Professionelle Fortsetzung des Überraschungshits ohne große Innovationen.Monstermetzeln mit Freunden macht Spaß! Die bis dahin unbekannten Snowblind Studios machten sich diese Tatsache 2001 zunutze und konnten mit Baldur’s Gate: Dark Alliance einen Überraschungserfolg landen. Drei Jahre später erscheint endlich der heißersehnte Nachfolger – allerdings nicht mehr mit den Snowblind Studios am Ruder. Kann Dark Alliance 2 trotzdem überzeugen?
Baldur’s Gate = Baldur’s Gate? Das 2001 für die PS2 veröffentlichte Baldur’s Gate: Dark Alliance war trotz (oder gerade wegen?) des simplen Spielprinzips ein überraschend großer Erfolg. Andererseits enttäuschte es dennoch Kenner der Baldur’s Gate-Serie für den PC, die sich ein ähnlich komplexes RPG für Konsolen erhofft hatten. Um es hier einmal klarzustellen: Die PC- und Konsolenversionen von Baldur’s Gate haben nichts miteinander gemein außer den Namen und der Spielwelt. Während BG auf dem PC ein extrem komplexes und nicht-lineares RPG ist (auf Konsolenebene am besten zu vergleichen mit Star Wars: KotoR), wurde der Titel für Konsolen in ein simples Hack’n Slay verwandelt. Dass dies aber nicht unbedingt ein Fehler ist, zeigt der unglaubliche Erfolg von Blizzards Diablo-Serie – die Verwandtschaft zwischen Diablo und Dark Alliance lässt sich auch schwer bestreiten.
Wie bereits angemerkt, spielen alle Baldur’s Gate-Titel in derselben Welt – den Forgotten Realms, eine klassische Fantasywelt mit Zwergen, Elfen, Orcs, Drachen, und allem, was sonst noch so dazugehört. Bücherwürmern wird diese Welt sehr gut bekannt sein, vor allem durch R.A.Salvatores Serie über den Dunkelelfen Drizzt Do’Urden - der, wie bereits im Vorgänger, auch in Dark Alliance 2 freispielbar ist.
Nichts Neues in Baldur’s Gate Im Abspann von Dark Alliance zeichnete sich eine Fortsetzung bereits deutlich ab: Die drei Helden besiegen Eldrith die Verräterin und entkommen erfolgreich aus dem schwarzen Turm, werden danach aber von unbekannten Kreaturen überfallen. Der Nachfolger setzt auch, wie zu erwarten, genau hier an. Die drei Unglücksraben befinden sich in der Gefangenschaft des Vampirs Mordoc, der den Turm für seine eigenen dunklen Machenschaften missbrauchen will. Also müssen neue Helden auf den Plan treten, um Baldur’s Gate erneut zu retten – diesmal sogar fünf an der Zahl (plus zwei freispielbaren):
Dorn, der Barbar – erst draufhauen, dann Fragen stellen
Allessia, die Klerikerin – Defensivmagie
Vhaidra, die dunkelelfische Mönchin – unbewaffneter Kampf
Borador, der zwergische Gauner – jagt gern Sachen in die Luft
Ysuran, der elfische Nekromant – Offensivmagie
Leider ist Dark Alliance 2 maximal zu zweit spielbar – ein klarer Negativpunkt gegenüber dem bald erscheinenden Champions of Norrath, das nicht nur über einen Vierspieler-, sondern auch über einen Onlinemodus verfügen wird.
Charakter und Schwierigkeitsgrad auswählen, das kurze Intro betrachten – und schon findet man sich mit der ersten Quest konfrontiert und es gilt, Goblins abzuschlachten.
Innovationen Fehlanzeige Das Spielprinzip wurde 1:1 vom Vorgänger übernommen: Monster metzeln, Items sammeln, und den Charakter leveln – so lässt sich Dark Alliance 2 zusammenfassen. Nach den ersten Quests, die mehr oder weniger als Einführung dienen, findet man sich in Baldur’s Gate wieder und operiert anschließend von der Stadt aus. In Baldur’s Gate selbst gibt es wieder nur die allernotwendigsten Einrichtungen: den Händler, die Taverne, und die Kirche Helms. Seltsamerweise befindet sich der Händler nicht in einem Gebäude, sondern auf der Strasse (genau gegenüber der Taverne), und ist konsequenterweise relativ einfach zu übersehen. In der Stadt bekommt der Spieler auch alle Quests, die leider zum Großteil nach dem Botenjungen-Schema ablaufen (Bring mir das oder das Item). Als kleine Neuerung verfügt Dark Alliance 2 über charakterspezifische Sidequests, die allerdings fast unmöglich zu verfehlen sind und daher die Bezeichnung Sidequest eher nicht verdient haben. Abgesehen davon erhält der Spieler keiner Freiheiten – Linearität wird großgeschrieben. Leider bietet DA2, anders als sein Vorgänger, keine anderen Städte neben Baldur’s Gate. Deshalb ist es etwas enttäuschend, dass es in der angeblichen Großstadt nicht mehr zu entdecken gibt.
Die Charakterentwicklung funktioniert wie im Vorgänger. Leider existiert auch in Dark Alliance 2 keine Möglichkeit, sich seinen Charakter selbst zu erstellen. Bei jedem Level-Up erhält der Spieler eine bestimmte Anzahl von Skillpunkten, die daraufhin beliebig auf die Fähigkeiten verteilt werden können. Kleiner Negativpunkt: Bei der Beschreibung der Skills wird nicht angeführt, ob aktiv oder passiv – das muss der Spieler entweder selbst wissen oder erst herausfinden, was zu vergeudeten Punkte führen kann. Als nettes Feature erhält jeder der Charaktere nach Absolvierung seiner Sidequest zusätzliche Bonusfähigkeiten, die größtenteils stärker sind als die Basisfähigkeiten. Maximales Charakterlevel in Dark Alliance 2 ist 40 – dies lässt sich problemlos durch zweimaliges Durchzocken erreichen. Beim ersten Durchlauf kann durchaus bereits Level 30 erreicht werden. Leider hat das Hochleveln keine anderen Effekte als höhere Stats und mehr Skillpunkte, da alle Skills bereits ab Level 1 ausbaubar sind. Besonders effektive Fähigkeiten für High-Level-Charaktere wären ein netter Bonus gewesen.
Auch bei der Steuerung gibt es keine Überraschungen. Eine Taste zum Zuschlagen, eine, um Items aufzusammeln, eine zum Springen, und eine für Spezialangriffe. Mit den L2- und R2-Tasten wird ein Heiltrank konsumiert. Dazu gibt es lobenswerterweise die Möglichkeit, wichtige Attacken auf Shortcuts zu legen. Auf der negativen Seite lässt sich vermerken, dass keine lock-on Funktion existiert – dies führt dazu, dass man in vielen Situationen erst mal am Gegner vorbeischlägt (vor allem ein Problem im Fernkampf).
Der Reiz eines jeden Hack’n Slay-Titels liegt aber in den unzähligen verschiedenen Items, und hier ist auch Dark Alliance 2 keine Ausnahme. Vom schäbigen Kurzschwert bis zum makellosen Kriegshammer der Zerstörung – DA2 bietet alles, was das Abenteurerherz begehrt. Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie der eigene Charakter stufenweise stärker, und, nicht zu vergessen, optisch ansehnlicher wird – ein Barbar mit einem fetten Zweihänder und Ritterrüstung macht einfach mehr her als einer mit einem mickrigen Kurzschwert und Lederrüstung. In genau diese Kerbe schlägt auch die Werkstatt.
Die Werkstatt – doch eine Innovation Die Werkstatt (eine Option beim Händler) ist die einzige wirkliche Neuerung in Dark Alliance 2. Sie gibt dem Spieler die Möglichkeit, seine Items durch Hinzufügen von bestimmten Edelsteinen zu verbessern – natürlich zu einem gehörigen Preis. So erzeugt zum Beispiel das Einfügen von einem Topaz eine Waffe mit Blitzschaden. Man kann bis zu 16 Edelsteine eines Typs und 2 verschiedene Typen von Edelsteinen in ein Item einfügen. Auf diese Art und Weise können extrem mächtige Ausrüstungsgegenstände erschaffen werden. Einen Haken gibt es jedoch: den Preis. Ohne mehrmaliges Durchspielen wird man nie genug Gold besitzen, um eine der stärkeren Waffen zu erzeugen. Das steigert auf der einen Seite den Wiederspielwert, andererseits lässt sich das Spiel auch problemlos ohne selbst erzeugte Items durchspielen. Trotzdem stellt die Werkstatt ein gutes Argument dar, dass Spiel öfter durchzuzocken. Vor allem Itemfreaks werden sich wie im siebenten Himmel fühlen; weniger Interessierte sollten die Werkstatt als das sehen, was sie ist: eine Option, keine Notwendigkeit.
Motivation pur? Theoretisch besitzt Dark Alliance 2 einen sehr hohen Wiederspielwert. vier verschiedene Schwierigkeitsgrade, zwei freispielbare Charaktere, hunderte verschiedene Items, dazu noch die Werkstatt – genug, um den Spieler länger zu motivieren. Leider aber werden sich Einzelspieler durch das extrem lineare und repetitive Gameplay schnell langweilen. Es gäbe auch den Anreiz, das Spiel mit einem anderen Charakter durchzuzocken, da sich die Charaktere doch recht verschieden spielen – wäre da nicht die Tatsache, dass sich am Spiel selbst absolut nichts verändert. Ob mit dem Barbaren auf normal, oder mit dem Nekromanten auf extrem: das Spiel selbst bleibt gleich. Auch die (schwache) Story vermag nicht lange genug zu fesseln. Noch dazu herrscht keine wirkliche Abwechslung im Gegneraufkommen. Für einen großen Teil des Spiels bekämpft man Goblins, Orcs, und ihre Artgenossen. Goblins auf Wölfen sind nicht unbedingt das, was ich als Abwechslung bezeichnen würde. Auch das Design der Gegner ist zum Teil misslungen – rabiate Einrichtungsgegenstände wie Tische und Sessel bringen den Spieler eher zum Lachen als Angst zu verbreiten. Interessantere Kontrahenten wie Drachen, Mindflayer und Beholder sind eher die Ausnahme.
Wieso steht Diablo 2 nach Jahren noch immer so hoch im Kurs? Neben dem Sammelfaktor gibt es zwei Gründe: die Online-Community und die zufallsgenerierten Level. Dark Alliance 2 besitzt weder das eine noch das andere. Der fehlende Onlinemodus ist zu verzeihen, aber zufallsgenerierte Level hätten die Motivation doch um einiges gesteigert und wären deshalb durchaus wünschenswert gewesen.
Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Dark Alliance 2 ist zu leicht, vor allem im Zweispielermodus. Klar, der Schwierigkeitsgrad „extrem“ bietet Herausforderung genug – trotzdem sollte es nicht vorkommen, dass man das Spiel auf normal durchzocken kann, ohne ein einziges Mal den Game-Over Bildschirm zu sehen. Das simple Gameplay wird durch diese Tatsache noch viel deutlicher. Horden von Goblins ohne die geringste Gegenwehr niederzumetzeln erzeugt eher Langeweile als Motivation.
Das alles hört sich nun ziemlich negativ an, soll aber keinesfalls bedeuten, dass Dark Alliance 2 ein schlechtes Spiel wäre. Enttäuschend ist nur die Tatsache, dass keinerlei Versuche unternommen wurden, um die typischen Hack’n Slay-Probleme zu beheben. Von einem Sequel erwarte ich mir mehr als einen reinen Abklatsch des Vorgängers.
Mehrspieleraction! Kommen wir nun zum vermutlich besten Teil von Dark Alliance 2: dem Zweispielermodus. Wie bereits erwähnt, kann DA2 maximal zu zweit gespielt werden – das tut dem Spaß aber keinen Abbruch. Das lineare Gameplay wird zusammen mit einem Freund gleich um einiges unterhaltsamer; vor allem wenn einer zum wiederholten Male mit Volldampf in ein Loch rennt. Ein nettes Feature ist der gemeinsame Goldpool - egal wer das Gold einsammelt, es kommt in einen gemeinsamen Pool. Das erstickt Streitereien bereits im Keim. Als weiteres Plus für den Zweispielermodus lässt sich anmerken, dass einige der Charaktere hier deutlich besser spielbar sind. Vor allem die Klerikerin kann mit ihren defensiven Zaubern auch den Mitspieler unterstützen, wodurch zumindest etwas Strategie und Taktik ins Spiel kommt. Die vielen dadurch möglichen Kombinationen halten die Motivation um einiges länger hoch als im Solomodus. Barbar/Zwerg spielt sich ganz anders als zum Beispiel Mönch/Kleriker. Das problemlose Importieren eines anderswo gespeicherten Charakters ermöglicht es, auch alleine weiterzuspielen, wenn der Mitspieler mal keine Zeit haben sollte.
Seichte Story Die Story war noch nie das Prunkstück von Hack’n Slay-Titeln, und auch Dark Alliance 2 ist hier keine Ausnahme. Große Wendungen und Überraschungen sollte man im Storyverlauf nicht erwarten. Die Qualität der Dialoge bewegt sich auf B-Movie-Niveau (auch wenn die Sprachausgabe überzeugend ist). Zusätzliche tun sich logische Probleme auf, wie zum Beispiel: Wieso müssen ein paar dahergelaufene Abenteurer die Stadt retten? Sind die angeblich mächtigen Zauberer von Baldur’s Gate zu sehr mit Däumchendrehen beschäftigt? In einer der Missionen taucht ohne Vorwarnung und Erklärung plötzlich einer der berüchtigten Mindflayer auf – mehr Hintergrundinformationen wären hier durchaus angebracht gewesen. Darüberhinaus kann man als Spieler keinerlei Beziehung zu den Charakteren aufbauen – die NPCs besitzen allesamt keine interessanten Persönlichkeiten, und die Helden selber geben wie üblich keinen Mucks von sich. Es gibt meiner Meinung nach keinen ersichtlichen Grund, wieso ein Dark Alliance nicht eine ähnlich interessante Story wie ein Final Fantasy bieten kann.
Wie schon sein Vorgänger endet auch Dark Alliance 2 in einem Cliffhanger – ein dritter Teil bietet sich also förmlich an.
Grafik Das typische Sequelsyndrom. Dark Alliance 2 verwendet dieselbe Grafikengine wie sein Vorgänger. Vor drei Jahren sorgte diese Grafik noch für Erstaunen, heute befindet sie sich nur mehr im oberen Bereich. Technisch lässt sich nichts bemängeln, das Spiel läuft ohne Ruckler, auch das Aliasing bleibt auf akzeptablem Niveau. Trotzdem verstärkt die alte Grafikengine das Gefühl, dass es sich bei Dark Alliance 2 nur um einen Aufguss handelt. Die seltenen FMVs sind eher schwach geraten, spielen aber sowieso keine wirkliche Rolle.
Sound Nette Melodien, die sich allerdings zurückhalten und nur in unregelmäßigen Abständen zu hören sind. Einen Großteil des Spiels wird man ohne Hintergrundmusik verbringen – eigentlich unverständlich, da der Soundtrack an sich gut gelungen ist und der Atmosphäre zugute kommt. Die Hüpf- und Zuschlagsoundeffekte können auf Dauer nervig werden, da sie sich zu oft wiederholen. Die Sprachausgabe wurde sehr professionell verwirklicht (wenn auch nicht lippensynchron).
Spielspaß Solo Für Einzelspieler kann Dark Alliance 2 nicht uneingeschränkt empfohlen werden. Das Spiel bietet gegenüber dem Vorgänger nicht genug Neues, um auf Dauer zu motivieren. Zusätzlich ist die Spieldauer wieder recht kurz geraten – 10 bis maximal 15 Stunden wird der Spieler in Baldur’s Gate verbringen. Auch die Story vermag nicht zu fesseln – hier wäre weitaus mehr möglich gewesen. Deshalb Kaufempfehlung nur für Freunde von Hack’n Slays, die wissen, was sie erwartet, und für Fans des ersten Teils, die unbedingt die Story weiterverfolgen wollen (erwartet allerdings nicht zuviel).
Spielspaß Multi Der eindeutig stärkste Punkt von Dark Alliance 2. Ohne Zweispielermodus würde das Spiel im Mittelmaß versinken. Nicht viele Spiele bieten die Möglichkeit, kooperativ mit einem Freund zu zocken – und das, ohne online gegen zu müssen. Sicher kann negativ angemerkt werden, dass sich DA2 auf maximal zwei Spieler beschränkt; trotzdem ist der Mehrspielermodus ein Spielspaßgarant, und das auch längere Zeit, da es genug Charakterkombinationen gibt, die ausprobiert werden wollen. Außerdem kann das repetitive Gameplay im Mehrspielermodus eher in Kauf genommen werden (Bomberman, anyone?). Daumen hoch – und an alle Hersteller: Mehr Spiele mit Kooperativmodus!