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Viele Entwickler sind zuvor schon daran gescheitert, einer Film- oder Serienlizenz mithilfe eines Spieles virtuelles Leben einzuhauchen. Davon unbeeindruckt hat Acclaim jedoch das Vorhaben gewagt, und die erfolgreiche US-Fernsehserie Alias als Multiplattform-Spiel umgesetzt. Was dabei richtig gemacht wurde und wo noch einmal hätte nachgebessert werden müssen, erfahrt ihr im folgenden Master-Review. Kurz darauf beginnt der erste Auftrag namens „Operation Casino“, in dem die schöne Agentin ein Casino infiltrieren und wichtige Informationen beschaffen muss. Dazu präsentiert sich das Geschehen aus der 3rd-Person-Perspektive, wobei Syd mit dem rechten Analogstick bewegt wird und die Kamera mit dem linken nachjustiert werden kann. Verliert man das Geschehen mal aus den Augen, kann diese mit der R2-Taste zurück gesetzt werden. Leider sind wir hier auch schon beim ersten Problem im Spiel: Besonders in engen Räumen sorgt die Kamera oft für Verwirrung und man sieht nicht unbedingt das, worauf es ankommt. Um ohne aufzufallen ins Casino eindringen zu können, behilft sich Sydney dazu wie in der Fernsehserie eines sogenannten „Alias“, einer Verkleidung, die ihr den ungehinderten Zutritt ermöglicht – was in diesem Fall ein knappes Kellnerinnen-Outfit ist. Da sich hier natürlich Ausrüstung sehr schwer verstecken lässt, muss sich die Agentin zuerst mit ihrem Verbindungsmann Dixon treffen, der ihr unter anderem ein Ortungs-Serum überreicht. Um dem Outfit auch gerecht zu werden, muss sie dieses in einen Drink schütten und einer wichtigen Person servieren. Kaum durchgeführt gilt es auch schon, das nächste Ziel zu erfüllen: eine wichtige Disc finden. Dazu muss sich die Schöne aber erst einmal ihres Minirocks entledigen und gegen einen Kampfanzug tauschen. Der obigen Absatz beschreibt nur einen kleinen Teil der ersten Mission und zeigt ganz gut, wie vielfältig die zu erledigenden Aufgaben im Spiel sind. Um stets im Bilde zu bleiben, sorgen Vaughn & Co per Videoeinblendung am unteren Bildschirmrand dafür, dass Sydney weiß, was als nächstes zu tun ist. Dadurch wird teilweise auch die Story voran getrieben, da man hier wichtige Wendungen und Ereignisse mitbekommt. Praktischerweise wird es auch angezeigt, wenn ein Auftrag erfüllt wurde und zum nächsten Ziel übergegangen werden kann. Um nicht ganz im Dunkeln zu tappen, wird entweder auf der Karte verdeutlicht, wo es als nächstes hin geht, oder am oberen Bildschirmrand eine Art Radar eingeblendet, der mithilfe von Pfeilen den Weg weist. Leider kommt es jedoch zwischenzeitlich vor, dass man nicht genau weiß, was nun als nächstes ansteht und sich so ein wenig alleine gelassen fühlt. Oft kommt der Spieler so nur durch ein wenig herumprobieren wieder auf den richtigen Weg – was manchmal schneller geht, manchmal aber auch für Frust sorgen kann. Am öftesten kommen hier Modem und Dietrich zum Einsatz. Ersteres wird dazu verwendet, um sich in Computer und Sicherheitssysteme zu hacken und an wichtige Informationen zu gelangen. Dazu musst zuerst jedes Mal ein simples Rätsel gelöst werden, bei dem es gilt, eine zufällige Buchstabenfolge von A bis D herauszufinden. Der zweite, meistverwendetste Gegenstand ist der Dietrich. Die Anwendung ist hier ähnlich wie in Splinter Cell: Man sieht den Türzylinder und eine bestimmte Anzahl an Schließstiften vor sich, die man der Reihe nach abarbeitet. Das Vibrieren des Gamepads hilft dem Spieler dabei, den richtigen Zeitpunkt für einen Druck auf „X“ zu finden. Daneben gibt es noch andere Geräte wie die Minikamera, mit der man Beweisfotos schießt, ein sogenanntes Schneidprisma, das einem das Anzapfen eines Kamerasignals ermöglicht oder aber auch den Code-Entschlüssler zum Knacken von Zugangscodes. Besonders hervorzuheben ist noch die Kühlpistole, die kleine Eisklumpen verschießt und so Laser-Sensoren oder Kameras kurzzeitig außer Gefecht setzen, sodass Sydney Bristow sie ungehindert passieren kann. Letztere kann man zwar meist auch zerschießen, doch gelegentlich sind diese mit einem Geschütz verbunden, das daraufhin wild zu feuern beginnt. Um die Sache für Sydney weiter zu erleichtern, ist sie von Haus aus mit zwei verschiedenen Sichtverbesserungen ausgestattet. Das wäre zum einen die Thermalsicht, die Wärmequellen, also auch Gegner in verschiedenen Farbabstufungen darstellt und zum anderen eine Art Gegner-Erfassungs-Sicht, die euch anzeigt, wo und wie aufmerksam Gegner sind. Ebenso vielfältig wie die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel sind auch die zu erfüllenden Missionen. Diese reichen vom simplen Verfolgen von Personen, über das Einschleichen in eine Basis bis hin zur Beschaffung wichtiger Informationen. Dabei bereist man verschiedene Schauplätze wie ein Museum, eine Anstalt oder ein Anwesen, die über die ganze Weltkugel verstreut sind. Komischerweise gibt noch einen weiteren Weg, um seinen Angreifern zu entkommen: Die Beine in die Hand nehmen und laufen was das Zeug hält. Dies ist zwar nicht unbedingt im Sinne des Spieles, doch mindestens genau so effektiv wie oben genannte Methoden und erspart dem Spieler oft unnötigen Ärger. Erleichternd kommt hinzu, dass Feinde einen entweder gar nicht verfolgen oder sich schlicht und einfach durch eine geschlossene Tür von der Verfolgung abhalten lassen. Generell zählen die Widersacher nicht unbedingt zu der besonders furchteinflößenden Sorte und werden erst in der Gruppe stark oder wenn sie eine Schusswaffe in der Hand halten. Geschickt wie Sydney aber nun mal ist, genügt eine einfache Tastenkombination und schon steht der Gegner ohne Gewehr und mit verringerter Gesundheit da. Dieses Manöver funktioniert erstaunlich gut und kann einen aussichtslos scheinenden Kampf oft zum Guten wenden. Auch sonst weiß sich die athletische Agentin durchaus zu wehren und hat ein großes Repertoire an verschiedenen Angriffen. Dazu bedient man sich als Spieler der Kreuz- (Angriff) und der Vierecks-Taste (Spezialangriff). Auch Kombinationen davon sind möglich, um besonders starke Attacken vom Stapel zu lassen. Ein Kreis um den Kontrahenten zeigt dabei an, wie es um seine Gesundheit bestellt ist. Unter bestimmten Voraussetzungen wird hier auch durch ein Symbol veranschaulicht, wann man mithilfe der Vierecks-Taste einen besonders starken Spezialangriff auslösen kann. So schön das in der Theorie jedoch alles klingt, so „gewöhnlich“ wurde das Ganze umgesetzt. Ohne auch nur irgendeine Kombination zu kennen oder gezielt die Tasten zu betätigen ist es oft ein leichtes, die Gegner außer Gefecht zu setzen. Es wird einem zwar vorgegaukelt, man würde gerade einen besonders spannenden Kampf bestreiten, doch in Wirklichkeit drückt man wahllos auf die beiden Angriffstasten. Leider werden die Kämpfe im Beisein von mehreren Gegnern auch zunehmend hektischer und unübersichtlicher – und somit auch unnötig schwer. Es bleibt dem Spieler oft nur übrig, die Gegner in der vom Spiel gewählten Reihenfolge zu bekämpfen, anstatt selbstständig wählen zu dürfen, wen man als nächstes fertig macht. Besonders schlimm wird es, wenn Sydney eine Schusswaffe in der Hand hält, da sie meistens einfach nicht von einem bestimmten Feind zu lösen ist. Wenn man sich z.B. die Kämpfe in Buffy the Vampire Slayer auf der Xbox ansieht, weiß man, wie viel mehr die Entwickler daraus hätte machen können. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad im nahezu gesamten Spielverlauf moderat und nicht zu hoch angesetzt ist, zieht er in der letzten Operation derart an, dass der gereizte Spieler zwischendurch das Gamepad in die Ecke und die PS2 gleich mit dazu schmeißen möchte. Hinzu kommt, dass auch die an sich sehr fair verteilten Speicherpunkte auf einmal so weit von einander platziert sind, dass man einige Stellen des Öfteren ungewollt zu Gesicht bekommen wird. Warum dieser Weg zum Ende hin gewählt wurde, ist mir unklar – vor allem, da das Spiel ansonsten in dieser Beziehung alles richtig macht. Vielleicht wird dadurch versucht, die Spielzeit ein wenig in die Länge zu ziehen, die sich so um die 15 Stunden bewegen wird. Ein weiterer Negativpunkt in diesem Zusammenhang sind die elendslangen Speicher- und Ladezeiten. Auch muss innerhalb der Missionen von Zeit zu Zeit nachgeladen werden, was dem Spielfluss nicht unbedingt zuträglich ist. Ansonsten wurde noch einiges aus der PS2 herausgeholt und alle Texturen wirken sehr scharf und sind nur selten verwaschen. Auch der Einsatz von Echtzeit-Schatten und nette Spiegelungen auf einigen Oberflächen werten die Qualität der Grafik auf. Leider war es den Entwicklern nicht möglich, die Dialoge lippensynchron ablaufen zu lassen und auch Raumklang sucht man trotz Dolby Pro Logic 2 Logo auf der Verpackung vergeblich. Seid ihr jedoch nicht vorbelastet, offenbaren sich schnell die Schwächen und die Mittelmäßigkeit des Spieles, über die Anhänger leicht hinweg sehen können: oftmalige Planlosigkeit, unspektakuläre Kämpfe und leicht austauschbares Szenario. Sicher wird der Spieler auch so Freude an Alias haben, diese wird aber nie das Maß erreichen, das Fans empfinden werden.
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