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Master-Review:   » drucken    » versenden

Sonic Heroes

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 26.02.2004
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Ein Wunder wird wahr - Segas langjähriges Maskottchen spurtet erstmals auf allen drei Konsolen. Trotz Neuerungen im Gameplay und altbewährtem Spielprinzip belastet eine nicht übersehbare Portion Sand das bislang exzellent blau geschmierte Getriebe.

Spielernaturen der etwas älteren Generation können sich sicherlich noch gut an mittlerweile längst vergangene Abenteuer des blauen Igels zurückerinnern. Wie kaum ein anderer Protagonist eines Videospiels vereinte der mit roten Sprintschuhen ausgestattete Igel rasante Geschwindigkeit und feinste Jump’n Run Kost. Zu einer Zeit als noch 16-Bit-Sprites und sogenannte dreidimensionale Fake-Grafiken den Bildschirm beherrschten, war genau dieser markante und wiedererkennbare Charakter mit einer Reihe an ausschließlich exklusiven Sega-Konsolentiteln eines der Vorzeigeobjekte im umkämpften Videospielmarkt. Ende der neunziger Jahre wandelte sich das meist horizontal abspielende Bild durch die leistungsfähige Hardwareleistung der Dreamcast komplett in waschechte 3D-Darstellung um. Mit Sonic Adventure auf Sega’s vergangener „Überkonsole“ gelang den Entwicklern, dem Sonic Team, ein gewaltiger Sprung im Bereich der Plattform-Titel nach vorne. Auch der stilvolle Nachfolger Sonic Adventure 2 wusste zu überzeugen. Dennoch gelang es dem erfolgreichen Studio nicht den weltweiten Untergang des weißen Traums zu stoppen. Nun, wenige Jahre danach, versucht der einst so eigenständige Konsolenhersteller Sega auf einem durchaus interessanten Weg, jedem Besitzer einer aktuellen NextGen-Konsole den Zugang zu rasanter, gekonnter und bewährter Igel-Action zu ermöglichen. Ob der neueste Teil des lauffreudigen Igels mit dem Namen Sonic Heroes an alte Erfolgszeiten anknüpft oder sich nur als lascher Aufguss entpuppt, erfahrt ihr im nun folgenden Master-Review zur mittlerweile erhältlichen Xbox-Version.

Helden braucht das Land
Es gibt Spielmöglichkeiten innerhalb einer Serie, die im Laufe der Zeit variieren. Allerdings existieren besitzergreifende Bösewichte, die sich anscheinend nie ändern werden. Denn niemand geringeres als Oberbösewicht und Erfinderkönig Dr. Robotnik macht dem immer noch sehr jung gebliebenden Sonic das Leben schwer. Ausgestattet mit einer riesigen Armee an böswilligen Robotern versucht Dr. Eggman einmal mehr die Welt zu seinen Gunsten zu verändern, um schlussendlich die Herrschaft über alles Leben auf dem Planeten an sich zu reißen. Da liegt es nahe, dass der blaue Igel dies zu unterbinden versucht. Bereits in der Vorgeschichte, die dem Spieler durch ein grafisch eindruckvolles Intro präsentiert wird, erkennt das aufmerksame Auge schnell, dass sich der neueste Teil der Serie in Sachen Gameplay deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Demnach schlüpft der Spieler nicht mehr in die Rolle eines einzelnen Charakters, sondern übernimmt in einem Schwung die Steuerung von gleich drei Helden. Dabei ist dem Spieler selbst überlassen, für welche der vier zur Verfügung stehenden Gruppen er sich im Endeffekt entscheidet. Zur Auswahl stehen grundlegend allseits bekannte Helden aus der mittlerweile großen Sonic-Familie. Denn neben dem Team Sonic, das aus den wohl bekanntesten Helden Sonic, Tails und Knuckles besteht, kann sich der auswahlwillige Spieler zusätzlich zwischen den Gruppierungen Team Dark, Team Rose und Team Chaotix entscheiden. Dabei sei gleich vorab erwähnt, dass die Attribute Fliegen, Schnelligkeit und Kraft – dies verkörpern nämlich die einzelnen Mitglieder innerhalb der Teams – auf jede der vier Gruppen absolut identisch verteilt wurden. Bevor es jedoch Igel-typisch über Stock und Stein innerhalb der vielfältigen Stages geht, kann der Spieler in einer Art Grundmenü zwischen dem grundlegenden Einspieler-Modus, einem zusätzlichen Zweispieler-Modus, dem Bereich für gesammelte Extras und den gewohnten Optionen bequem auswählen.

Im Sturzflug ins Abenteuer
Besonders Naturen, die bereits den ersten oder zweiten Teil von Sonic Adventure ausgiebig gespielt haben, werden sich ohne langwierige Einarbeitung bestens zurechtfinden. In gewohnter Blitz-Manier geht es nämlich anfänglich in einer waschechten 3D-Kopie der Green Hill Zone aus dem ersten Mega Drive-Teil Sonic the Hedgehog in rasanter Geschwindigkeit über alte Brücken, riesige Absprünge, durch langgezogene Stein-Loopings oder breite Landpassagen. Aber auch in späteren Levels mit ihren zahlreichen Sprungfedern, riesigen Kanonen, blitzschnellen Grindpassagen oder Endbossen beweist der neueste Titel des lauffreudigen Igels ein durchdachtes Spielkonzept, wobei die Entwickler in häufigen Fällen jedoch auf altbewährte Arealelemente zurückgegriffen haben. Darüber hinaus hinterlässt besonders das neue Spielprinzip mit seinen drei Charakteren einen bestens abgestimmten und spielerfreundlichen Eindruck. Demnach bestimmt der Spieler mittels Knopfdruck einen der drei Helden, um das ernannte Team erfolgreich an böswilligen und angriffslustigen Robotern der Marke Dr. Robotnik vorbeizuführen. Darausfolgend fällt bereits zu Beginn das auf die Attribute der Helden abgestimmte Leveldesign ins Auge. Denn sobald das Weiterkommen innerhalb der Levels durch massive Blöcke, dicke Steine oder hohe Gebilde versperrt wird, ist der Charakterwechsel unvermeidlich, um den zugrundeliegenden Levelabschnitt erfolgreich zu meistern. So zerstört beispielsweise Knuckles mit seinen kräftigen Fäusten auch die massivsten Steine oder größten Blöcke vor der Nase des Teams. Der kleine Fuchs Tails hingegen erreicht durch seine ausgeprägten Flugfähigkeiten auch die höchsten Felsvorsprünge oder überwindet die längsten Gräben. Auch in Sachen Kampfkunst weiß jedes Teammitglied die vorkommenden Gegner individuell und teilweise sehr eindrucksvoll auszuschalten. Demnach erweist sich der schon in den Vorgängern bewährte Sonic-Dash des immer noch jungendlichen Igels und die durchsetzungsstarken Fäuste des überaus abgeklärt und energisch wirkenden Knuckles als effizientes Angriffsmittel. Da jedoch haufenweise Roboterscharen dem Spieler das Leben schwer machen, bietet sich die Ausübung des völlig neuen Spezialangriffs an. Dieser steht dem hüpffreudigen Team nach einer bestimmten Anzahl an eingesammelten Ringen jederzeit zur Verfügung. Getreu dem Motto: „zusammen sind wir stark“ lassen sich damit auch die härtesten gepanzerten Feinde wie staubtrockene Erdnüsse zerbröseln. Gegner gibt es wie auch in allen bisherigen Sonic-Teilen massenweise und in allen denkbaren Variationen. Neben fliegenden oder laufenden Metallgegnern macht der Spieler, des öfteren auch recht unfreiwillig, mit anderweitigen Kreaturen entweder zu Land, zu Wasser oder zu Luft Bekanntschaft. Durch eine Art eingeblendete „Denkblase“ mit variierenden Symbolen über den Köpfen der Kreaturen, kann man sich zu jedem Zeitpunkt des Kampfes über das gegnerische Befinden informieren. Für reichlich Extras ist auch im neuesten Teil des wieselflinken Igels gesorgt. So finden sich fast an jeder Ecke überlebenswichtigen Ringe und die bekannten Bonustresore mit vielfältigen Zugaben wie kurzzeitigen Sprintschuhen, wichtigen Extraleben oder befristeter Unverwundbarkeit. Letztere eignet sich dabei perfekt zum befreiten Durchstolzieren von Abschnitt zu Abschnitt. Doch damit sind wir schon an einem der weniger positiven Punkte angekommen. Denn sobald das ablaufende Spiel durch die Vielzahl an Loopings, langgezogenen und fast Rennspiel-ähnlichen Pisten rasanter wird, ist äußerste Vorsicht geboten. Komischerweise hat sich das Entwicklerteam die alten Kritikpunkte aus Sonic Adventure nicht zu Herzen genommen. So kann die leider nicht komplett ausgereifte Kamera den Spieler aufgrund vieler unfreiwilliger Todesstürze in den Abgrund viele Nerven und Lebenseinheiten kosten. Zur vermurksten Kameraführung gesellen sich obendrein die noch immer recht nutzlose Ego-Perspektive, die dem Spieler im Verlauf absolut keinen Nutzen bringt, und eine Gegner-KI, welche nicht weniger harmlos ausfallen könnte. Drückt der erstaunte Spieler innerhalb der Levels noch bei der großen Vielzahl an nicht angriffswilligen und äußerst unbeschwert ausschaltbaren Gegneransammlungen ein Auge zu, hört der Spaß beim Antreffen der Endbossen am Ende einer jeden Doppel-Stage dann endgültig auf. Denn die Definition Endgegner haben die Entwickler durch haufenweise völlig harmlose und leicht ausschaltbare Bosse scheinbar völlig missverstanden. So entpuppt sich die misslungene Kamera mit ihren zahlreichen Zufallstoden als eindeutig größter Feind innerhalb des Spielverlaufs.


Grafik
Im Allgemeinen kann die technische Seite von Sonic Heroes überzeugen, denn innerhalb der abwechslungsreichen Levels wird das Bild von einer sehr farbenfrohen und ansprechenden Optik bestimmt. Besonders positiv fällt dabei sowohl die exzellente Weitsicht als auch die detailverliebten Landschaften mit streckenweise feinen Wasser-, Lensflare- und Explosionseffekten ins Auge. Zudem haben sich das Charakterdesign, die Darstellung der verschiedenartigen Gegner und die riesigen Endbosse im Vergleich zum Vorgänger stark verbessert. Trotzdem trüben oftmals flackernde Texturen, eintretende Ruckelpassagen und haarsträubende Clipping-Fehler den Gesamteindruck. Somit hat sich die Grafik-Engine im direkten Vergleich zu Sonic Adventure leider nur vereinzelt und damit nur geringfügig statt vollkommen grundlegend verändert.

Sound
In soundtechnischer Hinsicht wird dem lauschenden Ohr recht ausgewogene Kost geboten. Der Soundtrack präsentiert sich in gänzlich Sonic-typischer Art und überzeugt durch große Titelvielfalt. Demnach werden sich alle Igel-Begeisterten im Hinblick auf die vorhandenen Melodien sofort richtig heimisch und sichtlich wohl fühlen. Auch die Sound-FX können durch jederzeit übereinstimmende und hörenswerte Qualität überzeugen. Einzig und alleine die kurzen Statements einiger Teammitglieder werden im Laufe der Zeit und besonders im Mehrspieler-Modus schnell monoton und teilweise sogar richtig nervtötend. Bis auf diese Kleinigkeit haben sich die Entwickler hier dennoch große Mühe gegeben.

Spielspaß Solo
Besonders durch das neu entwickelte Teamfeature und die große Anzahl an Charakteren bzw. Teams kann Sonic Hereos zumindest anfänglich enorm beim Spieler punkten. Somit steigt die eigene Motivationskurve durch die variierende Vorgehensweise der insgesamt drei Teammitglieder relativ schnell nach oben. Doch spätestens sobald die ersten unfreiwilligen und nicht verständlichen Abfahrten in die riesigen Abgründe eintreten, wandelt sich die Stimmung komplett um 180 Grad komplett und lässt häufige Frustmomente sogar bei innigsten Igel-Fans aufkommen. Selbst die gewohnten Stilelemente, welche sehr an die vergangenen 16 Bit-Abenteuer erinnern, können die teilweise gravierenden Macken nicht völlig bereinigen.

Spielspaß Multi
Ebenfalls recht missmutig stimmt der ausschließlich für zwei Spieler zur Verfügung stehende Multiplayer-Modus des Titels. Denn neben einem reinen Grüppchenlauf gegen einen herunterzählenden Timer durch bereits bekannte Stages aus dem Einzelspieler-Modus und einer deutlich unübersichtlichen Beat’em Up-Möglichkeit, ergibt die Auswahl ein zwar kurzzeitig spaßbringendes, aber dennoch äußerst kurzweiliges Multi-Gehüpfe im Splitscreen.
Pro
Große Charaktervielfalt
Eindrucksvolle Weitsicht
Ansprechendes Gameplay
Igel-typische Präsentation
Erster Sonic-Titel auf allen Konsolen
Contra
Nur altbewährtes Leveldesign
Veraltete Hintergrundgeschichte
Teilweise monotones Spielprinzip
Grafische Leistung nicht auf Höhe der Zeit
Fazit
Nach großer Vorfreude folgte bei mir klare Ernüchterung. Zwar konnte mich das neue Gameplay auf der ganzen Linie überzeugen und erlöste die auf bislang ausschließlich einen Charakter zugeschnittenen Möglichkeiten nun gekonnt ab. Auch erfreute ich mich auf den ersten Blick an der gleichgebliebenen und daher bekannten Erscheinung des Titels. Doch trotz dieser erfrischenden Brise im Gameplay und den altbewährten Elementen blieb der neueste Igel-Auftritt in punkto Thematik, Spielvariationen und Leveldesign deutlich hinter meinen eigenen Erwartungen zurück. Abgesehen vom mittlerweile recht abgenutzten Spielprinzip lässt vor allen Dingen die technische Seite oftmals einiges zu wünschen übrig. Besonders die unausgewogene Kameraperspektive und die teilweise saftigen Clipping-Fehler lassen nur noch schwer Parallelen zu vergangenen Highlights ziehen. Darausfolgend werde ich die Vermutung nicht los, dass sich das Sonic Team entweder wenig angestrengt hat oder unter immensen Zeitdruck gestanden hat. Somit sind die einst so herausragenden Zeiten des blauen Maskottchens leider nur noch trostlose Vergangenheit, denn Sonic Heroes ist nichts weiter als ein durchschnittliches Jump’n Run geworden.
Infos
Erhältlich für
Genre
Jump'n'Run
Publisher
Atari
Entwickler
Sonic Team
Website
www.atari.de/pr...
Release
06. Februar 2004
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