie schon in den NES-Vorgängern oder zu SNES-Zeiten besteht der Soundtrack hauptsächlich aus gefälligen, antreibenden, flotten Melodien, die einem nicht auf den Nerv gehen sondern sogar Ohrwurmqualitäten aufweisen.
Natürlich wurden auch manche der klassischen Titel neu aufgelegt, ebenso werden den Mario-Liebhabern eine ganze Menge bekannter Soundeffekte ein nostalgisches Lächeln auf's Gesicht zaubern. Neben den normalen Stages erhöhen Geheminisse wie versteckte Abkürzungen oder die drei Sternenmünzen, die in jedem Level versteckt sind, die Langlebigkeit des Titels. Mittels der Sternenmünzen können Gameplay-Videos freigeschaltet werden, die einem auf beeindruckende Art und Weise zeigen, was sich mit einer guten Portion Skill alles in den diversen Abschnitten des Spieles anstellen lässt.